Terra Rossa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Roterde-Boden in Istrien (Kroatien)
Terra Rossa in Istrien (Kroatien)

Terra Rossa ist ein – etwa im Mittelmeerraum häufig anzutreffender – Bodentyp von leuchtend roter Farbe. Obwohl humusarm, ist der auch als Kalksteinrotlehm bezeichnete Boden bei ausreichender Wasserversorgung relativ fruchtbar.

Entstehung und Zusammensetzung[Bearbeiten]

Die für diesen Boden verantwortlichen bodenbildenden Prozesse fanden meist schon im Tertiär vor max. 15 Mio. Jahren statt und bestanden vor allem aus Auswaschung der im Ausgangsgestein enthaltenen Carbonate bei gleichzeitiger Konzentration der Eisenanteile, wodurch die rote Farbe zustande kam. Man vermutet, dass dieser Prozess den Endzustand der Bodenbildung der Rendzina darstellt.

Neuere mineralogische und chemische Analysen zur Entstehung der Terra Rossa im Mittelmeerraum weisen hingegen den Eintrag von rotem mineralischem Staub aus der Sahara- und Sahel-Region nach, der zwischen 12.000 und 25.000 Jahren erfolgte. [1] [2] Damit wäre der Bodentyp deutlich jünger und die bisher diskutierten möglicherweise beteiligten Bodenbildungsprozesse müssten um einen weiteren Punkt ergänzt werden:

  1. Theorie der autochthonen nicht-karbonatischen residualen Anreicherung: Der Boden entsteht als Produkt der nicht-karbonatischen Verwitterung des zugrundeliegenden Karbonatgesteins
  2. Aszendenztheorie: Anhäufung von Eisen- und Aluminiumhydroxid (Sesquioxide) durch kapillaren Aufstieg vom Gesteinsuntergrund
  3. Theorie der allochthonen Bodenanreicherung: Boden wurde allochthon gebildet, z.B. durch Eintrag aeolischen Staubs

Die wissenschaftliche Klassifizierung der Terrae Rossae Böden ist nicht eindeutig; die FAO ordnet sie den Chromic Luvisols (also den gefärbten Luvisolen) zu, während sie in der europäischen Bodenkunde zusammen mit dem Bodentyp Terra fusca in die Klasse Terrae calcis gehört. Die Klasse Terrae calcis zählt zusammen mit z. B. Braunerden, Schwarzerden zur Abteilung der Terrestrischen Böden.

Als Horizontenfolge wird Ah - Tu - cC genannt.

  • Ah: Nach unten hin abnehmender mineralischer Oberbodenhorizont mit nur wenig Humus (max: 10 %), da dieser im Winter wegen des fehlenden Frostes abgebaut wird.
  • Tu: Carbonatgestein (Kalkstein oder Dolomit) hat sich im Regen oder Bodenwasser gelöst und die darin enthaltenen Verunreinigungen, Tonminerale, bleiben zurück und bilden mit einem Gehalt von über 50 Masse-% den Hauptbestandteil dieser Horizontschicht. Sie hat eine braunrote Farbe, was auf eine Anreicherung mit Hämatit (bis > 5 %) zurückzuführen ist.
  • cC: Bodenhorizont aus tonigem Rückstand von Carbonatgesteinen (Kalkstein oder Dolomit) mit mehr als 75 Masse-% Sekundärcarbonat angereichert.

Nutzung[Bearbeiten]

Der Terra rossa ist ein recht guter Boden, der zwar im Sommer an der Oberfläche austrocknet, aber wegen seiner Mächtigkeit (>1 m) genügend tiefgründig ist, um auch bei Dürre genug Wasser zu speichern. Somit ist er wegen seiner erdigen Lehmstruktur gut für die Landwirtschaft geeignet.

Ähnliche Böden[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. African Dust Caused Red Soil in Southern Europe, EGU Newsletter, Issue 33, Dec. 2010
  2. Muhs et al.: The role of African dust in the formation of Quaternary soils on Mallorca, Spain and implications for the genesis of Red Mediterranean soils. Quaternary Science Reviews, Volume 29, Issues 19-20, September 2010, Pages 2518-2543

Weblinks[Bearbeiten]