Tee-Extraktkännchen MT 49

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Das Tee-Extraktkännchen MT 49 wurde 1924 von der Designerin Marianne Brandt während ihrer Studienzeit am Bauhaus in Weimar entworfen. Heute gilt das Kännchen neben den Entwürfen von Wilhelm Wagenfeld und Wolfgang Tümpel als eine der wichtigsten Arbeiten der Metallwerkstatt.

Design[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marianne Brandt war bestrebt, die für das Bauhaus typischen, einfachen geometrischen Gestaltungsformen QuadratKreisDreieck als Basis für ihren Entwurf der Kanne zu verwenden.[1] Die Basis des 7,5 cm hohen Tee-Extraktkännchens bilden, wie auch bei dem zeitgleich entstandenen Aschenbecher, zwei kreuzweise angeordnete Balken, auf dem der halbkugelförmige Korpus der Kanne ruht. Die Oberseite der Kanne beschreibt einen exakten Kreis, auf dem, asymmetrisch angeordnet, ein Deckel in Form eines flachen Zylinders eingelassen ist. Der Tülle gegenüber wurde – gehalten durch ein dreieckiges Verbindungselement – ein Griff in Form einer halbkreisförmigen Scheibe aus Ebenholz angebracht. Neben diesem wurde auch der Griff des Deckels aus Ebenholz gefertigt, um eine gute Wärmeisolation zu gewährleisten. Das Extraktkännchen war mit einem herausnehmbaren Teesieb ausgestattet.

Gefertigt wurde das Tee-Extraktkännchen ursprünglich aus Messingblech, das innen versilbert wurde.[2] Im Gegensatz zu den früheren Arbeiten der Metallwerkstatt unter Johannes Itten und Gyula Pap, die durch gehämmerte Oberflächen gekennzeichnet waren, sind die Arbeiten von Marianne Brandt durch getriebene, ebene Oberflächen charakterisiert.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Juni 1924 wurden die Gebrauchsgegenstände in der Metallwerkstatt produziert und vervielfältigt, wobei mehrere Studenten an der Fertigung beteiligt waren. Das Tee-Extraktkännchen bekam die Kennung MT 49 und wurde in verschiedenen Materialausführungen hergestellt. Die Puristen unter den Bauhäuslern kritisierten den Einsatz von wertvollen Materialien, wie Silber und Ebenholz. Daher wurden auch Kännchen mit einer Neusilberlegierung ausgeführt. Gefertigt wurden die Objekte 1924 zunächst für Ausstellungen und Messen. Marianne Brandt nahm mit ihren Entwürfen 1924 an der Werkbundausstellung „Die Form“ in Stuttgart teil.[3] Aufgrund der hohen Herstellungskosten ging das Tee-Extraktkännchen nicht in Serienproduktion.

Neben dem Design der Kanne wurde in der Metallwerkstatt großes Augenmerk auf die Funktionalität der Werkstücke gelegt:

„Wir wollten zwar zurück zu einfachen Formen, aber das wichtigste war: Keine Kanne ist aus unserer Werkstatt gegangen, die nicht tropffrei goß. Das Benutzen und besonders das Gießen haben wir ausprobiert … das war ganz selbstverständlich für uns.“

Marianne Brandt, 1979

Erhaltene Exemplare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute sind noch sieben Exemplare des Tee-Exktraktkännchens bekannt, die Marianne Brandt in dem ersten Jahr in der Metallwerkstatt am Weimarer Bauhaus gefertigt hat. Je ein Exemplar besitzt das Berliner Bauhaus-Archiv, das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, das Bauhaus-Museum in Weimar, das British Museum in London, und das Metropolitan Museum und das Neue Galerie in New York.

Ein Exemplar befindet sich in privater Hand und wurde innerhalb von zwanzig Jahren zweimal versteigert: Am 22. November 1996 wurde für ein Original des Tee-Extraktkännchens auf einer Kunstauktion des Kölner Auktionshauses Lempertz 270.000 DM (341.000 DM brutto) gezahlt. Das Kännchen aus Silber mit einem zylinderförmigen Deckelgriff aus Ebenholz war 1927 für den Künstler Friedrich Jossé in Speyer angefertigt worden und wurde im selben Jahr für 70 Mark an ihn verkauft.[4] Am 14. Dezember 2007 wurde es erneut im Auktionshaus Sotheby für 361.000 US-Dollar versteigert.[5]

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tee-Extraktkännchen auf einer Briefmarke von 1998

Die kleine Tee-Extraktkanne von Marianne Brandt wurde als Motiv für zahlreiche Bauhaus-Buchcover verwendet. Im Jahr 1998 gab die Deutsche Bundespost einen Briefmarkenblock „Design in Deutschland“ heraus, auf dem neben der Wagenfeld-Leuchte, der Glasserie von Peter Behrens und dem Wassily-Stuhl Nr. B 3 von Marcel Breuer auch das Tee-Extraktkännchen von Marianne Brandt dargestellt wurde.

Repliken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute fertigt die Bremer Firma Tecnolumen, die sich auf qualitativ hochwertige Repliken von Werkstücken der Bauhaus-Designer spezialisiert hat, das Tee-Extraktkännchen in zwei Varianten (MBEK24): ein Kännchen im Silber mit Ebenholzgriffen und ein versilbertes Messingkännchen mit schwarzlackierten Griffen.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrike Müller, Ingrid Radewaldt, Sandra Kemker: Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design. Elisabeth Sandmann, München 2009, ISBN 978-3-938045-36-7, S. 127f.
  2. Josef Straßer: 50 Bauhaus-Ikonen, die man kennen sollte. Prestel, 2009, ISBN 978-3-7913-4197-2, S. 92f.
  3. Zusammenarbeit mit der Industrie auf: mariannebrandt.de, abgerufen am 14. Oktober 2015.
  4. Mit einem Teekännchen kam der Ruhm. auf: art-magazin.de, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  5. Deutscher Werkbund to Bauhaus: An important collection of german design. auf: sothebys.com, abgerufen am 14. Oktober 2015.
  6. Produktbeschreibung, S. 78f. auf: tecnolumen.de

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neue Arbeiten der Bauhauswerkstätten. (= Bauhausbücher. Band 7). München 1925, S. 46.
  • Ulrike Müller, Ingrid Radewaldt, Sandra Kemker: Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design. Elisabeth Sandmann, München 2009, ISBN 978-3-938045-36-7.
  • Charlotte Fiell, Peter Fiell (Hrsg.): Design des 20. Jahrhunderts. Taschen, Köln 2012, ISBN 978-3-8365-4107-7, S. 126–127.
  • Magdalena Droste: bauhaus 1919–1933. Taschen, Berlin 1990.
  • Klaus Weber (Hrsg.): Die Metallwerkstatt am Bauhaus. Ausstellungskatalog. Berlin 1992.
  • Hans Brockhage, Reinhold Lindner: Marianne Brandt – Hab ich je an Kunst gedacht. Chemnitz 2001, ISBN 3-928678-63-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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