Tauchschein

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Ein Tauchschein oder Tauchabzeichen, auch Brevet genannt, ist ein Zertifikat welche eine erfolgreich absolvierte Tauchausbildung nachweist. Taucher dokumentieren durchgeführte Tauchgänge in einem Logbuch. Der Tauchschein und Logbuch dienen dazu, den Ausbildungsstand und die Erfahrung eines Tauchers zu dokumentieren.

Übersicht der PADI-Brevets

Anerkennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brevetierung oder Zertifizierung wird üblicherweise durch den unterrichtenden Tauchlehrer vorgenommen und danach von einer Tauchorganisationen, Tauchschulen und -Vereinen ausgestellt. Die wichtigsten weltweit agierenden Ausbildungsorganisationen sind PADI, SSI, CMAS und NAUI. Die Ausbildungen aller international bedeutenden Tauchorganisationen erfüllen die Vorgaben der internationalen Normen ISO 24801 und 24802, weshalb die Tauchscheine der jeweils anderen Organisationen anerkannt werden und ein Tauchschüler eine Weiterbildung problemlos bei einer anderen Tauchorganisation beginnen kann. Es kann jedoch durchaus zu Probleme mit der Anerkennung von Brevets kommen, welche durch eine kleinere lokale oder nationale Organisationen ausgestellten wurden.[1]

Tauch-Brevets dienen Tauch-Basen, -Lehrer, -Führer oder -Buddy zur Einschätzung, ob ein Taucher in der Lage ist, an einem geplanten Tauchgang teilnehmen zu können. Tauchbasen machen meistens das Ausleihen von Tauchausrüstung und die Teilnahme an Tauchausflügen und Tauchgängen davon abhängig, dass ein Tauchschein, ein Logbuch und ein ärztliches Attest über die Tauchtauglichkeit vorgelegt wird.

Neben den zivilen Tauchscheinen gibt es auch militärische, die teilweise mit den zivilen Ausbildungen vergleichbar sind oder weit über sie hinausgehen.

Rechtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tauch-Brevets bescheinigen einem Taucher – zur Zeit der Brevertierung – über ausreichendes Wissen und Fähigkeiten zu verfügen, um z.B. ohne die Begleitung eins Tauchlehrers zu tauchen, bestimmte Tiefen zu unterschreiten oder selbst ganze Tauchgruppen abzuführen. Da es sich bei den Tauchscheinen für das Sporttaucher nicht um amtliche Dokumente handelt, haben sie lediglich Empfehlungscharakter. In eignen Ländern – wie z.B. in Australien – ist das Tauchen jedoch ohne den Besitzen eines entsprechenden Brevets gesetzlich untersagt.[2] Für professionelle Tauch-Führer und -Lehrer hat der Tauchschein, welcher ihnen die Tauch-Führer- oder -Lehrer-Ausbildung bestätigt, die Bedeutung eines Berufsausweises oder Fähigkeitszugnisses.

Übersicht der CMAS-Brevets.
Übersicht der SSI-Brevets.

Brevet-Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast jede Tauchorganisationen hat eigene Bezeichnungen für die verschiedenen Brevetierungsstufen. Neben der Benennung können sich deren Inhalte und damit verbundenen Voraussetzungen sowie Empfehlungen erheblich unterscheiden. Ein direkter Vergleich zwischen den verschiedenen Organisationen und deren Brevets ist somit nur bedingt möglich. Als Referenz werden im Folgenden die ISO-Normen[3] verwendet.

Die folgende Tabelle[4] stellt ein Hilfsmittel und keine Grundlage dar für die Ausstellung von äquivalenten Brevets. Ein solches kann nur nach einer Beurteilung des Tauchers durch einen Tauchlehrer erfolgen. Dieser kann falls erforderlich ein auffrischende oder ergänzende Ausbildung von einem Taucher fordern und durchführen.

