Teupitz

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Teupitz in Brandenburg. Für die gleichnamige Wüstung in Sachsen siehe Teutitz.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Teupitz
Teupitz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Teupitz hervorgehoben
Koordinaten: 52° 8′ N, 13° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Dahme-Spreewald
Amt: Schenkenländchen
Höhe: 35 m ü. NHN
Fläche: 48,15 km²
Einwohner: 1813 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner je km²
Postleitzahl: 15755
Vorwahl: 033766
Kfz-Kennzeichen: LDS, KW, LC, LN
Gemeindeschlüssel: 12 0 61 492
Stadtgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Markt 9
15755 Teupitz
Webpräsenz: www.teupitz.de
Bürgermeister: Dirk Schierhorn (BürgerNETTzwerk)
Lage der Stadt Teupitz im Landkreis Dahme-Spreewald
Alt Zauche-Wußwerk Bersteland Bestensee Byhleguhre-Byhlen Drahnsdorf Eichwalde Golßen Groß Köris Halbe Heideblick Heidesee Jamlitz Kasel-Golzig Königs Wusterhausen Krausnick-Groß Wasserburg Lieberose Lübben Luckau Märkisch Buchholz Märkische Heide Mittenwalde Münchehofe Neu Zauche Rietzneuendorf-Staakow Schlepzig Schönefeld Schönwald Schulzendorf Schwerin Schwielochsee Spreewaldheide Steinreich Straupitz Teupitz Unterspreewald Wildau Zeuthen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Teupitz (niedersorbisch Tupc) ist eine Stadt im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg und Sitz der Verwaltung des Amtes Schenkenländchen, das den Namen des gleichnamigen historischen Gebietes trägt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teupitz liegt ca. 40 km südlich von Berlin am Teupitzer See.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt gehören die Ortsteile Egsdorf, Neuendorf und Tornow sowie die Wohnplätze Kleine Mühle, Kohlgarten, Lebersee und Mittelmühle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

13. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teupitz entstand als slawische Siedlung. Auf der Schlosshalbinsel am Teupitzer See wurde 1307 erstmals eine Burg erwähnt (»Tupcz«), welche im 15. bzw. 17. Jahrhundert zum heutigen Schloss umgebaut wurde. Dort residierte von 1330 bis 1717 die Familie Schenk von Landsberg, die sich in der Region über die Jahrhunderte einen Machtbereich in der südlichen Mark Brandenburg sowie in der Lausitz schuf. Sie gab der Stadt um 1437 ohne offiziellen Stiftungsbrief Stadtrechte und Stadtsiegel. Später erwarb das preußische Königshaus das Anwesen und richtete dort in der Zeit von 1717 bis 1812 den Sitz eines königlichen Amtmanns ein. Mit dem Tod des letzten Nachkommens Ludwig-Alexander Schenk von Landsberg im Jahr 1721 ging die Bedeutung des Anwesens verloren. Um 1790 ließ die Stadt das Schloss fast vollständig abtragen. 1830 wurde das Rathaus der Stadt errichtet. Aus den Jahren 1862 und 1874 sind Besuche des Schriftstellers Theodor Fontane überliefert. Seine Studien über die Stadt und die umliegende Region sind als Teupitz-Feuilleton sowie unter dem Titel Die Wendische Spree oder Von Köpenick bis Teupitz an Bord der Sphinx bekannt.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt erlebte um 1900 einen wirtschaftlichen Aufschwung durch den Tourismus, der um 1895 durch Berliner Fahrgastschiffe und Rudervereine weiter befördert wurde. 1908 eröffnete in Teupitz eine Heil- und Pflegestätte mit einer Landesklinik. Sie diente bei den Euthanasiemorden der Nationalsozialisten als Zwischenunterkunft für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, die dann in Tötungsanstalten der Aktion T 4 ermordet wurden.[2]

Zu DDR-Zeiten errichtete der VEB Landmaschinen Döbeln im Ortsteil Egsdorf ein Betriebs-Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen, das nach 1990 dem Verfall preisgegeben wurde. 1974 wurden die Orte Egsdorf, Neuendorf und Tornow eingemeindet.

Nach der Wende entstanden eine moderne Abwasseranlage, ein Gewerbegebiet, eine Sporthalle sowie Wohnbauten auf der Teupitzer Höhe. 1992 wurde Teupitz das Verwaltungszentrum des Amtes Schenkenländchen. Im Jahr 1998 wurde das Rathaus der Stadt saniert.

Nemissa-Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Sage ist die Geschichte vom Teupitzer Fischer Cornelius und seiner Tochter Gertrud überliefert. Sie war in einen jungen Mann, Friedrich Barnikow, verliebt, sollte aber nach dem Willen ihres Vaters einen wohlhabenden Müller aus Schwerin heiraten. Gertrud weigerte sich und schwor am Tornower See ihrem Cornelius die ewige Treue. Die wendische Todesgöttin und Rächerin der Untreue Nemissa hörte diesen Schwur. Ihr Tempel versank nach der Einführung des Christentums auf dem Grund des Sees. Gertrud musste jedoch den Müller heiraten, und das Brautpaar feierte auf dem Tornower See. Plötzlich zog ein Sturm auf, und ein Strudel zog die beiden in die Tiefe. Von dem Brautpaar fehlt seither jede Spur: Nemissa hält sie in ihrem Tempel fest.[3]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 652
1890 613
1910 2 340
1925 2 238
1933 2 777
1939 3 038
1946 1 550
1950 1 676
1964 1 452
1971 1 265
Jahr Einwohner
1981 1 819
1985 1 725
1989 1 649
1990 1 652
1991 1 629
1992 1 658
1993 1 689
1994 1 744
1995 1 733
1996 1 711
Jahr Einwohner
1997 1 672
1998 1 794
1999 1 826
2000 1 843
2001 1 891
2002 1 888
2003 1 885
2004 1 887
2005 1 926
2006 1 920
Jahr Einwohner
2007 1 890
2008 1 870
2009 1 844
2010 1 831
2011 1 802
2012 1 786
2013 1 785
2014 1 812

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[4][5], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtverordnetenversammlung von Teupitz besteht neben dem ehrenamtlichen Bürgermeister aus 12 Stadtverordneten.

