The Rime of the Ancient Mariner

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Illustration Gustave Dorés zur Ballade

The Rime of the Ancient Mariner (Die Ballade vom alten Seemann) ist eine Ballade des britischen Dichters Samuel Taylor Coleridge von 1798. Sie wurde in der Balladensammlung Lyrical Ballads veröffentlicht und gilt als Beginn der englischen Romantik. Die Ballade hatte großen Einfluss auf die englische Sprache, was u. a. an zahlreichen Zitaten aus der Ballade erkennbar ist, die als geflügelte Worte in die englische Sprache eingegangen sind.

Inhaltsangabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statue des Ancient Mariner mit dem toten Albatros in Somerset

The Rime of the Ancient Mariner handelt von einem alten Seemann, der von einer langen Seereise zurückgekehrt ist. Er hält einen jungen Mann an, der gerade auf dem Weg zu einer Hochzeitsfeier ist, und beginnt, ihm seine Geschichte zu erzählen. Der junge Mann reagiert zunächst mit Furcht und Ungeduld, erliegt aber schließlich der Faszination des Berichts.

Die eigentliche Erzählung beginnt damit, dass das Schiff des alten Seemanns seinen Hafen verlässt und danach immer weiter nach Süden gerät, bis es in die Antarktis gelangt. Ein Albatros, der Mannschaft und Schiff aus der Eiswüste herausführt, wird von den Matrosen als himmlischer Bote angesehen, der Protagonist der Erzählung, der alte Seemann erlegt den Vogel jedoch mit seiner Armbrust. Darüber sind die Matrosen zunächst empört, als das Schiff aber wärmere Gefilde erreicht, kühlt ihr Zorn ab.

Dann aber lässt der Wind nach, und das Schiff sitzt in einer Flaute fest. Das lässt den Zorn der Matrosen wieder erwachen. Sie beschließen, dass der Seefahrer zur Strafe für seine Mordtat den getöteten Albatros um seinen Hals tragen muss („Ah! Well a-day! What evil looks / Had I from old and young! / Instead of the cross, the albatross / About my neck was hung“). Nun erscheint plötzlich ein anderes Schiff. An Bord dieses Geisterschiffs sind der Tod („Death“) und in Frauengestalt das Leben im Tod („Night-mare Life-in-Death“). Beide beginnen, um die Besatzung des Schiffs zu würfeln. Während der Tod die Schiffsmannschaft gewinnt, bekommt das Leben-im-Tod den Seefahrer, den es als weitaus wertvoller ansieht.

Die gesamte Besatzung stirbt, der Seefahrer lebt, muss aber Tage und Nächte den Fluch des Todes in den Augen seiner toten Kameraden sehen. Der Fluch wird schließlich aufgehoben, als der Seefahrer die Meerestiere sieht und ihre Schönheit erkennt. Er beginnt sie zu preisen („a spring of love gush'd from my heart and I bless'd them unaware“). Darauf fällt ihm der tote Albatros von der Schulter, der Fluch ist aufgehoben. Die tote Crew erhebt sich und bringt, von guten Mächten angetrieben, das Schiff in heimatliche Gefilde zurück. Als der Seemann schon den Hafen sichtet, sinkt das Schiff, und erneut bleibt nur er selbst zurück.

Er wird vom Hafenlotsen, dessen Sohn und einem Einsiedler gerettet, der ihm noch im Boot die Beichte abnimmt. Der Seefahrer kehrt zurück an Land und verkündet, von da an über die Erde wandernd, jedem seine Geschichte.

Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Rime of the Ancient Mariner wird oft als eine Allegorie für Sünde und Vergebung gesehen. Auch wird gemutmaßt, dass die Ballade autobiografische Züge enthält. Zur Zeit der Niederschrift fühlte sich Coleridge sehr einsam, was er in vielen Briefen beklagt. Dies drückt sich in der Einsamkeit des alten Seemanns aus, der fast verzweifelt.[1] Der Ort der Handlung ist mit Sicherheit inspiriert durch die Fahrten von James Cook, der einige Jahre zuvor den südlichen Pazifik erkundete, eine Seereise, auf der einer von Coleridges Mentoren, William Wales, auf Cooks Flaggschiff als Astronom mitreiste. Coleridges Ballade ist damit auch ein literarischer Beitrag zur Erkundung des Südpolarmeers und zur Entdeckung der Antarktis, wovon sich auch andere Autoren anregen ließen, etwa Edgar Allan Poe in seinem Roman The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket von 1838.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gedicht wurde bei seiner Veröffentlichung zunächst abgelehnt, es wurde als schwierig empfunden und wegen der Verwendung von sprachlichen Archaismen kritisiert. Es wurde auch als nicht romantisch genug empfunden, was insofern verwundert, als gerade Coleridge diese Stilrichtung in England maßgeblich prägte. Dennoch sah sich Coleridge im Jahr 1815 gezwungen, das Gedicht zu überarbeiten und Erläuterungen hinzuzufügen, die auf dem Rand als Marginalien in kleinerer Schrifttype und kursiv beigegeben wurden; so erhielt die Ballade ein einprägsames äußeres Druckbild.

