Thalheim/Erzgeb.

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Thalheim/Erzgeb.
Thalheim/Erzgeb.
Deutschlandkarte, Position der Stadt Thalheim/Erzgeb. hervorgehoben
Koordinaten: 50° 42′ N, 12° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Höhe: 450 m ü. NHN
Fläche: 10,79 km2
Einwohner: 6457 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 598 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09380
Vorwahl: 03721
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 620
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 5
09380 Thalheim
Webpräsenz: www.thalheim-erzgeb.de
Bürgermeister: Nico Dittmann (parteilos)
Lage der Stadt Thalheim/Erzgeb. im Erzgebirgskreis
Sachsen Amtsberg Annaberg-Buchholz Aue Auerbach (Erzgebirge) Bad Schlema Bärenstein (Erzgebirge) Lauter-Bernsbach Bockau Börnichen/Erzgeb. Breitenbrunn/Erzgeb. Burkhardtsdorf Crottendorf Deutschneudorf Drebach Ehrenfriedersdorf Eibenstock Elterlein Gelenau/Erzgeb. Geyer Gornau/Erzgeb. Gornsdorf Großolbersdorf Großrückerswalde Grünhain-Beierfeld Grünhainichen Heidersdorf Hohndorf Jahnsdorf/Erzgeb. Johanngeorgenstadt Jöhstadt Königswalde Lauter-Bernsbach Lößnitz (Erzgebirge) Lugau (Erzgebirge) Marienberg Mildenau Neukirchen/Erzgeb. Niederdorf (Sachsen) Niederwürschnitz Oberwiesenthal Oelsnitz/Erzgeb. Olbernhau Pockau-Lengefeld Raschau-Markersbach Scheibenberg Schlettau Schneeberg (Erzgebirge) Schönheide Schwarzenberg/Erzgeb. Sehmatal Seiffen/Erzgeb. Stollberg/Erzgeb. Stützengrün Tannenberg Thalheim/Erzgeb. Thermalbad Wiesenbad Thum Wolkenstein (Erzgebirge) Zschopau Zschorlau ZwönitzKarte
Über dieses Bild

Thalheim/Erzgeb. ist eine Stadt im sächsischen Erzgebirgskreis.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt am Fluss Zwönitz im Zwönitztal, ungefähr 5 km östlich der Stadt Stollberg und 15 km südlich von Chemnitz in den unteren Höhenlagen des Erzgebirges. Den höchsten Punkt der Stadt bildet die Tabakstanne mit ca. 560 Meter über NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Gemeinden grenzen an Thalheim (im Uhrzeigersinn von Norden beginnend): Jahnsdorf/Erzgeb., Burkhardtsdorf, Gornsdorf, die Stadt Zwönitz, die Stadt Stollberg/Erzgeb. und Niederdorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thalheim war ursprünglich ein Waldhufendorf. Es entstand am Ende des 12. Jahrhunderts und wurde 1447 erstmals urkundlich erwähnt. Angenommener Gründungszeitpunkt ist das Jahr 1184. Der ursprüngliche Siedlungskern gruppierte sich um die erste Thalheimer Kirche, deren Standort vermutlich zwischen dem Pfarrhaus und dem gegenüberliegenden Friedhof lag. Heute führt die Chemnitzer Straße (B 180) über diese Stelle.

Mit der Zeit dehnte sich der Ort im Tal aus. Später zog sich die Bebauung die flacheren Hänge der Nebentäler hinauf. Im 17. Jahrhundert wurde Arsenkies abgebaut; seit dieser Zeit entwickelte sich auch die Strumpfwirkerei. Im Jahre 1925 erhielt der Ort dann das Stadtrecht.

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

  • 1834: 01474
  • 1946: 095021)
  • 1950: 10.4462)
  • 1960: 09279
  • 1971: 08882
  • 1981: 09819
  • 1984: 10.092
  • 1987: 09845
  • 1989: 09284
  • 1990: 09038
  • 1991: 8798
  • 1992: 8718
  • 1993: 8606
  • 1994: 8735
  • 1995: 8640
  • 1996: 8519
  • 1997: 8481
  • 1998: 8319
  • 1999: 8007
  • 2000: 7877
  • 2001: 7828
  • 2002: 7756
  • 2003: 7670
  • 2004: 7591
  • 2005: 7439
  • 2006: 7344
  • 2007: 7231
  • 2009: 6978
  • 2010: 6983
  • 2011: 6809
  • 2012: 6710
  • 2013: 6617
  • 2014: 6540
  • 2015: 6457
Datenquelle ab 1984: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

