Teufenthal

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Teufenthal
Wappen von Teufenthal
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Kulmw
BFS-Nr.: 4145i1f3f4
Postleitzahl: 5723
Koordinaten: 651103 / 242326Koordinaten: 47° 19′ 47″ N, 8° 6′ 53″ O; CH1903: 651103 / 242326
Höhe: 446 m ü. M.
Fläche: 3,57 km²
Einwohner: 1590 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 445 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
24,3 % (31. Dezember 2016)[2]
Website: www.teufenthal.ch
Dorfeingang von Teufenthal

Dorfeingang von Teufenthal

Karte
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Teufenthal (schweizerdeutsch Töüffetu, ˈtœːʏfːəˌtʊ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Kulm im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im mittleren Wynental.

Die Gemeinde ist nicht zu verwechseln mit Teuffenthal im Kanton Bern.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Strassendorf liegt im unteren Teil eines engen, drei Kilometer langen Seitentals der Wyna, das sich in östlicher Richtung zur Hochebene von Dürrenäsch erstreckt. Es wird im Norden durch die Ausläufer des Surbergs begrenzt, im Süden durch die Ausläufer des Hohen Felsens. Nur ein kleiner Teil des Dorfes liegt in der Talebene der Wyna, der Fluss bildet die westliche Gemeindegrenze.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 357 Hektaren, davon sind 154 Hektaren bewaldet und 61 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 630 Metern auf dem Bampf (einem Ausläufer des Surbergs), der tiefste auf 438 Metern an der Wyna.

Nachbargemeinden sind Gränichen im Norden, Seon im Nordosten, Dürrenäsch im Osten und Unterkulm im Süden. Den nordöstlichsten Grenzpunkt bildet der Siebenzwingstein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Restaurant «Herberge»

Töfendal wurde erstmals 1173 in einem Schutzbrief erwähnt, den Kaiser Barbarossa dem Chorherrenstift Beromünster ausstellte. Der Ortsname geht auf das althochdeutsche (ze demo) tiufen tale zurück, was «(beim) tiefen Tal» bedeutet.[3] Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Inhaber der niederen Gerichtsbarkeit waren die Herren von Trostburg, die im 12. Jahrhundert oberhalb des Dorfes die gleichnamige Burg errichten liessen.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Teufenthal gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Die Trostburg und die niedere Gerichtsbarkeit waren 1346 in den Besitz der Herren von Rinach gelangt, 1486 an die Hallwyler. Diese verkauften 1616 ihren Besitz an die Stadt Brugg. Bern duldete den Machtzuwachs seiner Untertanenstadt jedoch nicht und zog die Herrschaftsrechte an sich. Teufenthal bildete daraufhin einen Teil des Gerichtsbezirks Trostburg innerhalb des Amtes Lenzburg. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Teufenthal gehört seither zum Kanton Aargau.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Bevölkerungszahl um etwa einen Sechstel zurück. Der Rückgang war aber weit weniger ausgeprägt als in zahlreichen Nachbargemeinden. Ab 1867 war die Tabakindustrie einige Jahrzehnte lang vorherrschend. Am 5. März 1904 erfolgte die Eröffnung der Wynentalbahn. 1921 nahm die Druckgiesserei ihren Betrieb auf, die bis heute das wirtschaftliche Leben der Gemeinde prägt. Zwischen 1900 und 1970 verdreifachte sich die Einwohnerzahl. Seither stagniert sie jedoch, weil die Baulandreserven in der kleinräumigen Gemeinde weitgehend erschlossen sind.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trostburg
Dorfkirche

Das Dorfzentrum wird von der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Trostburg überragt, die sich auf einem dreissig Meter hohen Felssporn befindet.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb gestürzte blaue Spitze mit steigendem gelbem Halbmond, überhöht von fünfstrahligem gelbem Stern.» Erstmals abgebildet wurde das Wappen 1811 auf dem Gemeindesiegel. Die umgekehrte Spitze deutet ein tiefes Tal zwischen zwei Bergen an. Die heute verwendete Darstellungsform ist seit 1953 in Gebrauch.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 377 457 666 537 694 1060 1350 1622 1564 1594 1598 1593

Am 31. Dezember 2016 lebten 1590 Menschen in Teufenthal, der Ausländeranteil betrug 24,3 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 54,8 % reformiert. 23,6 % römisch-katholisch und 10,3 % moslemisch; 1,7 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 85,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 6,8 % Serbokroatisch, 2,6 % Italienisch, 2,2 % Albanisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindehaus

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht in Unterkulm zuständig. Teufenthal gehört zusammen mit Oberkulm und Unterkulm zum Friedensrichterkreis Kulm.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Teufenthal gab es gemäss Betriebszählung 2008 rund 400 Arbeitsplätze, davon 7 % in der Landwirtschaft, 56 % in der Industrie und 37 % im Dienstleistungsbereich.[10] Das mit Abstand grösste Unternehmen ist die Injecta AG, die auf Druckguss spezialisiert ist und seit 1988 zur Alu Menziken Gruppe (heute Montana Tech Components) gehört. Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in der Region Reinach oder in Aarau und Umgebung.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Teufenthal

Das Dorf liegt an der Hauptstrasse 23 von Aarau über Beromünster nach Sursee. Eine Nebenstrasse führt über Dürrenäsch nach Hallwil ins Seetal. Der Anschluss an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch die Wynentalbahn, die unmittelbar neben der Hauptstrasse verläuft. Von der Haltestelle Teufenthal aus verkehrt eine Buslinie der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg zum Bahnhof Boniswil-Seengen im Seetal und weiter nach Lenzburg.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Unterkulm besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 21). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948. DNB 366495623.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Teufenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  2. Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2016. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2017, abgerufen am 4. März 2017 (PDF, 779 kB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 421–423.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089 und 1109, Swisstopo
  5. Trostburg
  6. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 290.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.