Tatort: Scheinwelten

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Folge der Reihe Tatort
OriginaltitelScheinwelten
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Produktions-
unternehmen
WDR
Länge88 Minuten
EinordnungFolge 857 (Liste)
Erstausstrahlung1. Januar 2013 auf Das Erste
Stab
RegieAndreas Herzog
DrehbuchJohannes Rotter
ProduktionSonja Goslicki
MusikMartin Tingvall,
Michael Klaukien,
Andreas Lonardoni
KameraRalf Noack
SchnittGerald Slovak
Besetzung

Scheinwelten ist ein Fernsehfilm aus der Kriminalreihe Tatort. Der vom WDR unter der Regie von Andreas Herzog produzierte Film wurde am 1. Januar 2013 im Ersten Programm der ARD ausgestrahlt. Es ist der 56. Fall des Kölner Ermittler-Teams Ballauf und Schenk und die 857. Tatortfolge.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk werden zu einem Mordfall gerufen, der sich in der Nachbarschaft ihres zuständigen Staatsanwalts Wolfgang von Prinz ereignet hat. Ingo Broich, Geschäftsführer einer großen Reinigungsfirma, wurde in seiner Wohnung erstochen und, da er dort nur mit seinen beiden Katzen wohnte, erst nach über sechs Tagen gefunden. Die Ermittler können keinerlei Einbruchsspuren feststellen, und der Tresor ist unberührt. Das Messer, mit dem Broich erstochen wurde, stammt aus seiner eigenen Küche.

Ballauf und Schenk suchen den Vater des Opfers auf, der sich in einem Krankenhaus befindet. Seit einem Schlaganfall musste er die Firmenleitung an seinen Sohn übertragen, zu dem er eigentlich nicht das beste Verhältnis hat. Während sie Broich senior befragen, erscheint Beate von Prinz. Sie vertritt als Rechtsanwältin die Interessen ihres ehemaligen Nachbarn, und den Ermittlern erscheint das Verhältnis der beiden zueinander auffallend vertraut.

Ein Besuch in dem Putzimperium der Broichs bringt zutage, dass dort zahlreiche ausländische Arbeiterinnen beschäftigt sind. Ballauf und Schenk versuchen die Putzhilfe ausfindig zu machen, die bei dem Opfer privat beschäftigt war. Dabei stoßen sie auf die ukrainische Studentin Irina Imschikowa. Sie wirkt sehr verschlossen, gibt dann aber zu, in Broichs Haus gewesen zu sein. Sie hat ihren Chef dort tot am Boden gesehen und ist erschrocken davongelaufen. Sie weiß, dass Ingo Broich ein leidenschaftlicher Pokerspieler war. So befragen die Kommissare Norbert Schnelker, der ihnen die Adresse der „Pokergarage“ verrät, in der sie sich regelmäßig trafen.

Bei der Überprüfung von Jakob Broichs Kontobewegungen stoßen die Ermittler auf die Überweisung eines mittleren sechsstelligen Betrages an Beate von Prinz. Offensichtlich handelt es sich dabei um eine Schenkung, was ihnen den vertrauten Umgang erklärt. Von Prinz stellt daraufhin seine Frau zur Rede, und sie erklärt, dass dies ihr Honorar dafür wäre, dass sie einem alten Mann etwas helfen würde, der sonst niemanden mehr hätte. Bei einer Befragung gibt sie an, dass sie Jacob Broich auch dabei berät, sein Vermögen vor seinem verschwenderischen Sohn zu sichern. So war vorgesehen, eine Stiftung einzurichten, in die die Gewinne der Firma fließen sollten. Sie möglicherweise für eine Mörderin zu halten, ist nach ihrer Meinung absurd. Da von Prinz an der Aufklärung der Umstände interessiert ist, inwieweit seine Frau in die Angelegenheit um die Broichs verstrickt ist, durchsucht er ihre Unterlagen. Als Beate von Prinz das bemerkt, geraten beide in Streit, und er gibt seine Verantwortlichkeit in dem Mordfall an einen Kollegen weiter.

Eine Spur führt zu Frank Götze und seiner Frau Adjoa, die in Broichs Putzfirma beschäftigt ist. Götze ist strafrechtlich bekannt, und möglicherweise handelte es sich bei den beiden um eine Scheinehe, die Ingo Broich eingefädelt hatte und sogar Trauzeuge war. Adjoa gibt an, dass Broich ihr nur helfen wollte, in Deutschland bleiben zu können, weil er ein netter Mann gewesen wäre. Für Ballauf und Schenk ist offensichtlich, dass Ingo Broich sich über die Vermittlung von Scheinehen Geld für seine Pokerrunden verschafft hat. Seltsamerweise arbeitet Adjoa in dem Krankenhaus, in welchem derzeit Jacob Broich behandelt wird. Ballauf fragt bei Adjoa nach, und sie gibt an, dass Ingo wollte, dass sie dort putzt und ihn darüber informiert, wer bei seinem Vater ein und aus gehen würde. Von ihr hätte er auch von der Stiftung erfahren.

