Theoderich der Große

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Münze mit dem Bildnis Theoderichs.

Theoderich, genannt der Große (Flavius Theodericus Rex; * 451/56 in Pannonien; † 30. August 526 in Ravenna, Italien), war ein rex der Ostgoten aus dem Geschlecht der Amaler. Theoderich, der als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Völkerwanderungszeit gilt, fungierte auch zeitweise als Herrscher der Westgoten und herrschte nach seinem Sieg über Odoaker in Italien.

Sein Name im Gotischen lautet Þiuda-reiks, „des Volkes Herrscher“. Theoderich gilt als das historische Vorbild für Dietrich von Bern („Theoderich von Verona“) in der germanisch-mittelalterlichen Heldendichtung.

Leben[Bearbeiten]

Jugend und die Eroberung Italiens[Bearbeiten]

Über Theoderichs Jugendzeit liegen kaum zuverlässige Informationen vor, auch das Geburtsjahr wird in der Forschung unterschiedlich angesetzt (zwischen 451 und 456).[1] Der junge Gote war in seiner Jugend Geisel am Hof des oströmischen Kaisers Leo I. in Konstantinopel (wohl von ca. 459 bis 469),[2] wo er vermutlich rudimentäre Kenntnisse der römischen Verwaltungs- und Herrschaftspraxis erhielt. In dieser Zeit wurde der oströmische Hof von dem Heerführer Aspar dominiert, auf dessen Vorbild sich Theoderich später berufen haben soll, als es um die Frage ging, wieso er nicht selbst Kaiser werden wolle.[3] Er kehrte etwa 469 nach Pannonien zurück und übernahm die Führung einer der dort operierenden gotischen Kriegergruppen.[4] Er folgte 474 seinem Vater Thiudimir als rex seines Gotenverbandes nach, der sein Föderatenreich von Pannonien nach Makedonien verlegt hatte. 476 verlegte Theoderich den Sitz der gotischen foederati wieder an die Donau und diente später in der kaiserlichen oströmischen Armee als hoher Offizier auf dem Balkan. Theoderich wurde 481, nach dem Tod seines Konkurrenten und Verwandten (?) Theoderich Strabo, dessen Gefolgschaft nun zu ihm überging, vom Kaiser zum magister militum (Heermeister) ernannt und bekleidete 484 auch das Konsulat – eine der höchsten Würden im Oströmischen Reich. Dennoch blieben starke Spannungen zwischen Theoderich und dem nunmehrigen Kaiser Zenon (Zeno) bestehen, 486/87 kam es auch zu Kämpfen.

Ende 488 wurde Theoderich dann von Zenon als magister militum bestätigt, zum patricius ernannt und mit einem Feldzug gegen Odoaker in Italien beauftragt. Ob Theoderich aus eigenem Entschluss oder auf Druck des Kaisers nach Italien ging, ist in der Forschung umstritten, doch war das Bündnis (foedus) für beide Seiten von Vorteil: Theoderich konnte ein eigenes Reich gewinnen (wenngleich Zenon Theoderich formal nur als seinen Stellvertreter entsandte),[5] während Zenon den unbequemen Warlord loswurde, dessen Goten in gefährlicher Nähe zu Konstantinopel agierten, und zugleich den rebellischen Odoaker bekämpfen konnte. Theoderich zog im Jahre 489 mit ca. 20.000 Kriegern und deren Familien nach Italien.[6] So kamen zu den etwa 20.000 überwiegend gotischen foederati noch ca. 80.000 weitere Personen hinzu, so dass von einem Gesamttross von etwa 100.000 Menschen ausgegangen werden kann. Nach zunächst wechselhaftem Kriegsverlauf konnte Theoderich im Sommer 490 zunächst bei Verona und anschließend nochmals am Fluss Adda zwei entscheidende Siege erringen und kontrollierte 491, als Zenon starb, den Großteil Italiens. Er belagerte anschließend zwei Jahre lang das als uneinnehmbar geltende Ravenna, konnte die Residenzstadt aber auch nach der Rabenschlacht 493 nicht erobern und stimmte daher einer Verständigung mit Odoaker zu. Nur wenige Tage später ließ er seinen Kontrahenten und dessen Familie aus machtpolitischen Gründen (und weniger aus Rache für die Ermordung der rugischen Königsfamilie, wie Theoderich später behauptete) bei einem Treffen töten. Dabei soll Theoderich Odoaker eigenhändig erschlagen haben.

