Te Deum (Lully)

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Jean-Baptiste Lully

Das Te Deum (LWV 55) von 1677 ist des italienisch-französischen Komponisten Jean-Baptiste Lullys größte Arbeit mit lateinischem Text, geschrieben zur Verherrlichung der Regentschaft Ludwigs XIV., in Fontainebleau erstmals aufgeführt am 9. September des Jahres zur Taufe von Louis Lully.

Unter Lullys zwölf grands motets nimmt das Te Deum eine besondere Stellung ein: Es steht mittig zwischen den beiden Gruppen einer frühen und einer späten Phase und ist von ihnen jeweils durch eine mehrjährige Pause auf dem Gebiet der Kirchenmusik getrennt. Persönlich bedeutsam war für Lully, dass der König für seinen Sohn die Patenschaft übernahm: Nach dem Ränkespiel um die Oper Isis und der aufreibenden affaire Guichard war dies ein sichtbarer Vertrauensbeweis. Je nach dem vom Dirigenten vorgegebenen Tempo dauert die Aufführung des Stückes 28 bis 40 Minuten. In der höchstwahrscheinlich unter Lullys Aufsicht entstandenen gedruckten Ausgabe finden sich ungewöhnlich genaue Anweisungen zur Aufführung. Dabei war die vorgeschriebene Trompete in der Kirchenmusik dieser Zeit eher selten. Der König mochte das Stück und wollte es mehrmals hören. Im frühen 18. Jahrhundert war Lullys Kirchenmusik wenig geschätzt, mit Ausnahme des Te Deum.[1]

1687 erkrankte der französische König Ludwig XIV. schwer. Anfangs klagte er nur über Zahnschmerzen, die Ärzte wollten den Zahn ziehen, stellten sich jedoch so ungeschickt an, dass sie dem König ein Stück des Oberkiefers herausrissen. Man brannte die stark blutende Wunde mit einem glühenden Eisen aus. Man rechnete schon mit dem Tod des Königs, doch dieser erholte sich. Für die Feierlichkeiten über die Genesung des Königs bearbeitete Lully sein 1678 komponiertes Te Deum und plante eine Aufführung mit allen 300 Hofmusikern. Als er es am 8. Januar 1687 aufführte, passierte ein Unglück: Lully schlug den Takt mit einem langen reich verzierten schweren Stab. Der temperamentvolle Mann schlug so heftig den Takt, dass er sich den Stab in den Fuß rammte. Die Wunde entzündete sich rasch und infizierte sich mit Wundbrand. Da sich Lully weigerte, den Zeh amputieren zu lassen, verstarb der Komponist wenige Monate darauf und wurde unter großer Anteilnahme begraben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Hajdu Heyer (Hrsg.): Jean-Baptiste Lully: Jubilate Deo (Motet) / Te Deum (Motet), Georg Olms Verlag, Hildesheim / Zürich / New York 2009, ISBN 978-3-487-11534-4, S. XXII–XXV.