Templerschatz

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Der Templerschatz ist ein sagenumwobener, bis heute nicht gefundener Schatz der Tempelritter, der der Legende nach im Jahre 1307 in Gisors versteckt worden sein soll. Es gibt jedoch auch Hinweise auf andere Verstecke wie insbesondere Rennes-le-Château, die Rosslyn-Kapelle (Schottland) und die Money Pit („Geldgrube“) von Oak Island (Nova Scotia).

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tatzenkreuz des Templerordens

Am bekanntesten unter den möglichen Verstecken ist Gisors. Zum kleinen Ort, 72 km nordwestlich von Paris gelegen, gehört die Burg Gisors. Sie befand sich zwischen 1158 und 1161 in der Verwaltung des Templerordens.[1] Dieser war im Mittelalter eine international tätige Miliz, die zur Elitetruppe und reichsten Militärorganisation mit dem Symbol des roten Tatzenkreuzes aufstieg. Templer durften als einzige Christen Geld gegen Zins verleihen.[2] Ihnen gehörten Ländereien und Gold, sie galten als reich.[3][4]

Vorgeschichte des Schatzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der durch Kriege hochverschuldete König Philipp IV. („der Schöne“) und Papst Clemens V. planten gemeinsam im Oktober 1307 die Vernichtung des Templerordens, um dessen riesiges Vermögen an Gold und Ländereien unter sich aufzuteilen.[5] Zum Zwecke einer großangelegten Verhaftungsaktion hatte der König den Vorwand vorgeschoben, dass sich die Templer wegen angeblicher sittlicher Verfehlungen und Ketzerei zu verantworten hätten. In einem Brief vom 14. September 1307 befahl er die Verhaftung der Templer.[6] Die Verhaftungsaktion begann am Morgen des 13. Oktober 1307 in Paris mit der Verhaftung von 138 Templern.[7] Innerhalb der Stadt gab es eine befestigte Anlage – Temple – in der die Milizen den Goldschatz vergebens suchten. Von den geschätzten 2.000 Templern in ganz Frankreich wurden 546 (davon 138 in Paris) gefasst. In der befestigten Anlage lebte auch der Generalvisitator (Großmeister) Jacques de Molay. Die von Papst Clemens V. am 22. November 1307 veröffentlichte BullePastoralis praeminentie“ bestätigt nochmals die Verhaftung der Templer in ganz Europa und ihre Enteignung. Die Verhaftungswelle führte zur Vernichtung der meisten Dokumente durch Feuer, so dass viele historisch bedeutsame Belege nicht mehr vorhanden sind. Nach der Verhaftung kam es zu Templerprozessen und Verhören (Inquisition) auch durch den Papst und dessen Kardinäle in Poitiers.

Der Templerschatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwiesen ist, dass neben den Ländereien der Templerschatz aus Goldmünzen, goldverziertem Mobiliar und Pfandbriefen bestand.[8] Bei der Verhaftungswelle wurde jedoch nur ein sehr geringer Teil der mobilen Schätze sichergestellt.

Der Templer Jean de Châlon gab bei den Verhören im Juni 1308 zu Protokoll, dass Hugues de Châlons und Gérard de Villers den Schatz des französischen Großvisitators, Hugues de Pairaud, am 12. Oktober 1307 (also am Abend vor der Verhaftungswelle) von Pariser Temple zum Meer mit 50 Pferden abtransportiert hätten.[9] Sie seien auf 18 Schiffen mit unbekanntem Ziel ausgelaufen. Aufgrund einer phantasievollen Interpretation des Namens von Gisors kam Gerard de Sède zu dem Schluss, die in seiner Version erwähnten drei Karren, die ihm zu gering für eine Ladung von 18 Schiffen schienen, wären ein Hinweis auf die Burg Gisors. Gisors (römisch „Gisacum“) liegt direkt an der ehemaligen römischen Straße von Paris und an der Epte, die in die Seine mündet.

Suche nach dem Schatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersichtlich erste Suche nach dem verschollenen Templerschatz begann in Kanada. Es folgte die Schatzsuche in Gisors, an die sich Forschungen anschlossen.

Kanada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1795 ruderten die kanadischen Holzfäller Daniel McGinnis, Anthony Vaughn und John Smith zu der 200 m von der Küste entfernten, nur 1.200 Meter langen, rund 800 Meter breiten und 57 ha großen Insel Oak Island in der Mahone Bay an der Südküste Neuschottlands.[10] Tage vorher hatte McGinnis in einer kleinen Lichtung auf der unbewohnten Insel eine Vertiefung entdeckt, die auf menschliche Aktivitäten hindeutete. Der hier vermutete Templerschatz wurde trotz Einsatzes von 30 Bergungsgesellschaften ab 1804 nie gefunden. Die Aktivitäten sind dennoch nicht eingestellt worden; Grabungen werden durch den „Oak Island Treasure Act“ seit Januar 2011 gegen Lizenz erlaubt.

