Thannhausen (Schwaben)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Thannhausen
Thannhausen (Schwaben)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Thannhausen hervorgehoben
48.28194444444410.468777777778499Koordinaten: 48° 17′ N, 10° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Günzburg
Verwaltungs­gemeinschaft: Thannhausen
Höhe: 499 m ü. NHN
Fläche: 20,02 km²
Einwohner: 6010 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 300 Einwohner je km²
Postleitzahl: 86470
Vorwahl: 08281
Kfz-Kennzeichen: GZ, KRU
Gemeindeschlüssel: 09 7 74 185
Adresse der
Stadtverwaltung:
Edmund-Zimmermann-Straße 3
86470 Thannhausen
Webpräsenz: www.thannhausen.de
Bürgermeister: Georg Schwarz (CSU/FW)
Lage der Stadt Thannhausen im Landkreis Günzburg
Baden-Württemberg Landkreis Augsburg Landkreis Dillingen an der Donau Landkreis Neu-Ulm Landkreis Unterallgäu Winzerwald Ebershauser-Nattenhauser Wald Aichen Aletshausen Balzhausen Bibertal Breitenthal (Schwaben) Bubesheim Burgau Burtenbach Deisenhausen Dürrlauingen Ebershausen Ebershausen Ellzee Günzburg Gundremmingen Haldenwang (Schwaben) Ichenhausen Jettingen-Scheppach Kammeltal Kötz Krumbach (Schwaben) Landensberg Leipheim Münsterhausen Neuburg an der Kammel Offingen Rettenbach (Landkreis Günzburg) Röfingen Thannhausen (Schwaben) Ursberg Waldstetten (Günz) Waltenhausen Wiesenbach (Schwaben) Winterbach (Schwaben) ZiemetshausenKarte
Über dieses Bild

Thannhausen ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Günzburg und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Thannhausen.

Geografie[Bearbeiten]

Thannhausen liegt in der Region Donau-Iller.

Es existieren folgende Gemarkungen: Burg, Thannhausen, Nettershausen.

Im Mindeltal liegt zwischen Augsburg, Ulm und Memmingen (am Kreuzungspunkt der B 300 und der Staatsstraße 2025) am Rande des Naturparks Augsburg-Westliche Wälder und zwischen Mindelheim und Burgau die Stadt Thannhausen. Die Stadt liegt an der östlichen Hügelkette des 500 m ü. d. M. liegenden Mindeltals. Von den 60 m hohen Talhängen bietet sich eine interessante Aussicht über die Stadt und das Mindeltal.

Panoramabild Thannhausen, von Westen aus betrachtet

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Thannhausen bei der Nennungen eines Ortsadels „von Taginhusen“ im Jahr 1109. Thannhausen im heutigen Bezirk Schwaben war Sitz eines Oberen und Unteren Gerichts der gleichnamigen Grafschaft, ab 1677 der Grafen Sinzendorf, ab 1708 der Grafen Stadion. Mit der Rheinbundakte 1806 kam der Ort zum Königreich Bayern. Er besaß das Marktrecht mit wichtigen Eigenrechten. 1953 erhielt Thannhausen die Stadtrechte. Bis Juni 1972 war Thannhausen ein Teil des Landkreises Krumbach.

Das historische Rathaus wurde 1876/77 errichtet.

Zwischen 1894 und 2001 war Thannhausen Endpunkt einer Bahnstrecke von Dinkelscherben.

Christoph von Schmid wirkte von 1796 bis 1817 in Thannhausen als Benefiziat und Schuldirektor.

Jüdische Gemeinde Thannhausens[Bearbeiten]

Es wird angenommen, dass sich entweder um das Jahr 1400 oder zu Beginn des 16.-Jahrhunderts Juden in Thannhausen niedergelassen hatten.[2] Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert gab es dort zeitweise eine große jüdische Gemeinde mit etwa 300 Personen. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurden Juden vertrieben. Nachweislich befand sich in Thannhausen eine jüdische Druckerei, in der ein Gebetbuch (1590-1592) gedruckt wurde.[3][4]

Die Juden durften ihre Toten nicht im Ort bestatten, sondern mussten sie zur Bestattung nächtens nach Kriegshaber transportieren.[5] Erst 1567 gestattete man den Juden einen eigenen Friedhofes anzulegen, der sich an der Straße durch den Wald nach Ziemetshausen im Flur "Judenbegräbnis" befand. Belegt wurde der Friedhof bis 1718, Grabsteine sind nicht erhalten geblieben.[6]

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts konnten wieder jüdische Familien zuziehen. Graf Stadion übernahm im Jahr 1708 die Herrschaft über Thannhausen und zählte damals 20 jüdische Familien. Der Gräfin von Stadion missfiel die Anwesenheit von Juden in Thannhausen. Was dazu führte, dass Graf von Stadion beim Kaiser vorstellig wurde und ihre Vertreibung beantragte. Im August 1718 wurden alle Juden vertrieben. Die Synagoge und das jüdische Schulgebäude wurde 1719 abgebrochen und an ihrer Stelle die heute existierende Stadionkapelle in der Zeit 1720 bis 1722 gebaut. Von diesem Bau ist der Name "Judenkapelle" bis zum heutigen Tag erhalten geblieben. Vom historischen Vorhandensein der Juden zeugt im Ort ferner der Straßenname "Judengasse". Sie befindet sich unweit der Stadionkapelle.[7]

