Technische Spezifikationen für die Interoperabilität

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Technische Spezifikationen für die Interoperabilität (TSI) sind Spezifikationen für Interoperabilität im Schienenverkehr des Europäischen Wirtschaftsraums. In der Schweiz gelten diese Vorschriften als Regeln der Technik und Sorgfaltsregeln.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die TSI wurden zur Durchsetzung der EG-Richtlinie 96/48/EG erschaffen und wurden schrittweise ab 1999 herausgegeben. Die Historie wird von der Europäischen Eisenbahnagentur (ERA) veröffentlicht.[2]

Die ERA ist bestrebt, die TSI zunächst technisch konsistent zu machen und räumt verschiedene Übergangsfristen ein. Darüber hinaus gehende Anpassungen sollen nur für Vereinfachungen erfolgen.[3]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den einzelnen TSI werden Eigenschaften festgelegt, die Teilsysteme der Eisenbahnen aufweisen müssen, um ein durchgängig nutzbares Eisenbahnsystem zu erhalten. Diese Teilsysteme umfassen:

In der ersten Ausgabe gab es auch ein eigenes funktionales Teilsystem für Instandhaltung, das mittlerweile in die anderen Teilsysteme integriert wurde.

Für diese Teilsysteme werden jeweils TSI erlassen, die seit 2015 gleichermaßen für den Hochgeschwindigkeitsverkehr und für den konventionellen Verkehr gelten und auch den erweiterten Bereich der nationalen Schienennetze umfassen. Ergänzend werden Querschnittsthemen (Sicherheit in Eisenbahntunneln und Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität) in übergreifenden TSI behandelt.

Die Spezifikationen beschreiben technische Anforderungen und ihre Nachweisführung um die Durchführung der allgemeinen EG-Richtlinien 96/48/EG zur Interoperabilität des transeuropäischen Hochgeschwindigkeitsbahnsystems und 2001/16/EG für konventionellen Eisenbahnsysteme zu regeln, welche zuletzt durch die Richtlinie 2004/50/EG geändert und inzwischen in der Richtlinie 2008/57/EG über die Interoperabilität des Eisenbahnsystems in der Gemeinschaft zusammengefasst wurden. TSI gelten seit 2015 aufgrund ihres Status als Verordnung der Europäischen Kommission direkt in den jeweiligen Ländern. Die bisherigen TSI mussten von den einzelnen Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Dies geschah in Deutschland durch die Verordnung über die Interoperabilität des transeuropäischen Eisenbahnsystems (TEIV).[4]

Vorgaben zur Interoperabilität des Eisenbahnsystems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für neue, umgerüstete oder erneuerte Teilsysteme ist gemäß Kapitel IV IOP-RL 2008/57/EG nach dem in der jeweiligen TSI geforderten und beschriebenen EG-Konformitätsbewertungsverfahren durch eine Benannte Stelle eine EG-Prüfbescheinigung auszustellen, welche die Grundlage der Prüferklärung und der Inbetriebnahmegenehmigung ist (vgl. Art 20 der IOP-RL).

Für das Inverkehrbringen von Interoperabilitätskomponenten, also „Bauteilen, Bauteilgruppen, Unterbaugruppen oder kompletten Materialbaugruppen, die in ein Teilsystem eingebaut sind oder eingebaut werden“ (Art 1 lit f IOP-RL 2008/57/EG), ist analog ein Verfahren zur Erstellung einer EG-Konformitäts- und Gebrauchstauglichkeitserklärung (Kapitel III, Art 10 ff IOP-RL) vorgeschrieben.

Die in Kapitel V IOP-RL geregelte EG-Prüfbescheinigung berechtigt ihren Inhaber, für jedes einzelne Fahrzeug der betreffenden Fahrzeugserie die Konformität mit den Anforderungen der TSI zu erklären. Ohne diese Erklärung kann ein Fahrzeug nicht in Betrieb genommen werden.

Für Teilsysteme, für die noch keine TSI existiert, sind weiterhin die nationalen Zulassungsverfahren anzuwenden.

In Deutschland gibt es nur eine benannte Stelle mit dem Namen Eisenbahn Cert. In anderen Staaten der EU sind weitere benannte Stellen registriert. Die bei einer benannten Stelle erworbenen Zertifikate sind europaweit gültig.

Verordnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit sind die folgenden Verordnungen (TSI) der EU gültig und werden in Deutschland durch die Benannte Stelle vertreten:[5]

Teilsystem Abkürzung
(engl.)
Entscheidung Gültigkeit
Infrastruktur INS 2014/1299 seit 1. Januar 2015
Sicherheit in Eisenbahntunneln SRT 2014/1303 seit 1. Januar 2015
Sicherheit in Eisenbahntunneln SRT rev 2016/912 seit 1. Juli 2016
Energie ENE 2014/1301 seit 1. Januar 2015
Energie ENE rev 2014/1301 seit 15. Januar 2015
Zugsteuerung, Zugsicherung
und Signalgebung
CCS 2016/919 seit 1. Juli 2016
Zugsteuerung, Zugsicherung
und Signalgebung
CCS rev 2008/386 seit 7. November 2006
Zugänglichkeit für Menschen
mit Behinderung und Menschen
mit eingeschränkter Mobilität
PRM 2014/1300 seit 1. Januar 2015
Fahrzeuge – Lärm NOI 2014/1304 seit 1. Januar 2015
Fahrzeuge – Lokomotiven und Personenwagen LOC&PAS 2014/1302 seit 1. Januar 2015
Fahrzeuge – Lokomotiven und Personenwagen LOC&PAS rev 3 2014/1302 seit 19. April 2016
Fahrzeuge – Lokomotiven und Personenwagen LOC&PAS rev 2 2014/1302 seit 22. Dezember 2015
Fahrzeuge – Lokomotiven und Personenwagen LOC&PAS rev 1 2014/1302 seit 16. Januar 2015
Fahrzeuge – Güterwagen WAG 2013/321 seit 1. Januar 2014
Fahrzeuge – Güterwagen WAG rev 1 2013/1236 seit 1. Januar 2014
Fahrzeuge – Güterwagen WAG rev 2 2013/321 seit 1. Juli 2015
Fahrzeuge – Güterwagen WAG rev 2012/464 seit 24. Januar 2013

Darüber hinaus werden in Deutschland durch DB Netz folgende TSI im Telematikbereich koordiniert:

Teilsystem Abkürzung
(engl.)
Entscheidung Gültigkeit
Telematik – Güterverkehr TAF 2014/1305 seit 1. Januar 2015[6]
Telematik – Personenverkehr TAP 2011/454 12. Mai 2011[7]

Hochgeschwindigkeitsklassen für Züge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Züge werden in zwei Hochgeschwindigkeitsklassen eingeteilt:

  • Klasse 1: Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von größer oder gleich 250 km/h
  • Klasse 2: Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 190 km/h, jedoch unter 250 km/h.

Darüber hinaus gibt es auch noch eine Spezifikation der geschwindigkeitsabhängigen dynamischen Radlast, wo die Grenze bei 250 km/h jedoch anderes inkludiert wird:

V (km/h) dynamische Radlast (kN)
190 < V ≤ 250 180
250 < V ≤ 300 170
V > 300 160

Streckenklassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Herausgabe der neuen TSI zum 1. Januar 2015 wurden die Streckenklassen neu definiert und markt-/produktspezifische Streckenklassen mit den Bezeichnungen P1 – P6 für den Personenverkehr sowie F1 – F4 für den Güterverkehr eingeführt.

Durch die TEN-T-Verordnung VO (EU) 1315/2013 wurden auch die Bezeichnungen der europäischen Strecken neu geregelt, es gibt nun die Korridore im Kernnetz (core network) sowie das Gesamtnetz (comprehensive network). Hierbei wird unter dem Gesamtnetz aber nur das aus europäischer Sicht notwendige Netz eines Mitgliedsstaates gesehen, nicht das gesamte Eisenbahnnetz eines Mitgliedstaates, der Begriff ist also nicht eindeutig.

In der bisherigen TSI-INF waren folgende Streckenklassen definiert und mittels römischen Ziffern unterschieden[8]:

  • Neue TEN des Kernnetzes (IV)
  • Ausgebaute TEN-Strecke des Kernnetzes (V)
  • Neue weitere TEN-Strecke (VI)
  • Ausgebaute weitere TEN-Strecke (VII)

In Illustrationen des europäischen Schienennetzes werden oft nur die Verbindungen bis Kategorie V abgebildet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Technische Spezifikationen für die Interoperabilität (TSI). Bundesamt für Verkehr. Abgerufen am 10. Mai 2014.
  2. Chronology of TSIs. In: Webseite. Europäische Eisenbahnagentur, 18. Juli 2016, abgerufen am 17. Januar 2018 (englisch).
  3. Timon Heinrici, Werner Balsen: Es geht voran – wenn auch langsam. In: Deutsche Verkehrs-Zeitung. Nr. 75, September 2016, ISSN 0342-166X, S. 10.
  4. Verordnung über die Interoperabilität des transeuropäischen Eisenbahnsystems. juris. Abgerufen am 10. Mai 2014.
  5. Eisenbahn-Cert - Technische Spezifikationen (TSI). In: Webseite. EISENBAHN-CERT; Benannte Stelle Interoperabilität, abgerufen am 17. Januar 2018.
  6. Amtsblattinhalt L356. EU, 15. Dezember 2014, abgerufen am 15. Dezember 2014 (PDF).
  7. Liste der Dokumente zu Verordnung über "technical specification for interoperability relating to the subsystem 'telematics applications for passenger services' of the trans-European rail system". EU, Europäische Eisenbahnagentur, 5. Mai 2011, abgerufen am 2. April 2016 (PDF-Dokumentenliste, englisch).
  8. Amtsblatt der Europäischen Union - Beschluss der Kommission vom 26. April 2011 - eur-lex.europa.eu