Thüringer Becken (mit Randplatten)

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Unter-Naturräume des Thüringer Beckens nebst Randplatten

Thüringer Becken (mit Randplatten) bezeichnet eine naturräumliche Haupteinheitengruppe nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, die die flachwellige Keuperlandschaft des Thüringer Beckens, seine bis 604,4 m (Reinsberge) hohen Randplatten aus Muschelkalk sowie z. T. deren Umrahmung aus Buntsandstein und die Zechsteingürtel um angrenzende Mittelgebirge umfasst.[1] Das Keuperbecken liegt fast gänzlich in Thüringen, seine Randplatten z. T. auch in Sachsen-Anhalt und Hessen, zu minimalen Anteilen überdies in Niedersachsen.[2]

Die Gliederung des Handbuches wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) weitgehend übernommen. Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Jena (TLUG) hat eine eigene naturräumliche Gliederung erstellt, die viele Untereinheiten fast deckungsgleich enthält, die jedoch keine Hierarchien in Haupteinheitengruppen und Haupteinheiten vorsieht, sondern jeweils ausschließlich nach den anstehenden Gesteinen klassifiziert, wobei sowohl inselartige Einheiten vorkommen als auch solche, die durch andere Einheiten in mehrere Teile geteilt werden.[3] Im Handbuch sind demgegenüber alle naturräumlichen Einheiten einfach zusammenhängend (d. h. ohne „Löcher“ und ohne Unterbrechungen), weshalb geologisch abweichende Teil-Naturräume gegebenenfalls in eine Übereinheit mit integriert worden sind.[1]

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Thüringer Becken (mit Randplatten) stellt die einzige naturräumliche Haupteinheitengruppe dar, die, aufgrund ihres Umfanges, gleich zwei zweistellige Kennziffern erhalten hat. In der nachfolgenden Aufteilung in Haupteinheiten (dreistellig) nebst gegebenenfalls Untereinheiten nach TLUG Jena sind in Klammern je die Größe, die Lage innerhalb der Übereinheit, die beteiligten Bundesländer (TH, ST, HE oder NI) sowie das anstehende Gestein (Rotliegend, Zechstein, Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper; Flussaue) angegeben:[1][2][3][4]

Benachbarte Haupteinheitengruppen und Haupteinheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Randplatten des Thüringer Beckens treffen, im Uhrzeigersinn, in Süden und Südwesten auf das Thüringisch-Fränkische Mittelgebirge mit dem Thüringer Schiefergebirge und dem Thüringer Wald, nach Westen auf das Osthessische Bergland mit dem Fulda-Werra-Bergland und dem Unteren Werrabergland, nach Nordwesten auf das Niedersächsische Bergland mit (v. a.) Unterem Eichsfeld und Eichsfelder Becken, nach Norden auf den Harz, nach Nordosten auf das Mitteldeutsche Schwarzerdegebiet[11] mit dem Östlichen Harzvorland, nach Osten auf das Sächsische Hügelland[12] mit dem Altenburg-Zeitzer Lösshügelland[13] und nach Südosten auf das Vogtland mit den Ostthüringisch-Vogtländischen Hochflächen.[1][2]

Geologische Struktur und Geomorphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologische Struktur des Thüringer Beckens mit den Triasgesteinen Keuper (im Inneren), Muschelkalk (Randplatten) und Buntsandstein (äußere Umrahmung)

Das Thüringer Becken und seine Umrahmung bilden eine halbwegs konzentrisch angeordnete Schichtstufenlandschaft des Trias. Das flachwellige, ackerbaulich ertragreiche Keuper-Hügelland wird von mächtigen Muschelkalk-Höhenzügen umschlossen, die in der Regel vom Beckeninneren her eher allmählich ansteigen, jedoch oft an der Außenkante steil in einer Schichtstufe abfallen.

Besonders deutlich wird dieses in der westlichen Dün, zu der, von der Unstrut bei Dachrieden (ca. 240 m) aus, die Landschaft über 14 km nach Nordwesten auf gut 515 m zum Hockelrain ansteigt (durchschnittlich um 2 % = 1° Steigung), um an dessen Nordhang sehr abrupt innerhalb von gut 300 horizontalen Metern von 500 m auf 400 m abzusinken (durchschnittlich 30 % = 17° Gefälle, stellenweise über 100 % = 45°), bis dann im Buntsandstein das Gelände wieder eher allmählich auf etwa 310 m zur Leine bei Beuren abfällt.
Ähnliche Verhältnisse zwischen den Hangneigungen bei insgesamt steilerem Verlauf weist die Schichtrippe der Hörselberge auf. So fällt vom ins Beckeninnere weisenden Nordosthang des Großen Hörselbergs 484 m aus die Landschaft binnen etwa 850 horizontalen Metern die Höhenlage von 475 m auf 375 m (durchschnittlich 12 % = 7° Gefälle), während der gleiche Höhenunterschied an der nach außen weisenden Südwestseite binnen weniger als 150 Horizontalmetern (durchschnittlich 70 % = 35° Gefälle!) bewältigt wird

Den absolut gesehen imposanteren Schnellabfall nach außen weist indes die am Hohestein 569 m hohe Gobert im Westen, an der Landesgrenze zu Hessen, auf, an deren Westflanke die Landschaft innerhalb von 1,4 Kilometern von der Hörne (ca. 515 m) um 365 Meter bis auf 150 m an der Werra sinkt (durchschnittlich 26 % = 15° Gefälle). Allerdings ist die Gobert vom das Keuperbecken umrahmenden östlichen Kamm des Oberen Eichsfelds durch eine Senke entlang der Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone getrennt und wird meistens zur Nachbar-Haupteinheit Unteres Werrabergland (Haupteinheitengruppe Osthessisches Bergland) gerechnet.

