The Heartland Institute

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The Heartland Institute ist eine US-amerikanische konservative und libertäre Denkfabrik[1] mit Sitz in Chicago. Sie zählt zu den zentralen Akteuren der organisierten Klimawandelleugnerszene.[2][3]

Arbeitsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Non-Profit-Organisation wurde 1984 gegründet und hat sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, marktwirtschaftliche Lösungen für soziale und wirtschaftliche Probleme zu fördern und zu entwickeln. Zunächst beschäftigte man sich mit Themen des mittleren Westens der USA und weitete ab 1993 das Programm deutlich aus. Heartland beschäftigt 31 Mitarbeiter unter der Geschäftsführung von Joseph Bast und Herbert Walberg als Vorsitzendem des Aufsichtsrats. Bast war seit ihrer Gründung bis 2017 zugleich Präsident der Organisation, seine Nachfolge trat der der Tea-Party-Bewegung nahestehende ehemalige Kongressabgeordnete Tim Huelskamp an.[4] Zudem sind über 235 Akademiker bei den Veröffentlichungen und etwa 160 Mandatsträger im Ausschuss zur Gesetzgebung beteiligt. Heartland veröffentlicht fünf Monatszeitschriften zur US-Innenpolitik, die unter anderem allen amerikanischen Mandatsträgern auf Bundes- und Staatsebene zugehen und insgesamt 200.000 Abonnenten haben.

Heartland engagiert sich mit „Policybot“ im Internet[5] und bemüht sich damit, Überlappungen von Forschungsthemen mit anderen konservativen Denkfabriken wie der Heritage Foundation, dem American Legislative Exchange Council und dem Cato Institute zu vermindern.

Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heartland Institute war bis in den 1990er Jahren ein kleiner regional operierender Think Tank, entwickelte sich dann aber im anschließenden Jahrzehnt zu einer der führenden Kräfte der organisierten Klimawandelleugnerszene. Gemeinsam mit anderen konservativen Think Tanks wie z.B. dem Cato Institute, dem Competitive Enterprise Institute und dem George C. Marshall Institute spielt das Institut eine wichtige Rolle in den Versuchen, die Existenz der menschengemachten globalen Erwärmung durch Angriffe auf die Klimawissenschaft abzustreiten.[6] Von der New York Times wurde das Heartland Institut als „führende amerikanische Organisation, die Klimaskeptizismus verbreitet“ bezeichnet, während die Wirtschaftszeitschrift Economist das Heartland Institute den „weltweit prominentesten Think Tank, der Zweifel am menschengemachten Klimawandel sät“ nannte.[7]

Zudem zählt das Heartland-Institut sowohl zu den Organisationen, die die meisten klimaskeptischen Schriften produzieren, als auch zu denen, die die größte Reichweite in der Öffentlichkeit finden. Es produziert sowohl längere Abhandlungen als auch kurze Statements, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse geleugnet werden. Zu den wiederkehrenden Motiven zählen u. a. das vollständige Ablehnen eines menschlichen Einflusses auf die Erdatmosphäre, insbesondere von Treibhausgasen, was als „Realitätsverlust“ bezeichnet wird, die Diffamierung wissenschaftlicher Erkenntnisse als „Erfindungen“ und „kindliche Panik“ sowie Angriffe auf prominente Klimaforscher wie z. B. Michael E. Mann, den das Institut als „Alarmist“ bezeichnete, dessen Geschäft und Agenda „das Verbreiten von Falschinformationen und Mythen“ sei.[3]

2012 wurden durch einen Insider mutmaßliche interne Dokumente des Think Tanks veröffentlicht, die Rückschlüsse auf Finanzierung und Strategien ermöglichen. Demnach zählt der Think Tank die Diskreditierung der Klimaforschung zu seinen Kernaufgaben. Wichtige Finanziers waren u. a. die vorwiegend in der Fossilenergiebranche tätigen Milliardäre Charles G. Koch und David H. Koch von Koch Industries, Microsoft und die R. J. Reynolds Tobacco Company.[8] Eine der größten Spenden an Heartland kam von einem anonymen Spender, der 8,6 Millionen Dollar explizit zur Verfügung stellte, um damit die Klimaforschung anzugreifen.[9] Zu den Empfängern von Geldern vom Heartland Institute zählte unter anderem Anthony Watts, der mit Watts Up With That eines der wichtigsten Blogs der Klimaskeptikerszene betreibt. Zudem wurden 300.000 Dollar für ein Team ausgegeben, das die Arbeit des Weltklimarates Intergovernmental Panel on Climate Change gezielt untergraben soll.[8]

