Tetovo

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Tetovo
Тетово
Tetova/Tetovë
Wappen von Tetovo
Tetovo (Mazedonien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Region: Polog
Koordinaten: 42° 0′ N, 20° 58′ O4220.966666666667469Koordinaten: 42° 0′ 0″ N, 20° 58′ 0″ O
Höhe: 469 m. i. J.
Fläche (Opština): 261,89 km²
Einwohner: 52.915 (2002)
Einwohner (Opština): 86.580 (2002)
Bevölkerungsdichte: 331 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+389) 044
Postleitzahl: 1200
Kfz-Kennzeichen: TE
Struktur und Verwaltung
Gliederung: 20 Ortschaften
Bürgermeisterin: Teuta Arifi (BDI)
Webpräsenz:

Tetovo (Zum Anhören bitte klicken! [ˈtɛtɔvɔ]a a; mazedonisch Тетово; albanisch Tetova [tɛˈtɔva] oder Tetovë [tɛˈtɔvə]; türkisch Kalkandelen [ˌkaɫˈkandеlеn]) ist eine Stadt im Nordwesten Mazedoniens nahe der Grenze zum Kosovo. Sie liegt am Fuße der Šar Planina (alb. Mali i Sharrit) und ist Amtssitz der gleichnamigen Opština.

Tetova wird teilweise als Zentrum der Albaner in Mazedonien angesehen, da hier die wichtigste albanische Universität und viele Organisationen ihren Sitz haben.

Geographie[Bearbeiten]

Die Pena und der osmanische Hamam

Tetovo befindet sich in der Polog genannten Ebene im Nordwesten Mazedoniens, welche etwa 55 Kilometer lang und zwischen acht bis zehn Kilometer breit ist. Sie wird von der Šar Planina im Westen, dem Mali i Thatë im Osten und dem Mali Zhede im Süden umrandet, die alle Höhen von über 2000 Meter über Adria erreichen. Der Kosovo ist nur einige Kilometer im Norden entfernt.

Der Fluss Pena entspringt westlich der Stadt in den Bergen und durchfließt die Altstadt, bis sie außerhalb der Stadt im Osten in den Vardar mündet, den längsten Fluss Mazedoniens.

Das Klima ist halb-kontinental. So sind die Sommer warm und die Winter kalt. Über das ganze Jahr gibt es reichlich Niederschlag, vor allem aber im Herbst und Frühling.

Die geographischen Gegebenheiten der Region, wie das Klima, das Relief und die geologische Zusammensetzung der Erde ermöglichten eine Hervorbringung von einer Vielzahl an Wasserquellen. So ist Tetovo und die Umgebung eine der wenigen Städte Mazedoniens, die über eigenes sauberes Wasser verfügen.[1]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Stadt[Bearbeiten]

Tetovo hat 52.915 Einwohner (Stand: 2002).[2] Diese leben in 12.920 Haushalten, was etwa 4 Personen pro Haushalt macht. Davon sind 28.897 (oder 54,61 %) Albaner, 18.555 (35,07 %) Mazedonier, 2352 (4,44 %) Roma, (3,55 %) 1878 Türken, 587 (1,12 %) Serben, (0,29 %) 156 Bosniaken und 490 (0,92 %) gehören anderen Ethnien an.

Albanisch geben 29.363 (oder 55,49 %) als Muttersprache an, Mazedonisch 18.980 (35,89 %), Türkisch 2078 (3,93 %), Romani 1600 (3,02 %), Serbisch 378 (0,71 %) und 516 (0,96 %) geben andere Sprachen an.

33.509 (oder 63,33 %) zählen sich zum Islam, 18.676 (35,29 %) zur orthodoxen Kirche, 76 (0,14 %) zur römisch-katholischen Kirche und 654 (1,24 %) zählen sich zu anderen Religionen oder Weltanschauungen.[2]

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde Tetovo hat 86.580 Einwohner (Stand: 2002).[3] Diese leben in 20.094 Haushalten, was etwas mehr als 4 Personen pro Haushalt macht. Davon sind 60.886 (oder 70,32 %) Albaner, 20.053 (23,16 %) Mazedonier, 2357 (2,72 %) Roma, 1882 (2,17 %) Türken, 604 (0,7 %) Serben, 156 (0,18 %) Bosniaken und 642 (0,75 %) gehören anderen Ethnien an.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Eine Postkarte von 1913

Erste Spuren menschlicher Besiedlung auf dem Stadtgebiet finden sich aus der Antike. Damals hieß der Ort Euneum. Eine 9 cm lange und 4 cm breite Bronzestatue aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. ist der älteste archäologische Fund in der Region. Die Statue wurde 1933 gefunden und befindet sich heute im Stadtmuseum.[4]

Laut osmanischen Quellen war Kalkandelen - wie der Ort von den Türken genannt wurde - im 15. Jahrhundert ein Händler- und Handwerker-Dorf, welches aber mit deren Eroberung ein weitreichendes Wachstum verzeichnete. So wird Tetovo im Jahr 1689 erstmals als „Stadt“ bezeichnet. Aus der osmanischen Ära stammen die meisten kulturell wichtigen Bauwerke, so auch die Bibliothek der Arabati-Tekke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, das daneben stehende, ehemalige Hammām und die touristisch interessante Bunte Moschee.[5]