Demgegenüber wird das Becken im Osten, im Bereich der Finne-Störungszone, stellenweise durch einen zwar beidseitig steilen, jedoch insgesamt weniger hohen Muschelkalk-Grat begrenzt, während im Südosten der Anstieg zur Ilm-Saale-Platte unauffällig verläuft. An einer kleinen Bucht im westlicheren Süden, zwischen Ohrdruf und Georgenthal, entfallen die Schichtstufen des Muschelkalks und des Buntsandsteins sogar fast vollständig, und das sehr schnell um 700 m und mehr erreichende Grundgebirge des Thüringer Waldes ragt unmittelbar empor.

Die sich nach außen an den Muschelkalk anschließenden Buntsandstein-Höhenzüge erreichen, anders als dieses z. B. an der Südwestflanke des Thüringer Waldes (d. h. vom Keuperhügelland des Grabfelds aus nach außen) der Fall ist, zumeist nicht die Höhe ihrer Muschelkalk-Nachbarn. Und dort, wo sie den Muschelkalk überragen (z.B. Finne im Nordosten) oder annähernd seine Höhen erreichen (Windleite im Norden), steigen sie deutlich sanfter an als die Schichtstufe abfällt. [1]

Äußeres Höhenprofil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unmittelbaren Randanhöhen des zentralen Keuperbeckens, also des eigentlichen Thüringer Beckens und des inneren Westthüringer Berg- und Hügellandes, weisen, im Uhrzeigersinn, beginnend am Ilmaustritt im äußersten Osten, folgende Höhen ü. NHN auf: [2]
(bei Randhöhen ab 1 km Entfernung ist jeweils die ungefähre Entfernung zum Beckenrand angegeben, Erhebungen in 2. Reihe sind eingerückt;
falls auf den Randhöhen nicht Muschelkalk ansteht, ist das entsprechende Gestein angegeben)

Störungen und Schollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Störungszonen im Bereich des Thüringer Beckens
Schollengliederung des Thüringer Beckens

Das Gebiet des Thüringer Beckens und seiner Randplatten wird in der Hauptsache durch herzynisch, d.h. von Nordwest nach Südost verlaufende geologische Störungen (↓) in Grundschollen (→) gegliedert.[14]

Von Nordosten nach Südwesten folgen aufeinander (Landschaften außerhalb der Haupteinheitengruppe in Kleinschrift):

Weiterhin liegen auf anderen Schollen::

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e E. Meynen und J. Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (6. Lieferung 1959) – Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953-1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960)
  2. a b c d Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  3. a b Walter Hiekel, Frank Fritzlar, Andreas Nöllert und Werner Westhus: Die Naturräume Thüringens. Hrsg.: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt. 2004, ISSN 0863-2448.
    Naturraumkarte Thüringens (TLUG) – PDF; 260 kB
    Landkreisweise Karten (TLUG)
  4. Hydrogeologische Karte Thüringens der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (PDF; 4,37 MB) (Landkreisweise sind noch feinere Karten erhältlich.)
  5. Bezeichnung nach Handbuch; laut TLUG: Saaleaue
  6. Bezeichnung nach Handbuch und BfN; laut TLUG: Paulinzellaer Buntsandstein-Waldland
  7. Bezeichnung nach Handbuch und BfN; laut TLUG: Ilm-Saale-Ohrdrufer Platte
  8. Bezeichnung nach TLUG und BfN; Originalname laut Handbuch: Waltershausener Vorberge
  9. Bezeichnung nach Handbuch; laut TLUG: Zechsteingürtel am Südharz
  10. Bezeichnung nach BfN; laut Handbuch: Helme-Unstrut-Niederung, was jedoch irreführend ist, da TLUG diese Bezeichnung treffenderweise nur für den Nordteil benutzt, der außerhalb des Kernbeckens liegt; im südlicheren Inneren des Beckens folgt die Niederung nämlich der Gera.
  11. Bezeichnung laut Handbuch; Bezeichnung nach BfN: Östliches Harzvorland und Börden
  12. komplette Bezeichnung laut Handbuch: Sächsisches Hügelland (einschl. Leipziger Land); nach BfN als Sächsisches Hügelland und Erzgebirgsvorland mit einer weiteren Haupteinheitengruppe fusioniert
  13. Bezeichnung nach der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig (SAW), vgl. Naturräume in Sachsen; Handbuch: Altenburg-Zeitzer Lößgebiet
  14. Regionalgeologie Ost, Dietrich Franke