Theodor Griesinger

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Carl Theodor Griesinger (* 11. Dezember 1809 in Kirnbach bei Wolfach; † 2. März 1884 in Stuttgart) war ein deutscher Schriftsteller und Geistlicher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Griesinger studierte in Tübingen Evangelische Theologie. Während seines Studiums wurde er 1827 Mitglied der Tübinger Commentburschenschaft. Nach seinem Studium war er eine Zeit lang im geistlichen Amte tätig, widmete sich aber schließlich der Schriftstellerei.

Er debütierte mit den beifällig aufgenommenen „Silhouetten aus Schwaben“ (Heilbr. 1838; 4. Aufl., Stuttg. 1868), redigierte 1839–41 die Zeitschrift „Der schwäbische Humorist“ und trat dann in eine Buchhandlung ein. Im Laufe der Märzrevolution 1848 gründete er das demokratische Blatt „Die Volkswehr“, verfiel einem Hochverratsprozess und musste zwei Jahre in Untersuchungshaft auf dem Hohenasperg verbringen. Schließlich von den Geschworenen freigesprochen, wanderte er nach Nordamerika aus, kehrte aber 1857 nach Stuttgart zurück, wo er am 2. März 1884 starb.

Griesingers Roman „Jud Süß Oppenheimer“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Rückkehr aus Nordamerika setzte Griesinger seine Schriftstellerei in Stuttgart fort. Sein Fortsetzungsroman „Jud Süß oder Württemberg wie es war von 1734 bis 1737“[1] ist geprägt von einer extrem antijüdischen Darstellungsweise und groben historischen Entstellungen.[2] Heftigen Widerspruch äußerte noch im Jahr der Publikation die Allgemeine Zeitung des Judentums. Griesingers „Jud Süß“ übertreffe an Judenfresserei Alles […] was in dieser Richtung noch geliefert worden.[3]

Werke (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lebende Bilder aus Amerika, Stuttgart, 1858
  • Emigrantengeschichten, 2 Bände, Stuttgart, 1858
  • Die alte Brauerei, oder Kriminalmysterien aus New York, Tuttlingen, 1859
  • Im hohen Norden, Reisen und Abenteuer in den Polarländern, Stuttgart, 1864
  • Mysterien des Vatikans, Stuttgart, 1865
  • Die Jesuiten, 2 Bände, Stuttgart, 1866
  • Das Damenregiment an den verschiedenen Höfen Europas, 4 Bände, Stuttgart, 1866–1870
  • Württemberg, nach seiner Vergangenheit und Gegenwart in Land und Leuten geschildert, Stuttgart, 1866
  • Von 1789 bis 1866. Illustrirte Geschichte der Neuzeit von der französischen Revolution bis auf unsere Tage, Leipzig und Stuttgart, 1867
  • Die Geheimnisse des Escurial: Nachtbilder und Blutscenen vom spanischen Königshofe, Stuttgart, 1869
  • Illustrirte Geschichte der Neuzeit von 1866 bis 1869, Stuttgart, 1870
  • Zwölf Schicksalswege, 3 Bände, Stuttgart, 1870

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Theodor Griesinger: Jud Süß oder Württemberg wie es war von 1734 bis 1737, in: Dr. Theodor Griesinger (Hrsg): Schwäbische Familien-Chronik. Vaterländische Novellen, Sagen und Geschichten, Zweiter Jahrgang, 2 Bände, Stuttgart 1860
  2. Vergleiche Barbara Gerber: Jud Süß. Ein Beitrag zur historischen Antisemitismus und Rezeptionsforschung, Hamburg 1990, S. 537, Anmerkung 13. Gerber schreibt : Es ist untertrieben, den Roman als 'leicht antisemitisch ' einzustufen und er strotze geradezu vor (rassen-) antisemitischen Stereotypen in der Judendarstellung
  3. Allgemeine Zeitung des Judenthums, 16. Oktober 1860, S. 623. Online: [1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Theodor Griesinger – Quellen und Volltexte
Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888 bis 1890.
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