Tennet TSO

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Tennet TSO GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 2009
Sitz Bayreuth, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
  • Wilfried Breuer
  • Alexander Hartman
  • Otto Jager
  • Ben Voorhorst
Mitarbeiterzahl 2.089 (alle Tochterges. der TenneT GmbH & Co. KG in Deutschland)[1]
Umsatz 3,122 Mrd. (alle Tochterges. der TenneT GmbH & Co. KG in Deutschland)[2]
Branche Übertragungsnetzbetreiber
Website www.tennet.eu/de/
Stand: 2017

Die Tennet TSO GmbH (eigene Schreibweise TenneT TSO GmbH) mit Sitz in Bayreuth ist ein deutscher Übertragungsnetzbetreiber und ein Tochterunternehmen des niederländischen Stromnetzbetreibers Tennet. Tennet TSO betreibt in Deutschland ein Höchstspannungs-Stromnetz (220 kV und 380 kV) zwischen Schleswig-Holstein und Bayern mit einer Gesamtlänge von rund 12.605 Kilometern.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TenneT-Campus in Bayreuth
220-kV-Freileitung Lehrte–Borken der TenneT, errichtet Ende der 1920er Jahre von der PreussenElektra

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen geht auf die 2009 erfolgte Ausgliederung des Übertragungsnetz-Bereiches[4] aus der E.ON Netz GmbH innerhalb des vertikal integrierten Energiekonzerns E.ON und auf die anschließende Desinvestition seitens E.ON zurück. Die in Bayreuth ansässige E.ON Netz war zuvor im Jahr 2000 bei der Fusion der Bayernwerk AG und der PreussenElektra AG zur E.ON Energie AG entstanden. Der Verteilnetz-Bereich verblieb nach der Aufspaltung bei der E.ON Netz.

Im Mai 2008 verpflichtete sich der E.ON-Konzern im Zuge eines seit 2007 laufenden Kartellverfahrens – wegen mutmaßlich missbräuchlicher Ausnutzung seiner marktbeherrschenden Stellung als Übertragungsnetzbetreiber auf dem sekundären Regelenergiemarkt und auch aufgrund rechtlicher Vorgaben zur Entflechtung (→EnWG-Novelle von 2005) – gegenüber der Europäischen Kommission, seine deutsche Höchstspannungsnetz-Sparte an einen Wettbewerber zu verkaufen.[5][6] Mit der Verpflichtungszusage erreichte E.ON im November 2008 die Einstellung[7] des Kartellverfahrens durch die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes[6] noch im Vorfeld des Dritten Energiepakets der EU. Der Unternehmensteil sollte gemäß der Verpflichtungszusage spätestens zum 1. Dezember 2010 veräußert werden.[8]

In der Folge wurde am 4. Mai 2009 die von der E.ON Netz abgespaltene aber weiterhin in E.ON-Besitz befindliche Transpower Stromübertragungs GmbH (TPS) mit Sitz in Bayreuth ins Handelsregister eingetragen.[8][9] Transpower beschäftigte zu diesem Zeitpunkt etwa 650 Mitarbeiter.[4]

Eigentumsrechtliche Entflechtung und Umbenennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2009 gab E.ON bekannt, sich mit dem niederländischen Stromnetzbetreiber Tennet auf einen Verkauf geeinigt zu haben.[4] Die Übernahme der Transpower Stromübertragungs GmbH durch Tennet (konkret durch die TenneT GmbH & Co. KG, damals noch Transpower GmbH & Co. KG[10]) für etwa 1,1 Milliarden Euro wurde am 25. Februar 2010 rückwirkend zum 31. Dezember 2009 abgeschlossen.[11] Anfang 2010 beschäftigte Transpower etwa 725 Mitarbeiter.[11]

Wenige Monate später, mit Wirkung zum 5. Oktober 2010, wurde Transpower dem Namen des Mutterkonzerns angeglichen und heißt seitdem TenneT TSO GmbH.[12] Die Abkürzung TSO im Namen bedeutet Übertragungsnetzbetreiber (englisch transmission system operator).

