Taubenkropf-Leimkraut

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Taubenkropf-Leimkraut
Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris), Blüten

Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris), Blüten

Systematik
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Unterfamilie: Caryophylloideae
Tribus: Sileneae
Gattung: Leimkräuter (Silene)
Art: Taubenkropf-Leimkraut
Wissenschaftlicher Name
Silene vulgaris
(Moench) Garcke

Das Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris) auch Gewöhnliches Leimkraut, Aufgeblasenes Leimkraut, Klatschnelke, Blasen-Leimkraut oder Knirrkohl genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Obwohl diese Wiesenpflanze zur Gattung der Leimkräutern zählt, ist sie nicht klebrig.[1]

Vom Namen her kann die Art leicht mit dem Taubenkropf oder Hühnerbiss (Cucubalus baccifer) verwechselt werden, der auch eine ähnliche Blütenform aufweist.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Flora Batava, Volume 11

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taubenkropf-Leimkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 50 Zentimetern erreicht. Die Wurzeln können bis in eine Tiefe von 1 Meter eindringen. Jedes Pflanzenexemplar besitzt einige wenige oder nur einen einzelnen aufrechten Stängel.

Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind glatt, bläulich grün und eiförmig bis lanzettlich. Die Grundblätter sind bis zu 4 Zentimeter lang und 1,2 Zentimeter breit, während die Stängelblätter eine Größe von 7 × 2,5 Zentimetern erreichen. Die Blütenstände sprießen zusammen mit zwei gegenständigen Blättern aus einem Knoten am Stängel.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Mai bis Mitte September. Der endständige, gabelige Blütenstand enthält mehrere aufrechten bis leicht nickende Blüten. Auffälligerweise blicken alle Blüten eines Wuchsortes meist in eine Richtung.

Die Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig. Die Kelchblätter bilden eine charakteristische weiße oder hellrosafarbene, stark vernetzte 20-nervige Kelchröhre. Die Kelchröhre ist 1 bis 2 Zentimeter lang und nicht zylindrisch wie bei anderen Leimkräutern, sondern aufgeblasen, was der Art den Namen Taubenkropf einbrachte. Die fünf etwa zu einem Drittel eingeschnittenen Kronblätter haben bei offener Blüte einen Durchmesser von etwa 1,5 Zentimetern. Sie erscheinen wachsartig und sind feinpulvrig beschichtet. Die Blüten können weiblich, männlich oder zwittrig sein. Jede weiblich veranlagte Blüte trägt am Fruchtknoten drei lange Griffel. Die zehn Staubblätter und die Griffel ragen aus der Blüte heraus.

Pollen des Taubenkropf-Leimkrauts (400x)

Die kugelige Kapselfrucht öffnet sich oben mit in der Regel sechs nach außen gebogenen Zähnen und entlässt die Samen. Die grauen Samen sind etwa 1,5 Millimeter groß und nierenförmig.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24 oder 48.[2]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Taubenkropf-Leimkraut handelt es sich um einen Chamaephyten oder Hemikryptophyten. Eine vegetative Vermehrung kann durch Verzweigung ihrer Wurzeln und durch Ableger erfolgen.

Die Bestäubung findet entweder durch Bienen und Schmetterlinge statt (Insektenbestäubung), oder die zwittrigen Blüten bestäuben sich selbst (Selbstbestäubung).

Obwohl die Blüten den ganzen Tag geöffnet sind, verströmen sie nur in den Nachtstunden einen kleeartigen Duft, um die Insekten anzulocken. An den Nektar, tief in ihrem Kelch, kommen nur langrüsselige Bienen und Nachtfalter. Hummeln umgehen diese Hürde, indem sie ein Loch in den Kelch beißen, um an den Nektar zu gelangen, dabei wird die Blüte aber nicht befruchtet.

