Taxi Teheran

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Filmdaten
Deutscher Titel Taxi Teheran
Originaltitel Taxi
Produktionsland Iran
Originalsprache Farsi
Erscheinungsjahr 2015
Länge 82 Minuten
Altersfreigabe FSK 0[1]
Stab
Regie Jafar Panahi
Drehbuch Jafar Panahi
Produktion Jafar Panahi Film Production
Besetzung
  • Jafar Panahi: Jafar Panahi, Taxifahrer
  • Hana Saeidi: Nichte von Panahi
  • Nasrin Sotudeh: „Blumenfrau“

u.a.

Taxi Teheran (Originaltitel: Taxi) ist eine iranische Dokufiktion des Regisseurs Jafar Panahi aus dem Jahr 2015.

Im Film fährt ein Taxi durch die Straßen Teherans und nimmt verschiedene Fahrgäste auf, um sie zu ihren Bestimmungsorten zu bringen. Wie einige von ihnen erkennen, sitzt der Regisseur Jafar Panahi am Steuer. Am Armaturenbrett hat er eine Kamera befestigt, die er auf die Fahrgäste richtet, während er sich mit ihnen unterhält.

Der Film feierte am 6. Februar 2015 im Rahmen der 65. Berlinale seine Weltpremiere. Er gewann dort den Goldenen Bären[2] und den FIPRESCI-Preis für den besten Film in der Sektion „Wettbewerb“.[3] Der deutsche Kinostart war am 23. Juli 2015.[4]

Produktionsbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jafar Panahi darf aufgrund eines Berufsverbotes der iranischen Regierung seit 2010 offiziell keine Filme mehr drehen. Nach In Film Nist (Dies ist kein Film, 2011) und Pardé (Closed Curtain, 2013) ist Taxi der dritte Film, den Panahi heimlich produzierte und zur Präsentation auf internationalen Festivals außer Landes schmuggelte. Nachdem er Taxi erfolglos dem Teheraner Fajr-Filmfestival angeboten hatte, wurde der Film schließlich zur Berlinale eingereicht.[5]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Taxi fährt durch die Straßen einer Stadt. Nachdem zunächst nur vom Armaturenbrett aus das Verkehrsgeschehen im Fokus steht, schwenkt der Fahrer die Kamera später insbesondere auf die im Fahrzeug befindlichen Personen oder andere im Umfeld des Taxis befindliche Dinge oder stattfindende Ereignisse. Eine ins Auto eingestiegene Person ist ein Mann mittleren Alters. Als wenig später zudem eine Frau zusteigt, beginnen die beiden eine hitzige Diskussion über die Bestrafung von Dieben, die die Räder an einem Auto gestohlen haben. Während der Mann für die Hinrichtung einiger Diebe als abschreckendes Beispiel plädiert, nimmt die Frau die Straftäter in Schutz, da sie sich oft genug in einer Notlage befänden. Sie gibt im Gespräch an, als Lehrerin zu arbeiten. Der Mann zögert jedoch, zu sagen, womit er sein Geld verdient. Erst in der Tür stehend beim Aussteigen sagt er, dass er ein Taschendieb sei, dies allerdings etwas anderes sei, als das verabscheuungswürdige Stehlen von Autorädern. Wenig später verlässt auch die Frau das Fahrzeug.

Da der Fahrer den Weg zu einigen wichtigen Orten in der Stadt wie zu einem Krankenhaus nicht kennt, wird klar, dass es dem Fahrer an Erfahrung bzw. Ortskenntnis mangelt. Ein weiterer Fahrgast erkennt den Fahrer bald auch als den Filmemacher Jafar Panahi und vermutet, dass er aufgrund seines Berufsverbotes jetzt als Taxifahrer arbeiten muss.

