Teletherapie

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Die Bedeutung des Begriffs Teletherapie hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Bis etwa in die 1950er Jahre verstand man unter Teletherapie eine Form der Radiotherapie (deutsch: Strahlentherapie), bei der im Gegensatz zur Brachytherapie die Strahlung aus einem bestimmten Abstand auf den Patienten einwirkt.

Seit etwa dem Jahr 2000 bezeichnet man mit Teletherapie den therapeutischen Teilbereich im Gesundheitswesen, der mittels moderner Medien supervidierte Therapie ermöglicht. Dieser Begriff setzt sich zusammen aus den Wörtern Telematik und Therapie.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teletherapie ist ein Anwendungsgebiet der Telemedizin. Mit der Teletherapie wird die Erbringung von Therapieleistung mittels Unterstützung von moderner Technologie verstanden, ohne dabei die Kontrolle durch die Therapiefachkraft zu verlieren.

Kernelement der Teletherapie ist die fachliche und persönliche Supervision. Der Therapeut steuert als zentraler Supervisor den Behandlungsgverlauf und verordnet im Versorgungsprozess die Therapieübungen an den Patienten. Die Behandlung mittels Teletherapie ist keine Software zur Eigentherapie durch den Patienten selbst, der Patient kann nur in dem vom Therapeuten vorgegebenen Rahmen trainieren.

Teletherapie erfolgt ausschließlich nach Vorgabe eines zugelassenen Leistungserbringers aus den Heilberufen. Die Übungsausführung ist nicht ortsgebunden. Das Übungsprogramm und die Ergebnisse werden mittels Telematik übertragen. Somit kennzeichnet die Teletherapie nicht zwingend eine räumliche Trennung von Therapeut und Patient. Sie wird im Wesentlichen zur Intensivierung einer bereits vorhandenen Therapie oder Ergänzung von „Face-to-Face“ Behandlungen genutzt.[1]

Mit der Teletherapie gibt es eine telemedizinische Lösung in den Bereichen der Neurologie, Orthopädie und Kardiologie, die es Patienten ermöglicht, schneller wieder fit zu werden. Ziel der Versorgung ist es, dem Patienten eine schnellere Reintegration ins Berufs- und Privatleben zu ermöglichen.[2]

Unter ökonomischen Gesichtspunkten ist zunächst die Zeitersparnis für den Therapeuten hervorzuheben. Er kann dem Patienten weithin akzeptierte, etablierte und effektive Rehabilitationsmaßnahmen verordnen, ohne selbst anwesend sein zu müssen. Auf diese Weise kann er mehrere Patienten gleichzeitig betreuen bzw. sich Problempatienten intensiver als bisher widmen.[3]

Die Notwendigkeit für integrierte Versorgung unterlag einer kontroversen Debatte, in welcher der Einfluss des Gesetzgebers sowie die Auswirkungen auf die Medizinprodukteindustrie diskutiert wurden. Das deutsche Gesundheitswesen hat tatsächlich unter einer Reihe von Problemen gelitten wie beispielsweise dem Kostenanstieg, einen Fortschritt können jedoch nur Lösungen bringen, nicht nur Diskussionen darüber. Mit der TeleTherapie könnte hierfür ein Lösungsansatz zur Verfügung stehen.[4]

Behandlungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzungen für Teletherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Teletherapie darf keine Softwarelösung sein, die den Patienten sich selber überlässt
  • Leistungen der Teletherapie dürfen nur nach Vorgabe eines zugelassenen Leistungserbringers aus den Heilberufen durchgeführt werden
  • Der Therapeut muss die Kontrolle der Therapie behalten, damit er zu jeder Zeit während der Therapie an den „richtigen Rädern“ drehen kann
  • Die Teletherapie muss eine individuelle Therapie jedes einzelnen Patienten zulassen
  • Die Übungsausführung durch den Patienten darf weder orts-, noch zeitgebunden sein
  • Die Durchführung der Übungen an einem modernen Medium muss für Patienten leicht und verständlich sein
  • Verwendete Medien sollten keine gesonderten Kenntnisse zur Anwendung voraussetzen[5]

Vorteile der Teletherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steigerung der Trainingsfrequenz
  • Möglichkeit der Integration der häuslichen Übungen in den Alltag
  • Zeitliche Unabhängigkeit der Trainingsphasen vom Terminplan des Therapeuten
  • Sicherung erarbeiteter Reha-Erfolge
  • Begleitung durch den vertrauten Therapeuten beim Wiedereintritt in die Alltagsrealität
  • Kostengünstige Auslagerung von Routineanteilen in der Therapie
  • Möglichkeiten des weiteren Monitorings bei Risikopatienten
  • Möglichkeiten des Case-Managements auch über Kostenträgerzuständigkeiten hinweg
  • „Rehabilitation der Person“[6][7]

Regelversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste zugelassene Versorgungsverfahren in der Regelversorgung ist seit dem 8. Juli 2013 die EvoCare-Teletherapie.[8] Diese wurde von Achim Hein bereits im Jahr 2002 zum Patent angemeldet, er gilt als Erfinder der Teletherapie, einem Therapiesystem sowie Therapieverfahren.[9][5] Derzeit wird das zugelassene Versorgungsverfahren in der Nachsorge der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd angewendet.[10] Diese Zulassung wurde nach Veröffentlichung der DRV eigenen Studie,[11] zur Untersuchung der Wirksamkeit, ausgestellt. Der Kostenträger der Deutschen Rentenversicherung Rheinland hat diese Teletherapie-Form für Ihre Versicherten in der Aggertalklinik übernommen.[12] Die Wirtschaftlichkeit wurde in einer Machbarkeitsstudie der Aggertalklinik, Rehabilitationsklinik für orthopädische Erkrankungen der DRV Rheinland, evaluiert.[13] Bezüglich Wirtschaftlichkeit kommt die Studie zu folgendem Ergebnis: "Kosten und Erlöse wurden in eine Deckungsbeitragsrechnung überführt. [...] Beide weisen ein positives Gesamtergebnis für die Klinik auf."[14]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Teletherapie existieren zugelassene Abrechnungsstrukturen die von Datenschützer unterschiedlicher Institutionen erfolgreich geprüft wurden.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eckart Rupp, Simone Sünderhauf, Jürgen Tesak: Teletherapie in der Behandlung von Aphasie. Aphasie und verwandte Gebiete 2/2008.
  • U. Eisermann, I. Haase, B. Kladny: Computer-Aided Multimedia Traning in Orthopedie Rehabilitation. In: Am J Phys Med Rehabil. 82, 2004, S. 670–680.
  • D. Kraft: Telematik im Gesundheitswesen. DuD-Fachbeiträge. Deutscher Universitäts-Verlag. 2003, ISBN 3-8244-2166-6.
  • M. Schellenberger, M. Dittrich, G. Eichner, B. Kleist, W. Schupp, W. F. Beyer: Untersuchung der Wirksamkeit der Nachsorgekonzepte IRENA und EvoCare-Teletherapie bei Patienten mit Erkrankungen des Bewegungsapparates in Bezug auf körperliche Parameter. In: DRV-Schriften. Band 103, 2014, S. 268–271.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Teletherapie in der Behandlung von Aphasie (PDF)
  2. Berliner Schlaganfall Allianz, Glossar, Abruf Internet 28. Oktober 2015 Evocare-Teletherapie
  3. Fachtagung „Qualitätsmanagement und TeleTherapie“, 19. Februar 2002, Bernd Kladny, Chefarzt Orthopädie, m&i-Fachklinik Computergestütztes multimediales Training in der orthopädischen Rehabilitation
  4. M. Johanni, D. Tietze, R. Setz, A. Hein: EvoCare: a new standard in tele-therapy. In: Studies in health technology and informatics. Band 108, 2004, S. 228–234, PMID 15718651.
  5. a b R. Kohnen, M. Schellenberger: Teletherapie – Zukunftsweisende Therapie auf dem Vormarsch. (PDF)
  6. Einsatz von TeleTherapie in der stationären und ambulanten Rehabilitation und Nachsorge (PDF)
  7. Möglichkeiten und Grenzen telemedizinischer Behandlungsangebote bei kognitiven und kommunikativen Störungen (PDF). Abgerufen am 20. Dezember 2013.
  8. Patienten profitieren von Tele-Reha. In: Deutsches Ärzteblatt. Heft 1/2014.
  9. Deutsches Patent- und Markenamt, Abruf Internet 22. November 2015 Patent, Aktenzeichen 102 47 440.0, Bezeichnung „Therapiesystem sowie Therapieverfahren“
  10. eHealth – Neue Versorgungsformen (PDF)
  11. Untersuchung der Wirksamkeit der Nachsorgekonzepte IRENA und EvoCare-Teletherapie bei Patienten mit Erkrankungen des Bewegungsapparates in Bezug auf körperliche Parameter. In: DRV-Schriften. Band 103, 2014, S. 268–271. (online)
  12. EvoCare Telemedizin als teletherapeutische Nachsorge der Aggertalklinik, Engelskirchen ([1])/
  13. Tele-Behandlung: Wirtschaftlichkeit belegt und veröffentlicht([2])/
  14. Auszug Machbarkeitsstudie zur EvoCare®-Teletherapie als Nachsorgeangebot der Aggertalklinik, Rehabilitationsklinik der DRV Rheinland In: STUDIEN UND PUBLIKATIONEN EvoCare®-Behandlung. ([3]), abgerufen am 26.Januar 2016
  15. Wilfried Berg: Telemedizin und Datenschutz. In: Medizinrecht. Springer, Heft 8/2004.