Tauchschein

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Ein Tauchschein oder Tauchabzeichen, auch Brevet genannt, ist der Nachweis einer erfolgreich absolvierten Ausbildung zum Sporttaucher. Taucher dokumentieren im Allgemeinen durchgeführte Tauchgänge in einem Logbuch. Tauchschein und Logbuch dienen dazu, den Ausbildungsstand des Tauchers zu dokumentieren.

Übersicht der PADI-Brevets.

Arten[Bearbeiten]

Tauchscheine werden von verschiedenen Tauchorganisationen, Tauchschulen und -Vereinen ausgestellt, sind aber keine offiziellen Dokumente. Die wichtigsten weltweit agierenden Ausbildungsorganisationen sind PADI, SSI, CMAS und NAUI. Die Ausbildungen aller vier Organisationen erfüllen die Vorgaben der internationalen Normen ISO 24801 und 24802, weshalb die Tauchscheine der jeweils anderen Organisationen anerkannt werden und ein Tauchschüler eine Weiterbildung problemlos bei einer anderen Tauchorganisation beginnen kann. Bei durch lokale Ausbilder ohne Organisationszugehörigkeit ausgestellten Tauchscheinen kann es Probleme mit der Anerkennung geben.

Neben den zivilen Tauchscheinen gibt es auch militärische, die teilweise mit den zivilen Ausbildungen vergleichbar sind oder weit über sie hinausgehen.

Verschiedene Arten von Tauchscheinen weisen den Ausbildungsstand des Tauchers nach. Sie bescheinigen dem Taucher beispielsweise ausreichende Fähigkeiten, um ohne Tauchlehrer zu tauchen, bestimmte Tiefen zu unterschreiten oder Tauchgruppen anzuführen. Da es sich bei den gängigen Tauchscheinen für Sporttaucher nicht um amtliche Dokumente handelt, haben sie lediglich Empfehlungscharakter und die Inhalte und Abstufungen unterscheiden sich je nach ausstellender Organisation zum Teil erheblich.

Übersicht der CMAS-Brevets.

Diese Dokumentation dient Tauchbasen und -partnern zur Einschätzung, ob ein Taucher in der Lage ist, an einem geplanten Tauchgang teilnehmen zu können. Tauchbasen machen meistens das Ausleihen von Tauchausrüstung und die Teilnahme an Tauchausflügen und Tauchgängen davon abhängig, dass ein Tauchschein, ein Logbuch und ein ärztliches Attest über die Tauchtauglichkeit vorgelegt wird.

Brevet-Vergleich[Bearbeiten]

Fast jede Tauchorganisationen hat eigene Bezeichnungen für die verschiedenen Brevetierungsstufen. Neben den Bezeichnungen können sich deren Inhalte und damit verbundenen Voraussetzungen unterscheiden. Ein direkter Vergleich zwischen den verschiedenen Organisationen und deren Brevets ist somit nur bedingt möglich. Als Referenz werden im Folgenden die normierten EUF-Richtlinien[1] verwendet.

Die folgende Tabelle[2] stellt ein Hilfsmittel und keine Grundlage dar für die Ausstellung von äquivalenten Brevets. Ein solches kann nur nach einer Beurteilung des Tauchers durch einen Tauchlehrer erfolgen. Dieser kann falls erforderlich ein auffrischende oder ergänzende Ausbildung von einem Taucher fordern und durchführen.

