Teresa Carreño

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Die Pianistin Teresa Carreño (Porträtaufnahme des Hofphotographen Julius Schaarwächter, um 1903)
Teresa Carreño im Alter von acht Jahren am Flügel
Villa Teresa in Coswig
Teresa Carreño (oben rechts) zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Giovanni Tagliapietra (Mitte oben) auf einem Plakat.

María Teresa Carreño García de Sena (* 22. Dezember 1853 in Caracas; † 12. Juni 1917 in New York) war eine venezolanische Pianistin und Komponistin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Teresa Carreño war zu ihrer Zeit eine weltberühmte Pianistin, sie galt als bedeutendste ihrer Zeit. Häufig wurde sie als „Kaiserin des Pianos“ und „Walküre des Pianos“ bezeichnet.

Ihr Vater, Manuel Antonio Carreño, war ein venezolanischer Politiker, zeitweise war er Außen- und Finanzminister. Er war ein begabter Amateurpianist, außerdem der Verfasser des im spanischen Sprachraum weitbekannten und vielfach aufgelegten Benimmbuches Compendio del manual de urbanidad y buenas maneras, einer Art spanischer Knigge. Ihre Mutter war Clorinda García de Sena y Toro, deren Vater Musiker war. Ihr Großvater väterlicherseits, José Cayetano Carreño (1774–1836), war ein bedeutender venezolanischer Komponist. Den ersten Klavierunterricht erhielt sie von Ihrem Vater. Später war der deutsch-venezolanische Pianist Julio Hohené ihr Lehrer.

1862 emigrierte die Familie wegen eines Umsturzes von Venezuela in die USA, wo Teresa in New York Unterricht bei Louis Moreau Gottschalk erhielt. Am 28. November 1862 gab sie als Neunjährige ihr erstes Konzert in der New Yorker Irving Hall; 1863 spielte sie im Weißen Haus vor Abraham Lincoln.

Im Herbst 1866 starb ihre Mutter an der Cholera, was für das Kind einen schweren Schlag bedeutete. Noch im selben Jahr zog sie mit ihrem Vater nach Spanien, wo sie Konzerte in Madrid und Zaragoza gab. In Paris erhielt sie Klavierunterricht bei Anton Rubinstein und dem Chopin-Schüler Georges Matthias. Es folgten Konzertreisen durch ganz Europa.

Von 1873 bis 1875 war sie mit dem Komponisten Émile Sauret verheiratet, von 1876 bis 1885 mit dem italienischen Bariton Giovanni Tagliapietra. Aus dieser Ehe ging am 24. Dezember 1882 die Tochter Teresita Tagliapietra-Carreño hervor, die ebenfalls eine bedeutende Pianistin wurde. Am 7. Januar 1885 wurde der Sohn Giovanni geboren.

1885 kehrte Teresa Carreño erstmals seit ihrer Emigration in der Kindheit nach Venezuela zurück, wo sie mit Tagliapietra eine italienische Oper in Caracas eröffnete, in der sie auch als Sängerin auftrat. Ihre Auftritte als Pianistin wurden eine Zeitlang seltener, sie komponierte viel und verfolgte weitere Projekte, so die Eröffnung eines Konservatoriums in ihrem Heimatland.

Wenige Jahre darauf ging sie wieder nach Europa. Große Beachtung fand ihre Europatournee 1889 bis 1890, durch die sie endgültig zur höchsten Berühmtheit aufstieg. Im Rahmen dieser Konzertreise gab sie am 18. November 1889 ihr Debüt in Berlin. In Deutschland genoss Carreño Zeit ihres Lebens besondere Verehrung.

In dritter Ehe war sie von September 1892 bis Oktober 1895 mit Eugen d’Albert verheiratet, mit dem sie in der nach ihr benannten Villa Teresa im sächsischen Kötitz, heute Coswig, lebte. Mit D’Albert hatte sie zwei weitere Töchter, Eugenia (* 27. Sept. 1892) und Hertha (* 26. Sept. 1894). Ab 1902 war sie mit Arturo Tagliapietra, dem Bruder ihres zweiten Ehemannes, verheiratet und lebte, wenn sie nicht auf Reisen war, in Berlin am Kurfürstendamm. Neben ihren Konzertreisen durch Europa, Amerika und Australien trat sie als Komponistin von brillanten Klavierstücken hervor und komponierte auch ein Streichquartett.

Aus ihrer Schule gingen bedeutende Pianisten – wie Edward MacDowell (1861–1908) und Télémaque Lambrino (1878–1930) – hervor. Rudolf Maria Breithaupt (1873–1945) widmete ihr sein modernes methodisches Klavierwerk „Die natürliche Klaviertechnik der Meisterin Teresa Carreño".