Die „guten“ Jahre[Bearbeiten]

Edictum Theodorici regis. Fragment. 512

Theoderich nahm nach der Ermordung Odoakers eine Stellung ein, die ihn als Stellvertreter des oströmischen Kaisers in Italien faktisch so gut wie unabhängig machte. Lange Zeit bemühte er sich, dennoch um die Anerkennung seiner Herrschaft durch Konstantinopel, die er 497/98 von Kaiser Anastasius auch erhielt. Theoderich war nun nicht nur der Anführer seiner Goten, sondern zugleich auch das Haupt der weströmischen Regierung.[7] Er galt den Römern als vom Kaiser eingesetzter Verwalter Italiens, während er zugleich rex bzw. König der Ostgoten blieb; seine offizielle Selbstbezeichnung war Flavius Theodericus rex. Die von ihm geführten gotischen Krieger standen aus kaiserlicher Sicht als foederati in römischen Diensten. Zugleich übersandte Anastasius Theoderich die ornamenta palatii, also die Insignien des westlichen Kaisertums, die Odoaker 476 nach Konstantinopel geschickt hatte: Möglicherweise war dies eine Aufforderung an den Goten, einen neuen Augustus für Italien zu erheben. Wenn dem so gewesen sein sollte, so kam Theoderich diesem Wunsch aber nicht nach.[8] Einen lange anhaltenden Frieden im Inneren erreichte der arianische Ostgote durch gleichwertige, aber getrennte Behandlung römisch-italischer (katholischer Christen) und germanischer (arianischer Christen) Gefolgsleute und Beamten. Der oströmische Geschichtsschreiber Prokopios von Caesarea lobte den König später als einen gerechten und starken Herrscher, der in allem außer dem Titel ein wahrer Kaiser gewesen sei.

Die Ansiedlung der Goten in Italien erreichte Theoderich ohne eine größere Konfrontation mit den Italikern. Der Widerstand war sogar so gering, dass manche Forscher – wie etwa der US-amerikanische Mediävist Walter A. Goffart[9] – davon ausgehen, dass es keine Enteignungen der Römer gegeben habe, sondern dass die Goten nur brachliegendes Land sowie einen Anteil an den Steuern erhalten hätten. Trifft dies zu, so wäre damit eine Erklärung für die weitgehend friedliche Koexistenz zwischen der noch immer reichen italischen Senatsaristokratie und den ostgotischen foederati gefunden – wobei freilich diese These nicht unumstritten und die diesbezügliche Diskussion noch nicht abgeschlossen ist. Vielleicht erhielten die Goten auch einfach herrenloses Land. In jedem Fall lässt sich festhalten, dass der patricius Liberius, der im Auftrag des Goten als Prätorianerpräfekt die Ansiedlung bzw. Unterbringung der germanischen Krieger vornahm, diese Aufgabe in sehr kurzer Zeit erfüllte und vielfach für sein Vorgehen gelobt wurde – gerade von Seiten der römischen Grundbesitzer. Womöglich nahmen Theoderichs Krieger auch einfach die Stelle ein, die zuvor die Männer Odoakers besetzt hatten, die ihrerseits 476 das reguläre weströmische Heer (exercitus Romanus) beerbt hatten, so dass sich keine wesentliche Veränderung ergab.

Theoderich stellte sich in die Tradition von Männern wie Ricimer, gab sich also einerseits als Anführer seiner gotischen Krieger und andererseits als weströmischer „Regierungschef“. Er ließ zahlreiche Bauten errichten bzw. erneuern; zu erwähnen ist besonders die weitere Ausgestaltung Ravennas. Auch in Rom wurden noch einmal umfangreiche Erneuerungen an den antiken Bauwerken vorgenommen. In der Verwaltung knüpfte Theoderich weitgehend nahtlos an die spätrömische Praxis an. Der weströmische Senat wurde von ihm ehrenvoll behandelt, und zahlreiche Römer – wie zum Beispiel Boethius und Cassiodor, die als Theoderichs magister officiorum fungierten – dienten dem König in hohen Verwaltungsämtern, vereinzelt auch als Feldherren. Ebenso ernannte er weiterhin Konsuln, die bald auch von Ostrom anerkannt wurden, und ließ zahlreiche Geldspenden anlässlich seiner Jubiläen verteilen sowie Circusspiele veranstalten; auch Statuen von ihm wurden errichtet, die Römer bezeichneten ihn vereinzelt sogar als Augustus.[10] Ein Beispiel für die Rechtspraxis Theoderichs ist das so genannte Edictum Theoderici. Es bleibt festzuhalten, dass die spätantike Kultur in Italien, die auch unter Odoaker keinen Einbruch erlebt hatte, auch unter der Gotenherrschaft weiter aufblühte. Der hochgebildete Philosoph Boethius, der griechische Texte ins Lateinische übersetzte, fungierte als hoher Staatsbeamter, während sein Schwiegervater Symmachus eine (heute bis auf ein Fragment verlorene) Historia Romana verfasste.[11]

