Theaterfigurenmuseum Lübeck

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TheaterFigurenMuseum
Ausstellungsraum TheaterFigurenMuseum Lübeck
Mechanische Figuren
Tierballett, Flachfiguren, um 1900, Dtld
Schattenfigur des Wayang-Kulit Schattentheaters
Ogoni, Nigeria, Afrika, männliche Figuren aus Holz
Elephant und junger Mann, Marionetten Ende 19 Jh., Burma (Myanmar)

Das TheaterFigurenMuseum Lübeck ist ein Museum für die Geschichte und Gegenwart des Puppentheaters in Europa, Afrika und Asien. Im Museum sind Bühnen und Drehorgeln, Schattenspiele, Schlenkermarionetten und allerlei Kuriositäten ausgestellt. Das TheaterFigurenMuseum befindet sich in fünf historischen Kaufmannshäusern der Backsteingotik in der kleinen Straße Kolk in der Altstadt von Lübeck, unweit der St.-Petri-Kirche.

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum entstand aus der jahrzehntelangen Sammelleidenschaft von Fritz Fey, der aus einer Puppenspielerfamilie stammt und auf beruflich bedingten Reisen seinem Hobby nachging: Er sammelte Theaterfiguren, begeistert von der Vielfalt ihrer Ausdrucksmöglichkeiten in den verschiedenen Theatertraditionen des internationalen Puppentheaters. Thematisch verwandt mit den renommierten Spezialsammlungen des Münchner Stadtmuseums und der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, ist es ein Beitrag zur Lübecker Museumslandschaft, der von der Hansestadt Lübeck, der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein und als Träger durch die Possehl-Stiftung als Gesellschafterin[1] gefördert wird. Von 2012 bis 2014 leitete Martina Wagner das Museum, von Dezember 2014 an fungierte die Kunsthistorikerin Felicia Sternfeld als Direktorin.[2] Seit dem 15. November 2015 hat die gebürtige Lübeckerin Antonia Napp die Geschäftsführung inne und löste damit Felicia Sternfeld ab.[3]

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum zeigt etwa eintausend Exponate aus drei Jahrhunderten, sie stammen aus Europa, Afrika und Asien. Das Museum stellt folgende Figurengruppen aus: Handpuppen (z. B. Hohnsteiner Kasper, Punch and Judy), Marionetten und Schlenkermarionetten (z. B. Opera dei Pupi), Stab- (z. B. Hänneschen und Bärbel, Toone) und Fingerpuppen, Marotten, Schattenspielfiguren, Gliederpuppen, Bauchrednerpuppen und mechanische Figuren aller Art.

Zu den herausragenden Exponaten im Museum zählen die phantasievollen Schattenspielfiguren Indonesiens (Wayang), die „Hundeclowns“, die zusammen mit einem echten Hund auftraten, die Metamorphosen, technisch raffinierte Verwandlungspuppen, und der Kopf einer japanischen Bunrakufigur.

Abstrakte Figuren des Kasseler Kunstprofessors Harry Kramer vertreten die Avantgarde in der Sammlung des Museums; sie gehören zu seinem ersten von zwei Programmen 13 Szenen (erstaufgeführt 1955 in der Galerie Springer, Berlin).[4] Sein Mechanisches Theater bestand aus skurril-abstrakten Skulpturen, hergestellt aus Papiermaché, Holz und Draht,[Bild 1] die von zwei Spielern in collageartig angeordneten Szenerien zur Musik auf einer kleinen schwarzen Bühne in Bewegung versetzt werden. Das Figurentheater Kramers zeigte keine Handlungsabläufe, so wie das klassische Marionettenspiel, sondern zu Musikstücken, Jazz und Musique concrète, angelegte Bewegungsabläufe.[5]

Das Museum präsentiert neben Theaterfiguren auch Plakate, Requisiten, Kulissen, Kostüme, Musikinstrumente und ganze Theater. Es ist im Besitz mehrerer Nachlässe, u. a. der Puppenspielerdynastie Schichtl.

Das Museum hat eine kleine Fachbibliothek; der Katalog wird voraussichtlich ab 2016 über den GBV Gemeinsamer Bibliotheksverbund recherchierbar sein.

Mit einem Museumsquiz können Besucher die Thematik vertiefen.

Das Museum verfügt über einen Shop und ein Café.

Von September 2010 bis Ende 2011 wurden im Rahmen des Projektes Digital-fotografische Erfassung des Bestandes des TheaterFigurenMuseum Lübeck[6], das von der Possehl-Stiftung Lübeck gefördert wird, die rund 35.000 Stücke in Ausstellung und Fundus des Museums in großen Teilen fotografiert und die über Fritz Fey verfügbaren Sammlungsangaben digital erfasst. Bilder und Angaben sind für die Öffentlichkeit im Internet frei zugänglich. Ziel ist neben der digitalen Archivierung auch, Sammlern und Wissenschaftlern sowie privaten Fachkundigen und Interessierten auf einer separaten Internet-Arbeitsplattform die Möglichkeit zu geben, an der Korrektur, Ergänzung, Diskussion und Verbesserung der Sammlungsangaben teilzunehmen.

