Theater Chemnitz

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Das Theater Chemnitz ist ein Fünfspartentheater im sächsischen Chemnitz. Die fünf Sparten sind Oper, Philharmonie, Ballett, Schauspiel und Figurentheater. Nach der langjährigen Intendanz von Gerhard Meyer (1966 bis 1990) übernahmen nach der Wende Rolf Stiska (1992 bis 2007) und Bernhard Helmich (2007 bis 2013) diese Aufgabe. Seit 2013 ist Christoph Dittrich Generalintendant der Theater Chemnitz.

Oper/Ballett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Opernhaus Chemnitz

Auf dem Theaterplatz befinden sich das Opernhaus, das König-Albert-Museum und die Petrikirche. 1909 wurde das Opernhaus eingeweiht, im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach dem Krieg wiederaufgebaut. Zu Beginn des Jahres 1988 begann eine umfassende Rekonstruktion des Hauses, die nach mehrjähriger Bauzeit 1992 abgeschlossen wurde. Seitdem zählt das Opernhaus Chemnitz zu den modernsten Bühnen Deutschlands und hat sich in seiner fast hundertjährigen Geschichte ein hohes Ansehen erworben.

Der Spielplan bietet ein breit gefächertes Angebot von der klassischen bis zur modernen Oper, von der Operette bis zum Musical. Unter Rolf Stiska erarbeitete sich die Chemnitzer Oper durch die Inszenierung zahlreicher Wagner-Opern den Ruf eines "Sächsischen Bayreuth".

Die Aufführung unbekannter und selten gespielter Opern wie Mascagnis Iris, Nicolais Il templario und Die Heimkehr des Verbannten, Rezniceks Benzin oder Pfitzners Rose vom Liebesgarten, aber auch die deutschen Erstaufführungen von Pinocchios Abenteuer (Jonathan Dove) und Love and Other Demons (Péter Eötvös) prägten die Intendanz von Bernhard Helmich. In der Spielzeit 2011/2012 folgte die Deutsche Erstaufführung von Doves Swanhunter. Die Chemnitzer Inszenierung der Puccini-Oper Manon Lescaut wurde vom Label ARTHAUS auf DVD produziert. Darüber hinaus wurden bereits zwei Produktionen – die Oper Die Liebe zu den drei Orangen und das Ballett Giselle M. – mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet. Eine Nominierung für diesen Preis bekam die Oper Pinocchios Abenteuer (Ausstattung/Kostüme: Francis O’Connor). Im Januar 2011 wurde die Oper Chemnitz für beispielhaftes Engagement im Bereich Musiktheater mit dem Preis des Verbandes Deutscher Bühnen- und Medienverlage ausgezeichnet.

Rolf Stiska begründete ebenfalls eine lange Reihe von Musical-Inszenierungen, die von seinen Nachfolgern fortgesetzt wurde. Klassiker wie My Fair Lady stehen dabei neben neueren Werken wie Tim Rice und Elton Johns Aida sowie Falco meets Amadeus.

Christoph Dittrich eröffnete seine erste Spielzeit (2013/2014) mit der Premiere der ironisch-grotesken Oper Le Grand Macabre von György Ligeti im Bühnenbild des Malers Georg Baselitz und den Kostümen dea Aktionskünstlers John Bock. Es folgen Wolfgang Amadeus Mozarts Don Giovanni, Giuseppe Verdis Don Carlos und Vincenzo Bellinis Norma. Die Musical-Tradition des Hauses führt er mit Funny Girl fort.

Das Ballett Chemnitz steht seit Beginn der Spielzeit 2013/2014 unter der Leitung von Reiner Feistel. Auf der Bühne des Opernhauses präsentiert er Dornröschen mit der Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Eine Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens und die von ihm selbst konzipierte Uraufführung König Artus.

Robert-Schumann-Philharmonie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm August Mejo gründete 1833 das Stadtorchester Chemnitz. Durch Beschluss der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt[1] wurde 1983 zum 150-jährigen Jubiläum aus dem Stadtorchester die „Robert-Schumann-Philharmonie“. Damit erlangte das Orchester überregionale Bedeutung.

Zu den Aufgaben des Orchesters gehören pro Spielzeit zehn Sinfoniekonzerte in der Stadthalle Chemnitz mit jeweils einer Wiederholung sowie Sonderkonzerte, Kammermusikabende und etwa 180 Aufführungen in Oper, Operette, Musical und Ballett im Opernhaus Chemnitz. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Kinder- und Jugendarbeit im Programm des Orchesters ein.

Die Robert-Schumann-Philharmonie ist auch Partner verschiedener Konzertveranstalter. So gastiert das Orchester in der Spielzeit 2008/2009 eine Woche lang bei den Festspielen auf Schloss Neuschwanstein, im Herkulessaal in München und in der Tonhalle Zürich. Gastspiele führten das Orchester außerdem unter anderem nach Salzburg, Wien, Linz, New York, Rom, Zagreb sowie nach Berlin, Frankfurt/M., Köln und Dresden.

Frühere für das Haus bedeutende Generalmusikdirektoren waren u.a. Dieter-Gerhardt Worm, welcher das Orchester fast 20 Jahre lang prägte, und der auch die Umbenennung in „Robert-Schumann-Philharmonie“ veranlasste. Des Weiteren wirkten John Carewe (1992–1996), Oleg Caetani (1996–2001) und zuletzt Niksa Bareza (2001–2007) in Chemnitz. Bareza setzte die Strauss und Wagnertradition des Opernhauses Chemnitz aus den 1920er Jahren fort.