Die Ausbreitung der Samen wird durch Selbst- und Windausbreitung bewirkt.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Silene vulgaris ist in den gemäßigten Breiten Europas und Westasiens verbreitet. Es gedeiht bis in mittleren Höhenlagen, vereinzelt aber auch bis über 2000 Metern. Außerhalb Eurasiens kommt sie auch in Nordafrika natürlich vor. In Nordamerika und Australien ist sie durch menschliche Aktivitäten ein Neophyt.

Das Taubenkropf-Leimkraut kommt auf eher trockenen, mageren Wiesen und anderen sonnigen Standorten vor. Das Taubenkropf-Leimkraut gedeiht am besten auf trockenen, wechselfeuchten, nicht sauren und stickstoffarmen, kalkhaltigen Böden. Auf bewirtschafteten Flächen tritt es selten auf.

Entsprechend den ökologischen Zeigerwerten nach Ellenberg wird Silene vulgaris als Halbschatten- bis Volllicht-Pflanze angegeben. Taubenkropf-Leimkraut siedelt in größeren Gruppen, aber nur selten bestandsbildend.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1794 unter dem Namen (Basionym) Behen vulgaris durch Conrad Moench. Die Neukombination zu Silene vulgaris (Moench) Garcke wurde 1869 durch Christian August Friedrich Garcke veröffentlicht. Weitere Synonyme für Silene vulgaris (Moench) Garcke sind: Cucubalus behen L., Cucubalus latifolius Mill., Oberna behen (L.) Ikonn., Silene campanulata Saut., Silene cucubalus Wibel, Silene inflata Sm., Silene latifolia (Mill.) Britten & Rendle, Silene oleracea Ficinus nom. illeg., Silene venosa Asch., Silene angustifolia subsp. vulgaris Briq. des. inval., Silene inflata subsp. vulgaris P.Fourn. des. inval., Silene venosa Asch. subsp. venosa, Silene vulgaris var. maritima.[3]

Das Taubenkropf-Leimkraut ist sehr vielgestaltig und hat daher eine ganze Reihe von Unterarten und dazugehörigen Synonymen. Der akzeptierte Taxonname der Art ist Silene vulgaris (Moench) Garcke s. l.

In Mitteleuropa finden sich mindestens zwei bis vier Unterarten, im Mittelmeerraum sind es insgesamt je nach Autor bis über zwölf Unterarten:[4][3]

  • Silene vulgaris subsp. aetnensis (Strobl) Pignatti
  • Silene vulgaris subsp. commutata (Guss.) Hayek
  • Silene vulgaris subsp. glareosa (Jord.) Marsden-Jones & Turrill
  • Silene vulgaris subsp. macrocarpa Turrill
  • Silene vulgaris subsp. prostrata (Gaudin) Schinz & Thell.
  • Silene vulgaris subsp. suffrutescens Greuter & al.
  • Silene vulgaris subsp. vourinensis Greuter
  • Silene vulgaris (Moench) Garcke subsp. vulgaris

Unterart Gewöhnliches Taubenkropf-Leimkraut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterart Gewöhnliches Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris (Moench) Garcke subsp. vulgaris):

Die Chromosomenzahl beträgt n = 12.[5]

Für diese Unterart werden als Standorte angegeben: Fels-, Mauer- und Geröllfluren außerhalb der Hochgebirge, nährstoffreiche Stauden- und ausdauernde Unkrautfluren, halbruderale Queckenrasen trockenwarmer Standorte, Frischwiesen und -weiden, Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen, Trocken- und Halbtrockenrasen, Staudensäume trockenwarmer Standorte, Wälder und Gebüsche trockenwarmer Standorte.

Auf schwermetallhaltigen Böden hat sich eine besondere Unterart des Taubenkropf-Leimkrauts ausgebildet, die sich praktisch nur durch ihre Schwermetallresistenz von den übrigen Pflanzen unterscheidet. Sie trägt den Namen Silene vulgaris subsp. humilis (R.Schub.) Rauschert. Die dazugehörigen Synonyme sind: Silene vulgaris var. humilis R.Schub. und Silene cucubalus subsp. humilis (R.Schub.) Rothm.

