Tatra 163 Jamal

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Tatra
Brno, Autotec, Nákladní automobil Tatra Jamal.jpg
163 Jamal
Hersteller: Tatra (Unternehmen)
Produktionszeitraum: 1999–2015
Vorgängermodell: Tatra 148
Nachfolgemodell: keines
Technische Daten
Bauformen: Muldenkipper
Motoren: V8-Diesel, luftgekühlt
zul. Gesamtgewicht: bis 40 t

Jamal 163 war ein schwerer Lastkraftwagen der tschechischen Marke Tatra, der von 1999 bis 2015 produziert wurde. Er war insbesondere für den Einsatz in schwierigem Gelände konzipiert. Für den Transport über öffentliche Straßen wurden spezielle Bauarten mit verminderter Nutzlast entwickelt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tatra Jamal steht in der Tradition schwerer, geländegängiger Tatra-Nutzfahrzeuge: Hierzu gehören der Tatra 111, der nach dem Zweiten Weltkrieg eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau Osteuropas spielte und der Tatra 148, dessen Produktion 1982 eingestellt wurde. Danach wurden von Tatra bis Mitte der 1990er-Jahre nur noch Lastwagen in Frontlenker-Ausführung gebaut.

Einer der Auslöser für die Entwicklung des Jamal 163 war unter anderem der Wunsch russischer Kunden aus der sibirischen Arktis nach einem geländegängigen Langhauben-Muldenkipper mit luftgekühltem Motor. Solche Motoren, wie sie von Tatra seit langem gebaut werden, bieten Vorteile gegenüber wassergekühlten: Hierzu gehören die einfachere Bauweise sowie eine höhere Betriebssicherheit insbesondere bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts.

Die Nachfrage nach einem Haubenfahrzeug ergab sich aus der – gegenüber Frontlenkern – besseren Zugänglichkeit des Motors bei Reparatur- und Wartungsarbeiten. Zugleich bietet dieses einen besseren Schutz der Fahrer gegen äußere Einflüsse. Hauptgrund für den Kundenbedarf nach dieser Bauart war jedoch der Wunsch, dass der Fahrer sich bei möglichen Reparaturen bei arktischen Temperaturen in der Kabine (die eine motorunabhängige Heizung aufweist) aufwärmen kann (Bei Frontlenkern muss die Kabine bei Zugriffen auf den Motor gekippt werden).[1]

Zwischen 1995 und 1998 wurde eine Vielzahl von Prototypen hergestellt. [2] Dabei erwiesen sich vor allem die extremen Temperaturen Sibiriens im Winter sowie der Transport schwerer Lasten durch tiefen Morast in den Übergangsmonaten als besondere Herausforderung. 1997 wurde ein Prototyp in einer der rauesten Gebiete der sibirischen Arktis getestet und später einer Gasexplorations-Gesellschaft übergeben.[3]

Nach vier Jahren Entwicklungszeit begann 1999 die Serienproduktion. Im gleichen Jahr wurde die Straßenzulassung, zunächst für Tschechien, die Slowakei und Russland genehmigt.[2] 2015 endete die Produktion.

Antrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tatra T 163 Jamal

Der Jamal 163 wurde mit einem luftgekühlten Tatra V 8-Turbodieselmotor mit 12 bis 14 Liter Hubraum und 210 kW (285 PS) bis 320 kW (435 PS) ausgeliefert. In der Fachliteratur gelten Motoren mit Luftkühlung als wenig oder gar nicht geeignet, um anspruchsvollen Emissionsvorschriften bei gleichzeitig hohen Motorleistungen zu entsprechen.[4] Nach Darstellung des Herstellers wurden mit den neu entwickelten Motoren gleichwohl die Abgasgrenzwerte bis Euro-5 eingehalten. Das Unternehmen sieht sich als weltweit ersten (und bisher einzigen) Hersteller von Lastwagen mit luftgekühltem V-8-Dieselmotor nach Euro-5-Norm.[5] Auf Wunsch bot Tatra auch wassergekühlte Dieselmotoren anderer Motorenhersteller an.

Fahrerhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen hatte sich bis Anfang der 1990er Jahre auf die Produktion von Militärfahrzeugen sowie schweren Zivil-Lastwagen für die Ostblockländer konzentriert. Dabei wurden Design und Komfort der Fahrerhäuser vernachlässigt und nicht weiterentwickelt; dementsprechend galten sie als veraltet und nicht konkurrenzfähig. Mit dem Jamal 163 bemühte sich Tatra erstmals wieder um ein modernes LKW-Fahrerhaus, um aktuellen Ansprüchen, auch an die Ergonomie des Arbeitsplatzes, zu genügen. Serienmäßig wurden zwei Sitzplätze angeboten. Durch den Einbau des Motors vor dem Fahrerhaus gab es keinen Motortunnel: Der Boden in der Kabine war daher durchgehend eben, so dass sich mehr Bewegungsfreiheit ergab und auch ein dritter Sitzplatz eingebaut werden konnte. Diese Sitze waren mit Seitenpolsterung versehen, um auch in Schräglagen dem Fahrer Halt zu bieten. Insgesamt entsprach die Einrichtung nicht dem Komfort westlicher Fernverkehrs-Fahrerhäuser, war aber mit der anderer Baufahrzeuge vergleichbar.[6] Zusätzlich zur motorunabhängigen Zusatzheizung war eine Klimaanlage erhältlich.

