Tauchsieder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tauchsieder für Wassereimer, 230 Volt, 1000 Watt und 2000 Watt; erkennbar sind die Temperaturfühler jeweils am linken Rohr

Ein Tauchsieder ist ein Gerät zum Erhitzen von Wasser mit Hilfe von elektrischer Energie. Der beheizte Teil des Tauchsieders wird in das zu erhitzende Wasser eingetaucht.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Tauchsieder besteht im Wesentlichen aus einem Rohrheizkörper, der über ein Kabel mit einem Stecker verbunden ist. Das Schutzrohr des Rohrheizkörpers besteht meist aus vernickeltem oder vergoldetem Messing, Kupfer oder Edelstahl und ist bei den meisten neueren Geräten über den Schutzleiter der Anschlussleitung mit dem Schutzkontakt des Steckers verbunden. Der Anschluss des Rohrheizkörpers an das Kabel ist zugleich als wärmeisolierender Griff ausgeführt.

Weiterhin ist eine ältere Bauform bekannt, die ein hülsenförmiges Heizelement hat.

Insbesondere ältere Tauchsieder verfügen über keinen Schutzleiteranschluss.

Tauchsieder, die mittels Elektroden das Wasser selbst als Heizleiter nutzen, haben ebenfalls keinen Schutzleiteranschluss, sondern nur einen Schutzkäfig, um direktes Berühren der Elektroden zu vermeiden.

Arten und Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reisetauchsieder, z.B. für Teewasser, 500 W

Tauchsieder werden in einem Wasserbad betrieben. Das Wasser muss einerseits den gesamten heizenden Bereich des Rohrheizkörpers bedecken und darf andererseits den elektrischen Anschlüssen im Griff nicht zu nahe kommen. Am Schaft des Heizelementes des Tauchsieders befinden sich dafür oft zwei Markierungen (Rändelungen), die den maximalen und den minimalen Wasserstand kennzeichnen.

Kleine, sogenannte Reisetauchsieder sind entweder ebenfalls für Netzspannungen von 230–250 V oder 110–130 V oder auch anderen Spannungen wie 12 V, 24 V oder 48 V ausgelegt.

Früher, in einigen Ländern bis heute, gab es Tauchsieder mit zwei Elektroden, die das Wasser aufgrund seines spezifischen Widerstandes direkt erhitzten. In der DDR wurden diese Tauchsieder umgangssprachlich als Atomino bezeichnet. Je nach Bauform besitzen diese Geräte um die Elektroden einen Schutzkäfig aus emailliertem Blech, um direktes Berühren oder auch Kurzschlüsse in Behältern aus leitendem Material zu vermeiden. Eigenbaugeräte bestehen unter Umständen nur aus Draht, den beiden Elektroden und einem isolierenden Abstandhalter, um einen elektrischen Kurzschluss zwischen den beiden Elektroden zu vermeiden. Diese Tauchsieder boten zwar Sicherheit bei verkochendem Wasser, bargen jedoch die Gefahr eines elektrischen Schlages bei Berühren des Wassers oder des metallenen Topfes. Außerdem wurde das Wasser aufgrund von Elektrolyse verunreinigt und die thermische Leistung hing von der Härte des Wassers ab (Ionenleitung).

Im Unterschied zu den üblichen Metall-Tauchsiedern gibt es auch Quarzglas-Tauchheizer, die längere Zeit außerhalb der zu erwärmenden Flüssigkeit betrieben werden können, ohne Schaden zu nehmen. Das Hüllrohr aus Quarzglas ist ein elektrischer Isolator und beständig gegen Säuren, mit Ausnahme von Flusssäure und Phosphorsäure oberhalb von 300 °C. Mit Quarzglas-Tauchheizern können so – neben Wasser – auch andere Flüssigkeiten erwärmt werden.[1]

Ältere Tauchsieder ohne thermische Sicherung oder Thermoschalter bergen das Risiko eines Brandes bei verkochendem Wasser. Deshalb sollten sie nicht unbeaufsichtigt und nur auf nicht brennbarer Unterlage betrieben werden.

Tauchsieder in Zylinderform, ca. 1930er Jahre, 1000 Watt, 220 Volt, ohne Schutzleiter

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Tauchsieder verfügen heute über einen Überhitzungsschutz. Man unterscheidet hier zwei Arten:

  • Geräte mit einer einfachen Schmelzsicherung im Heizelement und
  • Geräte mit einer rückstellbaren Temperatursicherung, über ein Schaltwerk mit Rückstellknopf im Griffstück.

