Tauernwindpark

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Tauernwindpark
Tauernwindpark, Blick nach Osten (Februar 2008) 12 Windräder im Bild
Tauernwindpark, Blick nach Osten (Februar 2008) 12 Windräder im Bild
Lage
Tauernwindpark (Steiermark)
Tauernwindpark
Koordinaten 47° 16′ 22″ N, 14° 23′ 16″ OKoordinaten: 47° 16′ 22″ N, 14° 23′ 16″ O
Land OsterreichÖsterreich Österreich
Daten
Typ Windpark
Primärenergie Windenergie
Leistung 22,75 Megawatt
Betreiber Tauernwind Windkraftanlagen GmbH
Betriebsaufnahme 12/2002 (Erw.: 11/2004)
Turbine 13 × Vestas V66/1750

1 × Enercon E-82

Eingespeiste Energie pro Jahr 47–48 GWh
Website tauernwind.com
f2

Der Tauernwindpark, auch Windpark Oberzeiring, liegt am Schönberg im Gebirgsmassiv der Niederen Tauern in der Steiermark, Österreich, auf einer Höhe von 1900 m und ist der erste Windpark in der Steiermark. Sein Rang als höchstgelegener Windpark Europas wurde 2010 vom Windpark Gütsch und 2016 vom Windpark Gries, beide in der Schweiz, übernommen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tauernwindpark befindet sich in den Wölzer Tauern in der Obersteiermark an einem zentralen Punkt Österreichs. Er liegt auf dem Gemeindegebiet von Oberzeiring westlich bis westnordwestlich des Ortskerns in der Nähe und nördlich der Klosterneuburger Hütte. Der Windpark ist über eine Forststraße (Privatstraße) von Oberzeiring her zu erreichen. Die Straße vom westlich gelegenen Schigebiet Lachtal her ist im oberen Bereich mit einem Fahrverbot belegt.[1]

Der Höhenrücken zwischen Kobaldeck und Pichlerstein verläuft quer zur vorherrschenden Hauptwindrichtung und ist wegen seiner exponierten Lage sehr gut für den Betrieb von Windkraftanlagen geeignet. Die durchgeführten Windmessungen haben eine mittlere Windgeschwindigkeit von 7 m/s ergeben, was etwa den Windverhältnissen an der Nordseeküste entspricht.[2] Der Luftdruck ist auf 1900 m jedoch etwa um 20 % geringer als auf Meereshöhe.

Technische Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Solaranlage am SSO-Hang vor den Windrädern (September 2012)

Der Tauernwindpark bestand ursprünglich aus elf Windkraftanlagen des Typs Vestas V66/1750 mit einer Nennleistung von je 1,75 MW, die Dezember 2002 in Betrieb genommen wurden (Oberzeiring I).[2][3] Im Herbst des Jahres 2004 wurde der Tauernwindpark um zwei baugleiche Anlagen erweitert (Oberzeiring II, in Betrieb November 2004).[4][5] Die Gesamtleistung des Windparks erhöhte sich somit auf 22,75 MW. Die Türme haben 60 m Nabenhöhe, die Rotoren einen Durchmesser von 66 m.

Der jährliche Energieertrag beträgt etwa 56.000 MWh,[2][3] der Bedarf von etwa 13.000 Haushalten.[6] Der vom Tauernwindpark erzeugte Ökostrom trägt zu einer Öleinsparung von 12.000–15.000 t und einer CO2-Reduktion von um die 35.000 t jährlich bei.[7] Ein weiteres Windrad ist 2013 schon genehmigt, außerdem wurde eine Fotovoltaikanlage ergänzt.[8]

Entwickelt wurde die Anlage von EWS Consulting, betrieben werden sie von der Tauernwind Windkraftanlagen GmbH, ansässig in Pottenbrunn, Niederösterreich, einer Kooperation von Imwind Immobilien-Windkraft Verwaltungs- und Beteiligungs GmbH, Pottenbrunn (80 %), und WEB Windenergie AG, Pfaffenschlag (20 %), die besonders in Niederösterreich zahlreiche Anlagen betreibt.

Der Tauernwindpark ist nur von ca. Anfang April bis Ende Oktober über eine Zufahrtsstraße, die sogenannte Höhenstraße, mit dem Fahrzeug erreichbar. Im Winter kann der Höhenrücken vom Schigebiet Lachtal/Rossalpe mit dem Schlepplift oder zu Fuß erreicht werden bzw. mit den Spezialfahrzeugen der Tauernwind GmbH.[2]

Chronologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blätter der ersten Windräder sollen vom im August 2012 anwesenden Schwertransporthubschrauber Kamow Ka-32A12 der Heli Swiss von Oberzeiring (?) hochgeflogen werden. Warme Lufttemperatur (geringe Dichte) reduziert die Tragfähigkeit, es herrscht auch Nebel, der Pilot bricht beim 2. Versuch oder Flug ab. 1,5 Monate später im September 2012 bei kälterem Wetter erfolgen die Flüge erfolgreich. Die Masten werden per Straße transportiert

2002 Inbetriebnahme der ersten 11 Windräder als damals erster hochalpine und höchster Windpark der Welt

2004 Zusätzlich gehen zwei weitere baugleiche Windräder Vestas V-66 in Betrieb = insgesamt 13 Turbinen

2011 Die Photovoltaik-Module gehen auf der Tanzstatt (?) in Betrieb – mit 2 MW Spitzenleistung die zum Zeitpunkt der Errichtung größte Sonnenstromanlage in der Steiermark [9]

2013 ein Windrad, Enercon E-92, eines anderen Herstellers kommt dazu = insgesamt 14 Turbinen

Ab Mai 2018 werden die 13 älteren Windräder abgebaut, sind verkauft nach Kasachstan = nur die Turbine aus 2013 wird bleiben.