Kurz darauf wird das Taxi von einer aufgeregten Personengruppe angehalten, die einen schwerverletzten, am Kopf blutenden Mann auf die Rückbank legen und darum bitten, ihn zum nächsten Krankenhaus zu fahren. Eine Frau setzt sich zu ihm, die die Ehefrau des verletzten Mannes ist. Sie gibt an, dass sie gerade einen Mopedunfall hatten, bei dem ihr Mann trotz ihrer häufigen Hinweise keinen Helm trug. Die Frau fällt zudem durch fast hysterisches Verhalten auf, da sie befürchtet, dass ihr Mann stirbt. Ihr Ehemann ist jedoch bei Bewusstsein und verlangt während der Fahrt, sein Testament machen zu können. Seine Familie werde es zwar schwerlich akzeptieren, aber er beabsichtige, allein seine Frau als Erbin einzusetzen. Panahi stellt sein Handy zur Aufnahme des letzten Willens des Mannes zur Verfügung und gibt der Frau im Anschluss seine Telefonnummer. Kaum wurde ihr Mann im Krankenhaus eingewiesen, ruft sie Panahi an, nur um sicherzugehen, dass er ihr die richtige Nummer gegeben hat. Kurze Zeit später ruft die Frau noch einmal zurück. Ihr Mann sei außer Lebensgefahr, sie brauche aber trotzdem die Aufnahme des Testaments, man wisse ja nie.

Panahi befördert derweil weiterhin den Mann namens Omid, der ihn erkannt hatte. Es stellt sich heraus, dass er mit schwer erhältlichen und zudem illegalen Kopien westlicher Filme handelt. Omid stellt Panahi einem seiner Kunden als seinen Partner vor, woraufhin dieser ihn als „Fachmann“ bittet, ihm bei der Filmauswahl zu helfen. Panahi geht auf den Wunsch ein und gibt dem jungen Mann eine Reihe von Empfehlungen. Als er den Schwarzhändler darauf anspricht, bietet dieser ihm an, in sein Geschäft einzusteigen. Panahi lehnt jedoch dankend ab und verabschiedet den sichtlich enttäuschten Omid.

Des Weiteren werden zwei Frauen mit einem Goldfischglas befördert, die in der Zwangsvorstellung leben, sie müssten sterben, wenn ihre zwei Fische nicht bis 12 Uhr zur Ali-Quelle gebracht werden. Panahi lässt sie in ein anderes Taxi umsteigen, weil er seine Nichte von der Schule abholen muss.

Schließlich steigt seine redselige Nichte Hana in das Taxi. Als Hausaufgabe soll sie einen Film drehen. Mit ihrer Kamera nimmt sie daher während der Fahrt alles auf, was ihr vor die Linse kommt. Von der Schule hat sie eine Reihe von Regeln für „zeigbare Filme“ mitbekommen: Die islamische Kleiderordnung gilt es zu beachten, Frauen und Männer dürfen einander nicht berühren, es darf keine Schwarzmalerei vorkommen. Hana fragt sich, wie sie die Realität wahrheitsgetreu darstellen soll, wenn sie ihre negativen Seiten nicht zeigen darf. Während eines Zwischenstopps filmt Hana einen Jungen, wie er einen Geldschein von der Straße aufhebt, den gerade ein Bräutigam beim Einsteigen in das Hochzeitsauto verloren hat. Empört bittet sie den Jungen, das Geld zurückzugeben, weil ihr Film ansonsten ruiniert sei. Hana will Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit zeigen, die Tat des Jungen dagegen würde ihren Film unzeigbar machen.

Bei einer Unterbrechung der Fahrt trifft Panahi einen früheren Nachbarn, der ihm ein Video von einer Überwachungskamera zeigt, auf dem zu sehen ist, wie er in seinem Haus überfallen wird. Obwohl er das Paar erkannt hatte, hat er es nicht angezeigt, da er weiß, dass es in Geldnot war, und, wie er aufgrund von Medienberichten über ähnliche Fälle vermutet, diesem eine schlimme Bestrafung drohen würde.

Im weiteren Fahrtverlauf nimmt Panahi mit großer Freude eine mit Rosen beladene „Blumenfrau“ mit, die ihm bekannte Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh. Sie will zu einer Mandantin, die mit Freundinnen ein Volleyballspiel besuchen wollte und deswegen schon längere Zeit in Untersuchungshaft sitzt. Nun ist sie in den Hungerstreik getreten. Sie sprechen auch über das Berufsverbot, das ausgerechnet von der Anwaltskammer gegen Sotudeh beantragt wurde.

