Temp-Methode

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Die TEMP-Methode ist ein Managementsystem zur Führung und Steuerung von vor allem mittelständischen Unternehmen. Sie wird auch als Balanced Scorecard für den Mittelstand bezeichnet.[1]

Abgrenzung zu anderen Managementsystemen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die TEMP-Methode ist ein integriertes Managementsystem, welches alle wesentlichen Unternehmensbereiche abdeckt. Während die bekannten Systeme EFQM-Modell und St. Galler Management-Modell vor allem in großen Unternehmen Anwendung finden, wurde die TEMP-Methode gezielt für kleine und mittelständische Unternehmen entwickelt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die TEMP-Methode wurde in den 1990er Jahren von Jörg Knoblauch und Führungskräften seiner Unternehmensgruppe entwickelt. Als Marke wurde der Begriff TEMP-Methode im Jahr 2000 eingetragen.[2] Im Jahr 2001 wurde die Methode im Buch „Unternehmens-Fitness - Der Weg an die Spitze“ von den Entwicklern beschrieben.[3] Die drilbox Georg Knoblauch GmbH wurde für die Umsetzung der TEMP-Methode von der Deutschen Gesellschaft für Qualität als Gewinner des Ludwig-Erhard-Preis-Wettbewerbs 2002 ausgezeichnet.[4] 2009 erschien im Campus-Verlag das Buch „Die TEMP-Methode: Das Konzept für Ihren unternehmerischen Erfolg“ (Autoren: Jörg Knoblauch, Jürgen Kurz und Jürgen Frey).

Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die TEMP-Methode hat das Ziel, das eigene Unternehmen zu bewerten und daraus eine Standortanalyse zu erstellen. Hierbei werden Stärken und Schwächen ermittelt. Und es werden Handlungsanleitungen gegeben, wie die Schwächen überwunden werden können. Somit ist eine ganzheitliche Weiterentwicklung des Unternehmens möglich.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept der TEMP-Methode besteht aus vier Bausteinen. Es sieht den Unternehmer als „Chef“ eines Teams, welches er (wie im Sport) personell zusammenstellen und führen muss. In mittelständischen Unternehmen ist seine Arbeitsweise prägend für das ganze Unternehmen. Der erste Baustein der Methode hilft dem Unternehmer dabei, seine Stärken und Schwächen als Führungskraft zu identifizieren und die entscheidenden Aspekte des Führens zu optimieren. Der zweite Baustein ist die Fokussierung des Unternehmens auf den Kunden. Nur der Kunde bestimmt, ob das Unternehmen langfristig am Markt eine Daseinsberechtigung hat. Deshalb geht es darum, die mit Hilfe der Methode sicherzustellen, dass Kunden gefunden, zufriedengestellt und gehalten werden.[5] Für diese Fokussierung auf den Kunden sind engagierte Mitarbeiter nötig, die die Kundenwünsche bearbeiten. Die TEMP-Methode sieht die Mitarbeiter als „interne Kunden“, deren Bedürfnisse ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Dieser dritte Baustein enthält Methoden, Mitarbeiter langfristig zu motivieren und im Unternehmen zu halten. Dahinter steht die Philosophie, aus Mitarbeitern so genannte Mit-Unternehmer zu machen. Bis an den Kunden geliefert werden kann, sind für jedes Produkt und jede Dienstleistung bestimmte Prozesse erforderlich. Ziel des vierten Bausteins ist es, sicherzustellen, dass diese Prozesse fehlerfrei, kostengünstig und ohne Verzögerungen ablaufen. Dahinter steht die betriebswirtschaftliche Erkenntnis, dass es entscheidend von der Qualität der Prozesse abhängig ist, ob Deckungsbeiträge erwirtschaftet werden. Über die vier Bausteine hinaus sind je nach Unternehmenssituation weitere Bausteine möglich, wie z. B. Finanzen, Werteorientierung usw. Ebenso wurde die Methode an zahlreiche Anwendungen angepasst, wie z. B. Die TEMP-Methode für das Handwerk, Die TEMP-Methode für Bildung und Erziehung, Die TEMP-Methode für Non-Profit-Organisationen usw.[6]

Vorgehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In jedem Handlungsfeld gibt es Aussagen zur Ist-Situation, die nach Schulnoten sortiert sind. Beginnend mit Note 6 bis Note 1 werden die Aussagen gelesen und anschließend wird die zutreffende Ist-Situation (z. B. bei Note 3) in einer Selbstbewertung angekreuzt. Für jeden Baustein lässt sich nun eine Durchschnittsnote errechnen, ebenso für das gesamte Unternehmen. Mittels verschiedener Visualisierungstools lässt sich die Ist-Situation grafisch darstellen. Zur Weiterentwicklung des Unternehmens stellt die Methode Anleitungen zur Verfügung, mit denen sich das Unternehmen schrittweise in jedem Handlungsfeld Note um Note verbessern kann.[7]

Bewertungskriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In jedem Baustein gibt es sieben Handlungsfelder, in denen eine Bewertung erfolgt. Diese sind:

Baustein 1: Teamchef

  • Unternehmerpersönlichkeit entwickeln
  • Unternehmensleitbild festlegen
  • Strategisch planen
  • Mitarbeiter auswählen
  • Erfolg vereinbaren
  • Profitabel wirtschaften
  • Außendarstellung gestalten

Baustein 2: Erwartungen des Kunden

  • Kernkompetenzen entwickeln
  • Zielgruppe fokussieren
  • Servicequalität steigern
  • Innovationsfähigkeit ausbauen
  • Verkauf stärken
  • Kundenzufriedenheit messen
  • Kundenbeziehungen pflegen

Baustein 3: Mitarbeiter

  • Offen kommunizieren
  • Mitdenker gewinnen
  • Weiterbildung fördern
  • Verantwortung übertragen
  • Vertretungsfähigkeit garantieren
  • Mitgenießen und Mitbesitzen
  • Mitarbeiter wertschätzen

Baustein 4: Prozesse

  • Ordnung halten
  • Qualität verbessern
  • Termintreue steigern
  • Abläufe optimieren
  • Bestände reduzieren
  • Arbeitseffizienz messen
  • Netzwerkbeziehungen entwickeln[8]

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einfach zu verstehen und umzusetzen
  • Zu einer ersten Bestandsaufnahme wird je nach Unternehmensgröße keine oder nur geringe externe Beratung benötigt
  • Für kleine und mittelständische Unternehmen geeignet

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Selbstbewertungen, wie Sie in der TEMP-Methode verwendet werden, bergen immer die Gefahr der Betriebsblindheit und des Wunsch-Denkens.
  • Nicht für Großunternehmen und Konzerne geeignet

TEMP-Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der TEMP-Award wird an erfolgreiche Anwender der TEMP-Methode verliehen. Potenzielle Kandidaten werden von einem Beraterstab der Firma tempus-Consulting vorgeschlagen und durch den wissenschaftlichen Beirat ausgewählt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Knoblauch, Kurz, Frey: Die TEMP-Methode®, 2009 Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main
  • Knoblauch, Frey, Kummer, Stängle: Unternehmensfitness – Der Weg an die Spitze, 2001 Gabal Verlag, Offenbach
  • Scherer, Hermann: Von den Besten profitieren, Bd. III, 2003 Gabal Verlag, Offenbach

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Controller Magazin PDF -Seite 68, abgerufen am 21. November 2012.
  2. tmdb.eu, abgerufen am 21. November 2012
  3. Unternehmens-Fitness - Der Weg an die Spitze im Gabal Verlag 2001 erschienen. ISBN 978-3-89749-120-5
  4. Temp Methode enthält den Ludwig-Erhard-Preis, abgerufen am 21. November 2012.
  5. Herzog, Hans-Henning: tqm light – speziell für KMU in MQ Management und Qualität, 11/2004, S. 18ff.
  6. Knoblauch, Kurz, Frey: Die TEMP-Methode®, 2009 Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main, S. 185ff.
  7. Knoblauch, Kurz, Frey: Die TEMP-Methode®, 2009 Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main, S. 47, 199ff
  8. Knoblauch, Kurz, Frey: Die TEMP-Methode®, 2009 Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main, S. 45