Thein Sein

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Thein Sein während des Weltwirtschaftsforums (2010)

Thein Sein ([θéɪɴ sèɪɴ]; * 20. April 1945 in Kyonku, Ngapudaw Township, Irawadi-Division) war von 2011 bis März 2016 der Staatspräsident von Myanmar. Von November 2007 bis Anfang Februar 2011 war er Premierminister des Landes. Wie sein Vorgänger in diesem Amt, Soe Win, stammt auch Thein Sein aus dem Militär. Er gilt als moderater Reformer und hat in seiner Amtszeit eine vorsichtige Öffnung des Landes betrieben.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karriere und Aufstieg im Militärregime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Thein Sein 1968 an einer Militärschule graduiert hatte, diente er über vier Jahrzehnte lang in der Armee als Offizier[1]. 1988 erfolgte eine Verwendung als Major bei der Infanterie. Nach Abschluss einer Generalstabsausbildung und Dienst als Kommandeur des 89. Infanteriebataillons wurde er 1992 zum Oberst befördert. Er diente anschließend in verschiedenen Stäben und wurde 1995 zum Brigadegeneral befördert. 1996 übernahm er für vier Jahre den Oberbefehl über das Triangle Regional Command in Keng Tung an der Grenze zu China, Laos und Thailand. 1997 erfolgte die Beförderung zum Generalmajor und die Berufung in den Staatsrat für Frieden und Entwicklung (SPDC)[2]. Damit wurde er Mitglied der regierenden Militärjunta Burmas.

In rascher Abfolge stieg Thein Sein immer weiter auf.[3] 2002 wurde er zum Generalleutnant befördert und 2003 zum stellvertretenden Sekretär des SPDC ernannt. Nach der Ernennung von General Soe Win zum Regierungschef am 19. Oktober 2004, rückte Thein Sein auf den Posten des Ersten Sekretärs des SDPC nach. Zuvor war er zum Vorsitzenden der Kommission zur Einberufung der Nationalen Versammlung bestimmt worden, die zwischen dem 17. Mai 2004 und dem 3. September 2007 eine neue Verfassung zu erarbeiten hatte.

Premierminister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thein Sein im Jahr 2010

Nachdem der schwer an Leukämie erkrankte Premierminister Soe Win die Amtsgeschäfte nicht mehr wahrnehmen konnte, wurde Thein Sein am 18. Mai 2007 geschäftsführender Regierungschef von Myanmar.[4] Nach dem Tod Soe Wins am 12. Oktober 2007 wurde er von Staatschef Than Shwe am 24. Oktober 2007 – damals noch im Range eines Generalleutnants – zum Premierminister ernannt. Weiterhin führte er unter anderem den Vorsitz bei den Sitzungen der „National Convention Convening Commission“, die federführend bei der Ausarbeitung der neuen Verfassung 2008 war[5]. Kurz nach seiner Ernennung zum Premierminister wurde er zum General befördert, bevor er Laos und Vietnam seinen Antrittsbesuch abstattete[6]. Nach den Zerstörungen durch den Zyklon Nargis leitete er das „National Disaster Preparedness Central Committee“, wobei die Regierung Myanmars infolge des Zyklons stark in die Kritik geriet, als internationalen Helfern der Zugang zu den betroffenen Gebieten verweigert wurde.

Am 29. April 2010 schied er aus dem aktiven Militärdienst aus, um als Zivilist die Union Solidarity and Development Party (USDP) zu leiten.[7] Er führte die Partei anschließend in die Wahlen am 7. November. Die von internationalen Beobachtern als nicht frei und nicht fair bezeichnete Wahlen endeten mit einem hohen Sieg für die USDP auf allen politischen Ebenen. Seinen eigenen Wahlkreis gewann Thein Sein mit 91,2 % gegen einen Kandidaten der Partei der nationalen Einheit.[8]

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Februar 2011 bestimmte ihn das neugewählte Parlament zum Staatspräsidenten. Dies stellte insofern eine Premiere dar, als Thein Sein der erste zivile Präsident Myanmars seit fünfzig Jahren war. Als Vizepräsidenten fungierten Tin Aung Myint Oo, ein hohes Mitglied der Militärjunta, und der bislang politisch nicht in Erscheinung getretene Sai Mauk Kham.[9] Am 30. März 2011 leisteten Thein Sein und seine Stellvertreter den Amtseid.

