Thüringische Kultur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Thüringische Kultur
Zeitalter: Eisenzeit
Absolut: 750–300 v. Chr.
Ausdehnung
Norden: Thüringer Becken
Süden: Thüringer Becken
Westen: Thüringer Becken
Osten: Mittleres Saalegebiet

Die Thüringische Kultur ist eine archäologische Kultur, die von etwa 750 v. Chr. bis etwa 300 v. Chr. (Eisenzeit) datiert wird. Vorhergehende Kultur war die Unstrutgruppe von 1300 v. Chr. bis 750 v. Chr. Wichtigste nachfolgende Kultur ist die Naumburger Gruppe von 300 v. Chr. bis 60 v. Chr.[1]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thüringische Kultur war vom Thüringer Becken bis zum mittleren Saalegebiet verbreitet. Benachbart war im Norden die Hausurnenkultur, im Nordosten die Billendorfer Kultur. Zudem weist die Thüringische Kultur Einflüsse aus dem hessischen und mittelrheinischen Raum auf. Ab 575 v. Chr. verminderte sich das Verbreitungsgebiet der Thüringischen Kultur, als die sich formierende Jastorf-Kultur begann, ihr Gebiet auszudehnen.[1]

Gleichzeitige, benachbarte Kulturgruppen während der frühen vorrömischen Eisenzeit von 750 v. Chr. bis 480 v. Chr. sind:

Bestattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänglich dominierte die Brandbestattung, diese wurde jedoch teils von der Körperbestattung abgelöst, deren Nutzung durch eine Oberschicht ab der Zeit um 575 zunehmend einsetzte. Der Großteil der Bevölkerung blieb nach wie vor bei der Brandbestattung.

Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die archäologischen Kulturen der Spätbronzezeit gingen ohne Unterbrechung in die der frühen Eisenzeit von 720 v. Chr. bis 480 v. Chr. über. Die Billendorfer Kultur folgte auf die Lausitzer Kultur, die Hausurnenkultur auf die Saalemündungsgruppe sowie die Thüringische Kultur auf die Unstrutgruppe. Wirtschaft und Siedlungsweise in der frühen Eisenzeit blieben weitgehend die während der späten Bronzezeit. Kupfer und Zinn treten nach wie vor nur an wenigen Orten auf, Eisen hingegen, das sich in der Regel als Raseneisenerz gewinnen ließ, wies eine weite natürliche Verbreitung auf.

Die Thüringische Kultur bildete im 6. Jahrhundert v. Chr. zusammen mit anderen archäologischen Gruppen des Mittelgebirgsraumes den nördlichen Rand der Hallstattkultur. Dies trifft auch für das 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. und die Latènekultur zu. Die Zusammengehörigkeit der eisenzeitlichen Kulturen zeigt sich bei Körperbestattungen der Thüringischen Kultur, deren Schmuck sowohl hallstättischen als auch keltischen Schmuck imitiert.

In den anschließenden Jahrhunderten der späten Eisenzeit, in denen die Naumburger Gruppe auf die Thüringische Kultur folgte, behielt diese Region, trotz der Einflüsse der frühgermanischen Jastorf-Kultur, ihren singulären keltoiden Charakter bei.[2]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vgl. Harald Meller (Hrsg.): Glutgeboren. Mittelbronzezeit bis Eisenzeit (= Begleithefte zur Dauerausstellung im Landesmuseum Halle. Band 5). Halle an der Saale 2015, ISBN 978-3-944507-14-9, S. 60–66.
  2. Vgl. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle: Sammlung zur Älteren vorrömischen Eisenzeit (750-480 v. Chr.); vgl. Landesmuseum für Vorgeschichte Halle: Zeitstrahl

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Höller: Die hallesche Kultur der frühen Eisenzeit. In: Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächsisch-thüringischen Länder 21. 1933, S. 5–133.
  • Martin Klaus: Die Thüringische Kultur der älteren Eisenzeit. Grab-, Hort- und Einzelfunde. Jena 1942.
  • Waldemar Matthias: Eine früheisenzeitliche Scherbe mit Jagddarstellung aus Halle-Trotha. In: Ausgrabungen und Funde 4. 1959, S. 18–23.
  • Klaus Nuglisch: Zur Kenntnis der älteren Latènezeit im Gebiet zwischen Ohre und Unstrut. In: Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte 53. 1969, S. 375–414.
  • Rosemarie Müller: Vorrömische Eisenzeit. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 32, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2006, ISBN 3-11-018387-0, S. 623–638. (Artikel abgerufen über GAO bei De Gruyter Online)
  • Klaus Simon: Horizontalstratigraphische Beobachtungen auf früheisenzeitlichen Gräberfeldern der Thüringischen Kultur zwischen Ilm und Finne. In: Alt-Thüringen 16. 1979, S. 26–83.
  • Heinrich Tiefenbach, Wolfgang Timpel: Erfurt. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 7, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1989, ISBN 3-11-011445-3, S. 488–497. (Artikel abgerufen über GAO bei De Gruyter Online)