Sandman – Fabeln und Reflexionen

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Fables and Reflections (dt. Fabeln und Reflexionen) ist die sechste Sammlung der Comicserie, The Sandman. Geschrieben von Neil Gaiman, illustriert von Bryan Talbot, Stan Woch, P. Craig Russell, Shawn McManus, John Watkiss, Jill Thompson, Duncan Eagleson, Kent Williams, Mark Buckingham, Vince Locke und Dick Giordano und gelettert von Todd Klein.

Die Episoden dieser Sammlung erschienen zunächst in Heftform in den Jahren 1991, 1992 and 1993. Die Sammlung erschien 1993 als Paperback und Hardcover.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die dritte Sammlung Dream Country und die achte Sammlung Worlds’ End, ist diese eine Sammlung von Kurzgeschichten, die nicht sichtbar zum allgemeinen Handlungsbogen zählen. Orpheus erweist sich allerdings später als zentrale Episode der Gesamthandlung.

Als Sammlung für verschiedener, teils lediglich motivisch mit der Haupthandlung verbundener Nebengeschichten erweist sich Fables and Reflections als vielleicht sperrigste der zehn Sammlungen. Keine der Geschichten baut auf der vorherigen auf oder benötigt sie zur Erklärung. Die Episoden erschienen in der Reihenfolge der Sammlung in den Ausgaben Preview Nummer 1 und Nummer 31, Nummer 29, Nummer 38, Nummer 30, Nummer 39, Sandman Special Nummer 1, Nummer 40 und Nummer 50.

Der thematische Rahmen dieser Sammlung wird durch den Titel (deutsch: Fabeln und Reflexionen) gegeben. Alle Geschichten haben einen Anlehnung an ein mythologisches Motiv.

Fear of Falling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Geschichte erschien in der Vertigo Preview #1. Es ist eine sehr kurze Geschichte um einen Theaterregisseur, der vor den Folgen seiner neusten Inszenierung Angst hat, egal ob sie Erfolg oder Flop wird. Sie diente bei ihrer Veröffentlichung der Einführung des Charakters Morpheus (Dream).

Three Septembers and a January[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Geschichte dreht sich um Joshua Abraham Norton (1811–1880), den selbsternannten „Kaiser der Vereinigten Staaten von Amerika“. Die historischen Fakten seiner Lebensgeschichte werden hier in den Kontext einer Wette zwischen den Geschwistern Dream und Despair gesetzt. Dream gewinnt die Wette haushoch.

Thermidor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine sehr dunkle Geschichte, die zur Zeit der Terrorherrschaft Maximilien de Robespierres (1758–1794) zur Zeit der Französischen Revolution spielt. Sie führt die Charaktere Lady Johanna Constantine und Orpheus ein. Dessen abgeschlagener, gleichwohl weiterlebender Kopf wird unter den zahlreichen abgeschlagenen Köpfen der Opfer der Guillotine versteckt. Die wahrscheinlich politischste Folge der gesamten Serie, die Gaiman als scharfen Kritiker eines Regimes zeigt, das gegen seine eigenen Grundsätze handelt.

The Hunt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Märchen in osteuropäischer Tradition über einen Werwolf, der in den Besitz eines Porträts einer schönen Prinzessin kommt. Diese Geschichte ist eine etwas pessimistische Betrachtung über die Chancen von Geschichten, in der modernen Mediengesellschaft zu überleben.

August[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Titel bezieht sich auf den Monat und den Kaiser, der ihm seinen Namen gab. Augustus mischt sich, als Bettler verkleidet, für einen Tag unter sein Volk. Ihn begleitet ein Zwerg, dem er einen Teil seiner Lebensgeschichte erzählt. Er erzählt von seinem Onkel Gaius Iulius Caesar und der Wahl, vor die ihn eine Prophezeiung stellte: dass er entweder der Welt ein ewiges Römisches Reich bescheren könne, oder dass dieses Reich nach ein paar Jahrhunderten hinwegschwinden würde. Augustus verrät nicht, welche Wahl er getroffen hat, ebenso wenig wie dass er von Caesar vergewaltigt wurde, ein Trauma, unter dem er sein Leben lang litt.

Soft Places[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Geschichte über den jungen Marco Polo (1254–1324), der sich als Junge in der Wüste Taklamakan verirrt. Er betritt einen der soft places, einen Ort an dem die Grenzen zwischen Traum und Realität nicht genau definiert sind. Dort trifft er Rusticello von Pisa, Gilbert (Fiddler’s Green aus The Doll's House) und Morpheus. Diese Geschichte hat als Gegenstück die Episode Exiles in der letzten Sammlung The Wake.

Orpheus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dies ist die zentrale Episode dieses Bandes und eine der Schlüsselepisoden des gesamten Handlungsbogens. Sie erzählt die Geschichte des Sängers Orpheus. Seine Mutter ist wie in der mythologischen Vorlage die Muse Kalliope (vgl. Dream Country), sein Vater ist hier abweichend Morpheus selbst. Als Orpheus' junge Braut Eurydike stirbt, weigert sich Dream, seinem Sohn zu helfen. Dafür findet der Jüngling Hilfe bei Death und Destruction, die ihm die Reise in die Unterwelt ermöglichen. Die Rückgewinnung der Gattin misslingt, Orpheus wird von Mänaden zerrissen, sein Kopf überlebt. Das Zerwürfnis zwischen ihm und seinem Vater begründet den tragischen Verlauf der Gesamthandlung. Die klassische Tragik des Orpheus erweitert Gaiman hier wirkungsvoll auf seine ganze Familie.

A Parliament of Rooks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Episode führt den Charakter Daniel ein, das Kind von Morpheus und Lyta Hall (vgl. The Doll’s House). Diese Episode beinhaltet verschiedene Geschichten, die durch eine Rahmenhandlung zusammenhängen. Die Geschichten handelt von den drei Frauen Adams, davon wie Kain und Abel ihren Platz im Traumreich einnahmen und von dem angeblichen Naturphänomen des „Parlaments der Krähen“.

Ramadan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kalif Hārūn ar-Raschīd (766–809) will seine perfekte Stadt, die erstaunlichste, größte und schönste Stadt der Welt, Bagdad, vor dem Verfall schützen. Er vermacht die Erinnerung an ihre Perfektion Morpheus unter der Bedingung, dass er sie ewig in seinem Traumreich erhält. Die Pointe der Geschichte ist, dass am Ende der Episode in das vom ersten Golfkrieg zerstörte Bagdad geblendet wird, wo ein alter Mann die Geschichte für ein paar Zigaretten und Geld einem Jungen erzählt hat.