Teresa Carreño hat am 2. April 1905 insgesamt 18 Werke für das Reproduktionsklavier Welte-Mignon aufgenommen, darunter eine damals und heute als phantastisch gespielt empfundene Aufnahme der Waldstein-Sonate von Beethoven.[1] Mehrere der 1905 von ihr eingespielten Notenrollen für Reproduktionsklaviere mit Werken von Schumann, Liszt, Chopin und Beethoven sowie eigenen Kompositionen sind im Besitz der Universitätsbibliothek Freiburg und des Augustinermuseums in Freiburg. Ihre Tochter Teresita spielte 1906 ebenfalls Welte-Mignon-Aufnahmen ein.

Im April 1983 wurde in Caracas das nach der Künstlerin benannte Musiktheater Complejo Cultural Teresa Carreño (Teresa Carreño Cultural Complex) eröffnet, eines der größten Konzert- und Schauspielhäuser der Hauptstadt.

Trivia[Bearbeiten]

Häufig wird ihr die Komposition der venezolanischen Nationalhymne Gloria al bravo pueblo zugeschrieben, dies ist allerdings nicht richtig. Sie komponierte jedoch tatsächlich zwei Chorwerke mit patriotisch-nationalem Charakter: den Himno a Bolívar (1883/1885) und den Himno a El Ilustre Americano (1886).

Der Venuskrater Carreno mit 57 Kilometern Durchmesser ist nach Teresa Carreño benannt.

Werke[2][Bearbeiten]

Klavierwerke[Bearbeiten]

  • Valse Gottschalk, Op. 1
  • Caprice-Polka, Op. 2
  • Corbeille des fleurs, Valse, Op. 9
  • Polka de Concert, Op. 13
  • Fantaisie sur Norma, Op. 14
  • Ballade, Op. 15
  • Plainte, première élégie, Op. 17
  • Partie, deuxième élégie, Op. 18
  • Elegien, Op. 20, Plaintes au bord d'une tombe (4. Elegie)
  • Elegien, Op. 21, Plaintes au bord d'une tombe (4. Elegie)
  • Fantaisie sur L'Africaine, Op. 24
  • Le Printemps, Op. 25
  • Un Bal en Rêve, Op. 26
  • Une Revue à Prague, Op. 27
  • Un rêve en mer, Méditation, Op. 28
  • Six Etudes de Concert, Op. 29
  • Mazurka de salon, Op. 30
  • Scherzo-Caprice, Op. 31
  • Deux Esquisses Italiennes Op. 33
    • Venise, Nr. 1
    • Florence, Nr. 2
  • Intermezzo Scherzoso, Op. 34
  • Le Sommeil de l'enfant, Berceuse, Op. 35
  • Scherzino, Op. 36
  • Highland (Souvenir de l'Escosse), Op. 38
  • La fausse note, Fantasie-Valse, Op. 39
  • Staccato-Capriccietto Op. 40
  • Marche funebre (1866)
  • Kleiner Walzer für Pianoforte (Mi Teresita) [Petite Valse (Teresita)], (1898)
  • Saludo a Caracas (1885)
  • Vals Gayo

Werke für Chor und Orchester[Bearbeiten]

  • Himno a Bolívar (1883 oder 1885)
  • Himno a El Ilustre Americano (1886)

Sonstige Werke[Bearbeiten]

  • Streich-Quartett für 2 Violinen, Viola, Violoncello, h-Moll (1895)
  • Serenade für Streichorchester (1895)

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Maria Breithaupt: Die natürliche Klaviertechnik der Meisterin Teresa Carreño. Kahnt, Leipzig 1905.
  • Juan Bautista Plaza: Teresa Carreño. Tip. americana, Caracas 1938.
  • Marta Milinowski: Teresa Carreño: „By the grace of god“. Da Capo Press, New York 1977, ISBN 0-306-70870-1 (Nachdr. d. Ausg. New Haven 1940).
  • Rosario Marciano: Teresa Carreño, eine Lebens- u. Wirkungsgeschichte. Furore-Verlag, Kassel 1990, ISBN 3-927327-04-2.
  • Mario Milanca Guzmán: Quién fue Teresa Carreño? Alfadil Ed., Caracas 1990, ISBN 980-6273-00-1.
  • Joseph Banowetz und Brian Mann (Bearb.): The art of piano pedaling. Two classic guides. Anton Rubinstein and Teresa Carreño. Dover Publications, Mineola, N.Y. 2003. ISBN 0-486-42782-X.[3]
  • Obras de Teresa Carreño (enthält Werkverzeichnis). Ediciones del Ministerio de Educacion, Caracas 1974.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Teresa Carreño – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nachzuhören hier (YouTube-Kanal).
  2. Das Werkverzeichnis repräsentiert den Forschungsstand vom Juli 2007 unter Ausschöpfung der unter Literatur angegebenen Werke
  3. : Inhalt: Guide to the proper use of the piano forte pedals (Bosworth, Leipzig 1897) und Possibilities of tune color by artistic use of pedals (J. Church, Cincinnati 1919).