The Hirsch Effekt

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The Hirsch Effekt
The Hirsch Effekt live bei Das Fest 2017 in Karlsruhe
The Hirsch Effekt live bei Das Fest 2017 in Karlsruhe
Allgemeine Informationen
Genre(s) Indie-Rock, Metal, Post-Punk, Math-Rock
Website http://thehirscheffekt.de/
Aktuelle Besetzung
Nils Wittrock
E-Bass, Gesang
Ilja Lappin
Schlagzeug (seit 2013)
Moritz "Mr. Moe" Schmidt
Ehemalige Mitglieder
Schlagzeug (bis 2013)
Philipp Wende

The Hirsch Effekt ist eine 2008 gegründete Band aus Hannover. Ihre Musik wird aufgrund ihres Stilmix häufig als Artcore bezeichnet.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Musiker Nils Wittrock und Ilja Lappin lernten sich an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover kennen und gründeten 2008 mit Philipp Wende die Band.[1] Der Bandname bezieht sich auf die von der deutsch-jüdischen Ärztin Rahel Hirsch entdeckte Durchlässigkeit der Schleimhäute des Dünndarms, was als Hirsch Effekt nach ihr benannt wurde.[2]

2009 produzierte und veröffentlichte The Hirsch Effekt eine selbstbetitelte Demoaufnahme mit fünf Songs. Die Band versendete sie an Fanzines, Blogs, Indie-Labels und Veranstalter in Deutschland zusammen mit handgeschriebenen Briefen. Aufmerksamkeit erzielte sie nicht zuletzt aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit dem Kammerchor Hannover und durch orchestrale Referenzen, die mit den Konventionen von Emocore und Mathcore brachen.[3]

Mit „Holon : Hiberno“ erschien am 19. März 2010 auf Midsummer Records das mit Jens Siefert produzierte[4] Debütalbum und der erste Teil der „Holon“-Trilogie. Nach einem Auftritt im Vorprogramm der Emopunk-Band Adolar kam es zum Kontakt mit den Betreiber des Labels Käpt´n Platte, über das Anfang Februar 2011 die Vinyl-Auflage von „Holon : Hiberno“ veröffentlicht wurde.

In Kooperation mit Ampire Records aus Frankfurt erschien im selben Jahr die Split-EP „Perigæum / Apogæum“ mit der Hardcore-Band Caleya. Käpt´n Platte brachte eine Split-Single mit der Band Adolar, auf der sich die Bands gegenseitig covern, heraus.[5] Über Adolar entstand auch der Kontakt zum Produzententeam Tim Tautorat und Max Trieder (u. a. Turbostaat, David Hasselhoff, In Flames), mit welchen das zweite Album „Holon : Anamnesis“ aufgenommen wurde. Es erschien 2012 bei Käpt´n Platte und Midsummer Records.

Es folgte ein Auftritt im Vorprogramm von The Dillinger Escape Plan im Rahmen der Konzertserie „Visions in Concert“.[6] Die US-amerikanische Band nahm The Hirsch Effekt daraufhin im Folgejahr mit auf ihre Tour. Darüber hinaus spielte das Trio zahlreiche eigene Konzerte und brachte eine weitere Split zusammen mit der Band Zinnschauer heraus. Auf der LP veröffentlichte die Band orchestrale Arrangements zweier Albumsongs sowie bisher unveröffentlichte Stücke. Das Stück Fixum nahm die Band mit ihrem neuen Schlagzeuger Moritz Schmidt auf, nachdem Gründungsmitglied Philipp Wende die Band 2013 verlassen hatte. Mit Schmidt tourte die Band nahtlos weiter und nahm den dritten Teil der Holon-Trilogie auf. Holon : Agnosie erschien 2015 auf Long Branch Records.

Anfang August 2017 traten The Hirsch Effekt beim Wacken Open Air auf.[7] Mitte desselben Monats erschien das vierte Album Eskapist, das der Band unter anderem beim FUZE Magazine eine Titelgeschichte einbrachte. Das Album stieg auf Platz 21 der deutschen Albumcharts ein.

Stil und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Texte der frühen Songs sind oft nur wenige Zeilen lang und überwiegend auf persönliche und emotionale Probleme beschränkt. Nach Abschluss der Holon-Trilogie fiel das Album Eskapist politisch aus, Wittrock hatte sich seit Ende 2015 verstärkt mit sozialkritischen Themen, Faschismus, Rechtspopulismus und Terrorismus beschäftigt. Ausschlaggebend hierfür war ein Schlüsselerlebnis Wittrocks Ende 2015 nach einem Fehlalarm wegen Terrorverdachts in Hannover.[8][9]

Sich selbst bezeichnete The Hirsch Effekt zu Beginn der Holon-Trilogie als „Indielectro-Post-Punk-Metal-DIY-Band“.[10] In ihrer Musik verarbeitet die Band jedoch Einflüsse aus weitaus mehr Musikstilen. unterm-durchschnitt-Gründer Andreas Wildner beschrieb die musikalische Breite im Promoschreiben zu "Holon : Agnosie":[11]

