Thüringer Museum für Elektrotechnik Erfurt

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Das Thüringer Museum für Elektrotechnik (kurz: Elektromuseum) ist ein Technikmuseum in Erfurt, das vom Verein Elektromuseum – Thüringer Museum für Elektrotechnik Erfurt e.V. betrieben wird.

Ab dem Jahr 2000 unterhielt der Verein eine eigene Ausstellung, die 2012 geschlossen wurde. Seitdem ist der Verein auf der Suche nach einem neuen Standort in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt.[1][2]

Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 verbundene industrielle Umbruch führte zu der Gefahr, dass historisch wertvolle Geräte, Maschinen, Technologien und Informationen unwiederbringlich verloren gehen. Um dies zu verhindern, gründeten am 15. September 1990 engagierte Fachleute den Verein Elektromuseum – Thüringer Museum für Elektrotechnik Erfurt e.V.

Die Ziele des Vereins sind das Sammeln, Bewahren, Aufarbeiten und Dokumentieren von Sachzeugnissen, Tatbeständen und Informationen aus der Geschichte der Elektrotechnik mit Schwerpunkt Thüringen. Ein Museum für Elektrotechnik soll in Erfurt aufgebaut und unterhalten werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museum 2000–2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2000 bis 2012 betrieb der Verein eine ständige Ausstellung im Gebäude eines ehemaligen Rechenzentrums in der Erfurter Schlachthofstraße 45. Auf rund 300 m² wurden Exponate aus der Entwicklung verschiedener Bereiche der Elektrotechnik dargestellt.

Bestandteil des Museums war ein Schülerlabor für Physik und Elektronik mit ca. 30 Versuchen. Das Labor wurde vollständig durch ehrenamtliche Arbeit betrieben und insg. von ca. 6000 Schülern besucht. Messplätze für den Nachweis ionisierender Strahlung wurden vom Verein Strahlenschutzseminar in Thüringen e.V. an der TU-Ilmenau zur Verfügung gestellt.[3] Für Ihr ehrenamtliches Angagement erhielten die Vereinsmitglieder Josef Lorenz und Rudolf Fiebich 2013 das Bundesverdienstkreuz am Bande.[4]

Schließung und Suche nach einem neuen Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2012 musste die Ausstellung wegen eines Eigentümerwechsels und der damit einhergehenden Umnutzung des damaligen Gebäudes nach 12 Jahren geschlossen werden. Alle Exponate wurden in einem Depot in Erfurt eingelagert. Das Schülerlabor wurde an die Fachhochschule Erfurt übergeben und wird von dieser weitergeführt.[5][6]

Seitdem bemüht sich der Verein um einen neuen Standort in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt. Der Wunschstandort des Vereins ist das Dachgeschoss im leerstehenden Gebäude der Defensionskaserne auf der Zitadelle Petersberg, unweit des Erfurter Stadtkerns.[7][8]

Fachvorträge und Leihstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein veranstaltet Fachvorträge zu verschiedenen Bereichen der Elektrotechnik.[9]

Exponate werden als Leihstellungen anderen Ausstellungen zur Verfügung gestellt.

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum unterhält folgende Sammlungen:[2]

Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochvakuumelektronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum besitzt etwa 800 verschiedene Typen von Empfängerröhen, Zählröhren, Röntgenröhren und Senderöhren nationaler und internationaler Hersteller sowie etwa 250 verschiedene Typen von Oszillographen- und Spezialröhren.

Hochvakuumelektronik aus dem Funkwerk Erfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messtisch für Oszillographenröhren (links) und Radarröhren (rechts) aus der Prüfmittelfertigung des Funkwerk Erfurt in der ehemaligen Ausstellung des Thüringer Elektromuseums.

Von 1938 bis 1990 wurden im Funkwerk Erfurt (ehem. Telefunkenwerk, auch Mikroelektronik Erfurt) Bauelemente der Hochvakuumelektronik entwickelt und produziert. In der DDR war das Werk hierfür der sog. Leitbetrieb. In dessen Zentrallaboratorium für Empfängerröhren (ZLE) wurden verschiedene Arten von Elektronenröhren sowie Hochspannungskondensatoren entwickelt. Teilweise wurden fertige Entwicklungen an andere Betriebe zur Produktion abgegeben, z. B. Senderöhren zum Werk für Fernsehelektronik (WF) in Berlin.