Alleingesellschafterin der TenneT TSO GmbH ist seit 2010 die deutsche TenneT GmbH & Co. KG, die sich – über mehrere Zwischengesellschaften vermittelt – im Besitz der niederländischen TenneT Holding B.V. befindet.[13] Zur TenneT GmbH & Co. KG gehören weitere Beteiligungen und Tochtergesellschaften in Deutschland, u. a. die TenneT Offshore GmbH.[13] Eigentümerin der Tennet Holding ist das Königreich der Niederlande; die Beteiligung hält das niederländische Finanzministerium.[10]

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesetzlicher Auftrag und Zertifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umspannwerk Ganderkesee in Niedersachsen
Deutsches Übertragungsnetz: Regelzonen von Amprion, TenneT, TransnetBW und 50Hertz

TenneT TSO ist als Übertragungsnetzbetreiber ein Dienstleistungsunternehmen mit gesetzlichem Auftrag. Dieser ergibt sich aus den in § 11 ff. des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) formulierten „Aufgaben der Netzbetreiber“. Im Zentrum stehen dabei der diskriminierungsfreie Betrieb eines sicheren, zuverlässigen und leistungsfähigen Energieversorgungsnetzes sowie dessen Optimierung und Ausbau.

Als Übertragungsnetzbetreiber unterliegt TenneT TSO der wettbewerbspolitischen Regulierung durch die Bundesnetzagentur. Sie erteilte dem Unternehmen 2015, nach anfänglichen Komplikationen wegen fehlender Nachweise über die nötigen finanziellen Mittel, die Zertifizierung als eigentumsrechtlich entflochtener Transportnetzbetreiber gemäß § 8 EnWG.[10]

Netzgebiet und Anlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Übertragungsleitungen der Tennet TSO sind vorwiegend in den Bundesländern Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie in Teilen von Nordrhein-Westfalen zu finden. Das Unternehmen betreibt 124 Umspannwerke in der Höchstspannungsebene (Stand 2017)[14] und zwei Schaltleitungen in Lehrte-Ahlten und Dachau. Zwei Betriebszentren befinden sich in Lehrte-Ahlten und Bayreuth.

Integration in das europäische Verbundnetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Übertragungsnetz der Tennet TSO ist Teil des Europäischen Verbundsystems und nimmt mit der geografischen Lage in Mitteleuropa eine wichtige Transferstellung ein. Übergabestellen bestehen zu den benachbarten Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland und in den Nachbarländern Dänemark (Energinet.dk), Niederlande (Tennet), Tschechien (ČEPS) und Österreich (APG).

Die TenneT TSO ist eines der vier deutschen Mitgliedsunternehmen im ENTSO-E.[15]

Netzausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TenneT TSO ist für mehrere Netzausbauvorhaben nach dem Energieleitungsausbaugesetz und dem Bundesbedarfsplangesetz verantwortlich. Dazu zählen u. a. die Westküstenleitung und die Leitung Dörpen/West–Wesel (gemeinsam mit Amprion) sowie die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Projekte SuedLink (gemeinsam mit TransnetBW) und SuedOstLink (gemeinsam mit 50Hertz).

