Theater Freiburg

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Frontalsicht auf das Theatergebäude mit Haupteingang (2017)
Ostfassade mit Umgebung (2010)

Das Theater Freiburg (teilweise auch Stadttheater Freiburg, ehemals Städtische Bühnen Freiburg) ist das älteste und größte Theater in der Stadt Freiburg im Breisgau. Es befindet sich am Rande der Freiburger Altstadt an der Ecke Bertoldstraße und Platz der Alten Synagoge. Das Gebäude vereint vier Spielstätten unter einem Dach: das Große Haus, das Kleine Haus, die Kammerbühne und den Werkraum. Im Winterer-Foyer finden zusätzlich Autorenlesungen wie die Litera-Tour, aktuelle Vortragsabende wie die Reihe Schule träumen sowie Kammerkonzerte statt. Das Theater wird seit September 2005 als Eigenbetrieb geführt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kornhaus (um 1890)

Der Ursprung des professionellen Theaters in Freiburg liegt im Besuch von Marie Antoinette im Mai 1770 anlässlich ihres Brautzuges, für den die Landstände die Schauspieltruppe Korn’sche Theatergesellschaft engagierten. Die Aufführungen fanden im Theatersaal des Gymnasium Academicum der Jesuiten statt, dem späteren Bertholdgymnasium. Auf dem Grundstück des zerstörten Gebäudes, das nach dem Umzug des Gymnasiums zur ersten Freiburger Universitätsbibliothek wurde,[1] findet sich heute die Buchhandlung Rombach.[2]

Die vorderösterreichische Regierung Freiburg erlaubte der Schauspieltruppe weitere Vorstellungen im Kornhaus am Münsterplatz zu geben. Fortan wurde das Commoedihaus von durchziehenden Theatertruppen bespielt. Nach Aufhebung des Jesuitenkollegs im Jahr 1773 erhielt das Kornhaus 1785 eine neue Bühne mit Einrichtung und Kulissen von ebenda sowie einen kleinen Zuschauersaal mit Parkett und Rängen. Mozarts Entführung aus dem Serail wurde 1793 aufgeführt, ein Jahr später folgte Die Zauberflöte.[2]

Augustiner-Eremiten-Kirche als Stadttheater (1910)

Das Kornhaus wurde bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts genutzt, dessen Räume sich aber zunehmend als ungeeignet für einen „modernen“ Theaterbetrieb erwiesen. So entschloss man sich, die Kirche des leer stehenden Klosters der Augustinereremiten für den Theaterbetrieb zu nutzen. Der Architekt Christoph Arnold wurde beauftragt, das Gebäude entsprechend umzubauen. Im Jahr 1823 konnte dort der Theaterbetrieb aufgenommen werden. 1866 wurde das „Privilegierte Theater“ auf Beschluss des Gemeinderates von der Stadt übernommen. Die erste Spielzeit des nun „Städtischen Theaters“ wurde mit Lessings Emilia Galotti eröffnet.[3]

Stadttheater auf einer Postkarte von Heinrich Hoffmann (ca. 1910)

Das heutige Theatergebäude wurde unter Oberbürgermeister Otto Winterer ab 1905 nach Plänen des Berliner Architekten Heinrich Seeling auf dem Gelände der ehemaligen Bastion „Dauphin“ der Vaubanschen Stadtbefestigung im neobarocken Stil erbaut.[4] Die Bauplastik am Gebäude wurde von Hermann Feuerhahn in Gips modelliert und von sechs Freiburger Bildhauern ausgeführt. Dies waren Julius Seitz, seine Schüler Louis Granget, Theodor Hengst und August Müssle sowie Ludwig Kubanek und Albert Mayer, letzterer aus Berlin.[5] Das Gebäude wurde am 8. Oktober 1910 mit der Aufführung von Wallensteins Lager von Friedrich Schiller und der „Festwiese“ aus Richard Wagners Meistersinger von Nürnberg eröffnet.[4]

Während des Ersten Weltkriegs war der Theaterbetrieb zunächst reduziert und wurde am 14. September 1915 schließlich ganz eingestellt.[6] Bei einem Bombenangriff am 14. April 1917 wurde das Theater an der Südseite getroffen. Der Spielbetrieb wurde im Januar 1919 wieder aufgenommen.

