Teebaumöl

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Teebaumöl

Teebaumöl ist ein ätherisches Öl aus den Blättern verschiedener Bäume und Sträucher der „Teebaum“ Gattungen Baeckea, Kunzea, Leptospermum und Melaleuca aus der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae) bezeichnet. Im 18. Jahrhundert wurde im austral-asiatischen Raum aus ihren Blättern Tee zubereitet.[1]

Während die Bezeichnung Teebaumöl im engeren Sinn für das Australische Teebaumöl von (Melaleuca alternifolia) steht, wird sie im weiteren Sinn für die ätherischen Öle von verschiedenen Arten dieser Gattungen verwendet. Weiter wird noch Öl von Melaleuca cajuputi, Melaleuca viridflora, Melaleuca leucadendra und Melaleuca quinquenervia u. a. verwendet. Sie enthalten aber mehrheitlich 1,8-Cineole und stammen aus dem asiatischen Raum und Madagaskar. Sie sind darum nicht zu verwechseln.

Australischer Teebaum (Melaleuca alternifolia)

Chemische Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reines Teebaumöl hat eine klare bis leicht gelbe Farbe und einen frischen, aromatischen Geruch.

Teebaumöl ist ein Gemisch aus ca. 100 Substanzen. Das Öl von Melaleuca alternifolia enthält hauptsächlich (+)-Terpinen-4-ol (etwa 40 %), α-Terpinen (etwa 20 %), Terpinolen, Terpineol (jeweils 3 bis 4 %), Pinen, Myrcen, Phellandren, p-Cymen, Limonen, 1,8-Cineol.

Das Öl von Melaleuca alternifolia wird nach Europäischem Arzneibuch (PhEur) als von Melaleucae aetheroleum bezeichnet, dies ist aber kein botanisches Synonym. Melaleucae alternifoliae aetheroleum oder Oleum Melaleucae sind weiter Bezeichnungen.

Pharmakologische und toxikologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teebaumöl hat eine sehr starke antimikrobielle Wirkung. Im Vergleich zum relativ giftigen Phenol ist das Teebaumöl 11 bis 13 Mal wirksamer und damit beispielsweise viel stärker bakterizid und fungizid als Eukalyptusöl (Phenol-Koeffizient etwa 3,5). Neben der belegten antimikrobiellen Wirkung von Teebaumöl[2] werden weitere Wirkungen behauptet, wie das Abfangen überschießender Immunreaktionen nach Insektenstichen. Wenn Teebaumöl in zu niedrigen Dosen angewendet wird, kann es die Widerstandsfähigkeit und Resistenzen von Bakterien gegenüber Antibiotika fördern.[3] Teebaumöl wird als Risikosubstanz für das Auftreten von Kontakt-Dermatitiden gewertet. Unverdünntes Teebaumöl ist daher als gesundheitsschädliche Substanz eingestuft.[4]

Heilmittelgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist überliefert, dass die australischen Aborigines traditionell die Blätter großblättriger Teebaumarten für medizinische Zwecke einsetzten. Zur Behandlung von Erkältungen, Grippe, Fieber und Verstopfung inhalierten sie den Dampf zerkleinerter, in Wasser gekochter Blätter oder schlürften deren Sud. Möglicherweise nutzten die Aborigines als Wundauflage traditionell auch die Blätter kleinblättriger Teebaumarten wie Melaleuca alternifolia. Wegen des Herstellungsverfahrens abwegig erscheint hingegen eine traditionelle Nutzung des Teebaumöls durch die Ureinwohner Australiens.[1]

Eine in wissenschaftlichem Rahmen durchgeführte Destillation von Teebaumöl gelang erstmals 1925. Kurz darauf wurden weitreichende fungizide und bakterizide Eigenschaften beschrieben. Bis zur Entdeckung des Penicillins galt Teebaumöl damit als antiseptische Alternative zum Phenol. Es erlangte praktisch die Bedeutung eines Standardantiseptikums für Operationen, besonders im Mundraum. Die damalige Ölproduktion basierte auf australischen Wildbeständen und betrug weniger als 10 Tonnen pro Jahr.[5] Während des Zweiten Weltkrieges war Teebaumöl Bestandteil aller Erste-Hilfe-Ausrüstungen der in den Tropen stationierten australischen Truppen.[6]

