Teebaumöl

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Teebaum Melaleuca alternifolia

Teebaumöl ist eine flüssige, lipophile Substanz (siehe auch Ätherische Öle), die durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia), dann Australisches Teebaumöl, oder aus mehreren anderen Teebaum-Arten aus verschiedenen Gattungen in der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae) gewonnen wird. Der Hauptwirkstoff des Öls ist Terpinen-4-ol; für offizinelle Nutzung sollte ein Teebaumöl mindestens 30 % dieses Hauptwirkstoffs enthalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die australischen Ureinwohner verwendeten einen Teebaumölextrakt bei offenen Wunden, Hautinfektionen, Erkältungskrankheiten, Zahnfleischentzündungen und beim Läusebefall. Auch die europäischen Einwanderer benutzten Teebaumöl. Eine in wissenschaftlichem Rahmen durchgeführte Destillation gelang erstmals 1925. Kurz darauf wurden weitreichende fungizide und bakterizide Eigenschaften beschrieben. Bis zur Entdeckung des Penicillins galt Teebaumöl damit als antiseptische Alternative zum Phenol. Es erlangte praktisch die Bedeutung eines Standardantiseptikums für Operationen, besonders im Mundraum.[1] Während des Zweiten Weltkrieges war Teebaumöl Bestandteil aller Erste-Hilfe-Ausrüstungen der in den Tropen stationierten australischen Truppen.[2] Als nach dem Krieg Penicillin und sehr bald auch andere Antibiotika zur Verfügung standen, geriet es zunächst in Vergessenheit.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der belegten antimikrobiellen Wirkung von Teebaumöl[3] werden weitere Wirkungen behauptet, wie das Abfangen überschießender Immunreaktionen nach Insektenstichen. Wenn Teebaumöl in zu niedrigen Dosen angewendet wird, kann es die Widerstandsfähigkeit und Resistenzen von Bakterien gegenüber Antibiotika fördern.[4] Teebaumöl wird als Risikosubstanz für das Auftreten von Kontakt-Dermatitiden gewertet. Unverdünntes Teebaumöl ist daher als gesundheitsschädliche Substanz eingestuft.[5] Zugelassene Fertigarzneimittel gibt es in Deutschland nicht.

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teebaumöl

Unterzieht man Teebaumöl einer gaschromatografischen Analyse, so erkennt man, dass Teebaumöl ein Gemisch aus ca. 100 Substanzen ist. Hervorzuheben sind (+)-Terpinen-4-ol (etwa 40 %), α-Terpinen (etwa 20 %), Terpinolen, Terpineol (jeweils 3 bis 4 %), Pinen, Myrcen, Phellandren, p-Cymen, Limonen, 1,8-Cineol. Teebaumöl hat eine sehr starke antimikrobielle Wirkung. Im Vergleich zum relativ giftigen Phenol ist das Teebaumöl 11 bis 13 Mal wirksamer und damit beispielsweise viel stärker bakterizid als Eukalyptusöl (Phenolkoeffizient etwa 3,5). Eine pharmazeutische Qualität des Teebaumöls ist im Europäischen Arzneibuch beschrieben.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teebaumöl findet aufgrund seiner antiseptischen, antibakteriellen und fungiziden Wirkung in reiner Form Verwendung in der Alternativmedizin, z. B. zur Therapie von Akne, Neurodermitis, Psoriasis vulgaris, in der Wundbehandlung, bei Hühneraugen, diabetischen Gesundheitsschäden, Läuse-, Floh- und Zeckenbefall,[6] sowie Dellwarzen. Außerdem wird es bei Muskelschmerzen, Rheuma, Raucherhusten[7] und Krampfadern empfohlen. In einer einfach verblindeten, randomisierten klinischen Studie mit 124 Aknepatienten zeigte sich 1990 eine Gelzubereitung mit 5 % Teebaumöl effektiv bei der Reduzierung entzündeter und nicht-entzündeter Akneläsionen. Im Vergleich zu einem Gel mit 5 % Benzoylperoxid stellte sich die Wirkung langsamer ein. Auch gab es weniger unerwünschte Wirkungen.[8] Die therapeutische Effektivität bezüglich Acne vulgaris milder bis mittelschwerer Ausprägung konnte 2007 im Rahmen einer randomisierten, doppelblind placebokontrollierten Studie mit 60 Teilnehmern bestätigt werden.[9]

Teebaumöl wird in kosmetischen Präparaten verwendet: in Shampoos, Hand- und Körpercremes (besonders bei unreiner Haut, wie Akne), in Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasta, Mundwässern, Rasierölen. Bei Pilz- und Bakterienbefall der Haut (z. B. bei Akne, Fußpilz) werden zumeist Zubereitungen mit 5 bis 10 % Teebaumöl verwendet. Bei Anwendungen im Mundraum muss Teebaumöl sehr stark verdünnt werden. Die Konservierung von vielen kosmetischen Produkten ist mit Teebaumöl möglich.