Der Heimatforscher J. Kahn stellte in seiner Untersuchung aus den 1920er Jahren über Juden in Thannhausenfest fest, dass dort keine mehr wohnten. Nur noch der Name Thannhauser (auch Dannhauser) erinnert an Nachfahren ursprünglich in Thannhausen sesshafter Juden.[5][2]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1977 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Burg und Nettershausen eingegliedert.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1961: 4055 Einwohner[8]
  • 1970: 4667 Einwohner[8]
  • 1987: 4825 Einwohner
  • 2000: 6252 Einwohner
  • 2009: 6045 Einwohner
  • 2011: 5934 Einwohner
  • 2013: 5682 Einwohner [9]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten]

Der Stadtrat hat 20 Mitglieder. Bei den vergangenen Kommunalwahlen verteilten sich die Sitze folgendermaßen auf die einzelnen Listen:

Sitzverteilung bei der Kommunalwahl 2002 2008 2014[10]
CSU 8 8 7
SPD 6 4 4
Grüne 2
Freie Wähler 6 8 5
Liste Weiß 2

Bürgermeister war von 1994 bis 30. April 2008 Johannes Schropp (CSU). Seit dem 1. Mai 2008 ist Georg Schwarz (CSU/FW) Bürgermeister, der dieses Amt zuvor in Neuburg an der Kammel innehatte. Bei der Kommunalwahl 2014 wurde er bei einer Wahlbeteiligung von 57,9 % mit 77,6 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.[11]

Nach jahrelanger Diskussion, Bürgerentscheid und Bürgerdialog begann im Jahre 2009 der Bau eines neuen Rathauses. Es wurde 2012 fertiggestellt und feierlich eröffnet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • FrankreichFrankreich Frankreich: Seit 1981 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Mortain in der südlichen Manche, Normandie. Ein großer Granitblock, der künstlerisch in die Gestaltung des Thannhauser Mortainplatzes einbezogen wurde, erinnert an diese Freundschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Es gibt in Thannhausen viele denkmalgeschützte, historische Baudenkmälern, insbesondere in der Bahnhof-, Christoph-von-Schmid- und Edmund-Zimmermann-Straße.

Zahlreiche Brunnen des Bildhauers Georg Brenninger (zwei unterschiedliche Taubenbrunnen, das Margaretenbrünnele, ein Musenbrunnen und ein Brunnen namens Petit Village) befinden sich an exponierten Stadtplätzen.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Historische Abbildung: Postbräu Thannhausen

Die Wirtschaft Thannhausens wird von mittelständischen und Handwerksunternehmen dominiert. Zu den beiden größten mittelständischen Unternehmen zählen Fleischwerk Zimmermann und Postbräu Thannhausen.

Unternehmen[Bearbeiten]

  • Deikra-Futter GmbH
  • Fleischwerke Zimmermann, die seit 1989 zur Ehrmann AG gehört
  • Leitenmeier Lorenz Straßen- und Tiefbau GmbH Asphaltmischwerk
  • Albert Mühlschlegel GmbH & Co. KG
  • Postbräu Thannhausen Theodor Schreiegg GmbH & Co.
  • Raiffeisenbank Thannhausen

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Freibad Thannhausen, Hallenbad Thannhausen, Stadtbücherei Thannhausen, Kreisaltenheim, Franz-Xaver-Stadler´sche Armen- und Krankenstiftung (Pflegeheim) in den Jahren 2006/2007 erweitert.

Des Weiteren liegt im Mindeltal, im Westen von Thannhausen, die privat betriebene Wake-Board Anlage 'Turncable'.

Museen[Bearbeiten]

Heimatmuseum Thannhausen

Bildung[Bearbeiten]

  • Anton Höfer Grundschule
  • Fritz-Kieninger Mittelschule
  • Christoph von Schmid Realschule
  • Schullandheim der Stadt Augsburg in Thannhausen

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Denkmal für Christoph von Schmid in Thannhausen, dahinter das alte Rathaus

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Thannhausen (Schwaben) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Jüdisches Bayern: Die Juden von Thannhausen, auf hagalil.com, abgerufen am 16. Januar 2016
  3. Stephen G. Burnett: 2016xt=classicsfacpub The Regulation of Hebrew Printing in Germany, 1555-1630: Confessional Politicsand and the Limits of Jewish Toleration (englisch), auf digitalscommuns.unl.edu, abgerufen am 14. Januar 2016
  4. Mansor, auf alemannia-judaica.de, abgerufen am 10. Januar 2016
  5. a b J. Kahn: Die Juden in Thannhausen, auf alemannia-judaica.de. Abgerufen am 10. Januar 2015
  6. Jüdische Friedhöfe in Bayern, auf uni-heidelberg, abgerufen am 14. Januar 2016
  7. Thannhausen (Landkreis Günzburg) Jüdische Geschichte / Synagoge auf alemannia-judaica.de, abgerufen am 10. Januar 2014
  8. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 774.
  9. vg-thannhausen.de : Zahlen und Daten der Stadt Thannhausen Abgerufen am 8. März 2014.
  10. Stadt Thannhausen, Stadtrat
  11. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
  12. Brunnen, auf georg-brenninger.de, abgerufen am 10. Januar 2016