Thüga

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Thüga Aktiengesellschaft
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 22. Mai 1867
Sitz München, Deutschland
Leitung Michael Riechel
(Vorstandsvorsitzender)
Joachim Hofmann-Göttig
(Aufsichtsratsvorsitzender)
Branche Energiewirtschaft
Website www.thuega.de

Die Thüga Aktiengesellschaft wurde 1867 in Gotha als Thüringer Gasgesellschaft (Thüringer Gas AG) gegründet und ist heute mit rund 100 Stadtwerken das größte Netzwerk kommunaler Energie- und Wasserdienstleister in Deutschland. In der Regel halten Städte und Gemeinden die Mehrheit an den Unternehmen. In der Thüga Aktiengesellschaft arbeiten 253 Mitarbeiter, gegenüber 17.700 Mitarbeitern in der Thüga-Gruppe (Stand: 31. Dezember 2014).

Die in der Thüga-Gruppe[1] gebündelten Unternehmen erwirtschafteten 2014 einen Umsatz von 21,6 Mrd. Euro. Rund 2,1 Mio. Kunden wurden mit Gas, rund 4,0 Mio. mit Strom versorgt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thüga geht zurück auf die 1867 in Gotha (Thüringen) von Theodor Weigel gegründete Thüringer Gasgesellschaft (ThGG). Zunächst erwarb das Unternehmen zwei Gaswerke in der Nähe von Leipzig und begann mit der Gasversorgung der im Zuge der Industrialisierung aufstrebenden sächsischen Großstadt. Bald schon wurde der Unternehmenssitz nach Leipzig verlegt, von wo aus der weitere Ausbau der Gasversorgung in Sachsen vollzogen wurde.

Um 1900 zählte die Thüga zu den größten Gasversorgern im damaligen Deutschen Reich mit Schwerpunkt auf Sachsen und Thüringen. 1913 wurde mit der Aufnahme der Versorgungstätigkeit im bayerischen Raum der Grundstein für die bundesweite Expansion gelegt. Ab den 1920er Jahren dehnte die Thüga ihre Tätigkeit nach Baden-Württemberg aus. Im Harz und in Niedersachsen entstanden mit Werken in Bad Harzburg (später Goslar), Osterode, Kassel und Sarstedt neue Schwerpunkte. Einige Jahre später erwarb die ThGG die Mehrheit an der Aktiengesellschaft für Licht- und Kraftversorgung (LUK), München, sowie Anteile an der Rheinische Wasserwerks Gesellschaft. 1930 erwarben die Preussische Elektrizitäts AG und die Elektra AG, Dresden (ab 1918: Aktiengesellschaft Sächsische Werke, ASW), zu gleichen Teilen die Mehrheit an der ThGG.

In den Jahren 1930 bis 1939 dehnten sich die energiewirtschaftlichen Aktivitäten vom Rhein bis nach Ostpreußen und von der Nordsee bis über die südlichen Landesgrenzen hinaus aus. 1948 wurde das gesamte Vermögen der ThGG außerhalb der neu entstehenden Bundesrepublik enteignet. Köln wurde neuer Firmensitz. In der Folgezeit wurde die schwer beschädigte Gasinfrastruktur zügig wieder aufgebaut. Einen Schwerpunkt bildete nun Bayern, wo sich die Thüga an zahlreichen regionalen Energieversorgern und Stadtwerken beteiligte. 1972 übernahm Thüga erstmals eine Minderheitsbeteiligung an einem größeren deutschen Stadtwerk, der Freiburger Energie- und Wasserversorgungs-AG (heute badenova), seit den 1970ern folgten weitere Anteilskäufe nach diesem Muster. 1979 fusionierte das Unternehmen mit seiner Tochter LUK, verlegte seinen Unternehmenssitz nach München und firmierte fortan unter Thüringer Gas Aktiengesellschaft (Thüga).