Auch in der Tierpflege sind äußere Anwendungen von Teebaumöl bekannt, wobei wie beim Menschen Überdosierungen oder sehr häufige Behandlungen vermieden werden sollten. Will man Teebaumöl an Tieren anwenden, ist unbedingt ein Tierarzt zu Rate zu ziehen. Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen ist das Teebaumöl wie zum Beispiel andere ätherische Öle für Haustiere toxisch. Die Anwendung endet nicht selten tödlich für das Tier. Typische Symptome der „Teebaumöl-Vergiftungen“ sind Zittern, Taumeln, Unruhe und allgemeine Schwäche.[10]

Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sicherheitshinweise
Name

Teebaumöl

CAS-Nummer

85085-48-9

GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [11]
02 – Leicht-/Hochentzündlich 07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 226​‐​302​‐​304​‐​315​‐​317​‐​411Vorlage:H-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze
P: 273​‐​280​‐​301+310​‐​302+352​‐​331​‐​405Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze​‐​501 [11]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [12][11]
Gesundheitsschädlich Umweltgefährlich
Gesundheits-
schädlich
Umwelt-
gefährlich
(Xn) (N)
R- und S-Sätze R: 10​‐​22​‐​38​‐​43​‐​51/53​‐​65Vorlage:R-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze
S: 24​‐​37​‐​61​‐​62
Toxikologische Daten

>1900–2600 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[5]

Als kritisch wird das Risiko der Entwicklung von Kontaktallergien angesehen. Auslöser sind dabei unterschiedliche Anteile des Öls (d-Limonen und α-Terpinen) und deren Oxidationsprodukte Ascaridol und 1,2,4-Trihydroxymenthan. Je älter das Öl ist, desto größer wird das Risiko. Bereits nach vier Tagen beginnt der durch Licht oder Luftsauerstoff verursachte Oxidationsprozess. Teebaumöl sollte daher lichtgeschützt und luftundurchlässig bei Temperaturen unter 25 °C aufbewahrt werden. Durch die Oxidation erhöht sich der Allergengehalt und es kann besonders auf vorerkrankter Haut zu Kontaktekzemen kommen.[13] Bis zu drei Prozent der getesteten Personen waren 2003 auf Teebaumöl sensibilisiert.[14] Kontaktekzeme entwickeln sich sehr häufig, wenn Teebaumöl unverdünnt und über einen längeren Zeitraum auf die Haut aufgetragen wird.

Das „Scientific Committee on Consumer Products“ (SCCP) der EU empfahl 2008 eine Begrenzung der Konzentration von Teebaumöl auf 1 % im Endprodukt.[15] Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fand in Kosmetika Konzentrationen bis 14,6 % sowie erhöhte Konzentrationen an Methyleugenol, was zur Beanstandung dieser Produkte führte.

Beim Verschlucken kann es zu Lungenschäden kommen.[16]

Bei Jungen, die sich noch nicht in der Pubertät befinden, kann die Anwendung von Teebaum- wie Lavendelölprodukten zum Wachstum der Brustdrüsen (Gynäkomastie) führen. Dies wird auf mögliche östrogene und anti-androgene Aktivität des Teebaumöls zurückgeführt.[17]

Katzen und Hunden sollten nicht mit unverdünntem Teebaumöl in Berührung kommen, da ihnen die Fähigkeit fehlt, die Inhaltsstoffe abzubauen. Symptome treten nach 2 bis 12 Stunden nach Kontakt auf. In leichteren Fällen kommt es zu Speicheln und Erbrechen. Bei der Hälfte der Fälle treten Schwäche, Depression, Ataxie, Parese, Inkoordination und Muskelzittern auf. Zur Behandlung kann eine Dekontamination durch Waschen erfolgen, bei neurologischen Ausfällen sind Medikamente und kreislaufstabilisierende Infusionen angezeigt.[18]