Monogramm Theoderichs am oberen Rand des Kapitells einer Säule des Venezianischen Palasts an der Piazza del Popolo im Zentrum Ravennas.

In Religionsfragen zeigte sich der Arianer Theoderich tolerant und um Ausgleich bemüht. In einem Brief an die Juden ließ er wissen: „Religion können wir nicht anbefehlen, da es niemandem in den Sinn kommen wird, dass er gegen seinen Willen glaubt“.[12] Er entschied 498 eine strittige Papstwahl zwischen Laurentius und Symmachus zugunsten des letzteren. Es kam dadurch zum sogenannten Laurentianischen Schisma. Symmachus konnte sich erst 506 durchsetzen. Während der Herrschaft Theoderichs kam es zu keinen religiösen Verfolgungen (etwa gegen Katholiken oder Juden). Auch im akakianischen Schisma, das zwischenzeitlich (bis 519) ost- und weströmische Kirche in der Frage des Umgangs mit den monophysitischen Christen entfremdete, agierte Theoderich vorsichtig, obwohl ihm die Entfremdung sowohl als Arianer als auch politisch durchaus entgegenkam. Zugleich förderte er aber, wo es ihm möglich war, das arianische Bekenntnis und ließ arianische Kirchen errichten bzw. ausbauen. Der prächtige Codex Argenteus, eine kostbare Handschrift der gotischen Bibelübersetzung, wurde in seiner Regierungszeit in Italien gefertigt.

Hartnäckigster Konkurrent war bis zu dessen Tod der Franke Chlodwig I., der Theoderichs Bündnispolitik, die auf die Einbindung der germanischen Reiche abzielte (vgl. Völkerwanderung), nach Kräften bekämpfte und sich um 507 wohl mit Anastasius gegen die West- und Ostgoten verbündet hatte. Daran änderte auch der Umstand nichts, dass Theoderich im Rahmen seiner gegen Ostrom gerichteten Heirats- und Bündnispolitik 493 die fränkische Merowingerin Audofleda – Tochter Childerichs I. und Schwester Chlodwigs – geheiratet hatte. In diesen Jahren übte Theoderich als Nachfolger der weströmischen Regierung de facto eine Hegemonie über die foederati des Westens aus, wenngleich er selbst die zumindest nominelle Oberhoheit des Kaisers anerkannte.

Theoderichs „Außenpolitik“ war anfangs zwar sehr erfolgreich und sicherte die Grenzen seines italischen Reiches, doch hatte sie letztendlich keinen Erfolg: Als Chlodwig den Westgotenkönig Alarich II. 507 besiegte und tötete, griff Theoderich erst nach einigem Zögern (er war auf dem Balkan gebunden, wo es damals zu Kämpfen mit Ostrom kam) ein; der gallische Teil des Westgotenreichs fiel größtenteils an die Franken. Nach einem innergotischen Krieg (bis 511) wurde er als Vormund des noch unmündigen neuen rex der Westgoten (sein Enkel Amalarich) auch deren Herrscher. 515 verheiratete er seine Tochter Amalasuntha mit dem westgotischen Amaler Eutharich, allerdings starb dieser nur wenig später (ca. 523), so dass die dynastische Verbindung zwischen dem west- und ostgotischen Reich nur eine Episode blieb. Theoderich konnte auch nicht verhindern, dass die mit ihm verbündeten Heruler auf dem Balkan von den Langobarden geschlagen wurden.

Tod und Ausblick[Bearbeiten]

Reich Theoderichs 508 n.Chr.