Weiteres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 begann E.ON Netz in Schleswig-Holstein auf der 110-kV-Leitung NiebüllFlensburg einen Feldversuch für Freileitungs-Monitoring und konnte dort die Übertragungskapazität wetterabhängig um zeitweise bis zu 50 Prozent steigern.[16] Mit Stand 2011 hatte Tennet TSO unter Einsatz von 55 Mio. Euro Investitionen mehr als 900 km Höchstspannungsleitungen und 20 Umspannwerke von Hamburg bis Gießen auf Freileitungs-Monitoring umgerüstet.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: TenneT TSO – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Additional CSR data 2017. CSR data linked to Integrated Annual Report 2017. TenneT Holding B.V., 23. Februar 2018, abgerufen am 15. Mai 2018 (PDF, englisch).
  2. Integrated Annual Report 2017. TenneT Holding B.V., Februar 2017, abgerufen am 15. Mai 2018 (PDF, englisch).
  3. Additional CSR data 2017. CSR data linked to Integrated Annual Report 2017. TenneT Holding B.V., 23. Februar 2018, abgerufen am 15. Mai 2018 (PDF, englisch).
  4. a b c E.ON verkauft Höchstspannungsnetz. Pressemitteilung. E.ON SE, 10. November 2009, archiviert vom Original am 17. Juni 2015; abgerufen am 1. Februar 2018.
  5. Kartellrecht: Kommission begrüßt Vorschläge von E.ON zu strukturellen Abhilfemaßnahmen, um den Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt zu stärken. MEMO/08/132. In: europa.eu. 28. Februar 2008, abgerufen am 3. Februar 2018.
  6. a b Kartellrecht: Kommission öffnet deutschen Strommarkt für den Wettbewerb. IP/08/1774. In: europa.eu. 26. November 2008, abgerufen am 4. Februar 2018.
  7. Entscheidung der Kommission in einem Verfahren nach Artikel 82 EG-Vertrag und Artikel 54 EWG-Abkommen. Sachen COMP 39.388 Deutscher Stromgroßhandelsmarkt und COMP 39.389 Deutscher Regelenergiemarkt. In: ec.europa.eu. 26. November 2008, abgerufen am 7. Februar 2018 (PDF, darin in Abschnitt 6 Zusammenfassung der Verpflichtungen).
  8. a b transpower stromübertragungs gmbh – Eigenständige Gesellschaft für Übertragungsnetz der E.ON. Pressemitteilung. transpower stromübertragungs gmbh, 6. Mai 2009, archiviert vom Original am 26. Juli 2009; abgerufen am 1. Februar 2018.
  9. Siehe dazu: Bekanntmachung des Beschlusses der Gesellschafterversammlung vom 21. April 2009 der E.ON Energie 40. Beteiligungs-GmbH, München (Kapitalerhöhung und Änderung der Firma in transpower stromübertragungs GmbH, GF-Bestellung) beim Amtsgericht München vom 5. Mai 2009, Aktenzeichen: HRB 171458, verfügbar im Elektronischen Bundesanzeiger (Unternehmensregister). Vgl. auch: Bekanntmachung des Eintragung vom 21. Dezember 2007 der E.ON Energie 40. Beteiligungs-GmbH, München beim Amtsgericht München vom 2. Januar 2008, Aktenzeichen: HRB 171458, ebenfalls verfügbar im Elektronischen Bundesanzeiger.
  10. a b c Beschluss in dem Verwaltungsverfahren wegen Zertifizierung eines Transportnetzbetreibers (Zertifizierungsverfahren gem. §§ 4a ff. EnWG zum Nachweis der Einhaltung der Entflechtungs- bzw. Organisationsvorgaben durch den Transportnetzbetreiber). Az BK6-12-047. Beschlusskammer 6 der Bundesnetzagentur, 3. August 2015, abgerufen am 2. Februar 2018 (PDF).
  11. a b E.ON extra-high voltage grid definitively acquired by TenneT. TenneT Holding B.V., 25. Februar 2010, archiviert vom Original am 26. September 2011; abgerufen am 3. Februar 2018 (englisch).
  12. Aus transpower wird TenneT. TenneT TSO GmbH, 8. Oktober 2010, abgerufen am 1. Februar 2018.
  13. a b TenneT Group legal overview. Organigramm. In: tennet.eu. 31. Dezember 2017, abgerufen am 3. Februar 2018 (PDF).
  14. Additional CSR data 2017. In: CSR data linked to Integrated Annual Report 2017. TenneT TSO B.V., 23. Februar 2018, abgerufen am 15. Mai 2018 (PDF, englisch).
  15. ENTSO-E Member Companies. In: entsoe.eu. Abgerufen am 1. Februar 2018 (englisch).
  16. Freileitungs-Monitoring. E.ON Netz GmbH, September 2007, archiviert vom Original am 17. Juni 2015; abgerufen am 3. Februar 2018 (PDF; 306 kB).
  17. Freileitungs-Monitoring. Optimale Kapazitätsauslastung von Freileitungen. TenneT TSO B.V., November 2010, abgerufen am 3. Februar 2018 (PDF; 666 kB).