Themar

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Themar
Themar
Deutschlandkarte, Position der Stadt Themar hervorgehoben
Koordinaten: 50° 30′ N, 10° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Hildburghausen
Höhe: 330 m ü. NHN
Fläche: 20,18 km2
Einwohner: 2878 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 143 Einwohner je km2
Postleitzahl: 98660
Vorwahl: 036873
Kfz-Kennzeichen: HBN
Gemeindeschlüssel: 16 0 69 051
Stadtgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
98660 Themar
Webpräsenz: www.themar.de
Bürgermeister: Hubert Böse (parteilos)
Lage der Stadt Themar im Landkreis Hildburghausen
AhlstädtAuengrundBad Colberg-HeldburgBeinerstadtBischofrodEisfeldBrünnDingslebenEhrenbergEichenbergEisfeldRömhildGompertshausenGrimmelshausenGrubRömhildHellingenHenfstädtHildburghausenKloster VeßraLengfeldMarisfeldMasserbergRömhildRömhildNahetal-WaldauOberstadtReuriethRömhildSachsenbrunnSchlechtsartSchleusegrundSchleusingenSchmeheimSchweickershausenSt. BernhardSt. KilianStraufhainThemarUmmerstadtVeilsdorfRömhildWesthausenThüringenKarte
Über dieses Bild

Themar ist eine Landstadt im Landkreis Hildburghausen im fränkisch geprägten Süden von Thüringen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Themar liegt in Südthüringen am Oberlauf der Werra und im Vorland des Thüringer Waldes. Verkehrsmäßig ist Themar an der Bundesstraße 89 und den Landesstraßen 2628 und 2636 gelegen. Eine Bahntrasse führt auch durch die Landstadt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Henfstädt, Oberstadt, Grub, Lengfeld, Kloster Veßra, Grimmelshausen und Beinerstadt im Landkreis Hildburghausen sowie Grabfeld und Leutersdorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt gehören die Ortsteile Wachenbrunn und Tachbach. Urkundlich wurden Wachenbrunn 1220 und Tachbach 891 erstmals erwähnt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlich des Ortes Tachbach befand sich auf dem Burgberg eine Burg als Herrensitz. Die strategisch günstige Kuppe war mit einem Ring aus Wall und Graben umgeben. Sieben Gruben auf dem Plateau lassen auf abgetragene Gebäude schließen. Bauliche Reste sind nicht mehr vorhanden, aber der Ringwall.[3]

Der Ort Themar wurde im Jahre 796 als Tagamari erstmals erwähnt. Während der Zeit der Stammesherzogtümer gehörte der Ort zum Herzogtum Franken. Der Ort gehörte seit dem 11. Jahrhundert zur Grafschaft Henneberg, seit 1200 war der Ort Sitz eines Zentgerichts. Die Teilung der Grafschaft Henneberg 1274 betraf Themar insofern, als eine Hälfte zu Henneberg-Schleusingen und die andere zu Henneberg-Hartenberg kam. Teilung und spätere Vereinigung brachten den Wechsel des Vogtsitzes im Amt Themar zwischen Osterburg und Themar mit sich.[4]

Plan der Stadt

Im Norden der Altstadt, im Bereich der „Bräu-Wiesen“ um die heutige Anne-Frank-Schule, wird eine hochmittelalterliche Burganlage der Henneberger verortet, die als Ausgangspunkt für die erste Stadtbefestigungsanlage gerechnet wird. Zunächst wurde die Siedlung durch Wall und Graben in Kombination mit Palisaden befestigt. Es gab drei Stadttore und eine Pforte am Hexenturm. 1317 wurden Themar die Stadtrechte verliehen. Die Errichtung einer wehrhaften Stadtmauer mit sieben Rundtürmen wurde erst 1457 von den Henneberger Grafen bewilligt. Die planmäßig entwickelte Stadtanlage wurde in vier Quartiere eingeteilt: das Oberstädter Viertel, das Brückenviertel, das Grabenviertel und das Marktviertel. Jenseits der Werra befand sich eine Vorstadtsiedlung mit den Mühlen und Felsenkellern. Etwa einen Kilometer nördlich der Stadt befand sich als weiter Siedlungskomplex die Wüstung Weißbach, das nahe Kloster Veßra stand in enger wirtschaftlicher und kultureller Beziehung zu Themar. In der Stadtanlage ist seit 1416 eine Bartholomäuskapelle belegt, sie gilt als Vorgängerbau der 1488 begonnenen Stadtkirche. Seit 1418 ist die Oberkirche nachweisbar. Die wirtschaftliche Blütezeit der Stadt lag im Zeitraum von 1585 bis 1620 und konnte durch die Tuchmacherei und den Holzhandel (Werraflößerei) bewirkt werden. Vom historischen Marktplatz mit Rathaus und Brunnen gelangt man auf den Schuhmarkt mit dem Amtshaus, südlich folgte das Brückentor mit der (hölzernen) Werrabrücke. Die Stadtkirche war im Mittelalter von einem Friedhof umgeben. Auf der Ostseite befanden sich die Fleischbänke der Stadt, an der südlichen Stadtmauer befand sich das Brauhaus, vermutlich mit einer Pforte zum Ufer der Werra. Themar beteiligte sich 1602–1697 an der Hexenverfolgung. 19 Frauen und fünf Männer gerieten in Hexenprozesse. Ein Mann und acht Frauen wurden hingerichtet, eine starb unter der Folter. Noch heute erinnert der Hexenturm an der Westseite der Stadtmauer an diese Epoche.[5]

