Tauerntunnel (Autobahn)

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Tauerntunnel
Tauerntunnel
Nordportal des Tauerntunnels nach dem zweiröhrigen Ausbau
Nutzung Straßentunnel
Verkehrsverbindung Tauern Autobahn A 10
Ort Flachauwinkl bzw. Zederhaus

Land Salzburg; Radstädter Tauern

Länge 6546 m
Fahrzeuge pro Tag Ø 18083 (2013)[1]
Anzahl der Röhren 2
Bau
Bauherr Tauernautobahn

Aktiengesellschaft (TAAG)

Baubeginn 28. Jänner 1971
Fertigstellung 1. Röhre: 1975

2. Röhre: 2010

Betrieb
Betreiber ASFINAG
Maut ja, Sondermautstrecke
Freigabe 1975
Lage
Tauerntunnel (Autobahn) (Land Salzburg)
Red pog.svg
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Koordinaten
Nordportal 47° 14′ 25,5″ N, 13° 25′ 21″ O
Südportal 47° 10′ 52,7″ N, 13° 26′ 21,8″ O

Der Tauerntunnel ist ein 6546 Meter langer Straßentunnel der Tauern Autobahn A 10. Gemeinsam mit dem Katschbergtunnel ist er ein wichtiger Bestandteil der Route von Villach nach Salzburg und zählt zu den meistbefahrenen Straßentunneln in Österreich.

Der Abschnitt zwischen Katschberg- und Tauerntunnel inklusive der Durchfahrung der beiden Tunnel selbst ist eine sogenannte Sondermautstrecke und schlägt derzeit mit 11,50 Euro zu Buche.[2] Der Streckenabschnitt ist, wie alle anderen Sondermautstrecken in Österreich, von der Vignettenpflicht ausgenommen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tauerntunnel unterquert die Radstädter Tauern zwischen Radstadt im Ennspongau und Tamsweg im Lungau. Das Nordportal des Tauerntunnels befindet sich bei Flachauwinkl, das Südportal bei Zederhaus. Er liegt unterhalb von Mosermandl und Pleißlingkeil im Hauptkamm der Berggruppe, etwa acht Kilometer westlich der Tauernpasshöhe bei Obertauern, einem der wichtigeren Alpenübergänge zwischen Brenner und Pyhrn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau 1975[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war der Tauerntunnel – ebenso wie der Katschbergtunnel – als zweiröhriger Autobahntunnel geplant. Aus Kostengründen und aufgrund des geringer als erwarteten Verkehrsaufkommens wurde 1975 jedoch nur eine der beiden Röhren fertiggestellt, die eine Länge von 6401 m besitzt. Die Pläne für die zweite Röhre wurden 1988 zwischenzeitlich aufgegeben.

Tunnelbrand 1999[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Mai 1999 gegen 04:50 Uhr früh kam es im Tauerntunnel nach einem Verkehrsunfall zu einem verheerenden Brand, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen und weitere 42 verletzt wurden. Unfallverursacher war ein oberösterreichischer LKW-Lenker, der im Sekundenschlaf mit seinem Fahrzeug auf eine vor einer Baustellenampel wartende PKW-Kolonne auffuhr. Drei PKW wurden dabei auf einen mit 24.000 Dosen Spraylack beladenen LKW geschoben und völlig zerquetscht. Austretender Treibstoff entzündete sich und verbrannte 16 LKW sowie 24 PKW.[3] Durch die enorme Hitzeentwicklung von bis zu 1200 °C konnte erst zwölf Stunden nach dem Unfall mit Löscharbeiten begonnen werden.[4]

Der Tunnel wurde so stark beschädigt, dass er für drei Monate gesperrt werden musste. Der Schaden wurde mit 28 Millionen Euro beziffert. Im Zuge der Sperre wurden über die Beseitigung der Brandschäden hinausgehende Sanierungsmaßnahmen, u. a. an der Tunnelauskleidung, Beleuchtung, den Signalanlagen und dem Belüftungssystem, durchgeführt.

Der Lenker des LKW wurde am 27. Juni 2001 in zweiter Instanz wegen fahrlässiger Gemeingefährdung rechtskräftig zu zwei Jahren Haft verurteilt (davon 21 Monate auf Bewährung).[3]

An den Unfall erinnert heute eine Gedenktafel an der Autobahnkapelle Flachau.

Ausbau 2006−2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 betrug der durchschnittliche Tagesverkehr 17.000 Fahrzeuge, ein Viertel davon waren LKW (4353).

