The Square (2017)

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Filmdaten
Deutscher TitelThe Square
OriginaltitelThe Square
ProduktionslandSchweden, Deutschland, Frankreich, Dänemark
OriginalspracheSchwedisch, Englisch
Erscheinungsjahr2017
Länge142 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieRuben Östlund
DrehbuchRuben Östlund
ProduktionErik Hemmendorf,
Philippe Bober
KameraFredrik Wenzel
SchnittRuben Östlund
Besetzung

The Square ist ein Spielfilm von Ruben Östlund aus dem Jahr 2017. Das satirische Drama,[2] eine europäische Koproduktion, basiert auf einem Originaldrehbuch des schwedischen Regisseurs. Östlund stellt einen angesehenen Museumskurator (dargestellt von Claes Bang) in den Mittelpunkt, der durch den Diebstahl seines Mobiltelefons und einen kontroversen Werbeclip für eine Kunstinstallation in eine existenzielle Krise gestürzt wird.

Der Film wurde am 20. Mai 2017 im Wettbewerb der 70. Internationalen Filmfestspiele von Cannes uraufgeführt[3] und gewann mit der Goldenen Palme den Hauptpreis des Festivals. Ein Kinostart in Schweden und im Vereinigten Königreich erfolgte am 25. August 2017.[4] In Deutschland lief der Film am 19. Oktober 2017 in den Kinos an.[5]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian ist Kurator eines Museums für zeitgenössische Kunst in Stockholm. Er ist geschieden, Vater von zwei Mädchen und lebt allein.

Nachdem er in einer Fußgängerzone Opfer eines Trickbetrugs wird, vermisst Christian sein Smartphone und seine Brieftasche. Später kann er das Handy in einem großen Wohnblock orten und entwickelt mit seinem Assistenten den Plan, in einem anonymen Drohbrief die Rückgabe zu fordern. Sie drucken Dutzende von Kopien des Briefes und Christian wirft nachts je ein Exemplar in den Briefkasten jeder Wohnung. Tatsächlich erhält Christian so ein paar Tage später das Telefon und die völlig unberührte Brieftasche zurück.

Nach dem Erfolg seines Vorhabens geht Christian euphorisch auf eine Party, wo er die Journalistin Anne trifft, die ihn zuvor interviewt hatte. Er landet in ihrer Wohnung, wo er einen Schimpansen bemerkt, der ein Mitbewohner von Anne zu sein scheint. Obwohl Christian irritiert ist, schläft er mit ihr. Einige Tage später passt Anne ihn im Museum ab und sagt, dass der Abend für sie mehr gewesen sei als nur zwangloser Sex. Er weicht ihr aus, woraufhin sie ihn beschuldigt, seine Machtposition zum Sex mit Frauen auszunutzen. Er bestreitet dies und erklärt, dass sie selbst offensichtlich von Macht angezogen sei. Als Anne später versucht, ihn anzurufen, geht er nicht ans Telefon.

Ein kleiner Junge stellt Christian in dessen Treppenhaus zur Rede: Seine Eltern haben einen der Drohbriefe erhalten und glauben nun, dass er ein Dieb sei, weshalb sie ihm Hausarrest und ein Spielverbot erteilt haben. Der Junge fordert Christian auf, sich bei ihm und seiner Familie zu entschuldigen, sonst würde er Chaos in dessen Leben bringen. Christian versucht ihn wegzuschicken, wobei er handgreiflich wird und der Junge eine Treppe hinunterfällt. Er scheint daraufhin zu gehen, doch kurze Zeit später hört Christian in seiner Wohnung immer wieder Hilferufe des Jungen. Christian sucht halbherzig im Treppenhaus nach der Herkunft der Stimme, findet sie aber nicht. Die Rufe quälen ihn, woraufhin Christian verzweifelt den Müll im Innenhof nach einer Notiz durchsucht, die die Telefonnummer des Jungen enthält. Er findet sie schließlich und versucht erfolglos, den Jungen anzurufen. Ersatzweise nimmt Christian eine Videobotschaft auf, die als aufrichtige Entschuldigung beginnt, sich aber zu einem mäandernden Essay über Gesellschaft, Klasse und Politik entwickelt.