Stadtansicht um 1700

Im Dreißigjährigen Krieg (1634) wurde Themar von den Kroaten eingenommen und geplündert, die Stadt wurde von den abziehenden Reitern in Brand gesetzt und die Mehrzahl der Fachwerkhäuser und Gehöfte zerstört. Nach dem Aussterben der Grafen von Henneberg kam die Stadt zusammen mit dem Amt Themar 1660 an Sachsen-Altenburg, das 1672 in Sachsen-Gothaischen Besitz überging. Nach der Teilung von 1680 kam sie an Sachsen-Römhild. Nach dem Aussterben dieser Linie 1710 wurde die Stadt zwischen Sachsen-Gotha und Sachsen-Coburg-Saalfeld aufgeteilt. 1826 fiel sie letztendlich an Sachsen-Meiningen, das 1920 im Land Thüringen aufging.

Die Stadt besaß bis Mitte der 1930er Jahre eine rege, heimatverbundene jüdische Gemeinde; einige konnten rechtzeitig auswandern, die verbliebenen Juden wurden ab 1942/43 deportiert und die jüdische Gemeinde in Themar völlig ausgelöscht.[6] Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Marisfeld beigesetzt.

Hauptartikel: Jüdische Gemeinde Themar

Ab 1940 wurden 800 Kriegsgefangene aus den von Deutschland besetzten Ländern sowie Zwangsarbeiter vorwiegend aus der Sowjetunion und Polen im Kalkwerk, in den Holzfabriken August Möller, Wilhelm Stockmar, Julius Wilhelm, Alexander Schwarz, Greifzu & Co. und in der Ziegelei Julius Härter eingesetzt.[7]

Am 15. Juli 2017 fand in Themar das von etwa 6000 Neonazis besuchte, als politische Veranstaltung angemeldete Konzert Rock gegen Überfremdung II statt.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Themar (grafisch)

Entwicklung der Einwohnerzahl:

1780 bis 1933

  • 1780: 1.050
  • 1833: 1.367
  • 1885: 1.782
  • 1905: 2.756
  • 1910: 2.960
  • 1933: 2.935

1939 bis 1998

  • 1939: 3.218
  • 1994: 3.500
  • 1995: 3.428
  • 1996: 3.410
  • 1997: 3.385
  • 1998: 3.365

1999 bis 2004

  • 1999: 3.289
  • 2000: 3.279
  • 2001: 3.241
  • 2002: 3.169
  • 2003: 3.126
  • 2004: 3.113

2005 bis 2010

  • 2005: 3.104
  • 2006: 3.098
  • 2007: 3.052
  • 2008: 3.030
  • 2009: 3.001
  • 2010: 2.961

ab 2011

  • 2011: 2.950
  • 2012: 2.969
  • 2013: 2.968
  • 2014: 2.937
  • 2015: 2.878
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[9]
Wbt.: 49,8 % (− 3,7 %p)
 %
60
50
40
30
20
10
0
33,7 %
10,6 %
55,7 %
Pro Themar
Rathaus

Die Stadt besitzt den Status einer kreisangehörigen Gemeinde.

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat in Themar besteht seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 aus 14 Ratsmitgliedern und ist wie folgt zusammengesetzt:

  • Pro Themar: 8 Sitze
  • LINKE: 5 Sitze
  • SPD: 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2000 ist Hubert Böse der Bürgermeister.[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber eine rote hohe Zinnenmauer mit sieben verschiedengestaltigen Türmen dahinter, an der Torstelle ein gevierter goldener Schild, im 1. und 4. Feld auf grünem Dreiberg eine schwarze Henne; das 2. und 3. Feld geteilt: oben ein wachsender schwarzer Doppeladler, unten geschacht von Silber und Rot.“