1936 wurde eine neue Spielstätte, die Kammerspiele, mit einer Aufführung des Stücks Der Brandner Kasper schaut ins Paradies von Joseph Maria Lutz eröffnet. Im Sommer 1939 gestaltete Joseph Schlippe, der Leiter des Städtischen Hochbauamts, den Zuschauerraum nach dem Geschmack der Zeit völlig neu: der Jugendstilstuck wurde weitgehend entfernt, der gesamte Raum sollte in einem schlichten Stil erscheinen.

1944 zerstörtes Theater

Am 1. September 1944 wurde das Freiburger wie alle deutschen Theater geschlossen. Wenig später, im Zuge der Bombenangriffe auf Freiburg im November 1944 wurde das Theater massiv beschädigt. Schon im Oktober 1945 wurde der Spielbetrieb jedoch wieder aufgenommen; das erste Stück war Nathan der Weise von Lessing. Gespielt wurde in nicht zerstörten Sälen in der Innenstadt und der Wiehre. Die Kammerspiele bekamen 1946 eine neue Spielstätte in der Wiehre. Das eigentliche Theatergebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter Oberbürgermeister Hoffmann wieder aufgebaut – der Oberbürgermeister warb durch eigene Klavierkonzerte persönlich für den Wiederaufbau und erspielte zudem einen Betrag von 120.000 DM zur Finanzierung des Wiederaufbaus. Im Dezember 1949 konnte das Große Haus mit einer Aufführung von Richard Wagners Meistersingern von Nürnberg wieder eröffnet werden.[7] Im unteren Bereich des nur vereinfacht wieder errichteten Gebäudes eröffneten die beiden Kinos Kamera (heute Winterer-Foyer) und Kurbel (heute Kleines Haus) – auch diese kommerzielle Nutzung sollte der Finanzierung des Wiederaufbaus dienen. 1958 wurden die Kammerspiele in der Wiehre aufgegeben, dafür aber im Theatergebäude das Kammertheater mit Max Frischs Biedermann und die Brandstifter eröffnet.

Stadttheater vor dem Umbau

Bei einem ersten Umbau 1962 wurde unter dem Dach eine Probebühne errichtet. Dabei wurde der charakteristische und erhalten gebliebene Jugendstil-Schaugiebel entfernt. 1970 wurde die Kamera innerhalb des Gebäudes verlegt und in dessen Räumen eine weitere Bühne, das Podium, eingebaut. 1973 gestaltete Horst Antes an der immer noch provisorischen riesigen Westfront des Theaterbaus ein Wandbild mit Emailfarben auf Metallplatten. Mit dem Umbau und der Modernisierung zwischen 1996 und 1998 wurde auch die Kurbel geschlossen, in dessen Räumen das Kleine Haus als Schauspielbühne eingerichtet wurde. Dafür wurde an der Westseite des Gebäudes ein Anbau angefügt, der durch die Cinemaxx-Kinos genutzt wird. Das Kunstwerk von Antes musste dafür wieder abgenommen werden und ist seitdem, in Einzelteile zerlegt, eingelagert.[8]

Im Sommer 2004 ernannte der Freiburger Gemeinderat Barbara Mundel zur Nachfolgerin von Amelié Niermeyer, die das Haus von 2002 bis 2005 leitete. Die Amtszeit von Mundel begann nach einer Interimssaison in der Spielzeit 2006/2007. In den elf Jahren ihrer Arbeit in Freiburg machte das Theater mehrfach im Rahmen der Umfrage der Fachzeitschrift Die deutsche Bühne in der Kategorie "bemerkenswerte Theaterarbeit jenseits der großen Zentren" auf sich aufmerksam.[9] Mundels Hauptanliegen war die Öffnung der Institution Stadttheater zur Stadt sowie die Ausweitung der Programmatik auf aktuelle gesellschaftliche Themen[10], die Generalfrage der Spielpläne der ersten Jahre lautete: "In welcher Zukunft wollen wir leben?" [11] Ein weiterer Schwerpunkt war der Ausbau der Angebote für Kinder und Jugendliche, was 2009 zur Gründung der Sparte "Junges Theater" führte.[12]

In der Spielzeit 2010/11 wurden etwa 30 Premieren präsentiert, hunderte von Vorstellungen stehen jährlich zur Auswahl.