Wenige Monate später kam es aufgrund einer missglückten Werbekampagne zum Bruch. Das Institut hatte auf elektronischen Plakatwänden den Unabomber Ted Kaczynski mit der Frage „Ich glaube immer noch an die globale Erwärmung. Du auch?“ gezeigt.[10] Geplant wurde angeblich, Charles Manson, Fidel Castro und Osama bin Laden ebenso zu zitieren. Die Kampagne wurde umgehend abgebrochen und hatte dennoch erhebliche finanzielle und personelle Verluste zur Folge.[11]

Infolge der finanziellen Schwierigkeiten werden deshalb die längere Zeit veranstalteten Konferenzen der Klimaskeptikerbewegung in Chicago seit 2012 nicht weitergeführt.[12]

Das Kernprojekt von Heartland zu US-Versicherungsthemen ging ebenso verloren und wurde von einer Neugründung ausgetretener Mitarbeiter fortgeführt.[13] Der Spinoff wurde als R Street Institute ausgegründet und bekennt sich ausdrücklich dazu, keinen Klimaskeptizismus zu verbreiten.[14] Schätzungsweise entgingen Heartland durch die Billboardaktion etwa ein Drittel der geplanten 2,3 Millionen US-Dollar Spendeneingänge.[15]

General Motors beendete 2012 nach 20 Jahren seine Unterstützung des Heartland-Instituts, da das Unternehmen davon ausgehe, dass der Klimawandel real sei.[16]

Das Heartland Institute selbst verbreitet jedoch weiterhin Klimaskeptizismus. Unter anderem äußerte sich der Chef der Kommunikationsabteilung 2015 zu einem internationalen Klimasymposium im Vorfeld der Veröffentlichung der Enzyklika Laudato si’. In einem Statement warnte er den Papst davor, „einen großen Fehler zu machen“ und auf die „Alarmisten“ zu hören.[17]

In den 1990ern half das Heartland Institute Philip Morris bei der Verbreitung von Material, mit dem der Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs in Frage gestellt werden sollte.[18][19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Selbstdarstellung gegenüber Kritikern
  2. Riley E. Dunlap and Peter J. Jacques: Climate Change Denial Books and Conservative Think Tanks: Exploring the Connection. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 699–731, doi:10.1177/0002764213477096.
  3. a b Constantine Boussalis, Travis G. Coan: Text-mining the signals of climate change doubt. In: Global Environmental Change. Band 36, 2016, S. 89–100, doi:10.1016/j.gloenvcha.2015.12.001.
  4. Scott Wong: Tea Party favorite to lead conservative think tank. In: The Hill. 29. Juni 2017, abgerufen am 7. Juli 2017.
  5. PolicyBot
  6. Riley E. Dunlap and Peter J. Jacques: Climate Change Denial Books and Conservative Think Tanks: Exploring the Connection. In: American Behavioral Scientist. Band 57, Nr. 6, 2013, S. 699–731; hier S. 700., doi:10.1177/0002764213477096.
  7. Zit nach: Constantine Boussalis, Travis G. Coan: Text-mining the signals of climate change doubt. In: Global Environmental Change. Band 36, 2016, S. 89–100, doi:10.1016/j.gloenvcha.2015.12.001.
  8. a b Leak exposes how Heartland Institute works to undermine climate science. In: The Guardian, 15. Februar 2012. Abgerufen am 28. März 2016.
  9. Naomi Klein: Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima. Frankfurt am Main 2015, S. 62. (Originalausgabe This Changes Everything. Capitalism vs. Climate. New York 2014)
  10. Climate wars heat up with pulled Unabomber billboards 4. Mai 2012
  11. Suzanne Goldenberg: Big donors ditch rightwing Heartland Institute over Unabomber billboard. In: The Guardian. 
  12. Suzanne Goldenberg: Heartland Institute in financial crisis after billboard controversy. In: The Guardian. 
  13. Slate zu der Ausgründung unter dem Titel R Street Institute
  14. David Weigel: Climate Change Believers Split from Heartland Institute. Slate, 05/14/2012
  15. Forecast the Facts, Heartland's 2012 Funding: Fading Quickly
  16. Sharon Silke Carty: General Motors Decides Climate Change Is Real, Pulls Support From Heartland Institute . In: The Huffington Post, 30. März 2012. Abgerufen am 5. Mai 2014.
  17. Richard Maxwell and Toby Miller: The Propaganda Machine Behind the Controversy Over Climate Science: Can You Spot the Lie in This Title? In: American Behavioral Scientist. 2015, doi:10.1177/0002764215613405.
  18. Naomi Oreskes, Erik M. Conway: Merchants of Doubt. Bloomsbury Press, 2010, ISBN 978-1-59691-610-4. pp. 233–234
  19. Steve Connor: Tobacco and oil pay for climate conference. In: The Independent, 3. März 2008. Abgerufen am 2. September 2010.