Tesat-Spacecom

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Tesat-Spacecom GmbH & Co.KG

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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1949, ab 2001 als Tesat-Spacecom
Sitz Backnang, Deutschland
Leitung Marc Steckling
Mitarbeiterzahl 1038 (2018)[1]
Umsatz 245 Mio. EUR (2018)[1]
Branche Luft- und Raumfahrttechnik
Website www.tesat.de
Stand: 31. Dezember 2018

Die Tesat-Spacecom GmbH & Co. KG (Tesat) aus Backnang ist eine selbständig agierende Gesellschaft der Airbus Group und entwickelt, produziert und testet nachrichtentechnische Nutzlasten für internationale Satellitenhersteller.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Produktportfolio von Tesat reicht von einzelnen Bauteilen bis hin zu Nutzlasten und kompletten Systemen. Diese werden von Tesat an Satellitenhersteller weltweit geliefert. Zu den Geräten und Systemen, welche für die Telekommunikation per Satellit gefertigt werden, gehören unter anderem Hochleistungsverstärker wie Wanderfeldröhrenverstärker (TWTA) und deren Stromversorgungen Electronic Power Conditioner (EPC). Weitere Produktsegmente von Tesat sind Kanalverstärker, Filter, Multiplexer, Modulatoren, Transmitter und TTC-Transponder.[2]

Aktive Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Herzstück“ für Kommunikationssatelliten sind Leistungsverstärker. Seit Anfang der 1970er Jahre entwickelt und fertigt Tesat Wanderfeldröhrenverstärker (TWTAs) und Microwave Power Modules (MPM) für Weltraumanwendungen für alle gängigen Frequenzbänder. Heute ist Tesat in diesem Bereich Weltmarktführer und hält über 60 Prozent Marktanteil (Stand 2014). Mit der Fertigung von mehr als 800 Verstärkersystemen pro Jahr kann man bei Tesat nahezu von der Serienproduktion von Raumfahrtgeräten sprechen. Der gesamte Prozess von Entwicklung, Fertigung über Integration und Test wird von Tesat in Backnang abgewickelt. Zu den Neuentwicklungen in diesem Bereich gehören die Flex MPMs, also die per Telecommand einstellbare Sendeleistung im All und die flexible MPM (FPM) mit einem seriellen Interface ausgestattet ist.

Wanderfeldröhrenverstärker (TWTA)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TWTA besteht aus einer Wanderfeldröhre (TWT), die vor allem die HF-Eigenschaften bestimmt und einem Electronic Power Conditioner (EPC), der für Leistungs- und Spannungsanpassung der TWTA-Schnittstellen an die Nutzlast-Bus-Schnittstellen verantwortlich ist. Basierend auf der Technologie der aktuellen TWTA Programmen hat Tesat-Spacecom eine neue Linie von EPCs entwickelt. Die neue TWTA Familie deckt nun den HF-Ausgangsleistungsbereich von 10 W bis 300 W ab. Die TWTAs gibt es mit strahlungsgekühlten TWTs und auch mit leitungsgekühlten TWTs. Die EPCs und TWTAs wurden umfassend für zahlreiche Raumfahrtanwendungen qualifiziert.

Microwave Power Module (MPM)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Microwave Power Module (MPM) ist ein kompakter Sendeverstärker bestehend aus einem Electronic Power Conditioner (EPC) mit integriertem Kanalverstärker (CAMP) und Linearisierer (LIN) in einem Gehäuse. Die Vorteile des Moduls liegen klar auf der Hand. Neben reduziertem Gewicht ist die Montagefläche geringer und die Integration in den Nutzlasten lässt sich leichter realisieren. Hinzu kommen eine geringere Empfindlichkeit der EMV (elektromagnetische Verträglichkeit) und nur eine Verbindung zum MPM für alle TM/TC Funktionen und DC Spannungsversorgung der EPC. MPMs gibt es sowohl als Single- als auch Dual-Geräte. Der Aufbau eines TESAT MPMs erfolgt nach einem modularen Konzept. Linearisierer (L), Kanalverstärker (C) oder linearisierte Kanalverstärker (LCAMP) im L-, S-, C-, X-, Ku- und Ka-Band, die nahezu identische Abmaße und Anschraubpunkte besitzen, werden ins EPC-Gehäuse montiert.