Einige Tage später fährt Christian zum Wohnblock und versucht, den Jungen und seine Familie zu finden. Er spricht mit einem Nachbarn, der behauptet, dass er einen Jungen kannte, auf den die Beschreibung passt, der aber mit seiner Familie ausgezogen sei.

Während dieser Ereignisse muss Christian sich nicht nur zeitweise um seine beiden Töchter kümmern, sondern auch eine neue Ausstellung bewerben. In deren Zentrum steht die Kunstinstallation The Square, ein weiß eingegrenztes Quadrat von vier mal vier Metern auf einem öffentlichen Platz. Christian zitiert mehrfach eine Beschreibung von The Square als einen „Zufluchtsort, an dem Vertrauen und Fürsorge herrschen. Hier haben alle die gleichen Rechte und Pflichten“.

Die vom Museum beauftragte Werbeagentur will in den sozialen Medien mit einem Werbeclip eine Kontroverse um die Ausstellung erzeugen, weil das Kunstwerk selbst zu positiv und fad sei. Beim entscheidenden Treffen mit der Agentur fehlt Christian allerdings wegen seiner privaten Schwierigkeiten und der Rest des Teams zeigt sich von dem Ansatz zwar überrascht und ungläubig, interveniert jedoch nicht. So wird später auf dem YouTube-Kanal des Museums ein Clip gezeigt, auf dem ein weißblondes Kleinkind in abgenutzter Kleidung mit einem Kätzchen auf dem Arm The Square betritt und dann bei einer Explosion getötet wird. Der Clip wird hunderttausendfach aufgerufen, löst in den Medien und der breiten Öffentlichkeit allerdings extrem feindselige Reaktionen aus. Das Museum sieht sich zu einer Pressekonferenz gezwungen, auf der Christian die Schuld für den Clip auf sich nimmt und seinen Rücktritt als Kurator erklärt. Mehrere Journalisten greifen ihn daraufhin an – manche, weil er mit einem geschmacklosen Clip auf billige Weise Kontroversen entfacht habe, während andere ihn wegen angeblicher Selbstzensur kritisieren.

Später liest Christian eine Boulevardzeitung, die dem umstrittenen Clip, den Reaktionen der Öffentlichkeit und auch der Ausstellung und dem Kunstwerk mehrere Seiten gewidmet hat.

Produktionsnotizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Claes Bang synchronisierte sich für die deutschsprachige Fassung des Films selbst.[6]

Das im Film vorgestellte Kunstwerk The Square existiert wirklich. Es wurde im Vorfeld des Filmes von Ruben Östlund gemeinsam mit Kalle Boman entwickelt und wird als permanente Installation in der schwedischen Stadt Värnamo ausgestellt.[7]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Uraufführung wurde The Square von der Fachkritik gelobt und als Mitfavorit auf die Goldene Palme gehandelt. Der Film schnitt im internationalen Kritikenspiegel der britischen Fachzeitschrift Screen International von allen Wettbewerbsfilmen gemeinsam mit Wonderstruck von Todd Haynes am drittbesten ab (jeweils 2,7 von vier möglichen Sternen), hinter dem russischen Film Nelyubov (3,2 Sterne) und You Were Never Really Here von Lynne Ramsay.[8]

Hannah Pilarczyk (Spiegel Online) rezensierte The Square als „grandiose[n] Gesellschaftssatire“ und als eines „der ersten großen Highlights des Festivals“. Sie hob Östlunds „smarte“ Inszenierung und den „brillanten Schnitt“ hervor und spekulierte auf einen Festivalpreis. Östlund wähle wie zuvor in Höhere Gewalt „einen Fatzke zur Hauptfigur“. Der Regisseur nehme sich „heraus, einfach mal alles zu verhandeln: den verblasenen Kunstbetrieb, soziale Ungleichheit, die Grenzen von Wohltätigkeit und Mitgefühl“, so Pilarczyk.[9]