Wie bereits beschrieben, erlebte die römische Kultur der Spätantike unter Theoderich eine bemerkenswerte Nachblüte, und mehrere Forscher zählen die ostgotische Zeit Italiens aufgrund zahlreicher Kontinuitäten noch zur weströmischen Geschichte.[13] Der gute Eindruck wurde in den letzten Regierungsjahren Theoderichs allerdings getrübt. Hintergrund der Ereignisse waren Parteikämpfe am Hof von Ravenna zwischen der pro-(ost)römischen und der antikaiserlichen Fraktion sowie zwischen verschiedenen Gruppierungen innerhalb des Senats. Der Senator Boethius, magister officiorum und ein bedeutender Gelehrter, hatte sich schützend vor den Senator Albinus gestellt, der in einem kompromittierenden Briefverkehr mit Konstantinopel gestanden hatte und deshalb von anderen, gotenfreundlichen Senatoren des Hochverrats bezichtigt worden war. Offenbar hat Boethius jedoch recht ungeschickt agiert, die Folge war, dass auch gegen ihn selbst Anklage erhoben wurde und er einige Zeit später (noch 524 oder erst 526) hingerichtet wurde. Das Urteil sprach dabei nicht etwa Theoderich, sondern ein Senatsgericht. Auch der Schwiegervater des Boethius, der prominente Senator Symmachus, wurde schließlich von seinen Standesgenossen verurteilt und hingerichtet – ob sich Theoderich in diesen Fällen aber wirklich einmischte und inkorrekt verhielt, wird heute oft bezweifelt: Sowohl Anklage als auch Verurteilung gingen ja auf römische Senatoren zurück. In spätantiken Quellen (Anonymus Valesianus, Prokopios) wird der Gote für sein Vorgehen allerdings durchaus kritisiert, da man letztlich ihm die Verantwortung zuschrieb, weil er die Hinrichtungen zumindest habe verhindern können, hätte er es gewollt.

Das Grabmal Theoderichs des Großen im Theoderich-Park (Parco di Teodorico) von Ravenna.

Ostrom zeigte seit 518 wieder vermehrtes Interesse an den Vorgängen im Westen, und seit 519 bestand auch wieder eine Kirchenunion zwischen dem Kaiser und den katholischen Christen Italiens. Theoderich fühlte sich – vielleicht mit Grund – bedroht und reagierte offenbar empfindlich. Erstmals kam es nun zu religionspolitischen Maßnahmen gegen Katholiken, die er verdächtigte, mit Ostrom zu konspirieren. Sein Plan eines germanischen Bündnissystems (mit den Burgunden und Westgoten) war gescheitert. Ebenso hatte seine Ehe- und Nachfolgepolitik keinen nachhaltigen Erfolg. Doch noch 519 gelang es Theoderich, seinen Schwiegersohn Eutharich vom neuen oströmischen Kaiser Justin I. als Waffensohn annehmen zu lassen (adoptio ad armas), was als kaiserliche Garantieerklärung für die Herrschaft der Amaler verstanden werden konnte. Der frühe Tod des präsumtiven Nachfolgers machte diese Hoffnung zwar zunichte, doch betrachtete der Kaiser immerhin auch Eutharichs kleinen Sohn Athalarich als legitim.

Der Tod Theoderichs leitete das Ende der ostgotischen Herrschaft über Italien ein, da es bald zu Thronstreitigkeiten kam. Theoderichs Nachfolger wurde sein unmündiger Enkel Athalarich, der schon 534 starb und für den ohnehin dessen Mutter Amalasuntha, die Tochter Theoderichs, die Regierungsgeschäfte geführt hatte. Diese wurde von ihrem Verwandten Theodahad von der Macht verdrängt. Kaiser Justinian, in dessen Augen offenbar nur direkte Nachfahren Theoderichs das Recht besaßen, in kaiserlichem Namen Italien zu beherrschen, ergriff die Gelegenheit und ließ das alte Kernland Westroms durch seine Generäle Belisar und Narses erobern (535 bis ca. 552). Vor allem die letzte Phase dieses Krieges fügte der italischen Ökonomie derart schwere Schäden zu, dass viele antike Traditionen abbrachen.