Auch Tetovo war vor dem wachsenden Nationalismus auf der Balkanhalbinsel nicht verschont geblieben. 1844 organisierten Albaner einen Aufstand gegen das Osmanische Reich. Sie protestierten gegen die ihnen auferlegten, zu hohen Steuern und der Politik der Zentralisierung. Nach der Zerschlagung des Aufstandes wurden viele albanische Einwohner Tetovos nach Kleinasien inhaftiert oder verbannt.[6]

Die St. Kyrill und Methodius-Kirche in der Altstadt wurde 1918 errichtet und 1925 eingeweiht.[7]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Blick von den Bergen auf die Stadt Richtung Osten

Zur Zeit der Bundesrepublik Jugoslawiens wurde in Tetovo die Textilfabrik Teteks errichtet, welche bis zum Zerfall des Staatenbundes den Hauptanteil der Wirtschaft im Ort ausmachte. Lange Zeit nach dem Zerfall lag die Wirtschaft der Gemeinde Tetovo brach, mittlerweile wurden aber mehrere Kleinunternehmen gegründet, die nicht unerheblich zum wirtschaftlichen Wachstum beitragen. Unternehmen wie beispielsweise Frigo Teknika exportieren ihre Waren sogar ins Ausland. Der Handel von Ein- und Ausfuhrgütern, Lebensmitteln sowie der Tourismus, hauptsächlich von den ausgewanderten Tetovaren, bilden weitere große Wirtschaftszweige. Investitionen durch die im Ausland lebenden Tetovaren tragen im großen Maße, vor allem im Bau- und Dienstleistungssektor, zum wirtschaftlichen Wachstum bei.[8]

Das Šar Planina zählt zu den bekanntesten Skigebieten in Mazedonien und zieht jährlich zahlreiche Touristen aus ganz Südosteuropa an.[9]

Tetovo ist verkehrstechnisch sehr gut angebunden. Die Autobahn aus der Hauptstadt Skopje führt an Tetovo vorbei und führt weiter nach Gostivar (M4). Der Flughafen Skopje ist nur rund 70 km entfernt und schnell über die Autobahn zu erreichen. Der Flughafen Priština ist mit rund 100 km etwas weiter entfernt, verzeichnet jedoch mehr Flüge und bietet zusätzliche Destinationen an. Die Mazedonischen Eisenbahnen betreiben in Tetovo einen Bahnhof, wo täglich Züge aus Gostivar und Skopje anfahren. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Busbahnhof.

Kultur[Bearbeiten]

Geprägt ist die Stadt sowohl durch die Kulturen der verschiedenen Volksgruppen als auch durch die Schönheit der Natur im umliegenden Gebiet. Aus osmanischer Zeit sind viele Überreste erhalten geblieben, die zu den wichtigsten und ältesten Baudenkmälern der Stadt zählen. Das wohl bekannteste Bauwerk ist die Bunte Moschee aus dem 15. Jahrhundert. Unweit des islamischen Gotteshauses liegt das Kloster-Komplex der Derwische. Die Tekke Arabati-Baba (albanisch Teqja e Arabati-Babës) wurde ursprünglich bereits zwischen 1538 und 1548 zu Ehren des dort verstorbenen Sersem Ali Dede erbaut. Die heutigen Gebäude stammen mehrheitlich aus dem späten 19. Jahrhundert, als allesamt erneuert und ausgebaut wurden. Während der jugoslawischen Zeit war jeglicher Zugang zur Tekke untersagt und die Derwische blieben aus, doch mit der Unabhängigkeit Mazedoniens 1993 wurden die Türen wieder geöffnet.

Nördlich der Stadt nahe der Straße nach Kosovo befindet sich das mazedonisch-orthodoxe Kloster von Lešok.

In Tetovo wurde die bekannte Pop-Rock-Band Elita 5 gegründet, die zu den berühmtesten Interpreten der Pop-Musik der 1980er und 90er Jahre gehörte.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Tetovo hat eine abwechslungsreiche Geschichte zu verzeichnen, was sich auch am Stadtbild und dessen Architektur auswirkte. Es wurden in den verschiedenen Epochen zahlreiche Bauwerke und Monumente errichtet, die heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen. Obwohl die eigentliche Altstadt ihren ursprünglichen Glanz durch einige Neubauten verlor, konnten die berühmtesten Bauwerke einem Abriss entkommen. So sticht der historische Stadtkern am Fluss Pena (albanisch auch Artat genannt) neben der 1495 errichteten Bunten Moschee, der Tekke Arabati-Baba aus dem 16. Jahrhundert auch mit dem Uhrturm heraus. Nördlich auf dem Hügel Baltepe bei 800 Metern Höhe liegt die Festung von Tetovo. Sie wurde 1820 durch den lokalen Pascha Abdurrahman Pasha angelegt.