Im Sommer 2012 wurde mit dem ersten von zwei Abschnitten zur Sanierung der Bühnentechnik begonnen, in deren Zuge u.a. die Handkonterzüge durch modernere Technik ersetzt werden. Seit Oktober 2013 gibt es einen Aufzug von der Theaterpassage bis zum 2. Rang.[13] Der zweite Abschnitt begann im März 2014 mit dem Umzug des Großen Hauses für vier Monate in eine mobile Theaterhalle auf dem Ganter-Areal in der Oberau. Auch das Kleine Haus war wegen des Baulärms für die Dauer der Sanierung geschlossen sein. Kammerbühne und Werkraum blieben geöffnet.[14] Wegen Zahlungsschwierigkeiten des Bühnentechnik-Unternehmens Trekwerk konnte die Sanierung nicht termingerecht fertiggestellt werden und die Eröffnung Spielzeit 2014/15 musste um sechs Wochen verschoben werden.[15] Das Theater forderte von Trekwerk Schadensersatz in Höhe der Mehrkosten von zunächst einer halbe Million Euro, später 410.000 Euro, von denen nach Einigung Trekwerk 267.000 Euro erstattet.[16]

Auf den Grünflächen vor dem Theater wurde von 2012 bis zur Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge im Jahr 2017 unter der Regie des Choreografen Graham Smith urbaner Gartenbau betrieben.[17]

Im Sommer 2017 unterlag das Theater der Klage von drei Bühnentechnikern vor dem Arbeitsgericht. Sie waren als künstlerisches Personal eingestuft worden und nicht als Techniker. Daher wurden sie nur befristet angestellt und erhielten keinen unbefristeter Vertrag nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Das Theater ging in die Revision, die nun vor dem Landesarbeitsgericht verhandelt wird. Dessen Urteil hat möglicherweise bundesweit Folgen für die Theater.[18]

Im September 2017 wird Peter Carp, der bisher das Theater Oberhausen leitete, als Intendant das Theater Freiburg übernehmen. In einer Pressekonferenz stellte er im Mai 2017 den Spielplan seiner ersten Spielzeit 2017/18 und sein neues Leitungsteam vor. Neben Chefdramaturg Rüdiger Bering werden u. a. Tatjana Beyer (Musiktheater), Adriana Almeida Pees (Tanz) und Michael Billenkamp (Schauspiel) die künstlerische Handschrift des Hauses prägen. Das Junge Theater wird weiterhin von Michael Kaiser geleitet, der bereits seit 2006 die Freiburger Kinder- und Jugendsparte verantwortet.[19]

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang Kleines Haus

Das Theater Freiburg ist ein Mehrspartenhaus mit Opern- und Schauspielensemble, die Tanzsparte orientiert sich an der Arbeitsweise der Freien Szene. Hinzu kommen das Junge Theater (Motto: Du musst dein Ändern leben), der Chor und das Philharmonische Orchester, das neben dem Opernbetrieb Konzerte im Großen Haus und im benachbarten Konzerthaus gibt.

Der Werkraum ist ein offenes Atelier für das Junge Theater und ein Theaterlabor für die Fragen und Themen unserer Gegenwart. Beispiele sind die Familienkonferenz, ein Rechercheprojekt, das sich dem Thema Erziehung entlang einer Zeitspanne von über hundert Jahren widmete, oder Käpt'n Analog und die digital Natives, ein Mehrgenerationen-Theaterprojekt, das sich mit dem Übergang vom analogen ins digitale Zeitalter beschäftigt hat.

In der Kammerbühne stehen politische Fragen im Vordergrund. Die Festung Europa wird dort aus unterschiedlichen Perspektiven verhandelt. Diverse Veranstaltungen und Theaterformate befassen sich mit Fragen wie: Wer entscheidet, wer hier leben darf? Wovon sprechen wir, wenn wir von Europa sprechen? Wer gehört dazu?

Intendanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahre Intendant
1896–1911 Hans Bollmann
1911–1916 Paul Legband
1919–1921 Heinrich Schwantge
1921–1924 Hans Pichler
1924–1933 Max Krüger
1933–1936 Albert Kehm
1936–1942 Wolfgang Nufer
1942–1945 Paul Hieber
1945–1949 Sigmund Matuszewski (interim)
1949–1951 Franz Everth
1951–1960 Reinhard Lehmann
Jahre Intendant
1960–1969 Hans-Reinhard Müller
1969–1975 Volker von Collande
1975–1976 H. Steiert/K. Seibel (interim)
1976–1983 Manfred Beilharz
1983–1989 Ulrich Brecht
1989–1993 Friedrich Schirmer
1993–2002 Hans J. Ammann
2002–2005 Amélie Niermeyer
2005–2006 Stephan Mettin (interim)
2006–2017 Barbara Mundel
ab Sommer 2017 Peter Carp

