Thalitter

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Thalitter
Gemeinde Vöhl
Koordinaten: 51° 13′ 10″ N, 8° 53′ 49″ O
Höhe: 312 m ü. NHN
Fläche: 5,05 km²[1]
Einwohner: 329 (2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 65 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Eingemeindet nach: Ittertal
Postleitzahl: 34516
Vorwahl: 05635
Karte
Lage von Thalitter in Vöhl
Das „Große Haus“, ehem. landgräfliches Bergamt
Das „Große Haus“, ehem. landgräfliches Bergamt

Thalitter ist ein Ortsteil der Gemeinde Vöhl, im Tal der Itter in der Nähe des Edersees im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1586. Eine Ansammlung von Hügelgräbern zwischen Thalitter und Herzhausen zeugt jedoch von einer wesentlich früheren Besiedlung der Gegend.

Am 1. Februar 1971 schlossen sich zunächst die Gemeinden Dorfitter, Thalitter und Herzhausen zur Gemeinde Ittertal zusammen. Diese wurde im Rahmen der weiteren hessischen Gebietsreform am 1. Januar 1974 in die Großgemeinde Vöhl eingegliedert.[2]

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehem. Bergamt in Thalitter, Blick von der Itterburg

Das Ortsbild wird noch heute durch zahlreiche Fachwerkhäuser geprägt. Eines dieser Gebäude sticht besonders hervor, es handelt sich um das dreistöckige „Große Haus“, vermutlich für Landgraf Georg III. (1632–1676) von Hessen-Darmstadt-Itter, der die Herrschaft Itter von 1661 bis zu seinem Tod als Paragium besaß, als Gutshaus und Jagdschloss erbaut. Georg starb noch vor Abschluss der Bauarbeiten, und die Herrschaft Itter fiel an die Hauptlinie des Hauses Hessen-Darmstadt zurück. Ob das Haus jemals als Jagdschloss genutzt wurde, ist nicht gesichert. Von 1718 bis 1868 war es als landgräfliches bzw. großherzogliches Bergamtsgebäude zugleich der Sitz des Berginspektors.

Die Itterburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des Dorfes befindet sich die Ruine der 1126 als Haupthof „Ittera“ im Ittergau erstmals erwähnten Itterburg. Besitzer waren die „Herren von Itter“. Im Jahr 1058 wird ein Wirheraldus von Itter genannt, der vermutlich bei Obernburg die Obere Burg, den ersten Stammsitz seines Geschlechts, errichtete. 1356 wurde der letzte Herr von Itter erstochen (siehe Itter Adelsgeschlecht, Zweites Haus). Ein Zweig der Familie Wolff von Gudenberg wurde danach mit der Itterburg belehnt und nannte sich nunmehr „Wolff von Gudenberg zu Itter“.[3]

1815 kaufte der in der Schweiz lebende, 1809 abgesetzte ehemalige König von Schweden, Gustav IV. Adolf, die Ruine der Itterburg und nannte sich nunmehr zeitweise Herr oder auch Graf von Itterburg. Sein Sohn, der österreichische Feldmarschalleutnant Gustav Prinz von Wasa, war ab 1837 Eigentümer der Itterburg.

1951 erwarb die Gemeinde das Gelände der Itterburg (ca. 8 ha) für 18.000 DM.

Steuerburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls in der Gemarkung von Thalitter, etwa 800 m nordnordöstlich des Dorfs auf dem Dietrichsberg, befinden sich die Reste der Steuerburg, die ursprünglich ein Vorwerk der Itterburg war.

Bergkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergkirche Thalitter

Um 1285 stifteten die Herren von Itter eine Kreuzkapelle, die zum Bistum Mainz, der Ort aber kirchlich zum Bistum Paderborn gehörte. 1353 fiel die Kapelle an die Pfarrei Obernburg und Thalitter und teilte weitgehend deren Geschichte. Die Kapelle wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, ab 1660 weitgehend neu aufgebaut und 1663 neu geweiht.[4]

In den Jahren 1715–16 wurde anstelle der Bartholomäuskapelle der Herren von Itter durch den Oberberginspektor Ludwig Balthasar Müller und die Berggewerkschaft und Knappschaft die heute noch vorhandene Bergkirche errichtet. Zwei der drei Glocken tragen Inschriften, mit denen Müller sich in die Ortsgeschichte einschrieb. Müller starb 1746 und wurde neben seiner 1730 verstorbenen Ehefrau Ursula Marianne in der Bergkirche beigesetzt. An ihn und seine Ehefrau erinnern eine kupferne Grabplatte vor dem Altar und ein Ölgemälde im Kirchenschiff aus dem Jahr 1730.

Kupferbergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1709 bis 1868 wurde Kupferbergbau mit einer eigenen Kupferhütte betrieben, was Thalitter zu einer wohlhabenden „freien Bergstadt“ mit entsprechenden Rechten machte, wobei die Itter das Dorf von der Bergfreiheit trennte. Noch heute sind einige der alten aufgegebenen Stollen und Schächte vorhanden. Der erste Schacht wurde 1709/10 in der Appelau zwischen Thalitter und Dorfitter von Ludwig Balthasar Müller angelegt, der dann vom Landgrafen als Berginspektor, später als Oberberginspektor eingesetzt wurde. Dem folgten die Anlage weiterer Stollen und Schächte in der Gemarkung von Thalitter und der Bau einer Kupferhütte im Jahre 1712. 1715 erhielt Thalitter ein Bergamt, geleitet von Ludwig Balthasar Müller.

Itter-Taler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Itter-Taler war eine Ausbeutemünze, die im Jahre 1714 zu Ehren und zur Bereicherung des Landgrafen geprägt wurde, als sich das Kupferbergwerk freigebaut hatte und den Zehnten entrichten konnte. Auf der einen Seite war die Umgebung des Bergwerks mit der Aufschrift „Gott hat seinen reichen Segen in dich, Itter, wollen legen“, auf der anderen das Brustbild des regierenden Landgrafen Ernst Ludwig geprägt.

Eisenbahnlinie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1900 war die durch Thalitter führende Eisenbahnlinie Korbach–Frankenberg mit einem 93 m und einem 200 m langen Tunnel in Betrieb. Sie wurde 1987 stillgelegt.

Die Reaktivierung der Bahnstrecke wurde am 24. September 2008 durch den Hessischen Landtag beschlossen. Seit 11. September 2015 halten wieder Züge in Thalitter. Die Linie verbindet Brilon und Korbach über Thalitter mit Frankenberg (Eder) und Marburg (Lahn); in Korbach besteht Anschluss nach Kassel.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Der Ort im Internetauftritt der Gemeinde Vöhl, abgerufen im April 2016.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 390 und 391.
  3. Itterburg (Ruine) auf www.voehl.de
  4. Die Bergkirche auf www.voehl.de