Electronic Power Conditioner (EPC)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tesat EPC-Familie deckt den gesamten DC-Ausgangsleistungsbereich von 10 bis 550 W ab. Die EPC ist so flexibel entwickelt, dass alle Wanderfeldröhren der verschiedenen Hersteller integriert werden können. Dazu können die individuellen Versorgungsspannungen der TWT optimal eingestellt werden. Sowohl die Integration der Röhren und der EPC als auch das Testen der TWTA wird von Tesat durchgeführt. Für einen MPM werden darüber hinaus auch die Kanalverstärker und Linearisierer in die EPC integriert. Die EPCs gibt es als Single zur Versorgung einer TWT bzw. als Dual zum Betrieb von zwei TWTs gleichzeitig.

Produktion von TWTAs, MPMs, LCAMPs und EPCs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kapazität von > 100 Kanäle pro Monat
  • Lieferzeiten: ab 8 Monate

Technische Fakten der TWTAs, MPMs, LCAMPs und EPCs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L-, S-, C-, Ku-, Ka- und Q-Band
  • Für alle herkömmlichen Bus-Systeme einsetzbar
  • TM/TC-Schnittstelle ist für alle herkömmlichen TM/TC-Anforderungen ausgelegt
  • Flexible Versorgungsspannungen
  • Zum Betreiben von einer (single) oder zwei (dual) Wanderfeldröhren
  • Zusätzliche Versorgungsspannungen für z. B. CAMP, Linearisierer, DoCon etc.
  • Optimierte Designs für unterschiedliche HF-Ausgangsleistungen
  • Kompatibel zu allen Weltraum-Röhrenlieferanten

Heritage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als 300 TWTA/MPM Projekte mit mehr als 120 Millionen Betriebsstunden wurden in den letzten 40 Jahren erfolgreich durchgeführt.

Laser Communication Terminals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laser Communication Terminal von Tesat

Tesat entwickelt und liefert seit 1997 Geräte für die optische Breitbandkommunikation im All, sogenannte Laser Communication Terminals (LCT). Diese Geräte ermöglichen Punkt-zu-Punkt-Datenverbindungen mit hoher Bandbreite. Mit einer Reichweite von 45.000 km und Übertragungsraten mit mehr als 5 Gigabit pro Sekunde ist die Kommunikation via Laser 10-mal schneller als bisher mit Radiowellen. Damit ist Tesat im Bereich Laserkommunikation internationaler Technologieführer.[3]

Bauteile-Agentur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1972 besitzt das Unternehmen eine Bauteile-Agentur, welche jährlich bis zu 500.000 Teile für interne Aufträge und externe Unternehmen organisiert. Hierbei werden 65 Kunden in über 20 Ländern beliefert oder bei ihrer Beschaffung unterstützt. Alle Materialien und Komponenten von Tesat unterliegen den ECSS-Standards und sind national sowie international zertifiziert.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tesat-Spacecom in Backnang

Im Jahr 1949 wurde die AEG (Allgemeine Elektricitäts Gesellschaft) Fernmeldetechnik von Berlin nach Backnang verlagert. 1955 wurde die AEG Fachgebiet Richtfunk von Ulm nach Backnang verlagert und die Gründung der Telefunken GmbH erfolgte.

Am 1. März 1967 wurde die AEG Telefunken AG mit dem Fachgebiet Raumfahrt und den Schwerpunkten Entwicklung, Vertrieb, Montage und Prüfung gegründet.

1982 erfolgte die Umwandlung in eine GmbH, die AEG Telefunken Nachrichtentechnik GmbH. AEG-Telefunken hatte mit 51 % der Gesellschafter-Anteile weiterhin die Mehrheit, 49 % gingen an ein Konsortium aus Bosch, Mannesmann und Allianz.