Theoderichs monumentales Grabmal in Ravenna, eines der originellsten Bauwerke der Spätantike, ist heute leer. Ein zeitgenössisches Porträt Theoderichs ist auf dem Goldmedaillon aus Senigallia erhalten geblieben, das sich jetzt im römischen Nationalmuseum befindet.[14]

Bronzestatue Theoderichs (1512/13) von Peter Vischer d.Ä. in der Innsbrucker Hofkirche

Rezeption[Bearbeiten]

Theoderich der Große gehört wie Attila, Gunther und Ermanarich zu den wenigen Figuren der Völkerwanderungszeit, deren Andenken noch jahrhundertelang in der mündlichen heroischen Epik lebendig blieb. Als Dietrich von Bern - also „Theoderich von Verona“ - spielt er in der deutschen Heldensage eine bedeutende Rolle (Dietrichepik) und erscheint auch in der Nibelungensage. Die Sagenbildung stellt dabei die historischen Tatsachen geradezu auf den Kopf: Dietrich wird in der Sage aus seinem Erbreich Italien vertrieben, muss lange Jahre im Exil bei dem Hunnen Etzel/Attila verbringen und bei seiner Rückkehr gewaltige Schlachten um Verona (das im Mittelalter Bern genannt wurde) und Ravenna („Rabenschlacht“) bestehen. Jedoch hatte eine Umdeutung der tatsächlichen Ereignisse zugunsten Theoderichs bereits zu seinen Lebzeiten in der gotischen Hofhistoriographie eingesetzt.

Eine Gedenktafel für ihn fand Aufnahme in die Walhalla bei Regensburg.

Quellen[Bearbeiten]

Wichtige Quellen stellen unter anderem der Anonymus Valesianus (2. Teil), das Geschichtswerk des Malchus von Philadelphia (nur fragmentarisch erhalten) sowie einige Passagen im Werk des Prokopios von Caesarea (vor allem Bella, 5. Buch) dar. Auch Magnus Felix Ennodius und Jordanes (wenngleich dieser nicht immer zuverlässig ist) bieten nützliche Informationen, wie auch die diversen Gesetzeserlasse. Von großer Bedeutung sind die Variae Cassiodors, gesammelte Urkunden und Aktenstücke der ostgotischen Kanzlei, die einen recht detaillierten Einblick in die innere Struktur des Ostgotenreiches erlauben. Erhalten ist auch Cassiodors knappe Chronik, wohingegen seine Gotengeschichte verloren gegangen ist; sie wurde aber von Jordanes benutzt (in welchem Umfang ist unklar).[15]

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Ludwig Janus (Hrsg.), eingeleitet, übersetzt und kommentiert von Peter Dinzelbacher: Briefe des Ostgotenkönigs Theoderich der Große und seiner Nachfolger. Aus den »Variae« des Cassiodor. Mattes Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3868090338
  • Ingemar König: Aus der Zeit Theoderichs des Großen. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar einer anonymen Quelle. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997. [Anonymus Valesianus II]

Literatur[Bearbeiten]