Durch die Brandkatastrophe von 1999 wurden auch die Planungen für eine zweite Tunnelröhre wieder aufgenommen, die dann ab Juli 2006 errichtet wurde, mehr als 30 Jahre nach der ersten Röhre. Die erste Sprengung war offiziell für den 15. September 2006 gesetzt. Am 8. Juli 2008, um 14:32 Uhr, erfolgte nach 22 Monaten Vortrieb der Durchstich der zweiten Röhre, die 6546 Meter lang ist. Die 1,3 Millionen Kubikmeter Felsmaterial werden zu einem Teil für die Aufschüttung des Niveaus der neu zu bauenden Raststätte Tauernalm in Flachau und für Lärmschutzmaßnahmen verwendet. Die Bau- und Sanierungskosten – im Voraus auf 193 Millionen Euro veranschlagt – werden derzeit auf 213 Millionen Euro geschätzt.[5][6][7] Die Freigabe der neuen Röhre erfolgte am 30. April 2010. Danach wurde die erste Röhre generalsaniert und in dieser Zeit der Verkehr nur durch die neue Röhre geleitet.

Am 30. Juni 2011 wurde die sanierte Röhre des Tauerntunnels mit einem Festakt am Nordportal für den Verkehr freigegeben.[8] Seither stehen beide Röhren uneingeschränkt für den Verkehr zur Verfügung und nachdem bereits gut zwei Jahre zuvor der ausgebaute Katschbergtunnel freigegeben wurde, sind damit alle Tunnel der Tauernautobahn zweiröhrig befahrbar.

Früherer Tunnel – Bergbaustollen Zinkwand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Zinkwand

Bereits vor dem Bau des Tauerntunnels der A 10 gab es eine Durchquerungsmöglichkeit der Niederen Tauern. Der Stollen, der die Bundesländer Salzburg und Steiermark verbindet, stammt aus der Zeit, als beginnend mit dem 13. Jahrhundert dort Zink, Silber, Cobalt und Blei abgebaut wurde. Eine genauere Datierung des Stollens in der Zinkwand ist nicht möglich. Der unbeleuchtete Stollen liegt auf 2300 m Höhe, ist höchstens 300 m lang, ziemlich eben und wurde vom österreichischen Alpenverein (ÖAV) begehbar gemacht. Schon 1984 wurde auf der Schladminger Seite der Stollenlehrpfad „Zinkwand-Vöttern“ durch den ÖAV errichtet.[9]

Der Zugang kann im Zuge einer erst ab Hochsommer schneefreien 2-Tages-Rundtour, ab Hinterweißpriach (Lungau) (Zufahrt für Pkw ab Diktlerhütte mautpflichtig) erfolgen. Orientierung nach der Karte ist auf teilweise unmarkierten und sehr steilen Wegen gefordert, eventuell Klettersteigset für die Seilversicherung, Stirn- oder Taschenlampe und Reservelampe sind notwendig, Helm wird empfohlen. [10][11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Tunnelbrand:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tauerntunnel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dauerzählstellen 2013 Gesamtjahr 2013 (XLS; 0,5 MB). In: asfinag.at, abgerufen am 19. März 2014.
  2. Sonder- und Videomaut. Asfinag, abgerufen am 7. Juni 2014.
  3. a b Brand im Tauerntunnel 1999 (PDF; 117 kB) feuerwehr-flachau.at. Abgerufen am 26. März 2011.
  4. Brand unter Kontrolle. Spiegel Online. 29. Mai 1999. Abgerufen am 26. März 2011.
  5. ASFINAG: Baubeginn 2. Röhre Tauerntunnel bereits in ca. 2,5 Jahren. In: Lungauer Nachrichten. 10. Juli 2001, abgerufen am 30. November 2013.
  6. ASFINAG: A 10 Tauern Autobahn: 2. Röhre Tauerntunnel voll in Plan Baubeginn: August 2006
  7. Endlich Licht am Ende des Tauerntunnels. In: Salzburger Nachrichten. Aus Stadt und Land. 9. Juli 2008, S. 6/7.
  8. Schneller und teurer durch das Nadelöhr. In: FOCUS online. 29. Juni 2011, abgerufen am 30. Juni 2011.
  9. http://www.taurachsoft.at/erzweg/wolfskron/neuzeit_1850_bis_2000.htm Die Lungauer Bergbau-Chronik (1800–2000), Taurachsoft / Holger Belzer, abgerufen 7. Dezember 2015.
  10. Zinkwandrunde. styria-alpin.at, 30. August 2010, abgerufen am 22. November 2012 (pdf; 404 kB).
  11. http://derstandard.at/1757488/Der-erste-Tauerntunnel Bernd Orfer: Der erste Tauerntunnel, Spektakuläre Schönwetterroute für schwindelfreie Wanderer, 4. April 2006, zuvor: Printausgabe 7./8. August 2004; abgerufen 7. Dezember 2015.