Das älteste Siegel aus dem 15. Jahrhundert enthält bereits eine siebentürmige Mauer, deren Torstelle mit dem gevierten Hennebergischen Wappenschild belegt ist. Die Henne auf dem Dreiberg ist das Familienwappen der Henneberger, der Doppeladler über dem geschachten Feld charakterisiert diese als Reichsvögte und Burggrafen von Würzburg.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Themar unterhält eine Partnerschaft mit Gerbrunn im Landkreis Würzburg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reste der Stadtbefestigung
Stadtmauer mit Hexenturm
  • St. Bartholomäuskirche: Die spätgotische Kirche wurde im 15. und 16. Jahrhundert errichtet. Sie besitzt in ihrem Inneren eine reiche Ausstattung: den Marienaltar, den Apostelaltar, den Wallfahrtsaltar, den Pièta-Altar (Vesperbild) und eine Mondsichelmadonna aus dem 15. Jahrhundert, alles gotische Schnitzwerke. Seit der Reformation evangelische Kirche.
  • Johanneskirche
  • Stadtmauer
  • Rathaus
  • Marktplatz

Gedenkstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf dem Ortsfriedhof erinnert eine Grabstätte mit Gedenkstein an eine namentlich genannte jugoslawische Frau, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt und Opfer der Zwangsarbeit wurde.
  • Vor dem Friedhofseingang steht, auf Bürgerinitiative beruhend, ein Gedenkstein für die „jüdischen Familien von Themar“ und zu Ehren aller Opfer der Diktaturen.
  • Am 9. November 2015 gedachte Themar seiner ermordeten jüdischen Mitbürger (Verlegung weiterer Stolpersteine).[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Möbelmontage im VEB Südthüringer Möbelwerke (1956)

Themar ist als Unterzentrum eingestuft.

In der Stadt war bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine ansehnliche holzverarbeitenden Industrie ansässig, die 1965 zum über die Bezirksgrenzen hinaus bekannten VEB Südthüringer Möbelwerke in Themar zusammengeschlossen wurde und nach 1990 wieder privatisiert wurde.[12] Ziegeleien, eine Brauerei, eine Papiermühle und mehrere Steinbrüche im Besitz lokaler Baufirmen ergänzten die wirtschaftliche Grundlage der Stadt. In der DDR-Zeit entstand am westlichen Stadtrand ein Getreide-Großsilo.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Themar

Die Stadt hat einen Bahnhof an der Werrabahn und liegt an der B 89. Themar ist Zielpunkt der Bahnstrecke Plaue–Themar. Der Bahnhof ist in das Streckennetz der Süd-Thüringen-Bahn eingebunden, tagsüber sind im Stundentakt u.a. Grimmenthal, Meiningen, Eisenach, Hildburghausen und Eisfeld erreichbar, im Zweistundentakt auch Sonneberg und Neuhaus am Rennweg. Auf der Bahnstrecke Plaue–Themar finden zwischen Themar und dem Bahnhof Rennsteig lediglich Sonderfahrten an Feiertagen statt.

Im Busverkehr ist Themar in das Netz der WerraBus GmbH integriert. Zur Entlastung des Innenstadtverkehrs wurde eine Umgehungsstraße mit Werrabrücke südlich der Altstadt geschaffen.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe des Ortsteils Wachenbrunn befand sich bis Ende 2013 eine große Sendeanlage für Mittelwellenrundfunk, die u. a. zur Verbreitung des Programms der Stimme Russlands diente.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Michael Dilherr, 1640

Personen mit Bezug zu Themar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur und Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Mäder et al: 1200 Jahre Themar. Festschrift zur 1200-Jahrfeier der Stadt Themar. Börner PR, 1996, ISBN 978-3-930675-08-1, S. 176.
  • Themar – Stadt der 7 Türme, Dokumentarfilm (2010), Regie: Robert Sauerbrey

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Themar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Themar – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 242.
  3. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 242.
  4. Geschichte von Themar auf der Homepage der Stadt
  5. Kai Lehmann: Ausstellung „Luther und die Hexen“, Bereich Themar, Bibliothek Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden, 2012; Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 247.
  6. Sharon Meen: Ihre Stimmen leben noch – Jüdisches Leben in Themar. Website, abgerufen am 18. April 2011
  7. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis Deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 133, ISBN 3-88864-343-0.
  8. Matthias Meisner: Polizei ermittelt wegen Hitlergruß von Konzert-Besuchern. Der Tagesspiegel vom 17. Juli 2017
  9. http://www.wahlen.thueringen.de/wahlseite.asp?aktiv=KW01&startbei=kommunalwahlen/KW_wahlergebnisse.asp Gemeinderatswahl 2014 in Thüringen, endgültiges Ergebnis für Themar.
  10. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=BM&wJahr=0000&zeigeErg=GEM&auswertung=1&wknr=069&gemnr=69051&terrKrs=&gemteil=000&buchstabe=&Langname=&wahlvorschlag=&sort=&druck=&XLS=&anzahlH=-5&Nicht_existierende=&x_vollbildDatenteil=&optik=&aktual=&ShowLand=&ShowWK=&ShowPart=&w_datum=14.05.2000
  11. Achim Heß, ,,Heimatkunde — Jüdisches Leben in Themar”
  12. Möbelwerke Themar, aufgerufen am 4. August 2016
  13. Zeitzeugen auf den Webseiten der Stadt Themar, aufgerufen am 10. Oktober 2015