Schottland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gut erhaltene Roslyn-Kapelle liegt im kleinen Ort Roslin bei Edinburgh und gehört zu den echten Templerkirchen. Grabungen des Hobbyforschers Niven Sinclair im April 1992 mussten wegen Einsturzgefahr vorzeitig beendet werden, hatten jedoch keine Hinweise auf einen umfangreichen Templerschatz ergeben.[11] Sein Cousin Andrew Sinclair schrieb über die Verbindung zwischen der Kapelle und den Templern das Buch The Sword and the Grail („Das Schwert und der Gral“; 1992), 1998 brachte er das Buch Discovery of the Grail („Entdeckung des Gral“) heraus. Gegen die Kapelle als Versteck spricht insbesondere ihr Erbauungsjahr 1456; sie war also zu Zeiten der Verhaftungswelle 1307 noch nicht als Versteckmöglichkeit nutzbar.

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aus Gisors stammende Roger Lhomoy (* 17. April 1904, † 1974) war seit 1929 auf Burg Gisors Kastellan und Gärtner und hatte von ihrer Geschichte gehört.[12] Er begann mit eigenen nächtlichen Grabungsversuchen im Frühjahr 1941 und stieß Ende April 1944 nach angesammelten 50 Tonnen Schutt auf eine gemauerte Wand. Hierhinter verbarg sich ein 30 m langer und 9 m breiter Saal mit Statuen Christis und der Apostel, in dem sich 19 Steinsarkophage und 30 Truhen mit wertvollen Gegenständen verbargen.[13] Im März 1946 berichtete er dem Bürgermeister über seine Entdeckung. Dieser ließ wegen der Einsturzgefahr das Grabungsloch durch deutsche Kriegsgefangene schließen und entließ seinen Gärtner. Unbeirrt ersuchte Lhomoy die Genehmigung des Kultusministers, die ihm erteilt wurde; doch die Zustimmung des Burgeigentümers, dem örtlichen Bürgermeister, wurde verweigert. Der entlassene und verarmte Lhomoy ließ sich 1959 von Gérard de Sède, einem Redakteur bei der Nachrichtenagentur Agence France-Presse, auf dessen Landgut als Stallknecht anstellen.

Forschungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gérard de Sède (* 5. Juni 1921, † 29. Mai 2004) interessierte sich für Lhomoys Grabungen und begann mit eigenen Recherchen. Er stützte sich auf angebliche Dokumente des Geheimarchivs des Vatikans, die 72 Aussagen von Templern enthielten, welche bei den Verhören durch Papst Clemens angefertigt worden seien. Danach hätten Gérard de Villers und Hugues de Châlons mit 40 bewaffneten Soldaten den Schatz des Generalvisitators am Tage vor der Verhaftungswelle, also am 12. Oktober 1307, auf drei Karren weggeschafft. De Sède vermutet, dass es zu riskant gewesen wäre, die drei Karren über die alte Römerstraße in das Gebiet des heutigen Departements Eure zu transportieren, weshalb man sie in Gisors deponiert hätte.[14]

Amateur-Historiker de Sède veröffentlichte 1962 das Buch Les Templiers sont parmi nous, ou L'Enigme de Gisors („Die Templer sind unter uns oder Das Rätsel von Gisors“), das er unter Mitwirkung des undurchsichtigen Pierre Plantard verfasste. Hierin versucht er diese These wissenschaftlich zu untermauern. „Es gibt alte Urkunden, die mit Lhomoys Angaben genau übereinstimmen.“ Das Buch de Sèdes wird in Frankreich ein Bestseller und löst eine Grabungswelle von Amateuren in Gisors aus, so dass Kultusminister André Malraux am 10. Februar 1964 mit professionellen Grabungen beginnen lässt. Da diese jedoch die Statik der Burg bedrohen, wird bereits am 12. März 1964 die Burg von Gisors zum militärischen Sperrgebiet erklärt.[15] In seinem 1967 erschienenen Buch Le trésor maudit de Rennes-Le-Château („Der verfluchte Schatz von Rennes-Le-Château“) fokussierte sich de Sède schließlich auf den letzten, noch unerforschten Ort des nie gefundenen Templerschatzes. Hier gab es ein vom Templer-Großmeister Bertrand de Blanquefort (oder Blanchefort) zwischen 1156 und 1158 erbautes und im Gebiet des Château de Blanchefort liegendes unterirdisches Bauwerk, das von deutschen Bergleuten angelegt wurde. Es hätte durchaus als Versteck für den Templerschatz dienen können, denn von hier war es nicht weit zum stark befestigten Templerhafen Collioure.[16] Das Château de Blanchefort wurde bereits 1210 während des Kreuzzuges gegen die Katharer zerstört.

Folgerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Verfolgung der Templer wurden sie enteignet und ihre Dokumente vernichtet. Deshalb gibt es keine Primärdokumente über den Schatz und seinen Verbleib. Die Nachwelt ist auf Spekulationen angewiesen und hat sich bei der Lokalisierung des angeblichen Templerschatzes auf drei Orte konzentriert. Bis auf Kanada – wo man seit über 200 Jahren professionell sucht – sind die Grabungen entweder durch Amateure (Rosslyn) und/oder zu kurz und ungenau (Gisors) durchgeführt worden. Sichtbarer Teil des Templerschatzes waren die umfangreichen Ländereien, die nach Enteignung teilweise an den Johanniterorden übertragen wurden. Unbestritten ist, dass die Templer auch über mobiles Vermögen verfügten, das bis heute jedoch nicht gefunden werden konnte.

Alain Demurger[17] kommentiert dagegen die relativ geringen Geldmittel, die man bei den Templern in Frankreich gefunden hat (auch die in den Ordenshäusern gefundenen Besitzverzeichnisse offenbarten keinen großen Reichtum und der Hauptsitz des Ordens war in Zypern), damit, dass sich der König wohl wie viele überzogene Illusionen bezüglich des Reichtums des Ordens gemacht habe. Er konnte allerdings die laufenden Einnahmen aus den Templer-Besitzungen für sich verwenden und erhielt 200.000 Pfund aus der Abrechnung mit den Hospitalrittern, die die Besitzungen der Templer übernahmen. Demurger sieht die Gerüchte um einen vor der Verhaftung beiseitegeschafften Templerschatz skeptisch, da sie ansonsten ganz offensichtlich von den Verhaftungen überrascht waren.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gisors gehörte zum Besitz von Margarethe von Frankreich, die mit Heinrich dem Jüngeren verheiratet war. Die Templer waren beauftragt, die Burg während der Jugendzeit des Paares zu verwalten.
  2. Tobias Daniel Wabbel, Der Templerschatz – Eine Spurensuche, Gütersloher Verlagshaus 2010, S. 31.
  3. Tobias Daniel Wabbel, Der Templerschatz – Eine Spurensuche, Gütersloher Verlagshaus 2010, S. 8.
  4. le tresor des templiers a Gisors? Mitschnitt eines Berichts auf TF1 über den Mythos des Templerschatzes in Gisors (französisch)
  5. Bernd F. W. S. Prinz de Mistra, Unbequeme Wahrheiten, 2011, S. 168 f.
  6. Alain Demurger, Die Templer, Aufstieg und Untergang, 2004, S. 246.
  7. Malcolm Barber, Der Templerprozess, 2008, S. 232 f.
  8. Tobias Daniel Wabbel, Der Templerschatz – Eine Spurensuche, Gütersloher Verlagshaus 2010, S. 76.
  9. Die Stelle findet sich in Heinrich Finke Papstum und Untergang des Templerordens, Münster 1907, Band 2, S. 339: Item dixit, quod potentes ordinis prescientes istam confusionem fugiunt et ipse obviavit fratri Girardo de Villariis ducenti quinquaginta equos, et audivit dici, quod intravit mare cum XVIII galeis, et frater Hugo Cabilone fugiit cum toto thesauro fratris Hugonis de Peraudo.
  10. Lionel & Patricia Fanthorpe, The Oak Island Mystery, 1996, S. 19.
  11. Nikolaus C. Heutger, Die Tempelherren einst und heute, 2007, S. 46.
  12. Lynn Picknett/Clive Prince, The Sion Revelation, 2006, S. 115.
  13. Vom Stallknecht entdeckt (Memento des Originals vom 7. April 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/wissen.spiegel.de, Der Spiegel 48/1962 vom 28. November 1962, S. 114 ff.
  14. Marc Krueger, Preis der Gerechtigkeit, 2000, S. 167.
  15. Tobias Daniel Wabbel, Der Templerschatz – Eine Spurensuche, Gütersloher Verlagshaus 2010, S. 55.
  16. Wilfried Augustin, Das Geheimnis von Rennes-Le- Château (Memento des Originals vom 24. August 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.efodon.de, in: EFODON-SYNESIS 2/2006, S. 9 ff. (PDF; 867 kB)
  17. Die Templer, Beck, 1991, S. 275