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Schadek: Freiburg. ehemals – gestern – heute. Die Stadt im Wandel der letzten 100 Jahre. 2. Auflage. Steinkopf, Kiel 2004, ISBN 3-7984-0771-1, S. 117.
  2. a b Peter Kalchthaler: Freiburg: Viel Theater ums heutige Museum. Badische Zeitung, 20. September 2010, abgerufen am 25. April 2017.
  3. Frank Zimmermann: Freiburg: Kulturgeschichte: Vor 150 Jahren ging das Theater Freiburg in städtische Hand über. Badische Zeitung, 2. September 2016, abgerufen am 2. September 2016.
  4. a b Peter Kalchthaler, Freiburg und seine Bauten, Freiburg 1991, S. 48 ff.
  5. Michael Klant: Vergessene Bildhauer. In: Skulptur in Freiburg. Band 2: Kunst des 19. Jahrhunderts im öffentlichen Raum. Modo, Freiburg 2000, ISBN 3-922675-77-8, S. 164–172, insbesondere S. 172 f.
  6. Giesebrecht, S. 13
  7. Badische Zeitung, Sonderbeilage „Hundert Jahre Theater Freiburg“ vom 8. Oktober 2010
  8. Martin Flashar, Horst Antes zum 75. Geburtstag (PDF; 1,7 MB), KulturJoker Freiburg, Oktober 2011, Zugriff am 14. Oktober 2011
  9. Nachtkritik.de: Einigkeit herrscht nur im Ärger. 29. Juli 2016, abgerufen am 26. Mai 20017 (deutsch).
  10. Jürgen Reuß: Operationen am offenen Herzen der Stadt. Nachtkritik.de, 12. September 2013, abgerufen am 2017-26-5 (deutsch).
  11. Peter Heuberger: Barbara MUNDEL (Intendantin Theater Freiburg): „In welcher Zukunft wollen wir leben?“ Online Merker, Dezember 2013, abgerufen am 26. Mai 2017 (deutsch).
  12. Mundel bleibt Intendantin des Freiburger Theaters. Badische Zeitung, 27. Juli 2009, abgerufen am 26. Mai 2017 (deutsch).
  13. Frank Zimmermann: Freiburg: Das Theater ist endlich barrierefrei - neuer Aufzug eingeweiht. Badische Zeitung, 25. Oktober 2013, abgerufen am 2. September 2016.
  14. Frank Zimmermann: Freiburg: Drei Prozent weniger Besucher im Theater Freiburg. Badische Zeitung, 21. September 2013, abgerufen am 2. September 2016.
  15. Frank Zimmermann: Freiburg: Bühnensanierung: Bauverzögerungen: Theater fordert halbe Million Euro von Firma. Badische Zeitung, 26. Mai 2015, abgerufen am 2. September 2016.
  16. Frank Zimmermann: Freiburg: Teure Verzögerung: Nach Mehrkosten: Theater Freiburg und Bühnentechnik einigen sich auf einen Vergleich. Badische Zeitung, 10. Juni 2016, abgerufen am 2. September 2016.
  17. Claudia Förster: Freiburg: Freie Beete: Kein "Urban Gardening" mehr vor dem Stadttheater Freiburg. Badische Zeitung, 18. April 2017, abgerufen am 18. April 2017.
  18. Julia Littmann: Wirtschaft: Freiburgs Theater verliert vor dem Arbeitsgericht. Badische Zeitung, 13. Juni 2017, abgerufen am 13. Juni 2017.
  19. Bettina Schulte, Alexander Dick: Theater: Peter Carp: Neuer Intendant stellt Programm am Theater Freiburg vor. Badische Zeitung, 12. Mai 2017, abgerufen am 16. Mai 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johanna Flawia Figiel, Jugendstil in Freiburg. Freiburg 1999; ISBN 3-933056-32-2; S.92 ff.: Das Stadttheater: Die Integration von Jugendstilelementen in ein Bauwerk des Späthistorismus
  • Sabine Frigge (Hrsg.), Komischerweise spielen im Woyzeck immer Erbsen mit. Theatergeschichten und Theatergeschichte. 100 Jahre Theater Freiburg. Freiburg 2010.
  • Georg Giesebrecht: Fest verankert in der Stadt. Stadttheater feiert 100-jähriges Bestehen. (PDF; 314 kB) in: Chili, September 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stadttheater Freiburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 59′ 44″ N, 7° 50′ 43″ O