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zählt zudem die Kirche „St. Kyrill und Methodius“, die 1925 eingeweiht wurde.

Bildung[Bearbeiten]

Tetovo ist regionales Bildungszentrum. Dort stehen insgesamt fünf Vorschulen, zwölf Grundschulen, vier Mittelschulen und ein Gymnasium.

1994 wurde die Universität Tetovo als private albanische Initiative gegründet. Die erste albanische Hochschule des Landes war in der Folge immer wieder Konfliktherd und Streitpunkt bei den ethnischen Spannungen zwischen Albanern und Mazedoniern. Seit der Anerkennung durch die Regierung im Jahr 2004 ist sie eine der vier Staatlichen Universitäten.

Im November 2002 wurde als Pionierin zudem die South East European University eröffnet, die erste private Universität des Landes.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindewappen

Verwaltung[Bearbeiten]

Im Gemeinderat (alb. Këshilli i Komunës; maz. Совет на Општина) sitzen 31 Mitglieder. Er ist die Legislative der Gemeinde und übt auch eine Kontrollfunktion auf den Bürgermeister aus. Für die Legislaturperiode 2013–17 sieht die Sitzverteilung wie folgt aus:[10]

Bürgermeisterin der Gemeinde ist seit 2013 die Philologin Teuta Arifi (BDI).[11] Gemeindebürgermeister üben in Mazedonien eine Kontrollfunktion auf den Gemeinderat aus, zudem schlägt er dem Gemeinderat das Jahresbudget vor und realisiert jenes.[12]

Offizielle Amtssprachen der Gemeinde sind sowohl Mazedonisch als auch Albanisch.[13]

Wappen[Bearbeiten]

Auf dem Schild ruht eine graue dreibogige Brücke. An der Herzstelle des ledigen gelbfarbigen Schildes befindet sich als gemeine Figur die blau-weiße Arabati-Baba-Tekke. Im Schildfuß wird der Fluß Pena mit drei blauen Balken dargestellt. Darüber liegt in einem grauen Halbkreis die illyrische Skulptur der Menada.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Machiel Kiel, Hedda Reindl-Kiel: Die Polog-Ebene und die ehemalige osmanische kaza Kalkandelen (Tetovo) in Mazedonien – Siedlungsgeschichtliche und demographische Bemerkungen. In: Andreas Helmedach / Markus Koller / Konrad Petrovszky / Stefan Rohdewald (Hrsg.): Das osmanische Europa. Methoden und Perspektiven der Frühneuzeitforschung zu Südosteuropa. Eudora-Verlag, Leipzig 2014, ISBN 978-3-938533-30-7, S. 73–92.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tetovo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pozita gjeografike dhe klima in: tetova.gov.mk (albanisch, englisch und mazedonisch), zuletzt abgerufen am 8. Februar 2012
  2. a b Volkszählung Mazedonien (Resultate nach Ortschaften geordnet). State Statistical Office, 2002, abgerufen am 2. Februar 2016 (englisch).
  3. a b Volkszählung Mazedonien (Resultate nach Gemeinden geordnet). State Statistical Office, 2002, abgerufen am 2. Februar 2016 (englisch).
  4. a b Menada e Tetovës
  5. Vështrimi historik in: tetova.gov.mk (albanisch, englisch und mazedonisch), zuletzt abgerufen am 8. Februar 2012
  6.  Miranda Vickers: Shqiptarët - Një histori moderne. Bota Shqiptare, 2008 (Originaltitel: The Albanians - A Modern History, übersetzt von Xhevdet Shehu), ISBN 978-99956-11-68-2, Vazhdimi i shpërbërjes së Perandorisë Osmane, S. 48.
  7. Monumentet historike in: tetova.gov.mk (albanisch), zuletzt abgerufen am 8. Februar 2012
  8. Ekonomia in: tetova.gov.mk (albanisch, englisch und mazedonisch), zuletzt abgerufen am 8. Februar 2012
  9. Turizmi in: tetova.gov.mk (albanisch, englisch und mazedonisch), zuletzt abgerufen am 8. Februar 2012
  10. Municipality Council: Council Members. Offizielle Internetseite der Gemeinde, abgerufen am 2. Februar 2016 (englisch).
  11. Mayor of the Municipality: Mayor's Biography. Offizielle Internetseite der Gemeinde, abgerufen am 2. Februar 2016 (englisch).
  12. Mayor of the Municipality: The authorities of the mayor. Offizielle Internetseite der Gemeinde, abgerufen am 2. Februar 2016 (englisch).
  13. Darko Janevski: Doracak mbi legjislacionin kombëtar në sferën e përdorimit të gjuhëve të bashkësive etnike në Republikën e Maqedonisë. Foundation Open Society Macedonia, 2009, abgerufen am 2. Februar 2016 (PDF-Datei; 2,7 MB, albanisch, S. 53;).
  14. Најдолгиот пат на Бранко Гапо Докуменрарец за Бранко Гапо