Artverwandte Öle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Artverwandte Öle mit pilztötender Wirkung von verwandten Arten neben Teebaumöl sind mit absteigender Wirksamkeit:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Landvatter: Teebaumöl & Teebaumölformulierungen. Untersuchung zur Stabilität, Liberation und Permeation durch humane Epidermis sowie zur antimikrobiellen Aktivität unter Berücksichtigung des Keimes Helicobacter pylori. Heidelberg (Diss.) 2002
  • Michael Harkenthal: Melaleucae aetheroleum (Australisches Teebaumöl). Untersuchung zur pharmazeutischen Qualität, antibakteriellen Wirkung im Vergleich zu ausgewählten, traditionell verwendeten ätherischen Ölen sowie zu irritativen und allergischen Nebenwirkungen. Heidelberg (Diss.) 2000
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Verwendung von unverdünntem Teebaumöl als kosmetisches Mittel (PDF-Datei; 84 kB) Stellungnahme des BfR vom 1. September 2003
  • Robert Hegnauer: Chemotaxonomie der Pflanzen: Band XIB-2, Springer, 2001, S. 182–183, ISBN 3-7643-5862-9 (google books)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. B. Kränke: Allergisierende Potenz von Teebaum-Öl In: Der Hautarzt, Ausgabe 3/1997, Jahrgang 48; S. 203–204. DOI:10.1007/s001050050572.
  2. nach Cynthia B. Olsen: Die Teebaumöl Hausapotheke. Der ganzheitliche Heiler aus Australien. Aitrang: Windpferd 1994 (Dieses Buch vernachlässigt die im Artikel benannten allergischen und Gesundheitsrisiken.)
  3. U. Landvatter, R. Saller, J. Reichling: Antibakterielle Wirkung von Australischem Teebaumöl gegen verschiedene Pseudomonaden. In: Erfahrungsheilkunde. Band 50, Nr. 6, 2001, S. 340–348, doi:10.1055/s-2001-15777.
  4. wissenschaft.de (19. Februar 2007): Widerstand im Teebaumöl, Zugriff am 6. Mai 2011.
  5. a b Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verwendung von unverdünntem Teebaumöl als kosmetisches Mittel, 1. September 2003. (PDF-Datei)
  6. B. M. Hausen: Teebaumölallergie In: A. Plettenberg, W. N. Meigel, I. Moll (Hrsg.): Dermatologie an der Schwelle zum neuen Jahrtausend: Aktueller Stand von Klinik und Forschung, Springer-Verlag, 2000; S. 154. ISBN 9783642571916.
  7. Juraj Gubi: Teebaumöl - eines der wirksamsten Mittel der Natur In: Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2010.
  8. I. B. Bassett, D. L. Pannowitz, R. S. Barnetson: A comparative study of tea-tree oil versus benzoylperoxide in the treatment of acne. In: Med J Aust., 15. Oktober 1990, 153(8):455-8. PMID 2145499.
  9. Shahla Enshaieh, Abolfazl Jooya, Amir Hossein Siadat, Fariba Iraji: The efficacy of 5% topical tea tree oil gel in mild to moderate acne vulgaris: a randomized, double-blind placebo-controlled study. In: Indian J Dermatol Venereol Leprol. 2007 Jan-Feb;73(1):22-5. PMID 17314442. DOI:10.4103/0378-6323.30646.
  10. animal-health-online.de: Katzenkiller Teebaumöl, Zugriff am 6. Mai 2011.
  11. a b c Sicherheitsdatenblatt Teebaumöl (PDF-Datei)
  12. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  13. B. M. Hausen et al.: Degradation products of monoterpenes are the sensitizing agents in tea tree oil. Am J Contact Dermat. 10/2/1999. S. 68–77. PMID 10357714
  14. C. Pirker und B. M. Hausen et al.: Sensibilisierung auf Teebaumöl in Deutschland und Österreich – Eine multizentrische Studie der Deutschen Kontaktallergiegruppe. J Dtsch Dermatol Ges. 1/8/2003 S. 629–34. doi:10.1046/j.1610-0387.2003.03727.x
  15. SCCP: Opinion on tea tree oil (PDF; 365 kB), 16. Dezember 2008.
  16. 7. Sitzung der BfR-Kommission für kosmetische Mittel, Protokoll der Sitzung vom 19. Mai 2011 (PDF; 72 kB) Punkt 7: Ätherische Öle/Teebaumöl, S. 4f
  17. Derek V. Henley, Natasha Lipson, Kenneth S. Korach, Clifford A. Bloch: Prepubertal Gynecomastia Linked to Lavender and Tea Tree Oils. In: New England Journal of Medicine. Band 356, Nr. 5, 1. Februar 2007, S. 479–485, doi:10.1056/NEJMoa064725.
  18. S. A. Khan, M. K. McLean, M. R. Slater: Concentrated tea tree oil toxicosis in dogs and cats: 443 cases (2002-2012). In: Journal of the American Veterinary Medical Association. Band 244, Nummer 1, Januar 2014, S. 95–99, doi:10.2460/javma.244.1.95, PMID 24344857.
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