Als nach dem Krieg Penicillin und sehr bald auch andere Antibiotika zur Verfügung standen, geriet es zunächst in Vergessenheit. Ab den 1970er Jahren erfreute sich das Teebaumöl als „Naturprodukt“ wieder einer steigenden Beliebtheit. Das zunehmende Bevölkerungsinteresse an Präparaten der Ethnomedizin ließ die Ölproduktion von 80 Tonnen im Jahr 1987 auf 750 Tonnen im Jahr 1992 anwachsen.[5]

Aktuelle Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teebaumöl findet aufgrund seiner antiseptischen, antibakteriellen und fungiziden Wirkung in reiner Form Verwendung in der Alternativmedizin, z. B. zur Therapie von Akne, Neurodermitis, Psoriasis vulgaris, in der Wundbehandlung, bei Hühneraugen, diabetischen Gesundheitsschäden, Läuse-, Krätze-, Floh- und Zeckenbefall,[7] sowie Dellwarzen. Außerdem wird es bei Muskelschmerzen, Rheuma, Raucherhusten[8] und Krampfadern empfohlen.

Für (alternativ-)medizinische Zwecke wird Teebaumöl aus dem Australischen Teebaum (Melaleuca alternifolia) gewonnen.[9] Daneben werden gelegentlich auch ätherische Öle aus Leptospermum-Arten, wie das Manukaöl der Südseemyrte, das Kanukaöl von Kunzea ericoides und anderen Melaleuca-Arten, wie zum Beispiel das Cajeputöl und das Niauliöl, unter der Bezeichnung „Teebaumöl“ geführt.[4] Eine pharmazeutische Qualität des Teebaumöls ist im Europäischen Arzneibuch beschrieben. Zugelassene Fertigarzneimittel gibt es in Deutschland nicht.

Teebaumöl wird auch in kosmetischen Präparaten verwendet: in Shampoos, Hand- und Körpercremes (besonders bei unreiner Haut, wie Akne), in Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasta, Mundwässern, Rasierölen. Bei Pilz- und Bakterienbefall der Haut (z. B. bei Akne, Fußpilz) werden zumeist Zubereitungen mit 5 bis 10 % Teebaumöl verwendet. Bei Anwendungen im Mundraum muss Teebaumöl sehr stark verdünnt werden. Die Konservierung von vielen kosmetischen Produkten ist mit Teebaumöl möglich.

Auch in der Tierpflege sind äußere Anwendungen von Teebaumöl bekannt.

Evidenzlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer einfach verblindeten, randomisierten klinischen Studie mit 124 Aknepatienten zeigte sich 1990 eine Gelzubereitung mit 5 % Teebaumöl effektiv bei der Reduzierung entzündeter und nicht-entzündeter Akneläsionen. Im Vergleich zu einem Gel mit 5 % Benzoylperoxid stellte sich die Wirkung langsamer ein. Auch gab es weniger unerwünschte Wirkungen.[10] Die therapeutische Effektivität bezüglich Acne vulgaris milder bis mittelschwerer Ausprägung konnte 2007 im Rahmen einer randomisierten, doppelblind placebokontrollierten Studie mit 60 Teilnehmern bestätigt werden.[11] 2015 stuften Autoren der Cochrane Collaboration die Qualität der Belege für eine Wirksamkeit bei Akne als „gering“ ein.[12]

Unerwünschte Wirkungen und Anwendungsbeschränkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicherheitshinweise
Name

Teebaumöl

CAS-Nummer

85085-48-9

EG-Nummer

285-377-1

ECHA-InfoCard

100.077.588

GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [13]
02 – Leicht-/Hochentzündlich 07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 226​‐​302​‐​304​‐​315​‐​317​‐​411
P: 273​‐​280​‐​301+310​‐​302+352​‐​331​‐​405​‐​501 [13]
Toxikologische Daten

>1900–2600 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[4]

Als kritisch wird das Risiko der Entwicklung von Kontaktallergien angesehen. Auslöser sind dabei unterschiedliche Anteile des Öls (D-Limonen und α-Terpinen) und deren Oxidationsprodukte Ascaridol und 1,2,4-Trihydroxymenthan. Je älter das Öl ist, desto größer wird das Risiko. Bereits nach vier Tagen beginnt der durch Licht oder Luftsauerstoff verursachte Oxidationsprozess. Teebaumöl sollte daher lichtgeschützt und luftundurchlässig bei Temperaturen unter 25 °C aufbewahrt werden. Durch die Oxidation erhöht sich der Allergengehalt und es kann besonders auf vorerkrankter Haut zu Kontaktekzemen kommen.[14] Bis zu drei Prozent der getesteten Personen waren 2003 auf Teebaumöl sensibilisiert.[15] Kontaktekzeme entwickeln sich sehr häufig, wenn Teebaumöl unverdünnt und über einen längeren Zeitraum auf die Haut aufgetragen wird.