Internationale Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum bewahrt in seiner Sammlung Ausstellungsstücke, die das Immaterielles Kulturerbe der Menschheit repräsentieren. Das Figurentheater erfährt zunehmenden Schutz durch die UNESCO, die bereits das Sizilianisches Marionettentheater „Opera dei Pupi“ (2001), das indonesische Wayang Kulit (2003), das japanische Ningyō Jōruri Bunraku (2003) und das kambodschanische Schattentheater Sbek thom der Khmer (2005) zu Meisterwerken des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit erklärt hat. Auch die Volksrepublik China hat sowohl das Schattenspiel wie auch das Marionettentheater 2006 zum Immateriellen Kulturerbe der Volksrepublik China erklärt und das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes 2004 ratifiziert.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedländer-Plakat
  • Im Sommer 2010 wurden in der benachbarten Petrikirche großformatige Schattenspielfiguren aus Südindien unter backsteingotischen Kirchengewölben schwebend gezeigt.
  • 5. Februar bis 7. Juli 2012: Fundsache Kramer. Entdeckt +++ Erkundet +++ Entwickelt Harry Kramer
  • 13. Juli bis 21. Oktober 2012: Im Reich der Schatten. Chinesisches Schattentheater trifft Peking-Oper
  • 15. Februar bis 12. Mai 2013: Knete, Draht und Kamera. Animations und Puppentrickfilm
  • 28. Juni bis 30. September 2013: Stars an Fäden zu Gast in Lübeck. Die Augsburger Puppenkiste
  • 17. November 2013 bis 16. Februar 2014: Schweben. Leben. Träumen. Eine Mitmachausstellung rund um die Welt der Mumins
  • 6. April bis 9. Juni 2014: Adolph Friedländer - Lithographien & Plakate
  • seit 6. Juli 2014: Feinstes und Vornehmstes Familientheater: Xaver Schichtls Marionetten-Varieté
  • 15. März bis 30. September 2015: Sapperlot! Der Räuber Hotzenplotz auf Achse. Eine Ausstellung mit Theaterfiguren nach Otfried Preußler - Sonderausstellung mit einem Besucherrekord von fast 12.000 Besucherinnen und Besuchern [7]
  • 13. November 2015 bis 7. Februar 2016: Christophe Loiseau. Manipulierte Porträts | Portraits Manipulés. eine Fotoausstellung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Museum für Puppentheater in Lübeck (Hrsg.): Lübeck : Museum für Puppentheater, 1991, 3. Aufl.
  • Vornehmstes Familientheater. Schichtl's Marionetten-Varieté-Theater, Kataloge der Museen in Schleswig-Holstein 9, Kiel 1993
  • Karl Winter's großes mechanisches Marionetten- und Kunstfiguren-Theater, Kataloge der Museen in Schleswig-Holstein 35, Kiel 1997
  • Katharina Urbschat(Text)/Fritz Fey jr.(Fotos): Historische Theater-Figuren, Museum für Puppentheater Lübeck, Sammlung Fritz Fey jr, DrägerDruck, Lübeck 1999, ISBN 3-925402-90-X
  • Astrid Fülbier: Theaterfigurenmuseum Lübeck, in: UNIMA-Zentrum Deutschland (Hrsg.), Das andere Theater Nr. 62, 2006, S. 34–37
  • Astrid Fülbier: TheaterFigurenMuseum Lübeck, Katalog, Lübeck 2009
  • TheaterFigurenMuseum Lübeck / Figurentheater Lübeck / UNIMA Deutschland (Hrsg.), Fundsache: KRAMER - entdeckt, erkundet, entwickelt, Theaterfiguren im Kolk - Band 1: Sonderausstellung - Filmnacht - Symposium, Puppen & Masken, Frankfurt 2012, ISBN 978-3-935011-85-3
  • TheaterFigurenMuseum Lübeck / UNIMA Deutschland (Hrsg.), Im Reich der Schatten - Chinesisches Schattentheater trifft Peking-Oper, Theaterfiguren im Kolk - Band 2: Katalog zur Sonderausstellung, Puppen & Masken, Frankfurt 2012, ISBN 978-3-935011-86-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lübecker Nachrichten vom 29. Dezember 2011, S. 16: Figurenfreund nimmt Abschied
  2. [1]
  3. [2]
  4. Astrid Fülbier: TheaterFiguenMuseum Lübeck, Katalog, Lübeck 2009, S. 100 ff. (Abschnitt: Figurentheater und die Kunst des 20. Jahrhunderts mit Abbildungen des Kleiderbügelmanns (1956) und einer Figur des Mechanischen Theaters (1958), beide S. 103).
  5. Dieter Honisch (Vorw.): 1945–1985 Kunst in der Bundesrepublik Deutschland, Nationalgalerie. Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1985, S. 397
  6. Projekt-Webseite "Digital-fotografische Erfassung des Bestandes des TheaterFigurenMuseum Lübeck"
  7. [3]

Abbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harry Kramer: Mechanisches Theater, Ausstellung Museum Bellerive Zürich 1980/81 (Figuren 1 bis 4 von links)

Koordinaten: 53° 51′ 56,8″ N, 10° 40′ 56,1″ O