Die Jagd (2012)

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Jagd
Originaltitel Jagten
Produktionsland Dänemark
Originalsprache Dänisch
Erscheinungsjahr 2012
Länge 111 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Thomas Vinterberg
Drehbuch Thomas Vinterberg,
Tobias Lindholm
Produktion Thomas Vinterberg,
Morten Kaufmann,
Sisse Graum Jørgensen
Musik Nikolaj Egelund
Kamera Charlotte Bruus Christensen
Schnitt Janus Billeskov Jansen,
Anne Østerud
Besetzung

Die Jagd (Originaltitel: Jagten; internationaler Festivaltitel: The Hunt) ist ein dänischer Spielfilm von Thomas Vinterberg aus dem Jahr 2012.

Handlung[Bearbeiten]

Lucas, seit kurzem geschieden, ist Erzieher in seinem dänischen Heimatdorf, wo er Kinder betreut, deren Eltern er zum Teil aus dem Jagdverein oder noch aus seiner Jugend kennt. Seine wichtigste Sorge ist das Verhältnis zu seinem vierzehnjährigen Sohn Marcus, der bei seiner Mutter lebt, die seit der Scheidung jeden Kontakt mit Lucas meidet. Im Kindergarten, wo er eine Beziehung mit der ausländischen Köchin Nadja beginnt, kümmert er sich besonders um die fünfjährige Klara, Tochter seines besten Freundes Theo. In dessen Ehe gibt es zu Klaras Leidwesen öfter Streit und Terminprobleme. Klara himmelt Lucas an, aber als sie ihm einen Kuss auf den Mund gibt, verweist er sie streng. Das Mädchen empfindet das als Zurückweisung und als die Kindergartenleiterin Grethe sie nach dem Grund für ihre schlechte Laune fragt, antwortet sie, sie hasse Lucas. Wohl in Erinnerung an ein pornographisches Bild, das ihr ihr älterer Bruder einige Tage vorher aus Spaß vor die Nase gehalten hat, fügt sie hinzu, Lucas habe „einen Pimmel, der aufrecht hoch stehe“.

Die Kindergartenleiterin ist schockiert und spricht Lucas an, dass sich ein Kind gegenüber ihr geäußert habe, ihn mit erigiertem Penis gesehen zu haben. Lucas ist konsterniert und fragt sich, um welches Kind es sich handeln könnte. Grethe ist verunsichert und nimmt die Hilfe eines befreundeten Pädagogen in Anspruch. Bei einer Befragung äußert sich Klara kaum, nickt aber unter anderem auf die Frage, ob der sexuelle Übergriff im Kindergarten stattgefunden habe. Grethe ist sich der Sache nun ziemlich sicher, befürchtet das Schlimmste und schickt Lucas sofort nach Hause. Sie informiert Klaras Eltern unmittelbar vor dem am selben Tag stattfindenden Elternabend, macht dort öffentlich, was „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ passiert ist und bittet die Eltern, ihre Kinder zu möglichen Hinweisen auf Kindesmissbrauch wie beispielsweise Kopfschmerzen und Albträume zu befragen. Außerdem ruft sie Lucas' Ex-Frau an, die ihrem gemeinsamen Sohn Marcus umgehend jeden Kontakt mit seinem Vater verbietet.

Marcus, der ohnehin lieber zu Lucas ziehen würde, hält sich nicht daran und ruft ihn an. Lucas ist fassungslos, dass Grethe seine Ex-Frau informiert hat, geht zum Kindergarten und versucht Grethe zur Rede zu stellen. Dort haben sich inzwischen einige Eltern gemeldet, die „Hinweise“ bei ihren Kindern gefunden haben wollen und die entsetzte Grethe flüchtet vor dem hereinstürmenden Lucas. Immerhin erfährt Lucas nun, dass Klara das besagte Kind ist und macht sich sofort auf den Weg zu Theo und seiner Frau. Die Eltern glauben jedoch ihrer Tochter und bitten Lucas, ihr Haus zu verlassen. Als Nadja ihm nicht uneingeschränkt glaubt, dass er unschuldig ist, wirft er sie aus der Wohnung. Kurze Zeit später steht Marcus vor der Tür. Er hält zu seinem Vater, der bald darauf von der Polizei vorläufig festgenommen wird. Nach einem wütenden Auftritt in Theos Haus erhält Marcus Unterschlupf bei seinem Patenonkel. Dort trifft am nächsten Morgen die Nachricht über das Urteil des Untersuchungsrichters ein. Da Klara sich nun „nicht mehr erinnern kann“ und die anderen Kinder nachprüfbar falsche Angaben gemacht haben, wird kein Strafverfahren eingeleitet.