Das „Scientific Committee on Consumer Products“ (SCCP) der EU empfahl 2008 eine Begrenzung der Konzentration von Teebaumöl auf 1 % im Endprodukt.[16] Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fand in Kosmetika Konzentrationen bis 14,6 % sowie erhöhte Konzentrationen an Methyleugenol, was zur Beanstandung dieser Produkte führte.

Beim Verschlucken kann es zu Lungenschäden kommen.[17]

2007 berichteten Henley et al. über drei präpubertäre Jungen, die nach topischer Anwendung teebaum- und lavendelölhaltiger Produkte ein Wachstum der Brustdrüsen (Gynäkomastie) aufwiesen. Die Gynäkomastie verschwand nach dem Absetzen der Behandlung. Im Rahmen einer in-vitro-Studie zeigten Henley et al. die östrogene und anti-androgene Aktivität beider Öle auf menschliche Zelllinien. Die Autoren schlossen daraus, dass es wahrscheinlich die wiederholte Exposition mit Teebaum- und Lavendelöl war, die bei den drei Jungen die präpubertäre Gynäkomastie auslöste.[18]

Will man Teebaumöl an Tieren anwenden, ist unbedingt ein Tierarzt zu Rate zu ziehen. Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen ist Teebaumöl für Haustiere toxisch. Die Anwendung endet nicht selten tödlich für das Tier. Typische Symptome der „Teebaumöl-Vergiftungen“ sind Zittern, Taumeln, Unruhe und allgemeine Schwäche.[19] Katzen und Hunde sollten nicht mit unverdünntem Teebaumöl in Berührung kommen, da ihnen die Fähigkeit fehlt, die Inhaltsstoffe abzubauen. Symptome treten 2 bis 12 Stunden nach dem Kontakt auf. In leichteren Fällen kommt es zu Speicheln und Erbrechen. Bei der Hälfte der Fälle treten Schwäche, Depression, Ataxie, Parese, Inkoordination und Muskelzittern auf. Zur Behandlung kann eine Dekontamination durch Waschen erfolgen, bei neurologischen Ausfällen sind Medikamente und kreislaufstabilisierende Infusionen angezeigt.[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Landvatter: Teebaumöl & Teebaumölformulierungen. Untersuchung zur Stabilität, Liberation und Permeation durch humane Epidermis sowie zur antimikrobiellen Aktivität unter Berücksichtigung des Keimes Helicobacter pylori. Heidelberg (Diss.) 2002.
  • Michael Harkenthal: Melaleucae aetheroleum (Australisches Teebaumöl). Untersuchung zur pharmazeutischen Qualität, antibakteriellen Wirkung im Vergleich zu ausgewählten, traditionell verwendeten ätherischen Ölen sowie zu irritativen und allergischen Nebenwirkungen. Heidelberg (Diss.) 2000.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Verwendung von unverdünntem Teebaumöl als kosmetisches Mittel (PDF-Datei; 84 kB) Stellungnahme des BfR vom 1. September 2003
  • Robert Hegnauer: Chemotaxonomie der Pflanzen. Band XIb-2, Springer, 2001, ISBN 3-7643-5862-9, S. 182–183.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ian Southwell, Robert Lowe: Tea Tree: The Genus Melaleuca. Harwood Academics, 1999, ISBN 90-5702-417-9.
  2. U. Landvatter, R. Saller, J. Reichling: Antibakterielle Wirkung von Australischem Teebaumöl gegen verschiedene Pseudomonaden. In: Erfahrungsheilkunde. Band 50, Nr. 6, 2001, S. 340–348, doi:10.1055/s-2001-15777.
  3. Widerstand im Teebaumöl, wissenschaft.de, 19. Februar 2007, abgerufen am 6. Mai 2011.