„Genres wie Hardcore, Kammermusik, Death Metal, Jazz, Electronica und Deutsch Pop werden dekonstruiert und in das eigene künstlerische Schaffen eingesogen. Das Hannoveraner Trio ist der musikalische Resonanzraum vom Schwarzen Loch.“

Andreas Wildner

Eine eindeutige stilistische Einordnung der Band fällt entsprechend ihrem weitreichenden Genremix schwer, häufig wird auf die Bezeichnung Artcore zurückgegriffen.[12] Vergleiche mit Metalbands wie Coheed and Cambria und Sleepytime Gorilla Museum[13][14] sowie The Mars Volta[15] sind nicht selten. Auch auf dem 2017 erschienenen Album Eskapist findet sich ähnlich stilgrenzenfreie Musik, jedoch sei mit Metal „das stilistische Zentrum klarer definiert“, so plattentests.de-Autor Christopher Padraig ó Murchadha.[16]

Die Veröffentlichungen von The Hirsch Effekt riefen mitunter begeisterte Kritik hervor, so beispielsweise die Debüt-EP und das folgende Album beim Ox-Fanzine[17], bei den Babyblauen Seiten[12] und eclipsed.[15] Die Zeitschrift Visions sprach vom Debüt als „Album des Moments“, es handle sich um ein „beängstigend tolles Spiel ohne Grenzen“ einer „monströsen Band“.[18] Holon : Anamnesis wurde im Jahr 2013 von Visions-Lesern als einziges deutschsprachiges Album unter die „20 besten Alben aller Zeiten“ gewählt.[19] The Hirsch Effekt hätten mit ihrer Holon-Trilogie „die Grenzen dessen, was im Metal möglich ist, um ein gewaltiges Stück verschoben. Das Verhältnis von Krach und Kunst wird nie wieder dasselbe sein.“[16]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben
Holon : Agnosie
  DE 63 05.05.2015 (1 Wo.)
Eskapist
  DE 21 25.08.2017 (1 Wo.)
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Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

EPs und Split-Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2009: The Hirsch Effekt (EP)
  • 2010: Apogæum / Perigæum (Split mit Caleya auf Midsummer/Cargo Records)
  • 2012: Vituperator / Weltsehen (Split-Single mit Adolar auf Kapitän Platte)
  • 2013: Fixum (Split-EP mit Zinnschauer auf Kapitän Platte, finanziert mit Hilfe von Crowdfunding)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: The Hirsch Effekt – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manuel Behrens: Hannoversche Allgemeine Zeitung: "Am Anfang war der Lärm. Mit den Artrockern von The Hirsch Effekt durch Hannover". Abgerufen am 20. August 2017.
  2. Peter: The Hirsch Effekt Review im Blog Schallgrenze. Abgerufen am 20. August 2017.
  3. Oliver H.: Review The Hirsch Effekt E.P. vom 6. Mai 2009. Abgerufen am 20. August 2017.
  4. Jens Siefert: "Visitenkarte des Produzenten Jens Siefert bei Backstage Pro". Abgerufen am 20. August 2017.
  5. Pretty in noise Redaktion: "Pretty in noise: Verlosung der Hirsch Effekt / Adolar Split 7inch". Abgerufen am 20. August 2017.
  6. Sebastian Ströwer: Newsmeldung auf Visions.de zum Konzert Dillinger Escape Plan/The Hirsch Effekt. Abgerufen am 20. August 2017.
  7. Wacken Open Air: Wacken Open Air - Bandinformation Hirsch Effekt. Abgerufen am 20. August 2017.
  8. HAZ: Nach Terrorwarnung in Hannover. Der Tag danach: So war die Lage in Hannover". Abgerufen am 23. August 2017.
  9. The Hirsch Effekt: Aufzeichnung Live-Chat "Kaffekränzchen mit The Hirsch Effekt am 18. August 2017 (29:14 min.)". Abgerufen am 22. August 2017.
  10. MySpace-Profil von The Hirsch Effekt. Abgerufen am 12. Mai 2010.
  11. Andreas Wildner: Promoschreiben "Holon : Agnosie" von Long Branch Records/Oktober Promotion. Abgerufen am 20. August 2017.
  12. a b Hoffmann, Andreas: The Hirsch Effekt auf den Babyblauen Seiten. Abgerufen am 12. Mai 2010.
  13. Hirnfick 2.0: Musikalischer Wahnsinn: The Hirsch Effekt. 18. März 2010, abgerufen am 12. Mai 2010.
  14. Babyblaue Seiten: The Hirsch Effekt: Holon : Hiberno. Abgerufen am 12. Mai 2010.
  15. a b eclipsed Nr. 119, April 2010, S. 61
  16. a b plattentests.de: The Hirsch Effekt - Eskapist, abgerufen am 15. Oktober 2017.
  17. Ox-Fanzine Nr. 89.
  18. Visions Nr. 205; siehe auch im Visions-Internetportal: www.visions.de.
  19. Armin, Plattentests-Redaktion: Pressemitteilung von Long Branch Records auf Plattentests.de. Abgerufen am 20. August 2017.