Im Laufe der Zeit hat sich die Einschätzung der Ballade gründlich verändert: Die Bedeutung der Ballade in der englischen Kultur-, Literatur- und Sprachgeschichte ist etwa der von Schillers Lied von der Glocke im deutschen Sprachraum vergleichbar. Die Ballade gehört seit langem zum literarischen Kanon, was u. a. auch dadurch erkennbar wird, dass es recht bald Parodien auf das Gedicht gab.

Dass die Ballade im englischsprachigen Raum sehr geschätzt wird, zeigt sich auch daran, dass zahlreiche Künstler passende Illustrationen dazu schufen; einige Beispiele: J. Noel Paton[2], Willy Pogány[3], Gerald Metcalfe[4], Harry Clarke[5], Mervin Peake[6], Harry Brockway[7]. In Frankreich gab es nur eine berühmte Illustrationssuite, die von Gustave Doré aus dem Jahr 1866. Die erste, noch im 19. Jahrhundert publizierte deutsche Übersetzung der Ballade stammt von Ferdinand Freiligrath und erschien 1877 in Leipzig mit Dorès Illustrationen, ein Jahr nach Freiligraths Tod, eine zweite von Wolfgang Breitwieser erst 1959, von Heinz Politzer eine dritte im Jahr 1963.

In vielen englischen Werken gibt es Anspielungen auf The Rime of the Ancient Mariner wie z. B. in Douglas Adams Der elektrische Mönch oder Bram Stokers Dracula. Auch in der jüngeren Popmusik wurde der Stoff oft verarbeitet, so z. B. im gleichnamigen, 1975 erschienenen Album von David Bedford, oder im Album Powerslave von Iron Maiden in Form einer fast 14-minütigen musikalischen Nacherzählung, wobei die Ballade oft wörtlich rezitiert wird. Auch erwähnt die finnische Metalband Nightwish auf ihrem Album Dark Passion Play in dem Titel Sahara einen Ancient Mariner in a sea of sand und in dem Titel The Islander („The albatross is flying..“ und „Light at the end of the world...“) einen Albatros.

Selbst Donald Duck bleibt das Auswendiglernen und Rezitieren nicht erspart. Donald muss, um eine Seereise zu gewinnen, die letzte Strophe vortragen.[8] In der deutschen Übersetzung von Erika Fuchs wird daraus eine leicht parodistische Neudichtung:

Weh mir Frevler, daß ich schoß den Schicksalsvogel Albatros!
Dreimal wehe, daß ich traf! Dafür trifft mich des Schicksals Straf'! [9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Humphrey House: S. T. Coleridges “The Ancient Mariner”. In: Willi Erzgräber (Hrsg.): Interpretationen Band 8 · Englische Literatur von William Blake bis Thomas Hardy. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. u a. 1970, S. 38–66.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: The Rime of the Ancient Mariner – Quellen und Volltexte (englisch)
Commons: The Rime of the Ancient Mariner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Sekundärliteratur zu diesem Werk ist sehr umfangreich. Einen guten Überblick über die möglichen Interpretationsansätze dieser Ballade bietet eine amerikanische Aufsatzsammlung: J. D. Boulger, Twentieth Century Interpretations of The Rime of the Ancient Mariner (Englewood Cliffs NJ: Prentice Hall, 1969)
  2. Art Union, London 1863
  3. George Harrap London 1910
  4. John Lane The Bodley Head, London 1907
  5. The Studio, Special Number, London 1914. Diese Illustrationen erschienen nie in einem Buch wegen einer Brandkatastrophe im vorgesehenen Verlag
  6. Zodiac Books, London 1943
  7. The Folio Society. London 2017
  8. Der Fluch des Albatros (Original: The not-so-ancient Mariner) In: TGDD 71 (1982) / Walt Disney’s Comics and Stories 312 (1966)
  9. Die Neudichtung wurde dann als Fan-Fiction zu einem kompletten Gedicht erweitert: http://forum.donald.org/read.php?1,5897,5902#msg-5902