1) 29. Oktober
2) 31. August

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bürgermeisterwahl fand am 23. Juni 2013 statt. Im zweiten Wahlgang setzte sich Nico Dittmann mit 51,6 Prozent der gültigen Stimmen gegen seinen Mitbewerber durch. [2]

Kommunalwahl 2014[3]
Wahlbeteiligung: 49,2 % (2009: 46,7 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
41,7 %
(+30,0 %p)
31,3 %
(-29,5 %p)
15,2 %
(+1,1 %p)
11,7 %
(+2,1 %p)
n. k.
(-3,9 %p)
2009

2014

Thalheimer Rathaus

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat von Thalheim besteht aus insgesamt 19 Mitgliedern; darin eingeschlossen ist der direkt gewählte Bürgermeister. Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte zu folgender Sitzverteilung:

Partei CDU FWU LINKE SPD Gesamt
Sitze 8 6 2 2 18

Partnerkommunen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 besteht eine Städtepartnerschaft mit dem Markt Roßtal in Mittelfranken. Ferner sind Partnergemeinden von Thalheim im Rahmen der T(h)alheimer Treffen zahlreiche Gemeinden und Orte mit dem Namen Thalheim, Talheim oder Dalheim in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg sowie Roșia (Sibiu) in Rumänien, dessen Teilort Daia auf deutsch ebenfalls Thalheim heißt. 2005 und 1991 fand das Treffen im erzgebirgischen Thalheim statt.

Kirche Thalheim

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Evangelisch-lutherische Kirche ist eines der Wahrzeichen der Stadt Thalheim. Sie wurde am 10. November 1850 nach einer Bauzeit von nur 16 Monaten eingeweiht. Der Kirchenbaumeister Christian Friedrich Uhlig erbaute sie im Stile des Klassizismus. Die Kirche ist 39 Meter lang und besitzt einen 48 Meter hohen Glockenturm mit 5 Glocken. Eine Besonderheit stellt die romantische Kirchenorgel dar, welche von der traditionsreichen Firma Jehmlich 1922 geschaffen und eingebaut wurde, nachdem die ursprüngliche Göthel-Orgel im Ersten Weltkrieg zerstört worden war.
  • Das „Thalheimer Rathaus“: Im Februar 1906 bestätigte der Gemeinderat die Empfehlungen des Bauausschusses, ein neues Verwaltungsgebäude mit Ratskellerwirtschaft und Posthalterei zu errichten. Für das Thalheimer Vorhaben konnte der Architekt Ernst Beier aus Chemnitz interessiert werden. Gleich der erste Entwurf gefiel den Gemeinderäten. Thalheim kam, nach der Kirche zu einem zweiten stattlichen Gebäude, dass die Ortsansicht prägt und inzwischen unter Denkmalschutz steht. Das attraktive Rathaus, den der Rochlitzer Porphyr vor allem außen und Elemente des Jugendstiles innen das Gepräge geben, war für dörfliche Verhältnisse etwas reichlich bemessen. Kleinod ist der Ratssaal mit seinen bleiverglasten Fenstern, deren Schwarzlotmalerei farblich, wie auch symbolisch, Motive der Infrastruktur und Weltoffenheit repräsentieren. Die freigelegte und aufgearbeitete Kassettendecke sowie die in Kammerzugtechnik gestalteten Wände ergeben mit weiteren Details (Säulen, Leuchter, Gemälde) einen wahrhaft ehrwürdigen Raum, in dem Ratssitzungen, Eheschließungen und kleine Konzerte stattfinden.
  • Die historische Ölmühle „Wiesenmühle“ wartet nach einer erfolgreichen Restaurierung mit einem voll funktionstüchtigen Mahl- und Stampfwerk auf. Erstmals wurde sie im Jahre 1577 urkundlich erwähnt, 1838 erfolgte dann der Einbau des Mühlwerks. Heute ist sie ein Technisches Museum und steht unter Denkmalschutz. Im Nebenhaus befindet sich außerdem ein Café mit angeschlossener Pension.

Ausflugsziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das idyllische „Heimateck Rentners Ruh“ ist ein zentraler Ausflugspunkt für Einheimische und Touristen. Die Anlage am Naturlehrpfad „Pionierweg“ besteht außer einer zentralen Blockhütte mit gastronomischer Betreuung auch aus einer Miniaturanlage. Diese stellt historische Thalheimer Gebäude aus, in welchen Personen oder Konstruktionen mithilfe der Wasserkraft des anliegenden Baches bewegt werden. Außerdem finden am Heimateck alljährlich verschiedene kulturelle Veranstaltungen statt.
  • Der restaurierte Bergwerksstollen „Wille Gottes“ ist seit 1998 für Besucher geöffnet. Im seit 1510 existierenden Stollen wurde einst nach Silbererz und später erfolgreich nach Arsenkies gegraben. Dieser Kies bekam aufgrund seiner besonderen Güte den Sondernamen „Thalheimit“. Nach 1846 jedoch erlosch der Grubenbetrieb aufgrund des Bankrotts des Abnehmerbetriebs. Seit 1994 wurde die Grube wieder für museale Zwecke erschlossen und Teile der Bergwerksanlagen in Stand gesetzt. Auch eine Schutzhütte wurde vor dem Stollen errichtet.
  • Die „Neukirchner Villa“ bietet vielfältige Kulturveranstaltungen, insbesondere Kleinkunst, im historischen Ambiente an. Es stehen Seminarräume und ein Trausaal des örtlichen Standesamtes zur Verfügung.[4]
  • Das ehemalige Sport- und Erlebnisbad ist seit 31. August 2014 geschlossen.
  • Zwischen ehemaligen Erzgebirgsbad und Sportpark liegt der „Waldcampingplatz“.
  • Der „Sportpark Thalheim“ bietet vier Tennis- und zwei Badmintonplätzen, zwei Kegelbahnen, Fitnessbereich mit kleiner Sauna und separat zugänglich einen geschlossenen 50-m-Schießstand, zudem Restaurant und Sportlerunterkunft.
Weitere Ziele
Wille Gottes Stolln
„Forzbachl“-Quelle
Christelgrund
Schwarzes Kreuz
  • „Forzbachl“-Quelle
  • „Schwarzes Kreuz“
  • Christelgrundteich

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein VdN-Ehrenhain in der Nähe des Sportplatzes und ehemaligen Erzgebirgsbades erinnert an alle Opfer des Faschismus.
  • Ein Gedenkstein neben dem Ehrenhain erinnert an den Kommunisten Max Helbig, der am 1. Mai 1945 erschossen wurde.
  • Ein weiterer Gedenkstein an gleicher Stelle erinnert an ungeborenes Leben.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule Thalheim
  • Oberschule Thalheim
  • Sozial-Psychologisches Institut Thalheim gGmbH

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ESDA Thalheim

Thalheim wurde erst durch die Strumpfindustrie zur Stadt. Infolge eines massiven Aufschwungs zog der Ort seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts viele Zuwanderer an. Die Verleihung des Stadtrechts 1925 trug dieser Entwicklung Rechnung. Zu Spitzenzeiten produzierten 52 Betriebe Textilien, vor allem Strumpfwaren. Nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich die Wirtschaft langsam. Allerdings wurde nach und nach ein Konzentrationsprozess staatlich verordnet, der schließlich alle Strumpfwirkereien in einem großen Kombinat aufgehen ließ – dem VEB Strumpfkombinat ESDA Thalheim.

Damit hatte einer der größten Betriebe der DDR hier seinen Hauptsitz, wenngleich er noch Zweigstellen in vielen Orten des jetzigen Erzgebirgskreises unterhielt. Durch den Wegfall der Absatzmärkte in der Strumpfwirkerei in der Nachwendezeit kam es zum Verlust vieler Arbeitsplätze mit negativen Folgen für die ganze Stadt. Mangels anderer größerer Betriebe gerieten die Menschen in Not, ebenso wie der städtische Haushalt. Bis 2010 wurden viele der alten Fabrikgebäude abgerissen. Thalheim trägt noch immer schwer an den Folgen des wirtschaftlichen Wandels.

Heute wird die Wirtschaft in Thalheim vor allem durch viele kleine und mittelständische Betriebe geprägt.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thalheim liegt an der Bundesstraße 180, die die Verbindung mit der früheren Kreisstadt Stollberg sowie der Bundesautobahn 72 in westlicher Richtung einerseits und der Stadt Chemnitz in nordöstlicher Richtung andererseits herstellt. Die Staatsstraße 257 stellt die Hauptverkehrsader im Tal dar und folgt der Tallage in südwestlicher Richtung bis Zwönitz.

Über einen Eisenbahnanschluss verfügt die Stadt seit dem 15. November 1875 an der Bahnstrecke Chemnitz–Aue, die heute von der Erzgebirgsbahn mit modernen Dieseltriebwagen (Baureihe 642) im Stundentakt befahren wird. Geplant ist für die Strecke nach Chemnitz eine Eingliederung in das Chemnitzer Modell.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thalheim/Erzgeb. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Bürgermeisterwahlen 2013. Abgerufen am 26. Januar 2017.
  3. http://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_s10_erg.prc_erg_gr?p_bz_bzid=GR14&p_ebene=GE&p_ort=14521620
  4. Freie Presse (erschienen am 12.06.2012)