Im Fundus des Museums befinden sich Produktionsmaschinen und Ausrüstungen, Montagevorrichtungen, Spezialwerkzeuge, Entwicklungsmuster, Einbauteile, Halbfabrikate und Systemaufbauten aus dem Funkwerk Erfurt. Darunter auch eine Reihe von Unikaten sowie Entwicklungs- und Vergleichsmuster.

Messtechnik aus dem Funkwerk Erfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1948 bis 1991 wurden im Funkwerk Erfurt elektronische Messgeräte entwickelt und produziert. Ein Teil hiervon wurde in Länder des Rats für gegenseite Wirtschaftshilfe (RGW) exportiert.

Das Museum besitzt eine nahezu vollständige Sammlung aller in diesem Zeitraum produzierten Messgeräte aus dem Entwicklungsmusterlager des Funkwerks. Ebenfalls erhalten sind Prüfgeräte aus dem Rationalisierungsmittelbau (Betriebseigener Werkzeug- und Prüfmittelbau).

Büro- und Rechentechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Speicher einer Rechenanlage: Magnetbandeinheit Robotron MBE 4000 mit Magnetbandlaufwerk und Datasettenlaufwerken im Depot des Thüringer Elektromuseums

In Sömmerda (Robotron), Zella-Mehlis (Cellatron), Erfurt (Optima und Funkwerk), Mühlhausen (VEB Mikroelektronik) und Gera (VEB Elektronik) wurden Büro- und Rechenmaschinen, sowie elektronische Datenverarbeitungsmaschinen entwickelt und hergestellt. Eine Reihe dieser Modelle befinden sich im Fundus des Elektromuseums.

Weiterhin besitzt das Elektromuseum Teile einer ESER-Rechenanlage. Auch viele Teile der originalen Inneneinrichtung eines Robotron R300 Rechenzentrums konnten erhalten werden.

Rundfunktechnik aus Thüringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1945 bis 1990 wurden u. a. an den folgenden Standorten in Thüringen ca. 180 verschieden Rundfunkempfänger entwickelt und produziert, wovon sich etwa 100 Modelle im Fundus des Museums befinden:

Historisches Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine bis ins Jahr 1890 zurückreichende technische Archivbibliothek beinhaltet Fachzeitschriften, Fach- und Lehrbücher, sowie Entwicklungsunterlagen und Firmenprospekte. Weitere Bestandteile sind Schaltungsunterlagen, Abgleich-, Service- und Bedienungsanleitungen sowie Firmenschriften. Enthalten sind u. a.:

  • Funkwerk Erfurt: Forschungsberichte und Entwicklungsunterlagen, technologische Unterlagen und Arbeitsanweisungen, Gerätebeschreibungen, Reparatur- und Schaltungsunterlagen, Photos und Werbemittel, Prüfprotokolle und Bildarchiv (ca. 30.000 Bilder) einschließlich Videodokumentation der Technologie der Oszillographenröhre.
  • Fernmeldewerk Arnstadt: Tonarchiv des Betriebsfunks.
  • Deutsch- und englischsprachige Fachliteratur und Fachzeitschriften aus ehemaligen Wissenschaftlichen Fachbibliotheken (z. B. Funkwerk Erfurt, Robotron-Vertrieb Erfurt, AEG / WF-Berlin, Fernmeldewerk Arnstadt).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thüringer Museum für Elektrotechnik Erfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unter Strom: Zentraldepot sucht Museum. (thueringer-allgemeine.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  2. a b Museumsverband Thüringen: Thüringer Museum für Elektrotechnik. Abgerufen am 2. Juni 2018.
  3. Seit 10 Jahren leistet Elektromuseum wichtige Bildungsarbeit. (thueringer-allgemeine.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  4. Erfurter Schülerlabor öffnet wieder. (thueringer-allgemeine.de [abgerufen am 28. Juni 2018]).
  5. Schülerlabor des Erfurter Elektromuseums jetzt in der Fachhochschule. (tlz.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  6. Nach langer Pause erstmals wieder Experimente. (thueringer-allgemeine.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  7. Elektromuseum wünscht sich Defensionskaserne als neues Domizil. (tlz.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  8. Einzigartiges Elektromuseum soll Attraktion in Defensionskaserne werden. (thueringer-allgemeine.de [abgerufen am 2. Juni 2018]).
  9. Thüringer Museum für Elektrotechnik: Veranstaltungsarchiv. In: www.elektromuseum.de. Elektromuseum - Thüringer Museum für Elektrotechnik Erfurt e.V., abgerufen am 3. Juni 2028.