ISO[3] CMAS[5] NAUI[6][7] PADI[8][9][10] SSI[11][12][13]
ISO 11121[14]
Introductory training programs to scuba diving
(übersetzt aus dem Englischen: Einführungsprogramme ins Gerätetauchen)
  NAUI Skin Diver
  • Bubblemaker
  • Discover Scuba Diving
  • Try Scuba
  • Try Scuba Diving
ISO 24801-1[15] (DIN EN 14153-1)
Supervised Diver
(übersetzt aus dem Englischen: Beaufsichtigter Taucher)
NAUI Passport Diver PADI Scuba Diver[16] SSI Scuba Diver
ISO 24801-2[17] (DIN EN 14153-2)
Autonomous Diver
(übersetzt aus dem Englischen: Selbstständiger Taucher)
CMAS * Diver NAUI Scuba Diver PADI Open Water Diver SSI Open Water Diver
PADI Adventure Diver
    NAUI Advanced Scuba Diver PADI Advanced Open Water Diver SSI Advanced Adventurer
        SSI Specialty Diver
  SSI Advanced Open Water Diver
  CMAS ** Diver PADI Rescue Diver SSI Diver Stress and Rescue
  NAUI Master Scuba Diver PADI Master Scuba Diver SSI Master Diver
ISO 24801-3[18] (DIN EN 14153-3)
Dive Leader
(übersetzt aus dem Englischen: Tauchführer)
CMAS *** Diver NAUI Divemaster PADI Divemaster SSI Dive Guide[19]
  SSI Divemaster[19]
ISO 24802-1[20] (DIN EN 14413-1)
Scuba Instructor Level 1
(übersetzt aus dem Englischen: Tauchlehrer Stufe 1)
NAUI Assistant Instructor PADI Assistant Instructor SSI Dive Control Specialist
ISO 24802-2[21] (DIN EN 14413-2)
Scuba Instructor Level 2
(übersetzt aus dem Englischen: Tauchlehrer Stufe 2)
CMAS Tauchlehrer * NAUI Instructor PADI Open Water Scuba Instructor SSI Open Water Instructor
  CMAS Tauchlehrer ** PADI Master Scuba Diver Trainer SSI Advanced Open Water Instructor
    NAUI Staff Instructor PADI IDC Staff Instructor SSI Divemaster Instructor /
SSI Dive Control Specialist Instructor
      PADI Master Instructor SSI Master Instructor
  CMAS Tauchlehrer *** NAUI Instructor Trainer PADI Course Director SSI Instructor Trainer
    NAUI Course Director/Examiner PADI Examiner SSI Instructor Certifier
Taucher-Ausbildungslevel

Die Brevetierungen von manchen CMAS-Unterverbänden (z. B. VDST) können von den Vorgaben von CMAS International erheblich abweichen, da die einzelnen Unter-Verbände die Möglichkeit haben, abweichende Ausbildungen anzubieten.

Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Tauchorganisationen bieten sogenannte Spezialitäten-Kurse (Specialtyies) für bestimmte Fertigkeiten oder Unterwasseraktivitäten an. Beispiel dafür sind das Nachttauchen, Tieftauchen, Orientierungstauchen, Trockentauchen, Höhlentauchen, Eistauchen, Tauchen mit Nitrox, mit Kreislauf-Tauchgeräten (Rebreather), Behindertentauchen, Kindertauchen, Strömungstauchen oder Bergseetauchen. Zudem werden Interessen von Tauchern wie z. B. Unterwasserfotografie, Unterwasservideografie, Süßwasserbiologie oder Meeresbiologie durch Spezialitäten-Kurse abgedeckt. Der Erwerb solcher Spezialitäten-Brevets kann eine Voraussetzung für die Zulassung zu weiteren Ausbildungen sein.

Apnoe-Brevets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zum Gerätetauchen sind Tauchscheine für das Apnoetauchen weniger verbreitet.

Die CMAS bietet drei Ausbildungsstufen (CMAS Level 1, 2 und 3) an. Auch hier können die einzelnen Unterorganisationen von CMAS selbst von abweichen.

Bei PADI gibt es vier Brevets für Taucher (Basic Freediver, Freediver, Advanced Freediver und Master Freediver), drei Brevets für Tauchlehrer (Freediver Instructor, Advanced Freediver Instructor und Master Freediver Instructor) sowie ein Brevet für die Tauchlehrer-Ausbildung (Freediver Instructor Trainer).[22]

Von SSI gibt es vier Stufen für Taucher (Freediving Basic und Freediving Level 1, 2 und 3), sowie drei Stufen für Tauchlehrer (Freediving Instructor 1, 2 und 3).[23]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker werfen insbesondere den kommerziellen Ausbildungsorganisationen vor, mit der Ausgabe zahlreicher verschiedener Brevetierungstufen in erster Linie materielle Interessen zu verfolgen. Es werde besonders in den unteren Stufen dem Tauchschüler die Illusion vermittelt, er könne bereits gut tauchen, indem die Bedeutung von Kursen und Prüfungen gegenüber der Tauchpraxis und ständiger Übung herausgehoben wird.[24][25]

Demgegenüber vertreten kommerzielle Ausbildungsorganisationen die Ansicht, dass es vor allem darum geht, das Erlebnis der Unterwasserwelt einer breiten Masse zugänglich zu machen, um u. a. auch das Interesse für den Schutz und den Erhalt derselben zu stärken. Eine geringere Hemmschwelle zum Einstieg in den Sport wird hier dadurch realisiert, dass gerade in den Einstiegskursen nur das Nötigste gelehrt wird, um unter entsprechenden Bedingungen sicher tauchen zu können. Durch die modulare Ausrichtung gerade der Verbände amerikanischen Ursprungs (z. B. PADI, SSI) wird immer nur derjenige Stoff gelehrt, der für die entsprechende Stufe bzw. die entsprechende Art des Tauchens (z. B. Tieftauchen) nötig ist. Anfänger werden darauf hingewiesen (und die Tauchlehrer werden dazu angehalten, dies besonders zu betonen), dass sie nicht unter Bedingungen tauchen sollen, die herausfordernder sind als jene, unter denen sie gelernt haben.

