Revierverhalten

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Ein Männchen des Buntbarsches Copadichromis azureus wartet im Zentrum seines kraterähnlichen Sandnestes im Malawisee auf paarungsbereite Weibchen. Nur der unmittelbare Nestbereich wird gegen Konkurrenten verteidigt.

Als Revierverhalten (auch: Territorialverhalten) werden in der Verhaltensbiologie alle Verhaltensweisen bezeichnet, die das Revier eines Tieres oder eines Gruppe von Tieren kenntlich machen oder geeignet sind, es gegen andere Tiere der gleichen Art zu verteidigen. Hierzu gehören insbesondere das Markieren des Reviers durch Duftstoffe oder Lautäußerungen (zum Beispiel Vogelgesang), das Drohverhalten und das agonistische Verhalten.[1] Auf diese Weise werden Nahrungskonkurrenten und Sexualkonkurrenten auf Distanz gehalten.

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Grzimeks Tierleben, Sonderband Verhaltensforschung hat „das Revierverhalten nicht nur für das Einzeltier, sondern auch für die Gesamtpopulation Vorteile“ wie folgt:[2]

  • Durch das Abgrenzen von Revieren werden Artgenossen auf Distanz gehalten, so dass die Art sich über ein größeres Gebiet ausbreitet.
  • Bei revierbildenden Arten pflanzen sich in der Regel nur jene Individuen fort, die ein Revier erfolgreich besetzen und verteidigen können. Revierverhalten ist daher ein Mechanismus der Nachwuchskontrolle.
  • Individuen, die kein Revier besetzen konnten, bilden eine innerartliche „Reserve“ und können Revierbesitzer ersetzen, die Feinden, Unfällen oder Krankheiten zum Opfer fallen.
  • Der durch Reviere bedingte relativ große Abstand der Aufenthaltsorte von Jungtieren erschwert es potentiellen Räubern, Jungtiere zu erbeuten, da sie jeden einzelnen Ort gesondert suchen und finden müssen.

Vom Revier zu unterscheiden ist das meist größere Streifgebiet, in dem sich die Tiere nur zeitweise aufhalten und das sie nicht verteidigen. Die Streifgebiete mehrerer Tiere können sich überlappen, nicht aber deren Reviere. Man kann das Territorium daher auch als jenen Teil des Streifgebiets definieren, der gegen Artgenossen verteidigt wird.[3]

Das Wort Revierverhalten wird auch benutzt, um Verhaltensmuster beim Menschen zu beschreiben, teilweise in sarkastischer Weise.[4] Aber auch wissenschaftlich betrachtet gehört das Territorialverhalten zu den grundlegenden Mechanismen des Sozialverhaltens beim Menschen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag Revierverhalten in Klaus Immelmann: Grzimeks Tierleben, Sonderband Verhaltensforschung. Kindler Verlag, Zürich 1974, S. 635.
  2. Heinz-Ulrich Reyer: Formen, Ursachen und biologische Bedeutung innerartlicher Aggression bei Tieren. Kapitel 25 in: Klaus Immelmann: Grzimeks Tierleben, Sonderband Verhaltensforschung, S. 365–366.
  3. Jürg Lamprecht: Aufgaben, Einteilung und Methoden der Verhaltensforschung. Kapitel 2 in: Klaus Immelmann: Grzimeks Tierleben, Sonderband Verhaltensforschung, S. 34.
  4. Frauen und Karriere: Kampf gegen „Revierverhalten“. Auf: n-tv.de vom 10. April 2007.