Nach dem Fund eines Trinkglases mit DNA-Spuren von Beate von Prinz in der Spülmaschine von Ingo Broich erwirken die Ermittler einen Haftbefehl gegen sie. Offensichtlich hat sie über ihre Befugnisse hinaus Broichs Vermögen für Immobilien und teure Autos ausgegeben. Ingo könnte dahintergekommen sein, doch leugnet sie, ihn umgebracht zu haben. Stutzig werden die Kommissare, als an Broichs Hausschlüssel Silikonspuren gefunden werden, was darauf hindeutet, dass der Schlüssel kopiert wurde. Beate von Prinz hatte einen eigenen Schlüssel und die Putzhilfe auch. So stellt sich am Ende heraus, dass Adjoa von Ingo Broich erpresst wurde. Er wusste, dass sie in Ghana noch verheiratet ist, und er wäre in der Lage gewesen, ihre in Deutschland geschlossene Ehe annullieren zu lassen. Aus Angst, dass sie zurück in ihre Heimat müsste, ist ihr Mann in Broichs Wohnung eingebrochen. Er wollte die Beweise, die dieser gegen seine Frau gesammelt hatte, holen. Broich hat ihn dabei ertappt und im Streit hat Frank Götze zugestochen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scheinwelten wurde von Colonia Media im Auftrag des WDR produziert. Die Dreharbeiten erfolgten in Köln und Umgebung.[1][2] Der Drehbuchautor Johannes Rotter übernahm in diesem Film die Rolle des Kriminaltechnikers. Der Titelsong Heart shaped gun wurde von Schmidt & Robin Grubert gesungen.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei seiner Erstausstrahlung am 1. Januar 2013 wurde die Folge Scheinwelten in Deutschland von 8,86 Millionen Zuschauern gesehen, was einem Marktanteil von 23,70 Prozent entsprach.[1]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rainer Tittelbach von tittelbach.tv wertet: „Einen etwas anderen Look, eine moderne Bildsprache, aber auch ein Spiel mit ungewohnten Perspektiven zeichnet Andreas Herzogs ‚Scheinwelten‘, den 56. Köln-‚Tatort‘ aus. Das beginnt beim Buch von Johannes Rotter: der sonst eher blasse Staatsanwalt gerät in einen Gewissenkonflikt und existenzbedrohend in die Bredouille. Seine extravagante Frau ist in einen Mordfall verstrickt. Jeanette Hain spielt diesen boshaft arroganten Charakter mit ihrem typischen Hang zur Entrücktheit. Auch die B- & C-Plots haben wie die meisten Nebenfiguren ihren Reiz: es sind Illegale, Zocker, Gestrauchelte, die um jeden Preis überleben wollen...“[3]

Holger Gertz (Sueddeutsche.de) meint: „Wenn in einem deutschen Kriminalfilm eine Frau sehr auffällig über den Rand ihrer dunklen Sonnenbrille schaut, ist das immer ein belastbares Zeichen dafür, dass diese Frau verstrickt ist in das Verbrechen. […] Die Episode sammelt abgestandene Begriffe und abgestandene Blicke. […] Das Berührendste an diesem ‚Tatort‘ ist eine frühe Sequenz mit zwei Katzen. Regisseur Herzog hat früher Werbeclips gemacht, er weiß, wie man das Publikum lockt. Und was erst wie eine Whiskas-Reklame aussieht, erweist sich als verzweifelte Botschaft aus der Todeszone.“[4]

Sandra Zistl bei Focus online urteilt: „So kann sich neben der Story rund um eine schillernde Anwältin, die mit ihren Outfits und ihrem Lebenswandel besser nach München gepasst hätte, noch der gesellschaftskritische Ansatz des ‚Tatort‘ ausbreiten. Er wird eigentlich nur korrumpiert vom Versuch, die Problematik illegal beschäftigter Putzfrauen auch noch ins Leben eines der Ermittler, Schenk, zu hieven und ein paar Gags darauf aufzubauen.“[5]

Bei bz-berlin.de kommt man zu dem Schluss „Spannend war der Neujahrs-Tatort nicht gerade. […] Visuell konnte ‚Scheinwelten‘ jedoch überzeugen. Kühle Bilder unterstrichen die Lieblosigkeit der Ehe von Staatsanwalt von Prinz. Regisseur Andreas Herzog, der ursprünglich aus der Werbefilm-Branche kommt, versteht sein Handwerk. Auch die musikalische Untermalung war gelungen.“[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Drehort und Einschaltquote bei fundus.de, abgerufen am 10. Oktober 2014.
  2. Drehort bei Internet Movie Database, abgerufen am 10. Oktober 2014.
  3. Rainer Tittelbach: Filmkritik bei tittelbach.tv, abgerufen 11. Oktober 2014.
  4. Holger Gertz: Floskelsatt und abgestanden bei sueddeutsche.de, abgerufen 11. Oktober 2014.
  5. Sandra Zistl: Köln kann auch Schickimicki bei focus.de, abgerufen am 11. Oktober 2014.
  6. TV-Kritik Kölner Tatort: Eheszenen als Krimi bei bz-berlin.de, abgerufen am 11. Oktober 2014.