Zuletzt parkt Panahi das Taxi an der Ali-Quelle und steigt mit Hana aus, um das Portemonnaie zurückzugeben, das eine der Frauen mit den Fischen im Taxi liegengelassen haben muss. Da hält ein Motorrad, der Beifahrer bricht in das Auto ein und entfernt die Kamera. Die Kinoleinwand wird dunkel. Der Mann stellt fest, dass sich keine Speicherkarte in der Kamera befindet. Offenbar wollte er die Filmaufnahmen von Taxi stehlen.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panahi lade sich „ausgesucht unlösbare Probleme seiner leidenden Heimat in den Wagen, die nach ein paar Kreuzungen dann stets tatsächlich komplett ungelöst wieder aussteigen müssen, um weiteren Sorgen Platz zu machen: Mitläuferstumpfsinn, frauenfeindliches Erbrecht, Kleinkriminalität, Armut, Aberglauben und die Rechtsunsicherheit nicht nur der Opposition treten auf und ab [...] Schmerz, Todesgefahr, Ehekomödie, Gesellschaftskritik, und das alles wie nebenbei, mit schwebender Meisterhand gezeichnet“, schreibt Dietmar Dath über Taxi in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.[6]

Für Anke Sterneborg von der Süddeutschen Zeitung ist es „ein Film voller Widerspruchsgeist und Witz, weshalb man kaum anders kann, als an die gespitzten Bleistifte von Karikaturisten zu denken“.[7]

Nach Ansicht von Anke Sterneborg und Susan Vahabzadeh (Süddeutsche Zeitung) macht Panahi „das Taxi, das er durch die Straßen von Teheran steuert, zu einem Freiraum auf Rädern, in dem alles möglich ist – und die Fahrgäste, die er unterwegs einsammelt, werden zu Widerstandskämpfern.“ Nach Ansicht der Autorinnen jongliere er dabei „auf raffinierte Art [...] mit den Versatzstücken von Fiktion und Realität, die im iranischen Kino ohnehin eine konspirative Verbindung eingehen.“[8]

„Panahis Film ist weit mehr als eine Spiegelung seiner eigenen Lage, sondern auch eine Reflexion über moderne Medien, das Filmemachen und Lüge und Wahrheit in seinem Lande“, befindet Hanns-Georg Rodek in der Welt. Das „vielleicht größte Wunder“ ist für ihn dabei, dass Taxi „ohne Spur von Bitternis und Verbissenheit“ auskomme.[9]

Auch die Internationale Jury der Berlinale 2015 würdigte im Rahmen der Verleihung des Goldenen Bären die Tatsache, dass Panahi es sich nicht erlaube, mit Wut und Frustration auf sein Berufsverbot zu reagieren. Stattdessen habe er mit Taxi einen Liebesbrief an das Kino kreiert, an seine Kunst, seine Community, sein Land und sein Publikum.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Taxi Teheran. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Juni 2015 (PDF; Prüf­nummer: 152 307 K).
  2. Berlinale-Preisverleihung – Im Taxi zur Wahrheit auf faz.net abgerufen am 15. Februar 2015
  3. Information auf berlinale.de, abgerufen am 15. Februar 2015
  4. Tobias Mayer: Berlinale-Gewinner "Taxi" hat deutschen Kinostart. Filmstarts, 18. Februar 2015, abgerufen am 1. April 2015.
  5. "Freiraum auf Rädern", Süddeutsche Zeitung vom 16. Februar 2015
  6. Dietmar Dath: Die Wahrheit als Mitfahrgelegenheit. FAZ, 7. Februar 2015, abgerufen am 14. Februar 2015.
  7. Anke Sterneborg: Mit dem Taxi durch Teheran. sueddeutsche.de, 7. Februar 2015, abgerufen am 14. Februar 2015.
  8. Anke Sterneborg und Susan Vahabzadeh: Freiraum auf Rädern. In: Süddeutsche Zeitung vom 16. Februar 2015, S. 9.
  9. Hanns-Georg Rodek: Diese Taxifahrt durch Teheran ist lebensgefährlich. Die Welt, 6. Februar 2015, abgerufen am 14. Februar 2015.
  10. Darren Aronofsky über die Juryentscheidung. Preisverleihung der 65. Berlinale. 14. Februar 2015, abgerufen am 15. Februar 2015.