Unterart Kies-Leimkraut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterart Kies-Leimkraut (Silene vulgaris subsp. glareosa (Jord.) Marsden-Jones & Turrill). Es gibt eine Reihe von Synonymen: Silene glareosa Jord., Behen alpinus var. glareosus (Jord.) Gusul., Oberna glareosa (Jord.) Ikonn., Silene uniflora subsp. glareosa (Jord.) Chater & Walters, Silene alpina auct., Silene vulgaris subsp. alpina auct. non (Lam.) Thomas, Silene vulgaris subsp. prostrata auct. non (Gaudin) Schinz & Thell., Silene willdenowii auct. non Sweet, Silene inflata subsp. prostrata Gaudin.

Als Unterscheidungsmerkmal zu den anderen Unterarten des Taubenkropf-Leimkrautes dienen die zahlreichen niederliegend aufsteigenden Stängel. Die Blütenstände sind ein- bis siebenblütig und die oberen Stängelblätter wirken krautig. Die Blüten haben meist eine entwickelte Nebenkrone. Die Fruchtkapseln haben umgebogene Zähne und die Samen sind fein warzig mit einer Breite von 1,5 bis 2 Millimetern.

Diese Unterart tritt in höheren Gebirgslagen auf in Rasen, Fels- und Geröllfluren.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taubenkropf-Leimkraut als tiefwurzelnde, anspruchslose Staude ist eine ideale Pflanze für Stein- und Wildgärten. Da sie den ganzen Sommer blüht, kann sie an geeigneter Stelle als Blickfang dienen. Sie gedeiht dabei am besten in trocknen, sonnigen, kalkhaltigen Bereichen. Dort benötigt die weitgehend winterharte Pflanze weder Dünger noch muss sie bewässert werden. Als langblühende Pflanze in Wildgärten ist sie eine wertvolle Futterquelle für Nachtfalter.

Früher wurde aus den Wurzeln Seifenlauge gekocht.

Jungen Triebe kann man vor der Blüte pflücken und wie Gemüse verwenden oder roh zu einem Salat geben sowie als frisches Wildkraut für einen interessanten süßlichen Geschmack nach Lakritze und Erbsen in den letzten 5 Minuten Garzeit einem Gericht hinzufügen.[6] Als Heilpflanze ist das Taubenkropf-Leimkraut heute ohne Bedeutung. Es galt jedoch als anregend für den Stoffwechsel. In einer Untersuchung über lokale Ernährungsgewohnheiten im Mittelmeerraum wurde Auszügen aus den Blättern aber eine positive Wirkung bei Diabetes Typ 2 zugesprochen.[7]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Encke, Günther Buchheim, Siegmund Seybold: Handwörterbuch der Pflanzennamen. Begründet von Robert Zander. 15. Aufl. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1994, ISBN 3-8001-5072-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur. Wildpflanzen Mitteleuropas. ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5, S. 72.
  2. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 361-362.
  3. a b Karol Marhold, 2011: Caryophyllaceae.: Datenblatt bei Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  4. Werner Greuter, Hervé-Maurice Burdet, Guy Long (Hrsg.): Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 1: Pteridophyta (ed. 2), Gymnospermae, Dicotyledones (Acanthaceae – Cneoraceae), Conservatoire et Jardin Botanique, Genève 1984, ISBN 2-8277-0151-0, S. 276–279.
  5. Georg Tischler: Die Chromosomenzahlen der Gefäßpflanzen Mitteleuropas. W. Junk, 's-Gravenhage 1950, S. 76.
  6. Meret Bissegger: Meine wilde Pflanzenküche. Bestimmen, Sammeln und Kochen von Wildpflanzen. 2. Auflage. AT Verlag, Aarau/München 2011, ISBN 978-3-03800-552-0, S. 58.
  7. The Local Food-Nutraceuticals Consortium: Understanding local Mediterranean diets: A multidisciplinary pharmacological and ethnobotanical approach. In: Pharmacological Research. Band 52, Nr. 4, 2005, S. 353–366, DOI:10.1016/j.phrs.2005.06.005 (PDF-Datei; 967 kB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien