Thannhausen (Schwaben)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Thannhausen
Thannhausen (Schwaben)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Thannhausen hervorgehoben
Koordinaten: 48° 17′ N, 10° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Günzburg
Verwaltungs­gemeinschaft: Thannhausen
Höhe: 499 m ü. NHN
Fläche: 20,03 km2
Einwohner: 6277 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 313 Einwohner je km2
Postleitzahl: 86470
Vorwahl: 08281
Kfz-Kennzeichen: GZ, KRU
Gemeindeschlüssel: 09 7 74 185
Adresse der
Stadtverwaltung:
Edmund-Zimmermann-Straße 3
86470 Thannhausen
Website: www.thannhausen.de
Bürgermeister: Georg Schwarz (CSU/FW)
Lage der Stadt Thannhausen im Landkreis Günzburg
Baden-WürttembergLandkreis AugsburgLandkreis Dillingen an der DonauLandkreis Neu-UlmLandkreis UnterallgäuWinzerwaldEbershauser-Nattenhauser WaldAichenAletshausenBalzhausenBibertalBreitenthal (Schwaben)BubesheimBurgauBurtenbachDeisenhausenDürrlauingenEbershausenEbershausenEllzeeGünzburgGundremmingenHaldenwang (Landkreis Günzburg)IchenhausenJettingen-ScheppachKammeltalKötzKrumbach (Schwaben)LandensbergLeipheimMünsterhausenNeuburg an der KammelOffingenRettenbach (Landkreis Günzburg)RöfingenThannhausen (Schwaben)UrsbergWaldstetten (Günz)WaltenhausenWiesenbach (Schwaben)Winterbach (Schwaben)ZiemetshausenKarte
Über dieses Bild

Thannhausen ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Günzburg und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Thannhausen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt an der östlichen Hügelkette des 500 m ü. d. M. liegenden Mindeltals zwischen Augsburg, Ulm und Memmingen. Am Westrand des Naturparks Augsburg-Westliche Wälder gelegen, bietet der 60 m hohe Talhang eine interessante Aussicht über Stadt und Mindeltal.

Thannhausen liegt in der Region Donau-Iller. Ortsteile und gleichzeitig Gemarkungen sind Burg, Thannhausen und Nettershausen.

Panoramabild Thannhausen, von Westen aus betrachtet

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 400 n. Chr.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Gerichtshaus (1673)

Die erste Besiedlung im derzeitigen Stadtgebiet geht auf die Zeit um etwa 400 n. Chr. zurück.

1109 wurde ein Adelsgeschlecht „von Taginhusen“ erwähnt. Im Jahr 1293 wurde Thannhausen das Marktrecht zugesprochen. 1348 erhält das Hochstift Augsburg und Burgau das Lehensrecht über Thannhausen. 1569 werden den Augsburger Patrizier Baumgartner und den Freiherren von Hohenschwangau Herrschaft und Blutbann über Thannhausen. Anschließend kam es zu häufigem Eigentumswechsel. Um 1600 entstand die Leonhardikapelle. 1665 erhalten die Grafen von Sinzheim das Reichslehen über Thannhausen als Grafschaft, das später auf die Grafen von Stadion als Grafschaft übertragen wird. 1673 konnte das ehemalige Gerichtsgebäude fertiggestellt werden.[2]

1718 weisen die Grafen von Stadion alle lebenden Juden Thannhausens aus (siehe weiter unten). 1746 wurde die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt errichtet. Christoph von Schmid war 1796 bis 1816 in Thannhausen tätig.

Nach 1800[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Rathaus (1876/1877)

Mit der Rheinbundakte im Jahr 1806 kam der Ort zum Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde die heutige Gemeinde als Selbstverwaltungsorgan begründet. Das gräfliche Herrschaftsgericht der Grafen von Stadion wurde 1833 aufgehoben. 1873 kam es zum Bau des Stadlerstifts, heute ein Seniorenheim. Das historische Rathaus wurde in den Jahren von 1876 bis 1877 errichtet. 1894 wurde Thannhausen Endpunkt einer Bahnstrecke von Dinkelscherben, die 2001 geschlossen wurde. Die Mindelhalle wurde 1926 gebaut.[2]

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte eine rege Bautätigkeit ein. 1953 erhielt Thannhausen die Stadtrechte. 1965 entstand der Bau der staatlichen Realschule, 1966 entstand die Christuskirche für evangelisch Gläubige. 1976 wurde der Bau der Mittelschule fertiggestellt.

Vor der Gemeindegebietsreform der 1970er gehörte Thannhausen zum Landkreis Krumbach. Im Juni 1972 wurde dieser aufgelöst, Thannhausen kam zum Landkreis Günzburg. 1977 wurde die Gemeinde Burg mit ihrem Ortsteil Nettershausen eingegliedert.[3] 1981 kam es zur Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Thannhausen. 2011 wurde der neue Verwaltungsbau der Verwaltungsgemeinschaft Thannhausen fertiggestellt.[2]

Im Jahr 2007 wurde die Umgehungsstraße B 300 eingeweiht, die vorher durch den Ort verlaufen war.

Jüdische Gemeinde Thannhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadionkapelle

Es wird angenommen, dass sich entweder um das Jahr 1400 oder zu Beginn des 16. Jahrhunderts Juden in Thannhausen niedergelassen hatten.[4] Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert gab es dort zeitweise eine große jüdische Gemeinde mit etwa 300 Personen. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurden Juden vertrieben. Nachweislich befand sich in Thannhausen eine jüdische Druckerei, in der ein Gebetbuch (1590–1592) gedruckt wurde.[5][6]

Die Juden durften ihre Toten nicht im Ort bestatten, sondern mussten sie zur Bestattung nächtens nach Kriegshaber transportieren.[7] Erst 1567 gestattete man den Juden einen eigenen Friedhofes anzulegen, der sich an der Straße durch den Wald nach Ziemetshausen im Flur „Judenbegräbnis“ befand. Belegt wurde der Friedhof bis 1718, Grabsteine sind nicht erhalten geblieben.[8]

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts konnten wieder jüdische Familien zuziehen. Graf Stadion übernahm im Jahr 1708 die Herrschaft über Thannhausen und zählte damals 20 jüdische Familien. Der Gräfin von Stadion missfiel jedoch die Anwesenheit von Juden in Thannhausen, was dazu führte, dass Graf von Stadion beim Kaiser vorstellig wurde und ihre Vertreibung beantragte. Im August 1718 wurden alle Juden vertrieben. Die Synagoge und das jüdische Schulgebäude wurde 1719 abgebrochen und an ihrer Stelle die heute existierende Stadionkapelle in der Zeit 1720 bis 1722 gebaut. Von diesem Bau ist der Name „Judenkapelle“ bis zum heutigen Tag erhalten geblieben. Vom historischen Vorhandensein der Juden zeugt im Ort ferner der Straßenname „Judengasse“. Sie befindet sich unweit der Stadionkapelle.[9]

Der Heimatforscher J. Kahn stellte in seiner Untersuchung aus den 1920er Jahren über Juden in Thannhausen fest, dass dort keine mehr wohnten. Nur noch der Name Thannhauser (auch Dannhauser) erinnert an Nachfahren ursprünglich in Thannhausen sesshafter Juden.[7][4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1961: 4055 Einwohner[3]
  • 1970: 4667 Einwohner[3]
  • 1987: 4825 Einwohner
  • 1991: 5603 Einwohner
  • 1995: 6303 Einwohner
  • 2000: 6252 Einwohner
  • 2005: 6168 Einwohner
  • 2010: 5929 Einwohner
  • 2015: 6095 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat hat 20 Mitglieder. Bei den vergangenen Kommunalwahlen verteilten sich die Sitze folgendermaßen auf die einzelnen Listen:

Sitzverteilung bei der Kommunalwahl 2002 2008 2014[10]
CSU 8 8 7
SPD 6 4 4
Grüne 2
Freie Wähler 6 8 5
Liste Weiß 2

Bürgermeister war von 1994 bis 30. April 2008 Johannes Schropp (CSU). Seit dem 1. Mai 2008 ist Georg Schwarz (CSU/FW) Bürgermeister, der dieses Amt zuvor in Neuburg an der Kammel innehatte. Bei der Kommunalwahl 2014 wurde er bei einer Wahlbeteiligung von 57,9 % mit 77,6 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt.[11]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau auf grünem Schildfuß ein rotwalmbedachtes perspektivisch gestelltes silbernes Schloss (Haus) mit schwarzem Rundportal, vier schwarzen Fentsern (2/2) und vier rotzwiebelbedachten silbernen Eckrundtürmen mit pfahlweise je zwei schwarzen Fenstern, der rechte hintere vom Gebäude fast verdeckt, besteckt mit je einer linkswehenden goldenen Wetterfahne, vor dem Tor eine grüne bewurzelte Tanne.“ – Das Wappen enthält ein schlossähnliches Haus und eine Tanne – ein redendes Wappen für den Ortsnamen „Thannhausen“.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FrankreichFrankreich Seit 1981 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Mortain im südlichen Département Manche in der Normandie. Ein großer Granitblock, der künstlerisch in die Gestaltung des Thannhauser Mortainplatzes einbezogen wurde, erinnert an diese Freundschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Thannhausen gibt es viele denkmalgeschützte, historische Baudenkmäler, insbesondere in der Bahnhof-, Christoph-von-Schmid- und Edmund-Zimmermann-Straße.

Zahlreiche Brunnen des Bildhauers Georg Brenninger (zwei unterschiedliche Taubenbrunnen, das Margaretenbrünnele, ein Musenbrunnen und ein Brunnen namens Petit Village) befinden sich an exponierten Stadtplätzen.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft Thannhausens wird von mittelständischen und Handwerksunternehmen dominiert. Zu den beiden größten mittelständischen Unternehmen zählen Fleischwerke Zimmermann und Postbräu Thannhausen.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deikra-Futter GmbH
  • Fleischwerke Zimmermann, die seit 1989 zur Ehrmann AG gehört
  • Leitenmeier Lorenz Straßen- und Tiefbau GmbH Asphaltmischwerk
  • Albert Mühlschlegel GmbH & Co. KG
  • Postbräu Thannhausen Theodor Schreiegg GmbH & Co.
  • Raiffeisenbank Thannhausen
  • Höfle und Wohlrab Bau GmbH (HBW)

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freibad Thannhausen, Hallenbad Thannhausen, Stadtbücherei Thannhausen, Kreisaltenheim, Franz-Xaver-Stadler´sche Armen- und Krankenstiftung (Pflegeheim) in den Jahren 2006/2007 erweitert.

Des Weiteren liegt im Mindeltal, im Westen von Thannhausen, eine privat betriebene Wakeboard-Anlage.

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimatmuseum Thannhausen

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton-Höfer-Grundschule
  • Fritz-Kieninger-Mittelschule
  • Christoph-von-Schmid-Realschule
  • Schullandheim der Stadt Augsburg in Thannhausen

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet wird in Ost-West-Richtung von der Bundesstraße 300 durchquert. Von Nord nach Süd führt die Staatsstraße 2025.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für Christoph von Schmid in Thannhausen, dahinter das alte Rathaus

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thannhausen (Bayern) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Thannhausen (Schwaben) – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b c Thannhauser Gesichte in Kurzform, auf thannhausen.de. Abgerufen am 21. August 2018
  3. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 774.
  4. a b Jüdisches Bayern: Die Juden von Thannhausen, auf hagalil.com, abgerufen am 16. Januar 2016
  5. Stephen G. Burnett: 2016xt=classicsfacpub The Regulation of Hebrew Printing in Germany, 1555-1630: Confessional Politicsand and the Limits of Jewish Toleration@1@2Vorlage:Toter Link/digitalcommons.unl.edu (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (englisch), auf digitalscommuns.unl.edu, abgerufen am 14. Januar 2016
  6. Mansor, auf alemannia-judaica.de, abgerufen am 10. Januar 2016
  7. a b J. Kahn: Die Juden in Thannhausen, auf alemannia-judaica.de. Abgerufen am 10. Januar 2015
  8. Jüdische Friedhöfe in Bayern, auf uni-heidelberg, abgerufen am 14. Januar 2016
  9. Thannhausen (Landkreis Günzburg) Jüdische Geschichte / Synagoge auf alemannia-judaica.de, abgerufen am 10. Januar 2014
  10. Stadt Thannhausen, Stadtrat
  11. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
  12. Brunnen, auf georg-brenninger.de, abgerufen am 10. Januar 2016