Überblickswerke, Biographien und Fachartikel
  • Jonathan J. Arnold: Theoderic and the Roman Imperial Restoration. Cambridge University Press, Cambridge 2014.
  • Frank M. Ausbüttel: Theoderich der Große. Primus Verlag, Darmstadt 2004, ISBN 3-89678-470-6 (knappe Einführung in das Thema).
  • Wilhelm Enßlin: Theoderich der Große. 2. Auflage. Bruckmann, München 1959 (immer noch ein nützliches Werk, das ausführlich das Leben Theoderichs beschreibt).
  • Amilcare Giovanditto (Hrsg.): Teodorico il Grande e i Goti d’Italia. Atti del XIII Congresso internazionale di studi sull’Alto Medioevo 1992. Centro italiano di studi sull’alto Medioevo, Spoleto 1993, ISBN 88-7988-112-4.
  • Peter J. Heather: Theoderic, King of the Goths. In: Early Medieval Europe. Band 4, 1995, S. 145–173.
  • John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford University Press, Oxford 1992, ISBN 0-19-814781-3.
  • Herwig Wolfram: Die Goten. Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. Entwurf einer historischen Ethnographie. 5. Auflage. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-33733-8.
Lexikonartikel
Quellenstudien und Rezeption
  • Andreas Goltz: Barbar – König – Tyrann. Das Bild Theoderichs des Großen in der Überlieferung des 5. bis 9. Jahrhunderts. de Gruyter, Berlin/New York 2008, ISBN 3-11-018985-2.
  • Elisabeth Lienert: Dietrich-Testimonien des 6. bis 16. Jahrhunderts. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2008, ISBN 978-3-484-64504-2, ISSN 1611-7581.
  • Edith Marold: Wandel und Konstanz in der Darstellung der Figur des Dietrich von Bern. In: Heinrich Beck (Hrsg.): Heldensage und Heldendichtung im Germanischen. de Gruyter, Berlin/New York 1989, ISBN 3-11-011175-6, S. 149–182 (Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Ergänzungsbände Nr. 2).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Theodoric the Great – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. Herwig Wolfram: Theoderich der Große. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 30, Berlin u.a. 2005, S. 415 ff.
  2. Anders Wilhelm Enßlin: Theoderich der Große. 2. Auflage, München 1959, S. 13; demnach kam Theoderich erst 461 nach Konstantinopel.
  3. Vgl. MGH AA 12,425.
  4. Nach Wilhelm Enßlin: Theoderich der Große. 2. Auflage, München 1959 S. 33, verließ Theoderich Konstantinopel erst 471. Dagegen spricht, dass Theoderich im Jahr 500 sein 30-jähriges Herrschaftsjubiläum feierte und dies auf einen Sieg im Jahr 470 (nach seiner Rückkehr zu den Goten) zurückzuführen ist, vgl. Herwig Wolfram: Die Goten. Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. Entwurf einer historischen Ethnographie. 4. Auflage. München 2001, S. 264ff.
  5. Zur unklaren und viel diskutierten Stellung Theoderichs in Italien vgl. unter anderem Wilhelm Enßlin: Theoderich der Große. 2. Auflage, München 1959, S. 74ff.; John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford 1992, S. 32ff.; Herwig Wolfram: Die Goten. 4. Auflage. München 2001, S. 286ff.
  6. Überblick bei Wilhelm Enßlin: Theoderich der Große. 2. Auflage, München 1959, S. 62ff.; Herwig Wolfram: Die Goten. 4. Auflage. München 2001, S. 279ff.
  7. Vgl. Henning Börm: Westrom. Von Honorius bis Justinian. Stuttgart 2013, S. 129 ff.
  8. Vgl. Henning Börm: Das weströmische Kaisertum nach 476. In: Josef Wiesehöfer u. a. (Hrsg.), Monumentum et instrumentum inscriptum. Stuttgart 2008, S. 47ff.
  9. Walter A. Goffart: Barbarians and Romans A.D. 418–584. The techniques of accomodation. Princeton 1980.
  10. So etwa in einer berühmten Inschrift (ILS 827). Vgl. Herwig Wolfram: Die Goten. 4. Auflage. München 2001, S. 288.
  11. Zur gotischen Verwaltung in Italien sowie zur dortigen Kultur vgl. allgemein Wilhelm Enßlin: Theoderich der Große. 2. Auflage. München 1959, S. 237ff.; John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford 1992, S. 66ff. und S. 140ff.
  12. Religionem imparare non possumus, quia nemo cogitur ut credat invitus“, zitiert nach Karl von Montalembert: Die Mönche des Abendlandes vom hl. Benedikt bis zum hl. Bernhard. Aus dem Französischen übersetzt von Karl Brandes. 2. Band, 2. Auflage, Regensburg 1885, S. 80.
  13. So etwa Henning Börm: Westrom. Von Honorius bis Justinian. Stuttgart 2013; Massimiliano Vitiello: Momenti di Roma ostrogota. Aduentus, feste, politica. Stuttgart 2005.
  14. Giuseppe Bovini: Ravenna – Kunst und Geschichte. Ravenna 1991, S. 123; Philipp von Rummel: Habitus barbarus – Kleidung und Repräsentation spätantiker Eliten. Berlin 2007, S. 258.
  15. Ausführlicher Überblick bei Andreas Goltz: Barbar – König – Tyrann. Das Bild Theoderichs des Großen in der Überlieferung des 5. bis 9. Jahrhunderts. Berlin u.a. 2008.
Vorgänger Amt Nachfolger
Thiudimir König der Ostgoten
474–526
Athalarich
Gesalech König der Westgoten
511–526
Amalarich