Von 2007 bis 2016 war Frank Beermann Generalmusikdirektor in Chemnitz. Ihm gelang es, Gastdirigenten wie Michail Jurowski, Péter Eötvös, Martin Haselböck und Stefan Blunier und Solisten wie Olga Scheps, Fabio Bidini, Jan Vogler, Linus Roth, Martin Stadtfeld, das GrauSchumacher Piano Duo, Matthias Kirschnereit, Ulf Wallin nach Chemnitz zu holen.

Für die Welt-Ersteinspielung der Klavierkonzerte in e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy in der Rekonstruktion von Larry Todd erhielt der Pianist Matthias Kirschnereit zusammen mit der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz unter der Leitung von Frank Beermann 2009 den ECHO Klassik.[2]

Nach Beermanns Weggang hatte der 1986 in Halle geborene, bis dahin als erster Kapellmeister in Chemnitz tätige, Felix Bender das Amt des Generalmusikdirektors kommissarisch übernommen.[3] Seit der Spielzeit 2017/18 übernahm der Spanier García Calvo die Position des Generalmusikdirektors.[4]

Schauspielhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauspielhaus Chemnitz

Das Chemnitzer Schauspiel ist in einem Neubau, der im Oktober 1980 eröffnet wurde, am Rande des Park der Opfer des Faschismus untergebracht. Das alte Schauspielhaus war 1976 kurz vor der Premiere des umstrittenen Stückes "Tinka" von Volker Braun unter unklaren Umständen beinahe vollständig ausgebrannt und wurde abgerissen.[5]

Das Haus wurde viele Jahre von Hartwig Albiro (1980–1996) geleitet. Ihm folgten Herbert Olschok (1996–2000), Manuel Soubeyrand (2000–2004), Katja Paryla (2004–2008) und Enrico Lübbe (2008–2013).

Carsten Knödler ist Schauspieldirektor seit der Spielzeit 2013/2014. Die Große Bühne im Schauspielhaus präsentiert Texte der Weltdramatik von der Antike bis zur klassischen Moderne: Der Spielplan spannt sich dabei von William Shakespeare über Henrik Ibsen bis hin zu Woody Allen und stellt das Literatur- und Schauspielertheater in den Vordergrund. Der Ostflügel des Schauspielhauses, der im Oktober 2011 die Kleine Bühne als Spielstätte ablöste, konzentriert sich auf Ur- und Erstaufführungen, sucht zeitgenössische Theaterformen und neue Ästhetiken. Die Reihe „Nachtschicht“ zeigt das Ensemble und viele Gäste in Veranstaltungen und Programmen, die das Haus mit der Stadt und ihrer (Kunst-)Szene kurzschließen.

Figurentheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Figurentheater hat seit Beginn der Spielzeit 2011/2012 seinen Sitz im Schauspielhaus und bespielt dort die bisherige Kleine Bühne. Die Stücke richten sich nicht nur an ganz junge Zuschauer ab 4 Jahren, auch Erwachsene und Jugendliche finden ihr spezielles Angebot, wobei traditionell Marionetten, Hand- und Stabpuppen zum Einsatz kommen, aber auch offene Spielweisen und Materialtheater zu erleben sind.

Ehrenmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl-Hans Möller, Harald Müller: Theater für die Stadt Chemnitz: Die Intendanz Rolf Stiska 1992-2005, Theater der Zeit, 2006, ISBN 978-3-934344-71-6.
  • Karl-Hans Möller: Nicht ohne Narrheit: Geschichte in Geschichten von und über Hartwig Albiro, Verlag für moderne Kunst Nürnberg, 2008, ISBN 978-3-939738-94-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Schumanns Name entführt“, Freie Presse vom 1. Februar 2008, Seite B6: Zitat: „Die Namensgebenung ‚Robert Schumann‘ im Januar 1983 war keineswegs beschlossenen Sache. Siegfried Lorenz, damals 1. Sekretär der Bezirksleitung der SED, hatte bereits einen abschlägigen Bescheid für den GMD parat. Die Zwickauer seien Sturm gelaufen, dass Karl-Marx-Stadt den Namen für die Philharmonie beanspruchte! Worms Antwort: ‚Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen Karl Marx und Robert Schumann: Beide haben mit der Stadt überhaupt nichts zu tun.‘ Das überzeugte den einflussreichen Parteimann. ‚Jawohl‘, sagte er, ‚wir machen das.‘ So ging der Name des in Zwickau geborenen Komponisten an Karl-Marx-Stadt, aus dem Städtischen Orchester wurde die Robert-Schumann-Philharmonie.“
  2. Welt-Ersteinspielung des Jahres: Matthias Kirschnereit. In: ECHO Klassik. Archiviert vom Original am 9. September 2009, abgerufen am 5. September 2009.
  3. Felix Bender auf der Website der Theater Chemnitz
  4. Spanier García Calvo neuer Generalmusikdirektor in Chemnitz auf freiepresse.de vom 2. Dezember 2016
  5. Karl-Hans Möller: Nicht ohne Narrheit: Geschichte in Geschichten von und über Hartwig Albiro, Verlag für moderne Kunst Nürnberg, S. 118, 121.