Die Motorhaube wurde aus Schichtverbundstoffen gefertigt. Zum Schutz gegen (die bei luftgekühlten Motoren in der Regel höheren[7]) Lärmemissionen war sie innen mit Stahlblech ausgekleidet.[2]

Fahrgestell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tragendes Element des Fahrgestells war der von Tatra erfundene Zentralrohrrahmen, auch Tatra-Konzept genannt. Seine Vorteile sind eine erhöhte Torsions- und Biegesteifigkeit. Darüber hinaus schützt dieser die innen liegenden Komponenten des Antriebsstranges gegen Gelände- und Wettereinfluss. Die Achsen wurden als unabhängig voneinander pendelnde Halbachsen ausgeführt. Diese Bauart, bei der die Halbachsen gelenklos um die Antriebswelle pendeln, ist eine weitere Besonderheit bei Tatra-Lastwagen, die von anderen LKW-Herstellern nicht verwendet wird. Der Jamal hatte keine Radnabenuntersetzung. Er hat drei Achsen und ist entweder mit Vierrad- (6 x 4) oder mit Allradantrieb (6 x 6), erhältlich.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vom Hersteller bewusst einfach gehaltene, Tatra-typische Grundkonzept mit Zentralrohrrahmen und Pendelachsen führte zu sehr guten Fahreigenschaften in schwierigem Gelände. Zugleich wurde hiermit eine robuste Konstruktion erreicht, die zusammen mit luftgekühlten Motoren und dem Verzicht auf ausgefeilte Technik einen minimalen Wartungsaufwand erforderte. Der Jamal 163 wurde bewusst so konstruiert, dass jede Wartung oder eine eventuelle Reparatur ohne elektronische Diagnosesysteme vorgenommen werden konnte. Ziel war es, das Fahrzeug jederzeit auch an zivilisationsfernen Orten – zur Not durch den Fahrer selbst – reparieren zu können.

Die Konzeption als Haubenfahrzeug führt zu einer geringen Fahrzeughöhe, sodass es auch in Bergwerken eingesetzt werden kann. Da hierbei der Motor vor der Vorderachse liegt, ergibt sich eine gleichmäßige Verteilung der Achslast und hierdurch ein stabileres Fahrverhalten. Die Wattiefe betrug 1.200 mm. Die Bergsteigfähigkeit war bei 40 t Gesamtgewicht mit 90 % angegeben. Der Tankinhalt betrug 220 Liter. Zur Erhöhung der Reichweite ohne nachzutanken wurden auch Kraftstofftanks mit 320 und 420 Liter angeboten.[8]

Ausführungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jamal T 163-321 RK4: Die Ausführung wurde als Chassis ohne Aufbau angeboten und war für Aufbauten der Straßenverwaltungen und Kommunen sowie für einseitig kippbare Mulden bestimmt. Er hatte ein zulässiges Gesamtgewicht von 33 t.
  • Jamal T 163-331 RK4: Die Ausführung wurde als Chassis ohne Aufbau angeboten und war für dreiseitig kippbare Mulden bestimmt. Er hatte ein zulässiges Gesamtgewicht von 38 t.
  • Jamal T 163-321 SK4: Die Ausführung wurde als Kipper mit einseitig kippbarer Mulde mit langem Schutzdach über dem Fahrerhaus angeboten. Er war für den Einsatz sowohl in schwierigem Gelände als auch für den Straßenverkehr vorgesehen. Er hatte eine Nutzlast von rund 19 t und ein zulässiges Gesamtgewicht von 33 t.
  • Jamal T 163-33 ESKT: Die Ausführung wurde als Kipper mit einseitig kippbarer Mulde angeboten. Die hinten offene Mulde hatte eine hochgezogene Stirnwand mit langem Schutzdach. Er war für den Einsatz in schwierigem Gelände vorgesehen und in der EU nicht für öffentliche Straßen zugelassen. Er hatte eine Nutzlast von rund 25 t und ein zulässiges Gesamtgewicht von 40 t.
  • Jamal T 163-33 ESKT/411: Die Ausführung wurde als Kipper mit einseitig kippbarer Mulde und langem Schutzdach angeboten. Er war für den Einsatz in schwierigem Gelände vorgesehen. Er wies eine Nutzlast von 24 t und ein zulässiges Gesamtgewicht von 40 t auf. Ohne Nutzlast (Leerfahrt) ist er für öffentliche Straßen zugelassen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Svět motorů: Tatra Jamal a spol.. In: Svět motorů 45/2001. Abgerufen am 23. August 2010.
  2. a b c :Tatrapage:Tatra 163. In: tatra-page.kx.cz. Abgerufen am 23. August 2010.
  3. Automobil:Návrat kapotových vozů – T163 Jamal. In: Automobil 8/1999. Abgerufen am 23. August 2010.
  4. Robert Bosch GmbH (Hrsg.); Konrad Reif (Autor), Karl-Heinz Dietsche (Autor) und 160 weitere Autoren: Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. 27. überarbeitete und erweiterte Auflage, Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8348-1440-1, Seite 417.
  5. Achievements developed in house Tatra-trucks, ohne Datum; Abgerufen am 15. Juni 2012.
  6. 2006 Tatra Jamal Internetauftritt eines Fahrzeugtesters vom 31. Mai 2012. Abgerufen am 8. Juli 2012.
  7. Robert Bosch GmbH (Hrsg.); Konrad Reif (Autor), Karl-Heinz Dietsche (Autor) und 160 weitere Autoren: Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. 27. überarbeitete und erweiterte Auflage, Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8348-1440-1, Seite 446.
  8. Jamal Broschures (PDF; 4,2 MB) Technische Daten des Tatra Jamal 163 (englisch), ohne Datum. Abgerufen am 22. Juli 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tatra 163 Jamal – Sammlung von Bildern