Theodor Gotthold Thienemann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Theodor Gotthold Thienemann (* 29. September 1754 in Altenburg; † 2. Februar 1827 in Rochlitz) war ein deutscher lutherischer Theologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Altenburger Hofpredigers und späteren Superintendenten in Orlamünde Christian August Thienemann[1] und dessen Frau Johanna Dorothea Petzold[2], hatte seine erste Ausbildung in Orlamünde erhalten. 1770 bezog er die Universität Jena, wo er anfänglich ein Studium der Rechtswissenschaften absolvierte und dann zur Theologie umschwenkte. Nach der Rückkehr in seine Heimat beschäftigte ihn ab 1774 der Unterricht des jüngeren Bruders August Renatus Gottfried Thienemann [3], der später Pfarrer in Löbichau bei Jena war. Nach dem Tod seines Vaters hatte Thienemann dessen Pfarrei mit dem dortigen Diakon verwaltet und bezog Ostern 1781 abermals die Jenaer Hochschule, die er jedoch aus gesundheitlichen Gründen nach einem halben Jahr wieder verließ.

Anschließend war er Privatlehrer in Hummelshain, wurde 1782 Hilfsgeistlicher beim Konsistorium in Altenburg und 1788 Prediger am Magdalenenstift in Altenburg. Als Inspektor der Landkirchen und Landschulen im Altenburger Land hatte er sich seit 1789 Verdienste erworben, außerdem durch die Errichtung eines Schullehrerseminars und eines Predigerkollegiums. 1795 ging er als Prediger nach Kohren, hatte 1813 eine Hofpredigerstelle in Altenburg abgelehnt und wurde am 31. Oktober 1817 Oberpfarrer und Superintendent in Rochlitz. Auf Betreiben seines Freundes Johann Severin Vater erhielt er am Tag seines Dienstantritts in Rochlitz von der theologischen Fakultät der Universität Königsberg den akademischen Grad eines Doktors der Theologie verliehen. Nachdem er bis ins hohe Alter gesundheitlich rüstig gewesen war, starb er an einem heftigen Brustleiden.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thienemann hatte sich meistens mit der Kirchengeschichte und Patristik beschäftigt. Seine philosophische Bildung verdankte er einem anhaltenden Studium von Immanuel Kants Schriften, den er sehr schätzte, ohne deshalb ein entschiedener Anhänger seines Systems zu sein. Den philosophischen Kopf zeigten nicht nur mehrere seiner in theologischen Zeitschriften mitgeteilten Abhandlungen, sondern auch seine Predigten. Er pflegte sie wörtlich niederzuschreiben und auch so zu halten. Sein Kanzelvortrag war belehrend und anziehend, und eine wohltönende Sprache unterstützte ihn bis in seine spätesten Lebensjahre. Neben der Theologie beschäftigte er sich mit andern wissenschaftlichen Zweigen, besonders mit Astronomie und Numismatik. Der gewissenhaften Erfüllung seiner Berufspflichten taten jene Beschäftigungen keinen Eintrag.

Seinen Charakter als Mensch zierte strenge Redlichkeit und ein in jeder Hinsicht unbescholtener Lebenswandel. Er konnte daher streng sein in seinem Urteil über die Lebensweise seiner Amtsbrüder. Obgleich er durch seine wenigen Schriften zu keiner eigentlichen Berühmtheit gelangte, so sprachen sie doch, besonders mehrere seiner Abhandlungen in theologischen Journalen, für die Gründlichkeit seines Wissens und für seinen Scharfsinn. Dahin gehört besonders, was er über den Atheismus des Diagoras in Georg Gustav Fülleborns (1769–1803) Beiträgen zur Geschichte der Philosophie[4] und über den Gebrauch der sogenannten moralischen Schriftauslegung auf der Kanzel im Journal für Prediger [5] mitteilte.

In der eben angeführten Zeitschrift[6] ließ er auch seinen sehr gelungenen Versuch einer Charakteristik der Kirchenväter und in Karl Friedrich Stäudlins Magazin für Religion, Moral und Kirchengeschichte [7] seine Geschichte der Lehre von Gottes Vorsehung drucken. Außer den Beiträgen zur christlichen Erbauung, die er 1802 herausgab, ist noch eine 1798 erschienene Schrift wichtig, weil er in ihr den richtigen Standpunkt angab, aus welchem alle Versuche, die Wundergeschichten des Neuen Testaments natürlich zu erklären, notwendig betrachtet werden muss.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus seiner am 7. Juli 1795 geschlossene Ehe mit Christiana Friederica Concordia, der Tochter des Pfarrers in Kohren Centurius Ludwig Crusius[8] und dessen Frau Sophia Friederica Zakrewsky[9], gingen fünf Söhne hervor, wovon jedoch nur drei Söhne den Vater überlebten. Bekannt von den Kindern ist[10]:

  • Ernst Julius Thienemann (* 11. Juli 1796 in Kohren; † 27. Mai 1858), Pastor in Tegkwitz
  • Gotthold Ferdinand Thienemann (* 6. April 1798 in Kohren; † 21. September 1800 ebenda)
  • August Eduard Thienemann (* 9. Oktober 1800 in Kohren; † 30. April 1870 in Kötzschenbroda)
  • Wilhelm Ferdinand Thienemann (* 22. Mai 1803 in Kohren; † 2. Februar 1855 in Neukirchen, Kr. Borna)
  • Richard Emil Thienemann (* 23. November 1806 in Kohren; † 8. April 1813 in Kohren)

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwei Predigten über die Lehre vom zukünftigen Leben. Altenburg 1794
  • Bestimmung des Standorts, von welchem alle Versuche, die Wundergeschichten des Neuen Testaments aus natürlichen Ursachen zu erklären, zu betrachten sind. Leipzig 1798
  • Anweisung für Schullehrer auf dem Lande zur pflichtmäßigen Verwaltung ihres Amts. Leipzig 1798
  • Beiträge zur christlichen Erbauung. Altenburg 1802

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich August Schmidt: Neuer Nekrolog der Deutschen. Bernhard Friedrich Voight S. 133, (Online)
  • Georg Christoph Hamberger, Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland, oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. Verlag Meyer, Lemgo, 1800, 5. Aufl., Bd. 8, S. 44, (Online); 1803, Bd. 10, S. 741, (Online); 1827, Bd. 21, (Online)
  • Heinrich Doering: Die gelehrten Theologen Deutschlands im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert. Verlag Johann Karl Gottfried Wagner, 1835, Neustadt an der Orla, Bd. 4, S. 470, (Online)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. * 7 Apr 1717 in Etzdorf; Vater Gottfried Thienemann, Mutter Dorothea Elisabeth Schumann, 1732 Gym. Gera, Gym Eisenberg, 1736 Uni. Jena, 1739 Mag. phil., 1739 Hauslehrer Freiburg/Unstrut, 1742 Hauslehrer Altenburg, Ostern 1744 Feldprediger Gotha (Leib.Regiment) während dieser Zeit Städte am Rhein und in Holland besucht, 1747 Hofprediger Altenburg berufen, 1748 Antritt, 1755 Sup. Orlamünde, † 30. Juni (Juli, Ende November, 25. November ?) 1780 in Orlamünde (Quelle: Johann D. Gschwend: Eisenbergische Land-Chronika. Verlag Christian Heinrich Walther, Eisenberg, 1758, (Online), Bernhard Möller: Thüringer Pfarrerbuch- Bd.1: Herzogtum Gotha. Verlag Degner und Co., 1995, Neustadt/Aisch, ISBN 3768641430, S. 658)
  2. * 3. Oktober 1734 in Langenleuba; verh. 11. Mai 1751 in Schmölln; † 30. Juli 1780 in Orlamünde (Quelle: Pfarrbuch ebd.)
  3. siehe: Neuer Nekrolog der Deutschen. Bernhard Friedrich Voigt, Weimar, 1838, 14. Jg., 1836, 1. Teil, S. 410, (Online)
  4. 1799. St. 2. S. 15 f.
  5. Bd. 34. S. 377 f.
  6. Bd. 49. S. 385 u. f. Bd. 55. S. 1 f.
  7. 1804. Bd. 3. St. 1.
  8. * 19. September 1738 in Torgau, Vater Georg Friedrich Crusius Ratsherr in Torgau (* 15. Juli 1692 in Chemnitz; † 25. Mai 1743 in Torgau), Mutter Christiana Charlotte Concordia Henkel (* 10. Januar 1706 in Torgau; † 18. Juni 1774 in Flemmingen), 1752 Landesschule St. Afra in Meißen, immatr. 4. Mai 1754 (gratis) Universität Wittenberg, 30. April 1759 Mag. phil. ebd., 1772 Pfarrer in Flemmingen, 1784 Pfarrer in Kohren, † 20. August 1795 in Kohren (Quelle: August Hermann Kreyßig, Paul Hermann Kreyßig, Otto Eduard Wilsdorf: Album der evangelisch-lutherischen Geistlichen im Königreiche Sachsen, von der Reformationszeit bis zur Gegenwart. Verlag Robert Raab, 1898 Crimmitschau, 2. Aufl., S. 297, Matrikel UWB, Stammliste CRUSIUS (KRAUS) Balthasar I (eingesehen 3. Dezember 2010))
  9. * 1. September 1750 in Pretzsch, Vater Michael Zakrzewsky, Mutter Helene Sophia Bruckret verh. 11. Mai 1773 in Pretzsch; † 8. Februar 1831 Nenkersdorf
  10. vgl. auch Genealogie Seite (eingesehen am 3. Dezember 2010)