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[6]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dirk Schierhorn (BürgerNETTzwerk) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 57,8 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[7] gewählt.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 23. November 2009 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber über grünem Wellenschildfuß ein blauer Karpfen, darüber schwebend ein schwarzes Tatzenhochkreuz, begleitet von zwei schräg nach außen gewendeten, grün-gestielten natürlichen Wasserlilien mit goldenen Blüten.“[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Teupitz um 1860, Sammlung Alexander Duncker

In der Liste der Baudenkmale in Teupitz und in der Liste der Bodendenkmale in Teupitz stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmale.

  • Schloss Teupitz auf einer Halbinsel im Teupitzer See, wurde erstmals 1307 als Burg Tupcz erwähnt. Die erhaltenen Baulichkeiten stammen aus dem 15. und 17. Jahrhundert und wurden als Hotel genutzt. Das Schloss ist in Privatbesitz, die Schlosshalbinsel einschließlich Schloss und Nebengebäude können nicht betreten werden.[10]
  • Heilig-Geist-Kirche, gotischer Backsteinbau aus dem Jahr 1346. Im Innern befinden sich eine barocke Kanzel aus dem Jahr 1692 sowie eine Orgel aus dem Jahr 1694.
  • Fontane-Park an der Seebrücke, 1928 anlässlich des 30. Todestages von Theodor Fontane eingeweiht. 2003 gestaltete die Stadt die Grünfläche um und eröffnete 2011 eine Seebrücke.
  • Marktplatz mit einem Denkmal für die Toten der Weltkriege und die Opfer des Faschismus sowie weitere historische Gebäude, beispielsweise das Haus Markt 1, in dem Theodor Fontane bei der Wirtin Friederike Wilhelmine Bullrich – einer Verwandten von August Wilhelm Bullrich – am 21. Juni 1862 zu Gast war.
  • Gedenkstein für die Opfer der Euthanasieverbrechen sowie eine denkmalgeschützte Friedhofskapelle, die 1917 vom Kirchenmaler Robert Sandfort gestaltet wurde, auf dem Gelände der Landesklinik
  • Die Region um Teupitz wird von einigen Wanderwegen erschlossen. Ein 13 km langer Rundwanderweg führt von der Innenstadt zum Tütschensee und weiter in südlicher Richtung zum Tornower See. Die Naturschutzgruppe Teupitzer Seengebiet hat dort einen Naturlehrpfad angelegt, der auf 34 Stationen die Fauna und Flora des Gebietes sowie dessen geologische Besonderheiten erläutert. In östlicher Richtung erreicht der Wanderer über den Weg einen Gedenkstein für Adolf Strauss, der als Naturkundler im Schenkenländchen tätig war. Über den Briesensee führt der Weg zur Mittelmühle, der Hohen Mühle und auf dem Fontaneweg zurück in die Altstadt.
  • Der 66-Seen-Wanderweg führt durch Egsdorf, Mittelmühle, zum Tornower See, Teupitz und zum Nicolassee.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Arbeitgeber ist das Asklepios-Fachklinikum für Psychiatrie und Neurologie.[11]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teupitz ist über die gleichnamige Anschlussstelle (5a) der Bundesautobahn 13 BerlinDresden erreichbar. Die Stadt liegt an der Landesstraße L 74 von Wünsdorf nach Märkisch Buchholz.

Der nächstgelegene Bahnhof ist Groß Köris an der Bahnstrecke Berlin–Görlitz. Er wird von der Regionalbahnlinie RB 24 (Eberswalde–Berlin–Senftenberg) bedient.

Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Zugelassene PKW (zum 1.1.)[12] 1 020 1 019 1 003 1 028 1 054 1 040 1 036
PKW je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 540 545 544 561 585 582 580

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Gutzmann (1837–1910), Taubstummenlehrer, Stadtverordnetenvorsteher (seit 1922)
  • Hans Sußmann (1897–1985), Bürgermeister und Ortschronist (seit 1982)

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Teupitz verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Sußmann (1897–1975), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Kommunalpolitiker, Ehrenbürger von Teupitz
  • Helmut Wolff (* 1928), Chirurg, Ausrichter der Teupitzer Gespräche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Teupitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Peter Josef Belli: Kommunen und NS_"Euthanasie" - Zwischenbilanz im Fall Teupitz, 2013, Verlag Matthias Herrndorff, ISBN 978-3-940386-30-4.
  3. Stadt Teupitz (Hrsg.): Stadtführer – Geschichtliches – Seen-Wanderkarte, Juli 2011
  4. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Dahme-Spreewald. S. 30–33
  5. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  6. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  7. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  8. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  9. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  10. Tagesspiegel vom 11. Mai 2008
  11. Geschichte der Stadt Teupitz, Webseite der Stadt Teupitz, abgerufen am 8. Oktober 2015.
  12. Kraftfahrt-Bundesamt Statistik Fz3