EUF[1] CMAS[3] NAUI[4][5] PADI[6][7][8] SSI[9][10]
ISO 11121[11]
Introductory training programs to scuba diving
(übersetzt aus dem Englischen: Einführungsprogramme ins Gerätetauchen)
  NAUI Skin Diver
  • Bubblemaker
  • Discover Scuba Diving
  • Try Scuba
  • Try Scuba Diving
ISO 24801-1 / DIN EN 14153-1[12]
Supervised Diver
(übersetzt aus dem Englischen: Beaufsichtigter Taucher)
NAUI Passport Diver PADI Scuba Diver[13] SSI Scuba Diver
ISO 24801-2 / DIN EN 14153-2[14]
Autonomous Diver
(übersetzt aus dem Englischen: Selbstständiger Taucher)
CMAS * Diver NAUI Scuba Diver PADI Open Water Diver SSI Open Water Diver
    PADI Adventure Diver SSI Advanced Adventurer
        SSI Specialty Diver
  NAUI Advanced Scuba Diver PADI Advanced Open Water Diver SSI Advanced Open Water Diver
  CMAS ** Diver PADI Rescue Diver SSI Diver Stress and Rescue
  NAUI Master Scuba Diver PADI Master Scuba Diver SSI Master Diver
ISO 24801-3 / DIN EN 14153-3[15]
Dive Leader
(übersetzt aus dem Englischen: Tauchführer)
CMAS *** Diver NAUI Divemaster PADI Divemaster SSI Dive Guide[16]
  SSI Divemaster[16]
ISO 24802-1 / DIN EN 14413-1[17]
Scuba Instructor Level 1
(übersetzt aus dem Englischen: Tauchlehrer Stufe 1)
NAUI Assistant Instructor PADI Assistant Instructor SSI Dive Control Specialist
ISO 24802-2 / DIN EN 14413-2[18]
Scuba Instructor Level 2
(übersetzt aus dem Englischen: Tauchlehrer Stufe 2)
CMAS Tauchlehrer * NAUI Instructor PADI Open Water Scuba Instructor SSI Open Water Instructor
  CMAS Tauchlehrer ** NAUI Staff Instructor PADI Master Scuba Diver Trainer SSI Advanced Open Water Instructor
    NAUI Staff Instructor PADI IDC Staff Instructor SSI Divemaster Instructor / SSI Dive Control Specialist Instructor
      PADI Master Instructor SSI Master Instructor
  CMAS Tauchlehrer *** NAUI Instructor Trainer PADI Course Director SSI Instructor Trainer
    NAUI Course Director/Examiner PADI Examiner SSI Instructor Certifier
Taucher-Ausbildungslevel

Die Brevetierungen von manchen CMAS-Unterverbänden (z. B. VDST) können von den Vorgaben von CMAS International erheblich abweichen, da die einzelnen Unter-Verbände die Möglichkeit haben, abweichende Ausbildungen anzubieten.

Zusatzbrevets[Bearbeiten]

Viele Tauchorganisationen bieten Zusatzausbildungen für weitere Qualifikationen an, wie zum Beispiel Nachttauchen, Tieftauchen, Orientierungstauchen, Trockentauchen, Höhlentauchen, Eistauchen, Tauchen mit Nitrox, mit Kreislauf-Tauchgeräten (Rebreather), Behindertentauchen, Kindertauchen, Strömungstauchen oder Bergseetauchen. Zudem werden Interessen von Tauchern wie z. B. Unterwasserfotografie, Unterwasservideografie, Süßwasserbiologie oder Meeresbiologie durch Kurse abgedeckt. Der Erwerb solcher Zusatzbrevets kann eine Voraussetzung für die Zulassung zu weiteren Ausbildungen sein.

Apnoe-Brevets[Bearbeiten]

Im Gegensatz zum Gerätetauchen sind Tauchscheine für das Apnoetauchen noch weniger verbreitet.

Die CMAS bietet hier drei Brevets (CMAS Level 1, 2 und 3). Auch hier können die einzelnen Federations von abweichen.

Bei PADI gliedert sich die Ausbildung in zwei Brevets: PADI Free Diver (Level 1) und PADI Advanced Free Diver (Level 2).

Von SSI gibt es vier normale Stufen (Freediving Basic und Freediving Level 1, 2 und 3) sowie drei Stufen für Tauchlehrer (Freediving Instructor 1, 2 und 3).[19]

Kritik[Bearbeiten]

Kritiker werfen insbesondere den kommerziellen Ausbildungsorganisationen vor, mit der Ausgabe zahlreicher verschiedener Brevetierungstufen in erster Linie materielle Interessen zu verfolgen. Es werde besonders in den unteren Stufen dem Tauchschüler die Illusion vermittelt, er könne bereits gut tauchen, indem die Bedeutung von Kursen und Prüfungen gegenüber der Tauchpraxis und ständiger Übung herausgehoben wird.[20][21]

