Tawan Tolgoi

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Tagebau der Tawan Tolgoi AG.
UHG Ukhaa Khudag Projekt der Energy Resources LLC.
UHG-Tagebau in Tawan Tolgoi.
UHG-Firmen-Camp.
Kohletransporter nach China.

Tawan Tolgoi (mongolisch Таван толгой, auf deutsch „Fünf Hügel“) ist eine Lagerstätte hochwertiger, im Tagebau abbaubarer Steinkohle im Landkreis (Sum) Tsogttsetsii des Ömnö-Gobi-Aimags (Provinz Süd-Gobi) im Süden der Mongolei. Die Bevölkerungszahl dieser aus Firmen-Camps bestehenden Siedlung liegt bei 313 (31. Dezember 2009[1]), während im gesamten Landkreis 2.642 Menschen (2009) leben. Durch die Bergbauprojekte in der Region wird sich nach Einschätzung des mongolischen Ministeriums für Bauen und Stadtentwicklung die Bevölkerungszahl in Tsogttsetsii bis zum Jahr 2020Vorlage:Zukunft/In 3 Jahren auf 37.500 erhöhen.[2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tawan Tolgoi befindet sich im Süden der Wüste Gobi und liegt 15 Kilometer südwestlich vom Zentrum des Landkreises (Sum) Tsogttsetsii und 98 Kilometer östlich von Dalandsadgad, der Hauptstadt des Ömnö-Gobi-Aimags. Die gesamte Lagerstätte hat ein Ausmaß von ca. 30 × 40 km.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Kohleabbau im Tagebau wurde 1967 begonnen. Die Kohleförderung betrug 38,5 Mio. Tonnen im Jahr 2003, 64,2 Mio. Tonnen im Jahr 2004, 2005 – 404,6 Mio. Tonnen im Jahr 2005 und 787,1 Mio. Tonnen im Jahr 2006.[3] Hinsichtlich des gesamten Ausmaßes steht jedoch Tawan Tolgoi erst am Anfang. Während in einem kleineren Teil Chinesen den Abbau vornehmen, besaß das staatliche Unternehmen „Tawan Tolgoi AG“ mehr als 70 % der Vorkommen. Ein Anteil von 10 % der Vorkommen ist in der Hand des Unternehmens „Energy Resources“, das mit modernster Technik im Rahmen des Projektes UHG (Ukhaa Khudag) die Erschließung vorantreibt. Hauptabnehmer ist in allen drei Teilen von Tawan Tolgoi China.[4]

2008 beschloss die Regierung, 20 Prozent der Anteile an die Bevölkerung zu verteilen. Seitdem besaß jeder Mongole 1072 Anteile am Bergwerk. 2012 entsprach das dem Wert von einer Million Tugrik (etwa 600 Euro). Ein Gang an internationale Börsen scheiterte. Im Mai 2012 gestattete die Regierung den Rückverkauf der Anteile an den Staat.[5]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während bisher der Transport zur chinesischen Grenze mit Lastwagen auf einer Wüstenpiste erfolgt, ist für die nähere Zukunft mit Projektierungshilfe von der Deutsche Bahn-Tochtergesellschaft DB-International der Bau einer 268 km langen Eisenbahnverbindung von Ukhaa Khudag (UHG) bis zum mongolischen Grenzort Gashuun Sukhait und eine Verlängerung bis nach Linhe auf chinesischer Seite geplant. Die für den Abtransport von Kohle mit einer Achslast von 25 Tonnen vorgesehene, eingleisige Strecke konnte im Jahr 2015 in Betrieb gehen.[6][7][8]

Zu Beginn des Jahres 2009 begann das chinesische Bergbauunternehmen Shenhua Energy, das der mongolischen Regierung seine Unterstützung bei der Erschließung von Tawan Tolgoi anbot, mit dem Bau einer 354 km langen Eisenbahnverbindung von Baotou bis zum chinesischen Grenzort Ganqimaodu, gegenüber vom mongolischen Gashuun Sukhait gelegen. Die Fertigstellung der Strecke war für 2016[veraltet] geplant.[9] 60 Millionen Tonnen Kupfer und Gold sollen damit jährlich nach China befördert werden können.[10]

Zugleich wurde der Umbau der Sandpisten vorgesehen, zunächst in Form von Schotterstraßen und später mit asphaltierten Straßen.

Selbstverbrennung eines Gewerkschaftsleiters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Pressekonferenz am 13. November 2015 in der Mongolei kam es zu einer dramatischen Protest-Aktion: der Gewerkschaftsleiter des Erdenes-Tawan-Tolgoi-Unternehmens sagte: „Die Regierung unterstützt nicht mehr unser Unternehmen, die Familien der Arbeiter sind gezwungen zu verhungern, das ist der Grund, warum ich mich für die Menschen der Mongolei und unsere Kinder verbrennen werde.“ Er übergoss sich mit Benzin und zündete sich an. Die Mongolei plante den Verkauf von Anteilen an 10 Staatsunternehmen, darunter ein Teil des Tawan-Tolgoi-Projektes.[11][12][13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ömnögovi Aimag Statistical Office
  2. Infrastructure strategy of south region. Ministry of Construction and Urban Development of Mongolia, abgerufen am 9. Dezember 2016 (PDF; 1,4 MB, englisch).
  3. Ömnögovi Provinz Webseite
  4. Ein gottverlassener Ort – aber es riecht nach Geld in FAZ vom 28. Juli 2011, Seite 3
  5. Der Nomade fährt Auto. In: faz.net. Abgerufen am 9. Dezember 2016.
  6. Vgl. Deutsche Bahn AG, „DB erhält Zuschlag für Bahnprojekt in der Mongolei“, Pressemeldung vom 26. März 2009. Abgerufen am 27. März 2009.
  7. Vgl. Deutsche Bahn AG, Projektsteckbrief Ukhaa Khudag – Gashuun Sukhait, South Gobi Desert Rail, Mongolia; Übersichtskarte. Abgerufen am 27. März 2009 (PDF; 272 kB).
  8. Rebecca Schmücking: Bergbau in der Mongolei – Alles ist möglich. In: Gesamtverband Steinkohle e.V. (Hrsg.): Mining Report. Nr. 01 (2016). Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH, Herne 2016, S. 54.
  9. https://www.bloomberg.com/news/articles/2014-10-24/mongolia-embraces-china-with-railway-to-lower-transport-costs
  10. China National Coal Mining Company, Shenhua Energy Co. Plans Purchase Coal Mine From Mongolian. Abgerufen am 15. April 2010.
  11. Tod als Protest: Selbstverbrennung auf Pressekonferenz. Abgerufen am 9. Dezember 2016.
  12. Erdenes TT worker sets fire to himself in a press conference protest. Abgerufen am 9. Dezember 2016 (englisch).
  13. Mongolian trade union leader shockingly sets himself on fire at press conference to protest China coal mine deal. Abgerufen am 9. Dezember 2016 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tawan Tolgoi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 43° 37′ 30″ N, 105° 28′ 27″ O