Einfache Tauchsieder sind oft mit einer nicht rückstellbaren Temperatursicherung (Schmelzelement) im Heizelement versehen. Das ist eine preiswerte Lösung, ist die Sicherung jedoch einmal durchgebrannt, kann das Gerät nicht mehr verwendet werden.

Tauchsieder mit einer rückstellbaren Temperatursicherung schalten sich bei verkochtem Wasser oder umgefallenem Topf/Behälter ab, sind jedoch nach Abkühlung und ggf. nach Rückstellung per Knopfdruck wieder einsatzbereit. Sie haben außen neben dem Heizelement einen separaten Messfühler, der dort die Temperatur überwacht und bei Überhitzung das Schaltwerk im Griffstück auslöst.

Insbesondere bei Importgeräten ohne Temperatursicherung besteht Brandgefahr beim Verkochen des Wassers (unbeaufsichtigter Betrieb, z. B. auch nach einer Stromunterbrechung), wenn Gefäß oder Unterlage brennbar sind. Tauchsieder sollten generell in Metall- oder Keramikgefäßen auf nicht brennbarer Unterlage betrieben werden. Gefäße aus Kunststoff oder anderen Materialien deren Hitzebeständigkeit nicht eindeutig feststeht, sollten nicht verwendet werden, da sie zwar möglicherweise der Temperatur des kochenden Wassers, nicht aber der Oberflächentemperatur des Tauchsieders widerstehen können oder sich durch die starke Erhitzung gesundheitsschädliche Stoffe aus dem Kunststoff lösen könnten. Nach der Benutzung sollte der Tauchsieder zunächst auf einer hitzebeständigen Fläche abkühlen und nicht in noch heißem Zustand weggeräumt werden.

Da das Kabel vom oberen Ende des Tauchsieders wegführt, kann das Gefäß mit dem heißen Wasser durch Zug am Kabel umgerissen werden, wenn man etwa am Kabel hängenbleibt, wodurch Verbrühungsgefahr besteht. Auch deshalb sind heute Wasserkocher gebräuchlicher, bei denen das Kabel aus dem Sockel herausführt.

Effizienzvergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tauchsieder arbeiten sehr energieeffizient. Das Heizelement befindet sich beim Betrieb direkt im Wasser. Der Wärmeverlust ist sehr gering, der Wirkungsgrad liegt bei über 98 %. Dem steht aber, je nach Primärenergiequelle, ein deutlich schlechterer Wirkungsgrad bei der Erzeugung des verwendeten Stromes gegenüber. Bei thermischen Kraftwerken beträgt dieser je nach Bauart nur zwischen 30 und 60 %. Tauchsieder sollen daher wie alle Elektrowärme-Geräte kostenbewusst eingesetzt werden. So sollte nur die Wassermenge erwärmt werden, die nötig ist.

Heute gebräuchliche Wasserkocher funktionieren nach dem gleichen Prinzip, sind jedoch mit einem Gefäß kombiniert und haben in der Regel einen Bimetallschalter (Temperaturschalter), der bei Erreichen der Kochtemperatur den Strom abschaltet. Bei Versagen dieses Schalters sorgt ein zusätzlicher, oft nicht rückstellbarer Übertemperaturschutz für sicheren Betrieb. Wasserkocher sollten dennoch nicht unbeaufsichtigt betrieben werden. Sie sind ähnlich effizient wie Tauchsieder.

Viele Fritteusen, Waschmaschinen, Samoware, Geschirrspüler und Elektroboiler haben Heizelemente in der Art eines Tauchsieders.

Das Erhitzen von Wasser auf einer Kochplatte ist aufgrund der Wärmekapazität der Platte deutlich weniger effizient und daher teurer.

Das Erhitzen von Wasser auf dem Gasherd ist zwar mit höheren Wärmeverlusten verbunden, es ist jedoch preiswerter als das elektrische Erhitzen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Tauchsieder – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Wittenberger: Chemische Laboratoriumstechnik, Springer-Verlag, Wien, New York, 7. Auflage, 1973, S. 147−148, ISBN 3-211-81116-8.