Mitte der 1980er Jahre bestand der Konzern aus 27 Beteiligungen an regionalen Versorgern, das eigene Gasgeschäft rückte zunehmend in den Hintergrund. 1986 wurde der Unternehmensname auch offiziell in die bereits gebräuchliche Abkürzung Thüga AG umbenannt, wodurch auch die Abkehr vom einstigen Kerngeschäft Gas verdeutlicht werden sollte. Zwischen 1991 und 1996 investierte die Thüga rund 1,1 Mrd. DM in ehemals staatliche ostdeutsche Energieversorger, vornehmlich im einstigen Stammgebiet Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. 1998 erwarb die Thüga zusätzliche Anteile an der aus dem Zusammenschluss der Versorgungsbetriebe der Stadtwerke Frankfurt am Main GmbH und der Maingas AG, Frankfurt, hervorgegangenen Mainova Aktiengesellschaft und war damit zu 24 Prozent beteiligt. Eine breit angelegte Akquisition von Stadtwerken in Rheinland-Pfalz begann.

Neuordnung unter dem Dach der E.ON[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 kam es infolge kartellrechtlicher Auflagen im Zusammenhang mit den Fusionen VEBA/VIAG und RWE/VEW zur Realteilung der rhenag AG (alt), Köln. An der neu gegründeten Thüga Beteiligungen Aktiengesellschaft (ThüBet) hielt die Thüga die Mehrheit der Stimmen. Der ThüBet wurden 18 Beteiligungen der ehemaligen rhenag in Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen zugeordnet. Die CONTIGAS gliederte wesentliche Teile des Geschäftsbetriebs in die Thüga aus und wurde Gesellschafter der Thüga. Die Thüga-Gruppe stellte damit das bundesweit größte Netzwerk lokaler und regionaler Energieversorger dar, an denen kommunale Partner die Mehrheit halten. Nachdem sie zunächst als Beteiligung der E.ON AG gehalten wurde, gehörte die Thüga AG seit Dezember 2004 über die hundertprozentige E.ON-Tochter E.ON Ruhrgas Thüga Holding GmbH zu E.ON Ruhrgas, einem Teilbereich des E.ON-Konzerns.

Kauf durch Integra/Kom9[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Dezember 2009 wurde der Erwerb der bisher von E.ON gehaltenen Anteile an der Thüga durch kommunale Unternehmen, organisiert in den Konsortien Integra und Kom9 GmbH & Co. KG (Kom9) vollzogen. Die Integra-Konsorten enercity (Stadtwerke Hannover Aktiengesellschaft), Mainova Aktiengesellschaft (Frankfurt), und N-ERGIE Aktiengesellschaft (Nürnberg) haben jeweils 20,53 Prozent der Thüga-Anteile, die Stadtwerkegruppe Kom9 38,41 Prozent an der Thüga Holding GmbH & Co. KGaA übernommen. [3] Diese hält 81,10 Prozent an der Thüga Aktiengesellschaft sowie weitere 18,90 Prozent über die 100-prozentige Tochtergesellschaft CONTIGAS Deutsche Energie-Aktiengesellschaft. Die Kom9 ist ein Zusammenschluss aus 54 (Stand: 1. Januar 2014) kommunalen Energieversorgungsunternehmen in Deutschland.

Die Thüga-Beteiligungen an der GASAG, an der HEAG Südhessische Energie, an den Stadtwerken Duisburg sowie an den Stadtwerken Karlsruhe wurden gemäß Kaufvertrag an die E.ON Ruhrgas übertragen.

Jüngste Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Wirkung zum 1. Januar 2009 übertrug die Thüga eigentumsrechtlich ihre Gas- und Stromversorgungsnetze an die Thüga Energienetze GmbH und bündelte die Vertriebsaktivitäten in der Thüga Energie GmbH. Mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Januar 2010 beteiligte sich Thüga mit 25,1 Prozent an dem in Schwerin ansässigen Regionalversorger WEMAG AG. Die Thüga erwarb 24,9 Prozent an der Städtische Werke Aktiengesellschaft, Kassel, sowie 20 Prozent an der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH. 2011 erwarb Thüga 20,0 Prozent an der Stadtwerke Freudenstadt GmbH & Co. KG.