Thein Sein verfolgte eine Politik der vorsichtigen Öffnung des Landes. Er traf sich beispielsweise am 19. August 2011 mit der bekannten Regimekritikerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Als außenpolitisches Ziel wurde die Ausrichtung des ASEAN-Gipfels 2014 angegeben.

Im Januar 2012 erfüllte Thein Sein innerhalb von nur 48 Stunden zwei wichtige Forderungen westlicher Regierungen, um die Wirtschaftssanktionen gegen sein Land aufzuheben. Die Zentralregierung unterzeichnete zuerst ein Waffenstillstandsabkommen mit den seit Ende der 1940er-Jahre für mehr Autonomie kämpfenden Karen-Rebellen. Danach veranlasste er die Freilassung von 651 Gefangenen, darunter auch 591 politische Häftlinge, für die sich Aung San Suu Kyi eingesetzt hatte. Unter diesen befanden sich die Freiheitskämpfer Min Ko Naing und Ko Ko Gyi. Auch der frühere Premierminister Khin Nyunt wurde aus seinem Hausarrest entlassen.[10] Im Gegenzug strichen die Vereinigten Staaten am 19. September 2012 die Sanktionen gegen Thein Sein und Parlamentschef Thura Shwe Mann.[11]

Mitte Juli 2013 kündigte Thein Sein während einer Auslandsreise in London an, bis Ende 2013 alle politischen Gefangenen freizulassen sowie durch Reformen Konflikte mit mehr als zehn ethnischen Gruppen in Myanmar beizulegen.[12]

Nach dem Erdrutschsieg der Nationalen Liga für Demokratie bei den Wahlen in Myanmar im November 2015 übergab Thein Sein am 30. März 2016 das Amt des Staatspräsidenten an Htin Kyaw als ersten zivilen Präsidenten Myanmars in über 50 Jahren.[13] Am 4. April 2016 wurde er als buddhistischer Mönch geweiht, um fünf Tage im Kloster Dhamma Dipati in Pyin U Lwin in der Mandalay-Division zu verbringen.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thein Sein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lebenslauf von Thein Sein. In: Alternative Asean Network on Burma. Abgerufen am 13. Oktober 2011.
  2. Kandidatenprofil von Thein Sein auf der offiziellen Webseite zu den Wahlen 2010, abgerufen am 19. Oktober 2011
  3. Lt-Gen Thein Sein is new PM. In: Myanmar Times. 29. Oktober 2007, abgerufen am 13. Oktober 2011.
  4. DVB: Burma’s state press names new acting prime minister
  5. Last session of National Convention underway. In: Myanmar Times. 23. Juli 2007, abgerufen am 18. Oktober 2011.
  6. Myanmar PM to visit Laos, Vietnam. In: xinhua. 7. November 2007, abgerufen am 18. Oktober 2011.
  7. Tight Censorship on Reporting USDP. In: THE IRRAWAY. 5. Mai 2010, abgerufen am 6. Juni 2012.
  8. Offizielle Wahlergebnisse für das Naypyidaw Union Territory, abgerufen am 19. Oktober 2011
  9. Parlament wählt neuen Präsidenten. In: Frankfurter Rundschau. 4. Februar 2011, abgerufen am 4. Februar 2011 (deutsch).
  10. Amnestie für 651 Häftlinge: Burma entlässt politische Gefangene bei wienerzeitung.at, 13. Januar 2012 (abgerufen am 13. Januar 2012).
  11. Washington hebt Sanktionen gegen Thein Sein auf
  12. Myanmars Präsident verspricht Haftentlassungen: Politische Gefangene sollen freikommen bei tagesschau.de, 16. Juli 2013 (abgerufen am 16. Juli 2013).
  13. Myanmar swears in Htin Kyaw as first civilian president in decades in: The Guardian, 30. März 2016, abgerufen am 6. April 2016
  14. Myanmar’s ex-president Thein Sein becomes Buddhist monk in: The Guardian, 5. April 2016, abgerufen am 6. April 2016