Nach Tobias Kniebe (Süddeutsche Zeitung) blicke Östlund „[…] ähnlich ungerührt […]“ wie in seinem vorangegangenen Film auf die Stockholmer Kunstszene. „Im Grunde geht es um die Unfähigkeit eines Mannes, sich in seiner eigenen übercodierten und hochverfeinerten politischen Korrektheitswelt noch länger sinnvoll zu definieren, weil archaische Impulse wie Angst, Lust und Aggression sich eben doch nicht dauerhaft unterdrücken lassen.“ The Square werde von dieser Idee nicht vollständig zusammengehalten, münde „aber in einige unvergessliche Szenen“, so Kniebe.[10] Auch Verena Lueken (Frankfurter Allgemeine Zeitung) fielen „großartige Szenen“ auf, gleichzeitig aber auch „miese Ideen“ wie die Fundraising-Dinner-Szene mit Terry Notary als Affen. Sie bewertete Östlunds vorangegangenen Film als viel stärker.[11]

Andreas Kilb (Frankfurter Allgemeine Zeitung) nennt den Film „eine Kino-Pointe ohne Witz“ und kritisiert die Jury von Cannes, die dem Film die Goldene Palme verlieh. Der Regisseur Östlund lenke „mit hohem inszenatorischem Aufwand von der Tatsache ab, dass er sich für nichts von dem, was er zeigt, wirklich interessiert.“[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

The Square gewann bei den Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme, den Hauptpreis des Festivals.[13] Der Film war für den Wettbewerb nachnominiert worden.[14] Szenenbildnerin Josefin Åsberg wurde mit dem Prix Vulcain de l’artiste technicien ausgezeichnet. Im selben Jahr folgten fünf Europäische Filmpreise (Bester Film, Beste Filmkomödie, Regie, Darsteller – Claes Bang, Drehbuch). Åsberg erhielt im Vorfeld der Verleihung die Auszeichnung für das beste Szenenbild.

Im August 2017 wurde The Square als offizieller schwedischer Kandidat für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt[15] und gelangte auf die Shortlist der besten neun Filmproduktionen.[16] Bei der Verleihung der Golden Globe Awards 2018 folgte eine Nominierung in derselben Kategorie.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für The Square. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 171557/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Profil bei plattformproduktion.se (abgerufen am 19. Mai 2017).
  3. Festival Screenings Guide bei festival-cannes.com (abgerufen am 19. Mai 2017).
  4. Release Info in der Internet Movie Database (abgerufen am 19. Mai 2017).
  5. Profil bei alamodefilm.de (abgerufen am 19. Oktober 2017).
  6. Jan Schliecker: Schein oder Sein | choices - Kultur. Kino. Köln. 18. Oktober 2017; abgerufen am 7. November 2017.
  7. Vom Kunstwerk zum Film. femundo.de; abgerufen am 6. November 2017.
  8. Grater, Tom: Could Lynne Ramsay top ‘Loveless’ on Screen’s Cannes jury grid? bei screendaily.com, 27. Mai 2017 (abgerufen am 28. Mai 2017).
  9. Das Karma des Westens bei Spiegel Online, 20. Mai 2017 (abgerufen am 28. Mai 2017).
  10. Kniebe, Tobias: Die Dominanz des Gorillamännchens. In: Süddeutsche Zeitung, 24. März 2017, S. 10.
  11. Lueken, Verena: Kühler Sand im dunklen Raum. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Mai 2017, Nr. 118, S. 11.
  12. Andreas Kilb: Haut den Affen, schlagt die Kunst! www.faz.net, 21. Oktober 2017; abgerufen am 21. Oktober 2017.
  13. Livestream via canalplus.fr (abgerufen am 28. Mai 2017).
  14. Addings to the selection of the 70th Festival de Cannes bei festival-cannes.com, 27. April 2017 (abgerufen am 28. April 2017).
  15. Keslassy, Elsa: Palme d’Or Winner ‘The Square’ Is Sweden’s Pick for Foreign-Language Oscar bei variety.com, 23. August 2017 (abgerufen am 29. August 2017).
  16. Tapley, Kris: Oscars: Nine Films Advance in Foreign-Language Race. In: variety.com, 14. Dezember 2017 (abgerufen am 15. Dezember 2017).