Demgegenüber vertreten kommerzielle Ausbildungsorganisationen die Ansicht, dass es vor allem darum geht, das Erlebnis der Unterwasserwelt einer breiten Masse zugänglich zu machen, um u. a. auch das Interesse für den Schutz und den Erhalt derselben zu stärken. Eine geringere Hemmschwelle zum Einstieg in den Sport wird hier dadurch realisiert, dass gerade in den Einstiegskursen nur das Nötigste gelehrt wird, um unter entsprechenden Bedingungen sicher tauchen zu können. Durch die modulare Ausrichtung gerade der Verbände amerikanischen Ursprungs (z. B. PADI, SSI) wird immer nur derjenige Stoff gelehrt, der für die entsprechende Stufe bzw. die entsprechende Art des Tauchens (z. B. Tieftauchen) nötig ist. Anfänger werden darauf hingewiesen (und die Tauchlehrer werden dazu angehalten, dies besonders zu betonen), dass sie nicht unter Bedingungen tauchen sollen, die herausfordernder sind als jene, unter denen sie gelernt haben.

Dieser Logik schließen sich letztlich auch viele andere nicht kommerziell ausgerichtete Verbände (z. B. VDST und andere Mitglieder der CMAS) in Teilen an, indem sie entsprechende Sonderkurse anbieten, die sich intensiver mit den jeweiligen Teilgebieten beschäftigen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b EUF Standards for Training Organisations/System. EUF, abgerufen am 17. Juli 2010.
  2. Dive agency Crossovers BSAC, CMAS, SSI, NAUI & SAA to PADI, (englisch) James Brabyn, IDC Guide, Zugriff am 1. Oktober 2012
  3. "CMAS International Diver Training Standards and Procedures Manual". Abgerufen am 29. Mai 2012.
  4. CE and Iso Certification, (englisch) Naui Europe, zugefriffend: 21. Oktober 2010
  5. Certificate. Nr. EUF - CB 2007 004. EUF, abgerufen am 2. Dezember 2013 (PDF).
  6. PADI Education System. PADI, abgerufen am 19. November 2012.
  7. Tauchverband PADI - Professional Association of Diving Instructors (Memento vom 24. April 2008 im Internet Archive), Petra & Rolf Groß GbR, Offenbach, zugegriffen: 26. Oktober 2010
  8. Sebastian Rott: PADI erhält weltweit die ISO-Zertifizierung. Best-Soft, 1. Dezember 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013.
  9. SSI Ausbildungssystem - Taucher. SSI International, abgerufen am 19. November 2012.
  10. SSI Ausbildungssystem - Dive Professional. SSI International, abgerufen am 19. November 2012.
  11. Recreational diving services — Requirements for introductory training programmes to scuba diving (ISO 11121). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  12. Recreational diving services — Requirements for the training of recreational scuba divers — Part 1: Level 1 — Supervised diver (ISO 24801-1). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  13. PADI erhält weltweit die ISO-Zertifizierung. EUF, abgerufen am 20. November 2012.
  14. Recreational diving services — Requirements for the training of recreational scuba divers — Part 2: Level 2 — Autonomous diver (ISO 24801-2). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  15. Recreational diving services — Requirements for the training of recreational scuba divers — Part 3: Level 3 — Dive leader (ISO 24801-3). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  16. a b SSI Äquivalenzen (PDF). SSI International, abgerufen am 20. November 2012.
  17. Recreational diving services — Requirements for the training of scuba instructors — Part 1: Level 1(ISO 24802-1). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  18. Recreational diving services — Requirements for the training of scuba instructors — Part 2: Level 2 (ISO 24802-2). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  19. Freediving Program
  20. Stanford Suzuki: Unsafe at any Depth: PADI Scuba Diver. CDNN - Cyber Diver News Network, archiviert vom Original am 6. Januar 2006, abgerufen am 1. April 2014 (englisch): „In the meantime, we urge divers and PADI diving professionals to just say "No" to the PADI "Scuba Diver" course.“
  21. Shane E. Paterson: SCUBA Diving. Agencies. University of Georgia, Athens, archiviert vom Original am 28. Oktober 2006, abgerufen am 3. April 2014 (englisch).