Teichnitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadt Bautzen
Koordinaten: 51° 11′ 47″ N, 14° 25′ 3″ O
Höhe: 203 m
Fläche: 7,15 km²
Einwohner: 347 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Postleitzahl: 02625
Vorwahl: 03591
Auritz Bloaschütz Bolbritz Burk Döberkitz Gesundbrunnen Großwelka Innenstadt Kleinwelka Kleinseidau Löschau Lubachau Nadelwitz Niederkaina Nordostring Oberkaina Oberuhna Ostvorstadt Salzenforst Schmochtitz Stiebitz Südvorstadt Teichnitz Temritz WestvorstadtKarte
Über dieses Bild
Lage von Teichnitz in Bautzen
Blick von Oehna auf die Talsperre Bautzen
Blick von Oehna auf die Talsperre Bautzen

Teichnitz, obersorbisch Audio-Datei / Hörbeispiel Ćichońca?/i, ist ein Ort in Ostsachsen und seit 1950 ein Ortsteil von Bautzen. Er besteht aus den eingemeindeten Dörfern Teichnitz, Neuteichnitz (Nowa Ćichońca), Neumalsitz (Nowe Małsecy) und Oehna (Wownjow) im Norden des Stadtgebietes und hat 344 Einwohner[1].

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siedlung Teichnitz liegt etwa 2 km nördlich des Bautzener Stadtzentrums etwas oberhalb des Temritzer Wassers auf 190 m Höhe und direkt an der Autobahn 4. Im Osten begrenzt die Talsperre Bautzen den Ortsteil. Die Ortsteile Oehna und Neumalsitz liegen direkt am Stausee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil Teichnitz wurden Spuren einer Niederungsburg/Wasserburg aus dem 12./13. Jahrhundert entdeckt. Der Ort wurde erstmals 1303 als Herrensitz des Cuno de Thichenicz erwähnt. Später war er Sitz verschiedener Oberlausitzer Adelsfamilien, wovon verschiedene Gutshäuser bis heute Zeugnis ablegen.

Bevölkerung und Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 182, darunter 165 Sorben (91 %) und 17 Deutsche.[2] Seither ist der Gebrauch des Sorbischen stark zurückgegangen.

Der „Abgott“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahe von Oehna, unweit vom Stadtteil Gesundbrunnen, befindet sich die Abgottschlucht, über die die Autobahnbrücke der A 4 über die Spree führt. 1945 wurde eine Vorgängerbrücke von deutschen Soldaten im Zuge der Schlacht um Bautzen gesprengt. Beim Bau der Brücke wurden Teile des Abgottfelsens an der Westseite und der Flinzfels an der Ostseite gesprengt. Der Sage nach soll an dieser Stelle vor etwa tausend Jahren ein goldener Abgott der Sorben, der „Flinz“ oder „Flins“, gestanden haben. Christliche Mönche hätten ihn demnach im Zuge der Christianisierung in die Spree gestürzt. Bei archäologischen Untersuchungen im Zuge des Autobahnbaus wurden zwar die sagenhaften Goldschätze nicht gefunden, dafür aber mittelalterliche Kelche und Gabeln. Weitaus bedeutender waren aber die Funde von Eckzähnen vom Torfrind und Torfschwein, den ersten Haustieren der Jungsteinzeit. Außerdem wurde das Schulterstück eines wollhaarigen Nashorns und Skelettreste von einem Rentier und anderen Großsäugern entdeckt. Diese Funde waren ein bedeutender Nachweis zu den Klimatheorien der Nacheiszeit vor 15.000 Jahren in der Oberlausitz, da sie die Anwesenheit von Tieren der Kältesteppe bewiesen.[3]

Vom Gebiet Oehna sind auch verschiedene Sagen zu Wassermännern der Region überliefert.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Herrenhaus, um 1860

Im Jahr 1303 wurde der Herrensitz Teichnitz das erste Mal urkundlich erwähnt. Im Jahr 1463 war es ein Rittersitz und 1607 ein Rittergut. Die Freiherren von Gersdorff auf Teichnitz boten dort Glaubensflüchtlingen der Herrnhuter Brüdergemeine im Zuge der Gegenreformation in Böhmen und Mähren Zuflucht, die später die Kolonie Kleinwelka gründeten.[4] Um das Jahr 1770 wurde das Rittergut an die Familie von Hohenthal verkauft, die das Gutshaus später umbaute. Durch die Heirat der Gräfin Wilhelmine von Hohenthal mit Graf Friedrich zur Lippe-Biesterfeld-Weißenfeld (1737–1791) kam es 1815 an das Haus Lippe. Graf Christian erwarb 1829 auch das Gut Lubachau; ferner waren bis zur Enteignung 1945 auch die Güter Gersdorf und – seit 1901 – Schloss Proschwitz im Besitz der Grafen, die im Jahre 1918 zu Prinzen zur Lippe-Weißenfeld erhoben wurden.

Das Herrenhaus Teichnitz wurde in seiner heutigen Gestalt um 1730 auf den Grundmauern eines älteren Herrensitzes errichtet. Die als Putzbau gestaltete Dreiflügelanlage wies bis auf die Scheitelsteine über den Portalen keinen Bauschmuck auf.[5] Nachdem es im Juli 2013 zu einem Absturz des Dachsimses am Nordflügel kam, erfolgte im September 2013 der Totalabriss des gesamten Gebäudekomplexes.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Industriegebiet Bautzen Nord an der Neuteichnitzer Straße haben sich verschiedene Produktionsbetriebe niedergelassen, unter anderem eine Aluminiumdruckgießerei, ein Kunststoffwerk und eine SiC-Recyclinganlage. Außerdem gibt es hier ein Heizkraftwerk. Der ehemalige große Landwirtschaftsbetrieb in Oehna existiert nicht mehr.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Teichnitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 32. Heft: Amtshauptmannschaft Bautzen (II. Teil). C. C. Meinhold, Dresden 1908, S. 296.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Teichnitz/Ćichońca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Teichnitz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Quellen und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stand: 31. Dezember 2014
  2. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954.
  3. Friedrich Lehmann: Wanderwege durch die Oberlausitz. VEB Domowina Verlag Bautzen, 1. Auflage 1981
  4. Teichnitz. In: Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Markgrafenthum Oberlausitz (= Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3). S. 133–134.
  5. Freistaat Sachsen, Staatsministerium des Inneren: Besonders gefährdete Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen: Bürgerhäuser, Bauernhäuser, Schriftenreihe für Baukultur, Architektur, Denkmalpflege, Reihe B, Bulletin 2, Dresden 1995, S. 114.