Im Rahmen des Vergleichs-Antrags der AEG-Telefunken wurde 1983 der Anteil des Konzerns von den drei Mitgesellschaftern eingezogen und im gleichen Verhältnis zum vorherigen Gesellschafterbestand aufgeteilt. Das Unternehmen wurde nun unter dem Namen ANT Nachrichtentechnik GmbH geführt.

Im Jahr 1995 fand die Überführung der ANT Nachrichtentechnik GmbH in die Bosch Telecom GmbH statt. Der Bosch-Produktbereich Raumfahrt wurde im Jahr 2000 in eine eigenständige Gesellschaft, die Bosch SatCom GmbH, eingebracht.

2001 war das Gründungsjahr der Tesat-Spacecom GmbH & Co.KG. Im November 2001 wurde die Bosch SatCom GmbH in die Tesat-Spacecom GmbH & Co.KG umfirmiert und im Dezember 2001 von der EADS Astrium GmbH erworben. Tesat wurde für die Produktion nachrichtentechnischen Nutzlasten von Satelliten ausgebaut und blieb als eigenständiges Unternehmen erhalten.

Wanderfeldröhrenverstärker von Tesat

Wichtige Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1971 startete die AEG Telefunken AG ihr erstes Raumfahrtprojekt mit dem Namen Intelsat IV. Im Jahr 1989 vollendete die ANT Nachrichtentechnik das erste komplette Satellitenprojekt DFS-Kopernikus gemeinsam mit MBB/Erno, die 1990 in die Deutsche Aerospace Aktiengesellschaft (DASA) überging.

Mit dem Projekt Tempo startete die Bosch Telecom GmbH 1997 seine Großserienproduktion von Wanderfeldröhrenverstärkern.

Im Jahr 2006 lieferte Tesat das Radarverstärker-Subsystem und die Datentransmitter für das deutsche Satellitenaufklärungssystem SAR-Lupe, ein Projekt der Bundeswehr.[4]

Der Forschungssatellit NFIRE der US-Airforce wurde 2007 mit einem Laser Communication Terminal (LCT) von Tesat-Spacecom ausgestattet. Bei einer optischen Testverbindung im März 2008 der NFIRE mit TerraSAR-X, einem deutschen Erdbeobachtungssatelliten, konnte erstmals eine erfolgreiche Laserdatenverbindung mit 5,5 Gbit/sec hergestellt werden, dies entspricht 200.000 DIN-A4-Seiten pro Sekunde.[5]

Im Rahmen des European Data Relay Satellite System wurde 2014 mit einem Laser Communication Terminal (LCT) von Tesat-Spacecom erstmals ein optischer Inter-Satellite-Link zwischen einem geostationären Satelliten und einem niedrigfliegenden LEO-Satelliten hergestellt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresabschluss zum 31. Dezember 2018 im elektronischen Bundesanzeiger
  2. a b Tesat-Spacecom (Hrsg.): Unternehmensbereiche. Aktive Produkte. (HTML [abgerufen am 17. Februar 2012]). HTML (Memento des Originals vom 24. Februar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tesat.de
  3. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BMWi (Hrsg.): Schlaglichter der Wirtschaftspolitik - Monatsbericht 02/2008. Für die Erde ins All - Satelliten für Erdbeobachtung und Kommunikation in Deutschland. (HTML [abgerufen am 17. Februar 2012]). HTML (Memento vom 13. Dezember 2011 im Internet Archive)
  4. OHB (Hrsg.): SAR-Lupe nimmt Form an. Hochleistungsverstärker erfolgreich demonstriert / Bau des ersten Flugmodells in neuer Halle begonnen. 19. Dezember 2003 (HTML [abgerufen am 5. Juni 2018]).
  5. Astrium (Hrsg.): TerraSAR-X laser communication terminal successfully tested. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven:@1@2Vorlage:Toter Link/www.infoterra.de HTML [abgerufen am 17. Februar 2012]).