Teewurst

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Angeschnittene feine Teewurst

Teewurst ist eine streichfähige Rohwurst.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Herstellung werden mageres Schweinefleisch, Schweinebauch und mageres Rindfleisch gemeinsam durch Wolfen und Kuttern fein zerkleinert. Anschließend würzt man die Masse typischerweise mit Pökelsalz, Pfeffer, edelsüßem Paprika, Mazis und Wacholderum. Die Abfüllung erfolgt in Kunstdarm mit einem Kaliber 45/40. Die Reifephase beträgt 24 bis 48 Stunden. Abschließend wird die Wurst 12 Stunden kalt geräuchert.[1]

Wurstsorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland werden bei der Herstellung von Wurstsorten meist Standardrezepte verwendet. Beispiele dafür sind:[2]

  • Grobe Teewurst: Wurstmasse wird nur mit 3mm Scheibe gewolft, nicht gekuttert, weiteres Würzmittel ist Jamaikarum, Reifephase von 12 bis 24 Stunden, Kunstdarm Kaliber 43/50
  • Grobe Teewurst Rügenwalder Art: Wurstmasse wird nur mit 3mm Scheibe gewolft, sonst wie Rügenwälder Art
  • Teewurst Rügenwalder Art: Mageres Rind- und Schweinefleisch, mit kalt geräucherten Speck, weitere Gewürze sind Kardamom, Ingwer und Honig
  • Teewurst Berliner Art: Mageres Rind- und Schweinefleisch, durchwachsenes Schweinefleisch, frischer Speck, weitere Gewürze sind Kardamom, Piment und Rum
  • Teewurst Göttinger Art:Mageres Rind- und Schweinefleisch, roher und frisch geräucherter Speck, Flomen
  • Pommersche Teewurst: Mageres Rind- und Schweinefleisch, fetter Schweinebauch, weitere Gewürze sind: Weißer Pfeffer, Rosenpaprika, Kardamom, Piment und Rum. Im Original wurde in engen Mitteldärmen mit Kaliber 55/50 abgefüllt. Werden auch Leipziger Weihnachtswürstchen genannt.

Herkunft des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herkunft des Begriffes ist heutzutage nicht mehr nachvollziehbar; als Inhaltsstoff war allerdings nie Tee enthalten. Ein Erklärungsansatz bezieht sich auf das Unternehmen Rügenwalder Mühle. Danach liegt die Herkunft der Teewurst im hinterpommerschen Rügenwalde, heute Darłowo in Polen. Dort wurde sie seit 1874 in der Fleischwarenfabrik von Georg Wilhelm Heinrich Schmidthals (1837–1927) hergestellt, dessen Frau, die Fleischermeisterstochter Karoline Ulrike Rudolph (1841–1925), das Rezept 1866 mit in die Ehe gebracht haben soll. Später soll man einen Namen für die Wurst gesucht haben, und da man nachmittags Wurstbrote und Tee verspeiste und feststellte, dass diese Wurst besonders gut zum Tee passe, die Wurst entsprechend benannt haben.[3][4] Andere Quellen besagen, dass man mit dem Attribut Tee an „hochherrschaftliche englische Gebräuche[5] erinnern wollte.

Rügenwalder Teewurst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 konnte sich in Rügenwalde eine Fleischwarenindustrie etablieren, deren bekanntestes Produkt die Teewurst war. 1927 wurde der Begriff Rügenwalder Teewurst als geografische Herkunftsbezeichnung rechtlich geschützt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten aus Rügenwalde geflohene Wurstfabrikanten in der Bundesrepublik Deutschland neue Betriebe und nahmen die Produktion der traditionellen Teewurst wieder auf. Sie gründeten 1957 in Bad Zwischenahn den Verband Rügenwalder Fleischwarenfabrikanten, einen Verein ehemaliger Rügenwalder Fleischfabrikanten, der seither Inhaber der Wortmarke Rügenwalder Teewurst ist. Nach einem Urteil des BGH dürfen heute nur Unternehmen, die ehemals in Rügenwalde angesiedelt waren, die Markenbezeichnung Rügenwalder Teewurst verwenden.[6] Unternehmen, die diese Abstammung nicht nachweisen können, dürfen nur „Teewurst“ oder „Teewurst nach Rügenwalder Art“ in den Handel bringen.

Heute dürfen noch die drei folgenden Unternehmen die Markenbezeichnung Rügenwalder Teewurst verwenden:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Teewurst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Koch, Martin Fuchs: Die Fabrikation feiner Fleisch- und Wurstwaren. 22., erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-86641-187-6.
  2. Hermann Koch, Martin Fuchs: Die Fabrikation feiner Fleisch- und Wurstwaren. 22., erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-86641-187-6.
  3. Florian Langenscheidt (Hrsg.): Deutsche Standards: Marken des Jahrhunderts. 15., neubearbeitete Auflage. Gabler u. a., Wiesbaden u. a. 2006, ISBN 3-8349-0436-8, S. 448 (google.com [abgerufen am 27. August 2016]).
  4. Rügenwalder Mühle: Unsere handwerkliche Tradition: Teewurst. 29. Mai 2013, abgerufen am 27. August 2016.
  5. Henning Burk, Erika Fehse, Marita Krauss, Susanne Spröer, Gudrun Wolter: Fremde Heimat – Das Schicksal der Vertriebenen nach 1945. 1. Auflage 2011. Rowohlt Berlin Verlag GmbH, Berlin 2011, ISBN 978-3-8389-0164-0, S. 266.
  6. Vgl. zum Beispiel Volker Jänich: Geistiges Eigentum. Eine Komplementärerscheinung zum Sacheigentum? (= Jus privatum. Bd. 66). Mohr Siebeck, Tübingen 2002, ISBN 3-16-147647-6, S. 164 (Zugleich: Osnabrück, Universität, Habilitations-Schrift, 2000).
  7. Rügenwalder Spezialitäten Plüntsch: Gestern & Heute. Abgerufen am 13. Dezember 2016.
  8. Rügenwalder Mühle: Unsere Familiengeschichte. Abgerufen am 13. Dezember 2016.
  9. Wilhelm Brandenburg: Tradition. Abgerufen am 13. Dezember 2016.