Thallwitz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Thallwitz
Thallwitz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Thallwitz hervorgehoben
Koordinaten: 51° 26′ N, 12° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Leipzig
Höhe: 110 m ü. NHN
Fläche: 53 km²
Einwohner: 3563 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04808
Vorwahlen: 03425, 034263 (Röcknitz)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR
Gemeindeschlüssel: 14 7 29 380
Gemeindegliederung: 9 Ortschaften
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfplatz 5
04808 Thallwitz
Webpräsenz: www.gemeinde-thallwitz.de
Bürgermeister: Thomas Pöge (Parteilos)
Lage der Gemeinde Thallwitz im Landkreis Leipzig
Sachsen-Anhalt Thüringen Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen Leipzig Bennewitz Böhlen (Sachsen) Borna Borsdorf Brandis Colditz Frohburg Grimma Groitzsch Großpösna Kitzscher Kohren-Sahlis Lossatal Machern Markkleeberg Markranstädt Neukieritzsch Neukieritzsch Thallwitz Trebsen/Mulde Bad Lausick Otterwisch Geithain Narsdorf Belgershain Naunhof Parthenstein Elstertrebnitz Pegau Pegau Regis-Breitingen Wurzen Zwenkau RöthaKarte
Über dieses Bild

Thallwitz ist eine verwaltungsgemeinschaftsfreie Gemeinde im Norden des Landkreises Leipzig in Sachsen. Der Gemeindesitz befindet sich in Thallwitz.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt zwischen Wurzen (acht Kilometer) und Eilenburg (etwa sechs Kilometer), inmitten der Auenlandschaft der Mulde und den östlich gelegenen Hohburger Bergen im Tauchaer Endmoränenhügelland am Rand der Leipziger Tieflandsbucht. Westlich der Gemeinde fließt die Mulde, in welche im Gemeindegebiet die Lossa mündet.

Nördlich des Gemeindegebietes verläuft die B 87, südlich die B 6.

Die Bahnstrecke Eilenburg–Wurzen verläuft durch Thallwitz; der Personenverkehr wurde jedoch bereits 1978 eingestellt. Nächstgelegener Personenbahnhof ist nun Eilenburg Ost an der Bahnstrecke Halle–Cottbus, etwa vier Kilometer nördlich von Thallwitz gelegen. Werktags erschließen mehrere Buslinien der Personenverkehrsgesellschaft Muldental alle zu Thallwitz gehörenden Ortschaften und bieten Verbindungen in die Städte Eilenburg und Wurzen. Es gilt der Tarif des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Verbandsgemeinde gehören neben Thallwitz noch die Ortsteile:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thallwitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Juli 1253 wurde Thallwitz zum ersten Mal in einer Urkunde des Markgrafen von Meißen, Heinrich dem Erlauchten, als Talvitz erwähnt. Möglicherweise ist Thallwitz aber älter und entstand als slawische Ansiedlung bereits viel früher. Spätestens 1266 ist Henricus de Scof Herr auf Thallwitz und nennt sich fortan Henricus de Talwiz.[2] Im 16. Jahrhundert erbauten die Herren von Canitz das Thallwitzer Schloss im damals üblichen Renaissancestil und benannten sich entsprechend der 1575 erwähnten Schreibweise von Canitz und Dallwitz. 1791 findet man erstmals die heutige Schreibweise.

Ab 1554 gehörte der Ort zum Amt Wurzen, ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Grimma. Zur Landgemeinde Thallwitz gehörte das ehemalige Gut Dennstädt. Nach der DDR-Kreisreform 1952 kam das ca. 1000 Einwohner zählende Thallwitz zum Kreis Wurzen im Bezirk Leipzig. Eingemeindet wurden 1957 Kollau, 1973 Canitz und Lossa sowie 1993 Nischwitz. Von 1994 bis 2008 war Thallwitz Teil des Muldentalkreises. Am 1. April 1996 vereinigte sich Thallwitz mit der Gemeinde Röcknitz-Böhlitz.[3]

Böhlitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits am 6. Juni 1222 wurde das Dorf Böhlitz als Herrengut urkundlich zum ersten Mal erwähnt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[4]
Wahlbeteiligung: 51,9 % (2009: 53,7 %)
 %
50
40
30
20
10
0
47,6 %
21,3 %
14,3 %
16,8 %
n. k.
FWV-TN a
FW-Bö. d
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+3,0 %p
-2,3 %p
+0,6 %p
+4,9 %p
-6,2 %p
FWV-TN a
FW-Bö. d
Anmerkungen:
a FWV-TN e. V.
d FWV-Böhlitz
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Freie Wählervereinigung Thallwitz-Nischwitz e. V. (FWV-TN): 8 Sitze
  • CDU: 3 Sitze
  • Freie Wählervereinigung Böhlitz (FW-Bö.): 3 Sitze
  • LINKE: 2 Sitze

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schloss und Park Thallwitz
Schloss Thallwitz
Das Schloss wurde um 1580 von den Herren von Canitz anstelle des mittelalterlichen Stammsitzes derer von Dallwitz erbaut. Das Renaissancehaus mit rechteckigem Grundriß besitzt auf der Hofseite einen Treppenturm mit Wendelstein und vier zweigeschossige Giebel. Ende des 17. Jahrhunderts kam der Herrensitz an den Kammerherrn und Oberstallmeister Christoph Siegmund von Holtzendorff, der ab 1699 den Barockgarten anlegen ließ. Die Hauptallee läuft auf das Schloss zu und führt über eine Treppe mit barocker Brunnenkaskade auf die erhöhte Terrasse zu, auf der ursprünglich ein barocker Neubau geplant war, der aber aus Kostengründen unterblieb. 1783 kam Thallwitz in den Besitz der Grafen und späteren Fürsten Reuß-Ebersdorf, die es als Jagdschloss nutzten. 1848 ging Reuß-Ebersdorf im Fürstentum Reuß jüngerer Linie auf. 1882 ergänzte der Architekt Arwed Roßbach das Schloss um einen Neorenaissanceflügel mit Turm im Auftrag des Fürsten Heinrich XIV. Dessen Enkel Heinrich XLV. vermietete das Schloss 1942 einer Klinik für plastische Chirurgie. 1945 wurde das Schloss enteignet. Im Jahre 1994 wurde der Klinikbetrieb aus Kostengründen eingestellt, eine Büste vor dem Schloss erinnert an den Klinikgründer Wolfgang Rosenthal. Im Jahre 2008 wurden Schloss und Park im Rahmen eines Vergleichs (vor allem über Mobilien und Museumsgut des Hauses Reuß jüngere Linie) der Erbin aus dem Haus Reuß (Köstritzer Linie), Woizlawa-Feodora Prinzessin Reuß, zurückübertragen.
  • Schloss und Park Nischwitz
Schloss Nischwitz stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde wenig später im Stil des Spätbarock umgebaut. Der Park wurde wie das Schloss ursprünglich im Rokokostil angelegt und Mitte des 19. Jahrhunderts in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet.
  • Sägemühle Thallwitz
Die Mühle wird im Jahr 1790 erstmals urkundlich erwähnt. Sie ist voll funktionsfähig und wird über ein oberschlächtiges Wasserrad angetrieben.
  • Park Canitz[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Rosenthal (1882–1971)

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit Thallwitz in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Siegmund von Holtzendorff (1630–1683), kursächsischer Kammerherr und Amtshauptmann des Amtes Eilenburg, starb hier
  • Christian Benjamin Schmidt (1783–1838), Theologe, Pädagoge und erster Vorsteher der Königlichen Gewerbschule Chemnitz, geboren in Thallwitz
  • Richard von Könneritz (1828–1910), Politiker, Diplomat und Rittergutsbesitzer auf Lossa, Präsident der I. Kammer des Sächsischen Landtags
  • Wolfgang Rosenthal (1882–1971), Kieferchirurg, eröffnete 1943 eine Fachklinik im Schloss Thallwitz zur Behandlung von Spaltpatienten und leitete diese bis 1962
  • Cornelius Gurlitt (1850–1938), Architekt und Kunsthistoriker, geboren im heutigen Thallwitzer Ortsteil Nischwitz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Thallwitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 20. Heft: Amtshauptmannschaft Grimma (2. Hälfte). C. C. Meinhold, Dresden 1898, S. 244.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thallwitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996
  4. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  5. Homepage des Vereins „Park Canitz“