Doch im Dorf glaubt man weiterhin, dass an den Aussagen der Kinder etwas dran sein muss und Lucas sich an ihnen vergriffen haben muss. Er wird angefeindet, teilweise tätlich angegangen und erhält im örtlichen Supermarkt Hausverbot. Obwohl er immer verzweifelter wird und nur noch seine enge Verwandtschaft zu ihm hält, bleibt er im Dorf wohnen, auch nachdem ihn beinahe ein durch sein Küchenfenster geworfener schwerer Feldstein trifft und man ihm seinen getöteten Hund in einem Plastiksack vor die Tür legt. Als er im Supermarkt von den Angestellten nicht bedient, hinausgeworfen und dabei erheblich verletzt wird, regt sich Trotz in ihm. Mit verbeultem Gesicht besucht er demonstrativ am Heiligabend die Weihnachtsmesse in der Kirche. Als der Kindergartenchor singt, verliert er die Fassung, greift Theo an und fordert ihn auf, ihm in die Augen zu sehen, er habe nichts getan.

Am Abend hört Theo seine Tochter im Schlaf von Lucas reden, befragt sie nochmals und hört zum wiederholten Male von ihr, sie habe damals „was Dummes“ gesagt und Lucas habe „nichts gemacht“. Theo dämmert es nun, dass Lucas unschuldig ist. Er besucht ihn auf der Stelle und es kommt zu einem stillen Einvernehmen zwischen den beiden Freunden.

Im nächsten Herbst, als Marcus feierlich in den Jagdverein des Dorfes aufgenommen wird, sind die meisten Wunden offenbar wieder verheilt. Der stolze Vater Lucas bleibt zwar noch recht still, wird aber wieder allgemein akzeptiert. Bei der anschließenden Jagd, bei der Lucas allein durch den Wald pirscht, wird plötzlich ein Schuss auf ihn abgefeuert, der ihn jedoch verfehlt. Als er aufblickt, sieht Lucas den im Gegenlicht nicht identifizierbaren Schützen verschwinden.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

„[…] Thomas Vinterberg zeigt eine perfide Dialektik als Folge eines Gruppenwahns auf. Getragen wird sein Meisterwerk von großartigen darstellerischen Leistungen.“

Süddeutsche.de[3]

„[…] ein kaum zu ertragendes Stück europäischen Kinos, grandios geschrieben, gespielt und inszeniert; ein wahrhaftiges Comeback Thomas Vinterbergs, dessen Sturm-und-Drang des Dogmafilms nun endgültig einer filmischen Sicherheit gewichen ist, die in ihren besten Momenten das Publikum bis ins Mark verunsichert. Die Wahrheit kann eben weh tun und die Leinwand ist das richtige Sprachrohr dafür.“

CinemaForever[4]

„The Hunt ist in der Reihe an Filmen, die sich mit Pädophilie beschäftigen, eine Ausnahmeerscheinung. Einerseits weil er das übliche Moment der (falschen) Unschuldsvermutung des Täters umkehrt, der nette Nachbar ist hier immer schon verdächtig. Vinterberg inszeniert eine von Angst gezeichnete Gesellschaft, in dubio contra reum. Andererseits löst sich nichts in Wohlgefallen auf: Denn obgleich Lucas’ Unschuld für den Zuschauer nie in Frage gestellt wird, macht der Film es sich zugleich zur Aufgabe, Ursprünge und Deutungsmöglichkeiten der Anschuldigung ebenfalls zu erforschen.“

critic.de[5]

„Mit DIE JAGD schüttelte der Däne Thomas Vinterberg ein weiteres Ass aus seinem Ärmel und überzeugt vor allem mit einem nahezu perfekten Drehbuch. Mads Mikkelsen ist dabei seine Muse und spielt, als würde es um sein Leben gehen! Unkonventionell, packend und tragisch – DIE JAGD ist schon jetzt ein dänischer Meilenstein!“

Kino7.de[6]

„Zäh und frustrierend: Trotz eines intensiven Mads Mikkelsen und anderer starker Schauspielerleistungen will sich Thomas Vinterbergs unterkühltes Porträt einer erbitterten Hexenjagd nicht recht einbrennen.“

filmfutter.com[7]

„Die Jagd ist ein erschütterndes wie packendes Drama über eine kleine Gemeinde, die nicht mehr zwischen begründeter Angst und hysterischer Selbstjustiz unterscheiden kann. Das geht zwar an manchen Stellen etwas zu schnell, bleibt dank der guten Darsteller und einer insgesamt neutralen Erzählweise aber erschreckend glaubhaft.“

film-rezensionen.de[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vinder af Nordisk Råds filmpris 2013 auf der Website des Nordischen Rates, abgerufen am 14. Januar 2014 (dänisch)
  2. 86TH ANNUAL ACADEMY AWARDS® – OSCAR® NOMINATIONS FACT SHEET (Revised 01/21/2014), abgerufen am 12. Februar 2014
  3. Dein Feind, die Gemeinschaft, von Paul Katzenberger, Süddeutsche.de
  4. Rezension, von cinemaforever.blog.de
  5. Filmkritik, von Frédéric Jaeger, critic.de
  6. Filmkritik "Die Jagd", von Josephine Drews, Kino7.de.de
  7. Kinokritik Die Jagd(2012), von Bastian Glodnick auf filmfutter.com
  8. Die Jagd, von Oliver Armknecht, film-rezensionen.de