  4. a b c Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verwendung von unverdünntem Teebaumöl als kosmetisches Mittel 1. September 2003 (PDF).
  5. a b Birger Kränke: Allergisierende Potenz von Teebaum-Öl. In: Der Hautarzt. Ausgabe 3/1997, Jahrgang 48, S. 203–204. DOI:10.1007/s001050050572.
  6. nach Cynthia B. Olsen: Die Teebaumöl Hausapotheke. Der ganzheitliche Heiler aus Australien. Aitrang: Windpferd 1994 (Dieses Buch vernachlässigt die im Artikel benannten allergischen und Gesundheitsrisiken.)
  7. B. M. Hausen: Teebaumölallergie In: A. Plettenberg, W. N. Meigel, I. Moll (Hrsg.): Dermatologie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend: Aktueller Stand von Klinik und Forschung. Springer-Verlag, 2000, ISBN 978-3-642-57191-6, S. 154.
  8. Juraj Gubi: Teebaumöl – eines der wirksamsten Mittel der Natur. In: Süddeutsche Zeitung. 11. Mai 2010.
  9. C. F. Carson, K. A. Hammer, T. V. Riley: Melaleuca alternifolia (Tea Tree) Oil: A Review of Antimicrobial and Other Medicinal Properties. In: Clin. Microbiol. Rev. 19(1), 2006, 50–62. doi:10.1128/CMR.19.1.50-62.2006, PMID 16418522, PMC 1360273 (freier Volltext).
  10. I. B. Bassett, D. L. Pannowitz, R. S. Barnetson: A comparative study of tea-tree oil versus benzoylperoxide in the treatment of acne. In: Med. J. Aust. 153(8), 1990, 455–458, PMID 2145499.
  11. Shahla Enshaieh, Abolfazl Jooya, Amir Hossein Siadat, Fariba Iraji: The efficacy of 5% topical tea tree oil gel in mild to moderate acne vulgaris: a randomized, double-blind placebo-controlled study. In: Indian J. Dermatol. Venereol. Leprol. 73(1), 2007, 22–25, PMID 17314442, DOI:10.4103/0378-6323.30646.
  12. Huijuan Cao et al.: Complementary therapies for acne vulgaris In: Cochrane Database Syst. Rev. 1: CD009436, 2015, doi:10.1002/14651858.CD009436.pub2, PMID 25597924, PMC 4486007 (freier Volltext).
  13. a b Sicherheitsdatenblatt Teebaumöl (PDF) bei Sanabio, abgerufen am 29. Juli 2017.
  14. B. M. Hausen et al.: Degradation products of monoterpenes are the sensitizing agents in tea tree oil. Am. J. Contact Dermat. 10/2/1999. S. 68–77. PMID 10357714
  15. C. Pirker und B. M. Hausen et al.: Sensibilisierung auf Teebaumöl in Deutschland und Österreich – Eine multizentrische Studie der Deutschen Kontaktallergiegruppe. In: J. Dtsch. Dermatol. Ges. 1, 8, 2003, S. 629–634, doi:10.1046/j.1610-0387.2003.03727.x.
  16. Opinion on tea tree oil, SCCP (PDF), 16. Dezember 2008.
  17. 7. Sitzung der BfR-Kommission für kosmetische Mittel, Protokoll der Sitzung vom 19. Mai 2011 (PDF), Punkt 7: Ätherische Öle/Teebaumöl, S. 4 f.
  18. Derek V. Henley, Natasha Lipson, Kenneth S. Korach, Clifford A. Bloch: Prepubertal Gynecomastia Linked to Lavender and Tea Tree Oils In: New England Journal of Medicine. Band 356, Nummer 5, 2007, S. 479-485, doi:10.1056/NEJMoa064725, PMID 17267908.
  19. Katzenkiller Teebaumöl auf animal-health-online.de, abgerufen am 6. Mai 2011.
  20. S. A. Khan, M. K. McLean, M. R. Slater: Concentrated tea tree oil toxicosis in dogs and cats: 443 cases (2002–2012). In: Journal of the American Veterinary Medical Association. Band 244, Nummer 1, 2014, S. 95–99, doi:10.2460/javma.244.1.95, PMID 24344857.
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