Thüga gab im Februar 2012 die Gründung der Thüga Energieeffizienz GmbH bekannt. Diese unterstützt die Unternehmen der Thüga-Gruppe mit einem breiten Dienstleistungsspektrum und Konzepten zur Energieeinsparung und befasst sich mit der Recherche und Beantragung von Fördermitteln. [4] Im Dezember 2012 beteiligte sich Thüga mittelbar über die 57,5%ige Beteiligung an der EKO2 GmbH an der Koblenzer Elektrizitätswerk und Verkehrs-AG. In Thüringen verstärkte Thüga im Jahr 2013 ihr Engagement und übernahm 15,2 Prozent der Aktien an der Thüringer Energie AG.

Nach der Verschmelzung der Energieversorgung Mittelrhein GmbH auf die Koblenzer Elektrizitätswerk und Verkehrs-AG ist Thüga mittelbar über die EKO2 GmbH mit 39,97 Prozent an der heutigen Energieversorgung Mittelrhein AG beteiligt. Die von Thüga gehaltenen Anteile in Höhe von 10 Prozent an der Frankengas GmbH wurden im Jahr 2014 an die N-ERGIE AG veräußert.

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thüga Aktiengesellschaft ist als Minderheitspartner Kern des bundesweit größten Netzwerks kommunaler Energie- und Wasserversorger. Ihre Aufgaben umfassen Beratung und Dienstleistungen der Partnerunternehmen. Gemeinsames Ziel ist, die unternehmerische Entwicklung der Thüga-Gruppe zu stärken, die Wertsicherung und –entwicklung der einzelnen Unternehmen voranzutreiben, gemeinsame Projekte zu initiieren sowie die Zusammenarbeit in der Gruppe zu fördern.

Aufsichtsrat der Thüga Holding GmbH & Co. KGaA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: Januar 2016[5]

  • Joachim Hofmann-Göttig, Vorsitzender des Aufsichtsrates, Oberbürgermeister der Stadt Koblenz
  • Petra Roth, 1. stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, Oberbürgermeisterin a. D. der Stadt Frankfurt am Main
  • Kerstin Grass, 2. stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, Diplom-Ingenieurin
  • Michael Bauta, Diplom-Ingenieur
  • Marc Hansmann, Stadtkämmerer der Landeshauptstadt Hannover
  • Axel Imholz, Stadtkämmerer der Landeshauptstadt Wiesbaden
  • Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg
  • Herbert Marquard, Geschäftsführer der Energieversorgung Pirna GmbH
  • Walter Meinhold, Ehemaliger Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke Hannover Aktiengesellschaft
  • Harald Riedel, Finanzreferent der Stadt Nürnberg
  • Simone Schultz, Kaufmännische Angestellte
  • Hans-Joachim Wildt, Gas-Wasser-Installateur

Geschäftsführung der Thüga Holding GmbH & Co. KGaA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: 1. November 2015[5] [6] Die Geschäftsführung erfolgt durch die Komplementärin, die Thüga Management GmbH.

  • Michael Riechel, Vorsitzender, zugleich Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft
  • Matthias Cord, stellvertretender Vorsitzender, zugleich stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft
  • Gerhard Holtmeier, zugleich Mitglied des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft
  • Christof Schulte, zugleich Mitglied des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thüga-Partner
  2. Anm.: Summe aller Einzeldaten der Thüga und ihrer Beteiligungsgesellschaften, an denen Thüga mit mindestens 20 Prozent beteiligt ist.
  3. Thüga AG Gesellschafterstruktur
  4. [1]
  5. a b Thüga AG Gremien und Organe
  6. Presseinformationen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]