Dieser Logik schließen sich letztlich auch viele andere nicht kommerziell ausgerichtete Verbände (z. B. VDST und andere Mitglieder der CMAS) in Teilen an, indem sie entsprechende Sonderkurse anbieten, die sich intensiver mit den jeweiligen Teilgebieten beschäftigen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Taucher FAQ. Es gibt so viele Tauchorganisationen. Welche ist die Beste? dive.steha.ch, abgerufen am 7. März 2017: „Weil heute die meisten gemäss der Norm ISO 24801 arbeiten, können Taucher problemlos die Tauchorganisation wechseln. Will man weltweit tauchen können, lohnt es sich sicherlich, Tauchkurse bei einer Tauchschule zu absolvieren, die einer der fünf grossen internationalen Tauchorganisationen angeschlossen ist.“
  2. Taucher FAQ. Muss ich eine Tauchausbildung absolviert haben, um das Gerätetauchen ausüben zu dürfen? dive.steha.ch, abgerufen am 7. März 2017: „Z.B. in Australien und einigen anderen Ländern ist eine Grundtauchausbildung - welche mindestens die Norm ISO 24801-1 erfüllt - gesetzlich vorgeschrieben.“
  3. a b Relevant Standards for the certification of Trainings Organisations/System. EUF, abgerufen am 4. Oktober 2017 (englisch).
  4. Dive agency Crossovers BSAC, CMAS, SSI, NAUI & SAA to PADI, (englisch) James Brabyn, IDC Guide, Zugriff am 1. Oktober 2012
  5. "CMAS International Diver Training Standards and Procedures Manual". Abgerufen am 29. Mai 2012.
  6. CE and Iso Certification, (englisch) Naui Europe, zugefriffend: 21. Oktober 2010
  7. Certificate. Nr. EUF - CB 2007 004. EUF, abgerufen am 2. Dezember 2013 (PDF).
  8. PADI Education System. PADI, abgerufen am 19. November 2012.
  9. Tauchverband PADI - Professional Association of Diving Instructors (Memento vom 24. April 2008 im Internet Archive), Petra & Rolf Groß GbR, Offenbach, zugegriffen: 26. Oktober 2010
  10. Sebastian Rott: PADI erhält weltweit die ISO-Zertifizierung. Best-Soft, 1. Dezember 2009, abgerufen am 2. Dezember 2013.
  11. SSI Ausbildungssystem - Taucher. SSI International, abgerufen am 19. November 2012.
  12. SSI Ausbildungssystem - Dive Professional. SSI International, abgerufen am 19. November 2012.
  13. SSI Equivalence Chart. SSI, abgerufen am 15. Juni 2017 (englisch).
  14. Recreational diving services – Requirements for introductory training programmes to scuba diving (ISO 11121). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  15. Recreational diving services – Requirements for the training of recreational scuba divers – Part 1: Level 1 – Supervised diver (ISO 24801-1). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  16. PADI erhält weltweit die ISO-Zertifizierung. EUF, archiviert vom Original am 27. September 2013, abgerufen am 20. November 2012.
  17. Recreational diving services – Requirements for the training of recreational scuba divers – Part 2: Level 2 – Autonomous diver (ISO 24801-2). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  18. Recreational diving services – Requirements for the training of recreational scuba divers – Part 3: Level 3 – Dive leader (ISO 24801-3). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  19. a b SSI Äquivalenzen (PDF). SSI International, abgerufen am 20. November 2012 (PDF).
  20. Recreational diving services – Requirements for the training of scuba instructors – Part 1: Level 1(ISO 24802-1). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  21. Recreational diving services – Requirements for the training of scuba instructors – Part 2: Level 2 (ISO 24802-2). ISO, abgerufen am 29. April 2015 (englisch).
  22. PADI COURSE CATALOG. Abgerufen am 5. April 2017 (englisch).
  23. Freediving Program
  24. Stanford Suzuki: Unsafe at any Depth: PADI Scuba Diver. CDNN - Cyber Diver News Network, archiviert vom Original am 6. Januar 2006, abgerufen am 1. April 2014 (englisch): „In the meantime, we urge divers and PADI diving professionals to just say "No" to the PADI "Scuba Diver" course.“
  25. Shane E. Paterson: SCUBA Diving. Agencies. University of Georgia, Athens, archiviert vom Original am 28. Oktober 2006, abgerufen am 3. April 2014 (englisch).