Ab August 2018 ist die sukzessive Inbetriebnahme der 9 neuen, größeren Windrädern geplant. [10]

10. August 2018 – ein neues Rotorblatt verunfallte beim Transport[11]

Mit Stand 21. August 2018 steht – sichtbar via Webcam – ein Mast der neuen Windräder (2018) am Westende des Windpark, 7 alte Windräder im Osten des Parks erscheinen baulich noch vollständig.[12]

Mit Inbetriebnahme aller 9 neuen Windräder soll sich die Gesamt(spitzen)leistung erhöhen und werden sich in Summe 10 Turbinen drehen.

Windenergie-Vorrangzone Oberzeiring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windpark und Beschneiungs­wasserteich des Schigebiets

Der ganze etwa 3½ km lange Gratzug von der Tanzstadlkapelle über Schönberg und Kobaldeck bis zum Steinerkogel ist im Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Windenergie (Sapro Windenergie) 2013[13] im Ausmaß von 1,5 km² als Vorrangzone zu weiterem Ausbau ausgewiesen. Das umfasst Anteile zwischen 1700 und 1920 m in den Gemeinden Oberzeiring, Pusterwald und Schönberg-Lachtal.[8] Das Programm schreibt vor, dass eine Erweiterung mindestens 10 MW, also drei bis vier moderne Anlagen, umfassen muss. Hier erscheint ein Ausbau durch das nahe Schigebiet durchaus landschaftsverträglich, und in der strategische Umweltprüfung zur Vorrangzone wurde betont, dass „durch die entsprechende Inszenierung der bestehenden Windräder als saubere Energiegewinnung und aufgrund der jahrelangen Einzigartigkeit dieses Windparks in der Steiermark die touristische Bedeutung des Gebietes bisher nicht beeinträchtigt wurde“[8] – der Tauernwindpark ist selbst zu einer Attraktion geworden.

Unfall beim Ersetzen durch größere Windräder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2018 werden die bestehenden Windräder nach und nach durch solche mit größerem Rotordurchmesser ersetzt. Dazu wurde ein Zwischenlager für Rotorblätter in Oberzeiring angelegt. Der etwa 15 km weite Transport der 56 m langen und 14 t schweren Rotorblätter erfolgt einzeln auf einem 8-achsigen (64-rädrigem) Selbstfahrer, einseitig hydraulisch eingespannt schräg nach oben ragend und dabei hydraulisch kipp- und schwenkbar. Der samt Ladung 84 Tonnen schwere Plattformwagen wird auf der steil bergauf führenden Privatstraße zusätzlich von einem Lkw gezogen. Am 10. August 2018 kippte ein mit einem neuen Rotorblatt beladener Selbstfahrer auf der Straße um 120° seitlich talwärts. Das Blatt kam dabei im Wald zu liegen, es entstand ein Sachschaden von mehreren 100.000 Euro. 2 Mann konnten vom Selbstfahrer abspringen und blieben unverletzt, der Zug-Lkw blieb stehen, die Deichsel hielt. Zum Aufstellen des Selbstfahrers – noch am selben Tag – dienten zwei Autokräne, das beschädigte Rotorblatt wurde dafür abgetrennt und gegen Abrutschen gesichert.[14]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kunstflieger Hannes Arch (1967–2016) flog Anfang April 2016 mit einem Flächenflugzeug Slalom zwischen den 14 60 m hohen und in etwa 100 m Abstand stehenden Masten des Parks. Die dreiflügeligen Turbinenräder sind dafür in Y-Position gestellt worden.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tauernwindpark (Oberzeiring) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klosterneuburger Hütte / Tanzstatt
  2. a b c d Beschreibung: Standort des Tauernwindparks, tauernwind.com
  3. a b Oberzeiring Windpark (Österreich, Teil 1, Teil 2, thewindpower.net
  4. Erweiterung, tauernwind.com
  5. Oberzeiring Windpark (Österreich), thewindpower.net
  6. 4-Personen-Haushalt, 3.500 kWh/a als übliches Vergleichsmaß
  7. Umweltbilanz, Erweiterung/Ökobilanz, beide tauernwind.com
  8. a b c Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Windenergie landesentwicklung.steiermark.at, abgerufen 11. August 2018. – Mit Links zu 1. Sachprogramm Wind (gesamt), 2. Verordnung zum Sachprogramm Wind, 3. Novelle zum Sachbereich Windenergie.
  9. ImWind Group GmbH: Stellungnahme zum Entwurf des SaPro Windenergie verwaltung.steiermark.at, 7. April 2013, abgerufen 11. August 2018.
  10. https://www.kleinezeitung.at/steiermark/murtal/5462573/Tauernwindpark_Spektakulaerer-Neubau-eines-Windparks#image-Tauernwindpark_1531318064748205
  11. Lkw-Unfall: Mehrere 100.000 Euro Schaden orf.at, 11. August 2018, abgerufen 21. August 2018.
  12. Webcam tauernwind.com, 21. August 2018, 15:38 CEST.
  13. Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 20. Juni 2013, mit der ein Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Windenergie erlassen wird. LGBl. Nr. 72/2013 (i.d.g.F. online, ris.bka).
  14. Lkw-Unfall: Mehrere 100.000 Euro Schaden orf.at, 11. August 2018, abgerufen 11. August 2018.
  15. Hannes Arch: Die spektakulärsten Aktionen des Luftakrobaten salzburg.com, 10. September 2016, abgerufen 10. September 2016.