Tempel der Göttlichen Vorsehung

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Ruine des 1. Tempels 1791
Bauzustand am 22. April 2010
Bauzustand am 12. Juni 2012

Der Tempel der Göttlichen Vorsehung (poln. Świątynia Opatrzności Bożej) ist eine katholische Kirche, die derzeit im Warschauer Stadtteil Wilanów errichtet wird. Die Gedenkstätte ist dem Dank für die Freiheit und Souveränität Polens gewidmet. In der Krypta befindet sich ein Pantheon großer Polen (Panteon Wielkich Polaków) mit den Gräbern von Jan Twardowski, Zdzisław Peszkowski, Krzysztof Skubiszewski, Ryszard Kaczorowski, Józef Joniec, Zdzisław Król und Andrzej Kwaśnik sowie Gedenkstätten für Papst Johannes Paul II. und Jerzy Popiełuszko. Die Entstehungsgeschichte des Heiligtums reicht über 200 Jahre zurück.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Mai 1791 beschloss das Parlament des Königreichs Polen den Bau des Tempels der Göttlichen Vorsehung, als Votum für die Beschließung der polnischen Verfassung vom 3. Mai 1791. Ursprünglich war das Gebäude als ein weltlicher Tempel der Höheren Vorsehung gedacht, gemäß den Ideen der Aufklärung. Wegen der Teilung Polens durch Preußen, Russland und Österreich kam der Bau nach dem Projekt des Architekten Jakub Kubicki nicht zustande. Es wurde nur ein Fragment auf dem Gelände des heutigen Botanischen Gartens in der Ujazdowski-Allee errichtet.

Nach der Wiedererlangung der polnischen Staatsunabhängigkeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1930 ein Wettbewerb über das Projekt des Tempels ausgeschrieben. Es gewann der Architekt Bohdan Pniewski. Der Tempel war am Mokotów-Feld (Pole Mokotowskie) geplant. Wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges blieb es beim Projekt.

Nach dem Systemwechsel in Polen 1989 wurde schließlich am 23. Oktober 1998 der Sejm-Beschluss von 1791 erneuert. Als Standort wurde das Gelände inmitten des neuen Wohnviertels Wilanów, unweit der Abzweigung der Autobahn A2 gewählt. Es wurde ein Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben, den der Warschauer Architekt Professor Marek Budzyński gewann. Er schlug den Bau eines unterirdischen Tempels in Form eines Erdhügels vor, mit einer sternförmigen Lichtkuppel gekrönt. Das Projekt wurde von den Fachleuten sehr hoch bewertet, stieß aber auf das Missfallen konservativer Gläubiger, die sich einen konventionellen Kirchbau gewünscht hatten.

Trotzdem entschloss sich anfänglich das Oberhaupt der Kirche Polens, Kardinal Józef Glemp, die Kirche nach dem preisgekrönten Entwurf zu errichten. Nach einiger Zeit änderte er unerwartet seine Meinung, und zum Bau der Kirche wurden die Architekten Wojciech und Lech Szymborski bestellt.

Der Szymborski-Entwurf ist ein würfelförmiges Gebäude aus Stahlbeton mit einer hohen Kuppel. Es erhielt bald den Spitznamen „Zitronenpresse“. Am 2. Mai 2002 wurde der Grundstein feierlich eingemauert. Die Bauarbeiten begannen am 25. Februar 2003. Sie sollten aus den Spenden der Gläubigen finanziert werden, da sie aber nicht ausreichten, wurde die Staatskasse zu Hilfe gezogen mit der Begründung, es handele sich um die Finanzierung eines Nationalheiligtums (des Pantheons in der Unterkirche) und eines weltlichen Papstmuseums (im Obergeschoss unter der Kuppel).

2009 befand sich die Kirche im Rohzustand, noch ohne Kuppel. Die Fertigstellung wird für 2016 erwartet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tempel der Göttlichen Vorsehung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bauzustand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 9′ 31″ N, 21° 4′ 20″ O