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Tenne

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dreschplatz beim Bergort Cástaras, Andalusien
Runder Dreschplatz unter freiem Himmel auf Santorin
Historische Malztenne
Video: Anlegen einer Lehmtenne, 1963

Die Tenne ist eine Fläche, auf der das Getreide gedroschen wurde. Hier wurde auch durch Windsichten die Spreu vom Getreide getrennt. Die Tenne, die aus einer glatten und harten Fläche besteht, kann sich in einer Scheune oder im Freien befinden.[1]

Die oft rundgeebnete Tenne besteht häufig aus gestampftem Lehm, manchmal aber auch aus Beton oder Holz.

Germanische Herkunft und lokale Bezeichnungen

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Der Substantiv beteutend „Dreschplatz“ kommt from mittelhochdeutsch tenne und früher althochdeutsch tenni[2].

In der Schweiz hieß es das Tenn.[3]

In Südschleswig (auf Schleswiger Platt) wird die Tenne Lohdeel, Lohdiele[4] oder Loodiele (nach T. Storm) benannt, auf Nordfriesisch lu[5], was vom dänischen lo nach dem Sprachwechsel weitergeführt bzw. entlehnt wurde. Das dänische Wort entstammt dem altnordischen lófi oder láfi, davon auch norwegisch låve (Scheune), was möglicherweise mit altgriechisch ἀλωή, alōḗ (Dreschplatz, Weingarten) verwandt ist.[6]

In der Mälzerei bezeichnete man früher den flachen Boden, auf dem das Grünmalz in sogenannten Haufen ausgebreitet wurde, als Tenne. Auf der Tenne musste das Grünmalz täglich mit Malzschaufeln und Harken gewendet werden. Diese personalintensive Arbeitsweise wird heute meist vollautomatisch im Keimkasten erledigt.

Auf Bauernhöfen ist die Tenne häufig der den Wirtschafts- und Wohnbereich des Hofes verbindende Gebäudeteil, in dem im Winter das Korn gedroschen wurde.[7][8]

Die ersten Dreschtennen befanden sich unter freiem Himmel. Sie bestanden meist aus gestampftem Lehm oder waren mit Steinen gepflastert. Oftmals wurden sie mit Tüchern ausgelegt, um die Körner aufzufangen. Sie konnten rund oder rechteckig sein. Es wurde mit Dreschflegeln oder auch mit von Rindern (oder anderem Vieh) gezogenen Dreschschlitten gedroschen, oder auch einfach durch deren wiederholtes Zertreten.

Man nutzte den Wind, um die Spreu vom Getreide zu trennen, dazu wurden Worfeln oder Siebe verwendet. Im alten Ägypten setzte man auch Wedel ein.[9] Offene Dreschtennen gab es in Südeuropa bis ins 20. Jahrhundert. In Nord- und Mitteleuropa verlegte man wegen des unbeständigen oder schlechten Wetters die Tennen zumeist in die Scheune, insbesondere da das Dreschen mit Dreschflegeln noch bis spät in den Herbst hinein stattfand.

Die Mechanisierung des Getreidedreschens verbreitete sich ab den 1840er Jahren in Westeuropa und Mitteleuropa[10]. Dampfbetriebene Dreschmaschinen wurden daraufhin üblich: Abgesehen von Dienstleistungen für Dorfbauerngruppen, verbreiteten sie sich auf großen Höfen. Im Gegenschaft kleinere Höfe bevorzugten einfachere, mechanische Dreschmaschinen, die von Tieren (Pferden) angetrieben wurden. Da der Vorgang an einem festen Ort durchgeführt wurde, ging er schnell vonstatten. Auch der Qualität war das mecanische Dreschen dem langwierigen und kostspieligen Dreschen mit dem Schlegel überlegen.

Diese technologischen Veränderungen erforderten erhebliche Investitionen, so die mittleren und kleinen Höfe, insbesondere in Sud-Europa, weitgehend unberührt blieben. Sie behielten ihre archaischen Geräte und Anlagen lange Zeit bei, die auf vielen Fotografien zu sehen sind.

Commons: Tenne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Tenne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Die Oberfläche, wenn nicht sogar glatt, muss gleichmäßig und frei von Spalten sein.
  2. Duden Band 7, Das Herkunftswörterbuch, Etymologie der deutschen Sprache, Dudenverlag Mannheim, 844 Seiten mit Literaturverzeichnis, Eintrag "Tenne", Seite 740. Die Herkunft des auf dieser deutschen Sprachbereich beschränkten Substantiv ist nicht geklärt, nach Ansicht der Autoren. Können wir eine Parallele zu mehrdeutigen lateinischen Verben ziehen, als batuere oder ältere battere (beteutung "dreschen" in diesem speziellen Fall) und terere (tero, trivi, tritum, terere bedeutung hier reiben, abnutzen, um die Hülse vom Weizenkorn zu trennen) ?
  3. Drei Bauernhäuser, ein Speicher und ihre Geschichten (Memento vom 8. Januar 2016 im Internet Archive)
  4. Der Maueranker - Baupflege in Nordfriesland, Dithmarschen und Angeln. Herausgegeben von der Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland & Dithmarschen e. V. Heft 3/4, Dezember 2004, 23. Jahrgang, Seite 10. Online: Der Maueranker Heft 3/4 Dezember 2004 23. Jahrgang (Memento vom 11. Januar 2006 im Internet Archive)
  5. Tenne, Nordfriesisches Onlinewörterbuch, friesisch.net.
  6. lo. In: Ordbog over det danske Sprog. (dänisch).
  7. Historisches.
  8. Sehenswertes – Die Haubarge der Landschaft Eiderstedt. city-map Region Nordfriesland;
  9. Albert Neuburger: Die Technik des Altertums. Leipzig, Voigtländer 1919, kurzes Kapitel mit dem Titel Der Ackerbau, letzter Absatz Die Behandlung des Getreides, S. 89–90. ISBN 3-8262-1400-5., https://archive.org/details/bub_gb_gy5sAAAAIAAJ.
  10. Fabien Knittel, Les mutations des techniques agricoles (Mutationen in den landwirtschaftlichen Techniken), in Guillaume Carnino, Liliane Hilaire-Pérez, Jérôme Lamy (direktorium), Histoire globale des techniques, Brepols Publishers n.v, Turnhout, 2022, und CNRS éditions, Paris, 2025, ISBN 978-2-271-14628-1. Insbesondere Artikel Seiten 445–457.